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Jung, Escher Briefe, Band 5, S. 100–110.

Wahlkämpfe

Björn Koch, unter der Leitung von Prof. Dr. Joseph Jung

1Seit Eschers Einzug in den Zürcher Grossen Rat im Jahr 1844 war für ihn die regelmässige Auseinandersetzung mit Wahlen zur Selbstverständlichkeit geworden. Immer wieder galt es, Ämter und Positionen zu besetzen, auf die zahlreiche Kandidaten aspirierten. Dass die Wahlkämpfe nicht eben zimperlich geführt wurden, erfuhr Escher bereits im vergifteten Klima der 1840er Jahre, als Themen wie die Jesuitenberufung und die Formierung des Sonderbunds die politische Agenda prägten.1 Auch im jungen Bundesstaat änderte sich nichts am Umstand, dass Sitze und Ämter zuweilen hart umkämpft waren – im Gegenteil: Durch die Bundesverfassung von 1848 fand eine Kompetenzverlagerung von den Kantonen zum Bund statt, die ihren Ausdruck in den neugeschaffenen eidgenössischen Institutionen fand. Im jungen Bundesstaat legten fortan das eidgenössische Parlament und der Bundesrat den politischen Kurs fest. Kein Wunder also, dass gerade die Besetzung dieser Schlüsselpositionen immer wieder Anlass zu Debatten und Auseinandersetzungen bot.2 «In der ganzen Schweiz – beginnt man auf die bevorstehenden Wahlen hin zu agitiren», schrieb der Berner Nationalrat August von Gonzenbach im Umfeld der Parlamentswahlen des Jahres 1857 an Alfred Escher; «wir werden ganz amerikanische Zustände erhalten – wo man den politischen Gegner auf das schonungsloseste bekämpft.»3 Dass die «amerikanischen Zustände» eben auch Schweizer Zustände waren, bekam Escher im Zuge seiner politischen Laufbahn immer wieder zu spüren.

Bundesratswahlen 1855: Krankheit und Pannen

2Mit Wahlen waren verschiedene Unwägbarkeiten verbunden. Dies zeigte sich 1855 exemplarisch, als es galt, zwei vakante Bundesratssitze zu besetzen. Kurz aufeinander waren Anfang 1855 zwei Mitglieder der Landesregierung verstorben. Der Solothurner Magistrat Josef Munzinger war schon seit längerer Zeit gesundheitlich schwer angeschlagen gewesen und musste über Wochen in einem mit Kissen gefüllten Rollwagen herumchauffiert werden. Mitten in einer Bundesratssitzung brach er zusammen und erlag am 6. Februar 1855 seiner Krankheit.4 Wenige Wochen später erlitt der Waadtländer Bundesrat Henri Druey einen Schlaganfall, an dessen Folgen er am 29. März 1855 starb.5 Escher war mit den beiden verstorbenen Magistraten seit den Tagsatzungen der 1840er Jahre bekannt gewesen. Mit Munzinger war Escher zudem seit dem gemeinsamen Aufenthalt im Tessin als eidgenössische Kommissäre im Jahr 1848 auch freundschaftlich verbunden.6 Henri Druey vertrat radikalere Ansichten als Escher. Doch hatte sich über die Jahre eine Vertrauensbasis gebildet, die trotz unterschiedlicher politischer Positionen eine gute Zusammenarbeit zwischen den beiden ermöglichte.7

3 Munzinger und Druey zu ersetzen stellte die Bundesversammlung vor verschiedene Herausforderungen. Die «Neue Zürcher Zeitung» erstellte ein Anforderungsprofil für potentielle Magistraten: Ein Bundesrat sollte ein Mann sein, «der bereits mit den eidgenössischen Geschäften vielfach betraut ist [...], der eine gründliche staatsmännische Bildung genoß und bei vielfachen Anläßen zeigte, daß er die Sachen mehr als die Personen in's Auge faßt, [...] dessen loyaler Liberalismus durch keine exzentrischen Vorgänge kompromittirt ist und von welchem selbst die finstere Tribune de Lausanne nichts Schlimmeres zu sagen weiß als: Er steht gut mit den Männern aller Parteien.»8 Aus diesen Zeilen sprechen die Bedenken der Liberalen, dass die Wahl eines zu radikalen Kandidaten nicht ausgeschlossen werden konnte. Schreckgespenst für die Liberalen war in dieser Beziehung der Genfer Staatsmann James Fazy.9 Bei der Ersetzung Munzingers standen noch andere Fragen im Raum: Musste sein Nachfolger ebenfalls Katholik sein? Und sollten dieses Mal die bislang vernachlässigten Zentralschweizer Kantone einen Vertreter in der Exekutive stellen dürfen?10

4Auch Escher machte sich seine Gedanken zur Besetzung der vakanten Sitze in der Landesregierung und informierte sich im Vorfeld der Wahl über die Aspiranten. Dies wurde jedoch dadurch erschwert, dass Escher 1855 schwer erkrankte und sich zur Kur nach Baden begeben musste.11 Seine Krankheit hielt Escher zwar davon ab, der Session beizuwohnen, nicht aber davon, auf dem Korrespondenzweg Informationen einzuholen und mit seinen politischen Mitstreitern Absprachen über die Bundesratswahl zu treffen. Sein Einfluss kam auf diese Weise jedoch nicht im selben Ausmasse zum Tragen, wie dies vor Ort der Fall gewesen wäre.

5Escher kontaktierte unter anderem die beiden Westschweizer Politiker Abraham Louis Tourte und Louis Blanchenay, um sich von ihnen eine Einschätzung der Kandidaten geben zu lassen. Tourte echauffierte sich über eine mögliche Wahl des verdienten Generals Guillaume–Henri Dufour, den er ein altes Waschweib schimpfte.12 Blanchenay wies Escher auf Schwächen des Spitzenkandidaten Constant Fornerod hin: «il a combattu a outrance la creation de l'université federale & de l'ecole polytechni[que]».13 Am Zustandekommen des Eidgenössischen Polytechnikums war Escher massgeblich beteiligt. Fornerod hingegen war einer der schärfsten Gegner des Projekts im eidgenössischen Parlament.14 Obwohl die Gründung der eidgenössischen Hochschule inzwischen beschlossene Sache war, war Fornerod für Escher ein unsicherer Kandidat, dem er wenig Sympathien entgegenzubringen vermochte. Dufour war kein ernst zu nehmender Anwärter auf einen Bundesratssitz, und Fazy kam für Escher aufgrund seiner radikalen Ansichten nicht in Frage. Ein weiterer Aspirant auf einen Sitz in der Landesregierung war der ehemalige Waadtländer Ständerat François Briatte – auch er ein Radikaler. Trotz verschiedener politischer Ansichten entschied sich Escher, die Kandidatur Briattes zu unterstützen. Er tat dies in erster Linie deshalb, weil Briatte am ehesten die Wahl des Polytechnikumsgegners Fornerod verhindern konnte.

6Escher tauschte sich auf dem Korrespondenzweg mit seinen Zürcher Parlamentskollegen über die Wahl aus und wies Jakob Dubs während der krankheitsbedingten Abwesenheit die Rolle seines verlängerten Arms in Bern zu. Escher empfahl Dubs, die Propaganda gegen Fornerod auf dessen ablehnende Haltung gegenüber dem Polytechnikum auszurichten. «Ich denke aber, wenn du diese Seite bei den Zürchern anklingen lässest, so wirst du auf Erfolg rechnen können», schrieb Escher an Dubs.15 Ihre Bemühungen, die Wahl Fornerods zu verhindern, schienen jedoch auf einigen Widerstand in Bern zu stossen, wie Dubs meldete: «Im übrigen wird für Fornerod immer noch stark gearbeitet. Man muß sich unsrer Seits sehr in Acht nehmen in Sachen; das Gerücht, daß Kern mit Instruktionen von Dir gegen Fornerod angekommen sei, hat verschiedener Seits nicht günstig gewirkt [...].»16

7Am 11. Juli 1855 trat die Bundesversammlung zusammen. Traktandiert war die Besetzung der zwei vakanten Bundesratssitze. Zuerst gingen die Parlamentarier daran, einen Nachfolger für Druey zu bestimmen. Im ersten Wahlgang fielen Stimmen auf 14 unterschiedliche Kandidaten. Drei hoben sich jedoch klar von den anderen ab, ohne dass einer das absolute Mehr erreichen konnte: Briatte mit 47, Fornerod mit 43 und Fazy mit 23 Stimmen. Doch im zweiten Wahlgang änderten sich die Verhältnisse. Nun lag Fornerod mit 70 Stimmen an der Spitze, gefolgt von Briatte mit 55 und Fazy mit 17 Stimmen. Erneut hatte kein Kandidat das absolute Mehr erreicht. Der dritte Wahlgang machte Fornerod zum Bundesrat: 84 Parlamentarier sprachen sich für ihn aus, 60 für Briatte und nur noch 4 für Fazy.17

8«Daß diese Wahl eine für uns ungünstige ist, wurde mir in der letzten Zeit immer klarer», schrieb ein enttäuschter Dubs an Escher. Nach der Wahl war es Eschers Ziel, Bundesrat Fornerod auf Kurs zu bringen, indem Dubs eine Unterredung mit ihm «bezüglich seiner künftigen Haltung gegenüber dem Polytechnikum» vereinbaren sollte.

9Der Thurgauer Nationalrat Johann Konrad Kern hatte Escher im Vorfeld der Wahlen ermahnt: «Die Zürcher sollten sich zu verständigen suchen.»18 Dies gelang nicht. Nicht nur die Zürcher waren sich uneins, das gesamte liberale Lager war zu disparat, als dass man sich hätte auf einen Kandidaten einigen können. Sogar enge Freunde Eschers wie Johann Jakob Blumer und Johann Karl Kappeler unterstützten Fornerod. Jonas Furrer portierte ihn sogar «förmlich mit Leidenschaft».19

10Zwei Faktoren waren dafür verantwortlich, dass Fornerod über Briatte triumphierte. Zum einen war es dem gesundheitlich angeschlagenen Escher nicht möglich gewesen, von Baden aus eine geschlossene Front für Briatte zu formieren. Hätte Escher in Bern Überzeugungsarbeit leisten und seine Leute auch zwischen den einzelnen Wahlgängen zusammenhalten können, wäre die Sache womöglich anders ausgegangen. Zum anderen standen sich zwei Kandidaten gegenüber, die ein sehr ähnliches Profil aufwiesen: Beide waren Vertreter der Waadtländer Radikalen mit langjähriger politischer Erfahrung. Den beiden Kontrahenten fehlte es an greifbaren Gegensätzen, was die Wahl beliebig erscheinen liess. Diese Konstellation hinderte letztlich auch Escher daran, sein volles Gewicht für Briatte in die Waagschale zu werfen. Er liess die Zügel schleifen, was Fornerod zum Sieg verhalf.

11Die Ausgangslage bei der Wahl des zweiten Bundesrats war eine ganz andere. In diesem Fall gelang es den Liberalen, sich zu verständigen. Auf die Nachfolge Munzingers hatte sich Eschers Glarner Freund Johann Jakob Blumer ursprünglich leise Hoffnungen gemacht. Er bedauerte folglich die Abwesenheit Eschers: «Ich hatte zwar damals weniger entschiedne Gegner [...], aber auch Niemanden, der ernstlich für mich wirkte, da Escher durch Krankheit verhindert war in der Sitzung zu erscheinen.»20 Blumer erhielt bei der Bundesratswahl zwar vereinzelte Stimmen, doch das liberale Lager hatte andere Pläne. Das Resultat der Wahl schien bereits im Vorfeld klar zu sein, wie einem Brief Kerns an Escher zu entnehmen ist: «Die andere Wahl wird zuerst auf Pfyffer & dann auf Staeheli fallen.»21

12 Kerns Prophezeiung sollte sich bewahrheiten. Im ersten Wahlgang dominierten drei katholische Luzerner Parlamentarier: Kasimir Pfyffer mit 66, Josef Martin Knüsel mit 23 und Jost Josef Nager mit 21 Stimmen. Das absolute Mehr erreichte jedoch keiner. Pfyffer trat nach diesem ersten Wahlgang vor die Vereinigte Bundesversammlung und kündigte an, dass er eine allfällig auf ihn fallende Wahl nicht annehmen würde. Nun schwenkten viele Parlamentarier zum reformierten Basler Johann Jakob Stehlin. Beim zweiten und dritten Wahlgang konnte er die meisten Stimmen auf sich vereinen, erreichte aber das absolute Mehr nicht. Erst der vierte Wahlgang brachte die Entscheidung: Stehlin war mit 83 Stimmen gewählt.22 Doch er zögerte mit der Annahme der Wahl.

13Zwei Tage verstrichen, bis dem Parlament verkündet wurde, dass Stehlin das Amt nicht antreten könne. Es war das erste Mal in der Geschichte des Bundesstaates, dass ein gewählter Bundesrat die Annahme der Wahl ausschlug.23 Stehlins Begründung war, dass die Aufgabe eine «Summe staatsmännischen Wissens und Könnens» erfordere und seine «Unzulänglichkeit in Bezug auf das letztere Requisit»24 verunmögliche ihm die Wahlannahme. Zudem verwies er auf den Umstand, dass ein Bundesrat gesetzlich verpflichtet sei, den Wohnsitz nach Bern zu verlegen, was ihm seine Familienverhältnisse nicht erlauben würden.25

14Der zweite Grund war wohl der ausschlaggebende. Nach der Wahl hatte Bundespräsident Jonas Furrer Stehlin in die Basler Heimat begleitet, «um die Frau zur Einwilligung zu bereden» – jedoch ohne Erfolg. Dubs übermittelte Escher umgehend die enttäuschende Nachricht: «In Eile theile ich Dir mit, daß Stehli zufolge der decidirten Erklärung sr. Frau, Basel nicht verlassen zu wollen – abgelehnt. Was nun thun? Stehlis Erklärung ist für uns äußerst fatal.»26 Bei der Ehefrau, mit der Stehlin seit 1825 verheiratet war, handelte es sich um Margaretha Stehlin-Hagenbach.27 Die Hagenbachs sind ein altes Basler Geschlecht, dessen Verwurzelung im Kanton bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht.28 Sich von diesen Wurzeln zu lösen und nach Bern zu ziehen, kam für Stehlins Ehefrau nicht in Frage.

15Die Ablehnung Stehlins brachte Escher in eine unangenehme Position, da es aus seiner Sicht an einer befriedigenden Alternative mangelte. Josef Martin Knüsel hatte in der Bundesratswahl nur knapp hinter Stehlin gelegen. Doch konnte er überhaupt in Frage kommen? Die «Berner Zeitung» zeigte sich von dieser Option nicht begeistert: «Im Nationalrath hat sich Hr. Knüsel nur selten hören lassen und man weiß nicht, daß er in irgend einer wichtigen Frage ein entscheidendes Wort mitgesprochen hätte.»29 Trotzdem einigte sich Eschers Lager auf diesen Hinterbänkler, wenn auch ohne jeden Enthusiasmus: «Es frägt sich, ob es nicht am besten sei, unter solchen Umständen geradezu Knüsel zu acceptiren.»30

16So kam es, dass Knüsel am 14. Juli 1855 im zweiten Wahlgang in den Bundesrat gehoben wurde. Obwohl neben Knüsel zehn weitere Kandidaten vereinzelte Stimmen erhielten, schaffte er den Schritt in die Landesregierung letztlich ohne ernst zu nehmende Konkurrenz. Escher legte Dubs nach der Wahl nahe, dem neuen Magistraten umgehend zu verdeutlichen, dass er den Bundesratssitz auch den Zürchern zu verdanken habe: «Denn richtig ist & bleibt es doch, daß wohl niemand in der Bundesversammlung daran gedacht hätte, Knüsel in den Bundesrath zu wählen, hätte man nicht 1.) die katholische & 2.) die Centralschweiz in dieser Behörde repräsentiren wollen. [...] Es dürfte passend sein, auch K. bei Gelegenheit zu sagen, wir erwarten eine unparteiische Haltung im Bundesrathe von seiner Seite, & seien dazu umso mehr berechtigt, als wir ebenfalls für ihn gestimmt hätten.»

17Die Bundesratswahlen von 1855 verliefen in verschiedener Hinsicht nicht ganz nach Eschers Wünschen. Daran zeigt sich, dass seine Präsenz in Bern unerlässlich war, wenn er seinen Interessen Nachdruck verleihen wollte. Die Wahlen von 1855 waren insofern atypisch, als Escher ansonsten seinen Einfluss vor Ort geltend machen konnte, wenn es galt, die Exekutive neu zu besetzen.

18Ganz in Eschers Sinne verlief etwa die Bundesratswahl von 1861. Jonas Furrer, Eschers Vertrauter im Bundesrat, verstarb am 25. Juli 1861. Als aussichtsreichste Nachfolger galten die beiden Zürcher Parlamentarier Johann Jakob Rüttimann und Jakob Dubs, beide seit den 1840er Jahren mit Escher befreundet.31 Auch Escher selbst wurde als potentieller Anwärter herumgeboten, obwohl für ihn ein Sitz im Bundesrat aufgrund seiner wirtschaftlichen Verpflichtungen kein Thema war.32 Man einigte sich schliesslich auf Dubs, dessen Wahl in die Landesregierung ohne Schwierigkeiten bewerkstelligt wurde: Am 31. Juli 1861 wählten ihn im ersten Wahlgang 90 der 146 anwesenden Parlamentarier.33

19In diesem Fall war es Escher und seinen Freunden gelungen, für den Wunschkandidaten eine weitreichende Zustimmung zu erhalten, die über die Parteigrenzen hinausreichte. Zwar gab es einigen Widerstand gegen Dubs von den Radikalen um Jakob Stämpfli, die Dubs' Wahl aufgrund seiner Haltung in der Savoyer Frage eine «politische Todsünde» schimpften.34 Hingegen hatte Dubs die Konservativen auf seiner Seite. So schrieb etwa der katholisch- konservative Luzerner Nationalrat Philipp Anton von Segesser an den ehemaligen Schwyzer Ständerat Nazar von Reding: «Ihre Ansichten über die Candidaten theilte ich vollständig und zog also auch die Wahl des Dr Dubs unter Umständen jeder andern, möglichen, vor.»35

Nationalratswahlen 1857: Doppelwahl

20Die Bundesverfassung von 1848 schrieb vor, das eidgenössische Parlament alle drei Jahre neu zu bestellen.36 Escher hatte somit regelmässig seinen Nationalratssitz zu verteidigen. Besonders aufreibend gestaltete sich dies 1857, als Escher von verschiedener Seite Kritik entgegenschlug. Die Presse griff ein allgemeines Unbehagen gegenüber den Eisenbahnunternehmern auf, die sich nach verbreiteter Ansicht nur um den eigenen Profit und nicht um die nationalen Interessen kümmerten. Der Begriff «Bundesbarone» machte die Runde; ein Schmähwort für die neue Elite, die in Politik und Wirtschaft die Fäden zog.37

21Der «Landbote» kritisierte Escher im Vorfeld der Wahlen vom Herbst 1857 wiederholt. So schrieb das Blatt etwa, dass Escher «kein Herz für das Volk» habe, dass er herrschsüchtig sei und «keinen Widerspruch ertragen» könne.38 Darüber hinaus wurde Escher Vetternwirtschaft und der Missbrauch seiner politischen Stellung für seine wirtschaftlichen Anliegen vorgeworfen. Der «Landbote» kolportierte, dass Escher bei der «Besetzung von Staatsämtern weniger auf Tüchtigkeit als auf Ergebenheit an seine Person geachtet habe».39 Die Zürcher Nationalräte wurden als «Chor des Herrn Escher» abgekanzelt.40 Das «Intelligenzblatt der Stadt und Landschaft Zürich» ging so weit, mit der Losung «Wählet keine Eisenbahn- und Geldbarone» in den Wahlkampf zu ziehen.41 Das Blatt wünschte sich, «daß unsere Repräsentation eine von den Eisenbahn- und Finanzinteressen freiere, insbesondere von dem Einfluß des Herrn Dr. Escher unabhängigere sei, als dieß bisanhin der Fall war».42 Dieses Anliegen wurde vom «Landboten» kräftig unterstützt: «Es läßt sich nicht leugnen, daß die Eisenbahn- und Spekulationsinteressen in den eidgenössischen Räthen ein Einfluß erlangt haben, der ihnen nicht zukommt.»43

22Dieses Klima verunsicherte Escher: Musste er um seinen Nationalratssitz bangen? Jonas Furrer, Eschers Freund im Bundesrat, zeigte sich zumindest besorgt um den Ausgang der Wahlen, «namentlich wegen des Eisenbahngiftes, das ihr leider auch im Canton habt».44 Escher war gewillt, für die Erhaltung seines eidgenössischen Mandats alle Hebel in Bewegung zu setzen.

23Für Eschers Propaganda stellte die «Neue Zürcher Zeitung» ein unverzichtbares Organ dar. Die guten Beziehungen gründen in den 1840er Jahren, in denen Escher regelmässig als Korrespondent für das Blatt arbeitete.45 Auch standen Escher Personen aus dem Umfeld der «Neuen Zürcher Zeitung» nahe. Johannes Hagenbuch etwa, Hauptinhaber des Verlagshauses Orell Füssli und Compagnie, das die «Neue Zürcher Zeitung» herausgab , war gleichzeitig Mitglied des Verwaltungsrats von Eschers Kreditanstalt. Zudem hatte das gute Einvernehmen mit den Chefredaktoren Tradition: Von 1843 bis 1845 leitete Eschers Zofingerfreund Johann Ludwig Meyer die Redaktion. Ihm folgte Ludwig Herkules Daverio, ein politischer Mitstreiter Eschers. Nach Daverios Tod übernahm 1849 Peter Jakob Felber die redaktionelle Verantwortung über die «Neue Zürcher Zeitung».46 Felber politisierte allerdings nicht immer auf Eschers Linie, weshalb sich Escher verschiedentlich kritisch über den Redaktor äusserte.47 Trotzdem zogen sie im Wahlkampf am selben Strang. Oder wie es Felber formulierte: «Wir selbst hatten nie die Ehre zu den persönlichen Freunden des Hrn. Escher zu gehören [...]; hingegen betrachteten wir es stets als eine Ehrensache, auch bei oft sehr abweichenden Meinungen dem pflichttreuen Beamteten [...] die Anerkennung auszusprechen.»48 Folglich hielt sich das Blatt im Wahlkampf ganz auf Eschers Linie, und Felber parierte jeden publizistischen Angriff mit einem Gegenartikel.49

24Auch ehemalige Freunde aus der Studentenverbindung Zofingia wurden für den Wahlkampf mobilisiert. So etwa der Albisrieder Pfarrer Karl Gottlieb Wegmann. Dieser placierte eine dreiteilige Artikelserie in der «Neuen Zürcher Zeitung», in der er Escher als «einen der ersten Arbeiter im eidgenössischen wie im kantonalen Dienste» lobte und dem Stimmvolk nahelegte, sich nicht verleiten zu lassen, Escher «wegen einigen Eisenbahnhaders [...] zu verleugnen».50 Im Gegenzug setzte sich Escher dafür ein, dass Wegmann zum Direktor der kantonalen Strafanstalt berufen wurde.

25Daneben beteiligten sich weitere Akteure aus Eschers Netzwerk an der Wahlpropaganda. Johann Jakob Treichler, ehemaliger Kopf der kommunistischen Bewegung im Kanton Zürich, der 1856 auf Eschers Linie umschwenkte, wurde von diesem beauftragt, in Treichlers Heimatbezirk Affoltern um die Wahlen besorgt zu sein: «Unter diesen Umständen ist wohl große Rührigkeit von unserer Seite nothwendig.» Escher befürchtete, dass die Wähler in Affoltern ansonsten «die Wahl nach ihrem Sinne durchsetzen». Er bat Treichler: «Thun Sie Ihr möglichstes.»51 Im Bezirk Horgen war Heinrich Hüni-Stettler, Direktionsmitglied der Nordostbahn und Verwaltungsrat der Schweizerischen Kreditanstalt, durch seinen Einfluss auf den «Anzeiger von Horgen» darum bemüht, die Stimmung zugunsten Eschers zu beeinflussen.52 Den «Landboten» strafte Escher für seine oppositionelle Haltung ab, indem er keine Inserate der Nordostbahn mehr schaltete.53

26Darüber hinaus ergriff Escher eine ungewöhnliche Massnahme, um seinen Nationalratssitz zu verteidigen: Er kandidierte gleichzeitig im Kanton Thurgau. Die «Eidgenössische Zeitung» quittierte diesen Plan mit einem Kopfschütteln: «Ein dankbarer Thurgauer, dem um die Wiederwahl Dr. Eschers in Zürich bange ist, schlägt dem thurgauischen Volke vor, diesen Namen an die Spitze seiner Nationalräthe zu stellen. Macht Euch doch nicht allesammt lächerlich!»54

27Der Urheber dieses Gedankens war jedoch kein «dankbarer Thurgauer», sondern Escher selbst. Die Erfolgsaussichten des Unterfangens wurden zuerst im kleinen Kreis sondiert. Dazu gehörten die beiden Thurgauer Parlamentarier Eduard Häberlin, Studien- und Zofingerfreund Eschers, und Johann Karl Kappeler, den Escher seit der gemeinsamen Gymnasialzeit in Zürich kannte. Kappeler konnte zwar «nimmermehr glauben», dass Escher «in Zürich Gefahr droht», gleichwohl wurden umgehend die nötigen Schritte eingeleitet. Damit Escher keinem der bisherigen Nationalräte den Sitz streitig machen musste, liess sich Häberlin vorgängig in den Ständerat wählen.55 Dort nahm er den Platz von Johann Konrad Kern ein, der kurz zuvor zum ausserordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister der Schweiz in Paris ernannt worden war. Nachdem Häberlins Nationalratssitz auf diese Weise für Escher geräumt worden war, rührte die «Thurgauer Zeitung» die Werbetrommel für den Zürcher Kandidaten.56 So hiess es unter anderem, dass Escher «mit der neuen Bundesverfassung und Gesetzgebung unzertrennlich verknüpft ist, daß der Mann in allen Wirren der neuern Zeit [...] mit seinem staatsmännischen Takt und Geschick, wie durch seine Charakterfestigkeit und Arbeitsenergie, Ausgezeichnetes geleistet hat und auch, wie kein Anderer, berufen ist, fernerhin zum Wohl des Landes maßgebend zu wirken».57

28Am 25. Oktober 1857 war in Zürich und im Thurgau Wahltag. Umwälzungen gab es in Eschers Heimat keine: Sämtliche wieder antretenden Nationalräte wurden gewählt – Escher in seinem Wahlkreis sogar mit dem besten Resultat (85,5% der Stimmen). Im Thurgau bot sich ein ähnliches Bild: Die drei bisherigen Nationalräte wurden in ihrem Amt bestätigt (alle mit über 90% der Stimmen); der Sitz Häberlins ging an Escher (69.9% der Stimmen).58 Eschers Thurgauer Freund Johann Konrad Kern zeigte sich überaus zufrieden mit dem Wahlausgang in seinem Heimatkanton: «Mein Kanton hat damit eine Ehrenschuld abgetragen [...]. Diese Doppelwahl ist die würdigste Antwort auf die Angriffe, denen du in der lezten Zeit ausgesezt warest.» Da Escher kein Doppelmandat im Nationalrat übernehmen konnte, verzichtete er auf die Annahme der Thurgauer Wahl, jedoch nicht ohne sich bei den Wählern aus dem Nachbarkanton in einem offenen Brief zu bedanken.59

29Waren Eschers Sorgen um seinen Nationalratssitz unbegründet? Nicht unbedingt, wenn man einen Blick in den Kanton Solothurn wirft. Dort wurde Johann Jakob Trog, Direktor der Centralbahn, aufgrund der massiven Propaganda gegen die «Eisenbahnherren» nicht wiedergewählt.60 In einem Akt der Verzweiflung wandte sich ein Freund Trogs an Escher, um dem gestürzten Nationalrat doch noch zu seinem Sitz zu verhelfen, denn aufgrund von Eschers Ablehnung der Thurgauer Wahl stand im Ostschweizer Kanton eine Nachwahl bevor. «Sie kennen das Resultat unserer Nationalrathswahlen», schrieb Trogs Gefährte an Escher; «die irrige Ansicht über die Eisenbahnen bewirkten die Nichtwahl von Hrn. Trog, der Kanton Solothurn gab seinen Einfluß preis, den er früher durch seine Abgeordneten erworben. Jeder Vernünftige inn- & außerhalb des Kantons muß beklagen, daß Hr. Trog in eidgenößischen Angelegenheiten außer Wirksamkeit gesetzt werden soll. [...] Sie wurden in Zürich & Thurgau als Nat.R. gewählt. Glauben Sie daß für die Wahl v. Hrn. Trog im Thurgau Hoffnung sein könnte? Ich weiß mich an Niemanden zu wenden, der über diese Frage beßer unterrichtet wäre als Sie.»61 Doch Escher konnte in dieser Angelegenheit nichts mehr unternehmen. Es aspirierten in der Nachwahl bereits genügend Thurgauer Anwärter auf den vakanten Nationalratssitz, so dass es für den Solothurner Trog keine Erfolgsaussichten gab.62 Gewählt wurde am 4. Dezember 1857 der Frauenfelder Jurist Johann Messmer.63

Bundesratswahlen 1857: Intrige

30Am 7. Dezember 1857 trat die neu bestellte Bundesversammlung zur Wintersession zusammen. Auf der Traktandenliste stand die Wahl der Exekutive. Alle sieben Bundesräte wurden im Amt bestätigt. Trotzdem sorgte das Ereignis im Kanton Bern für Aufruhr. Was war geschehen? Der Berner Bundesrat Jakob Stämpfli konnte nur 74 Stimmen auf sich vereinen und lag damit lediglich zwei Stimmen über dem absoluten Mehr. Zum Vergleich: Der Zürcher Bundesrat Jonas Furrer wurde von 107 Parlamentariern wiedergewählt.64 Man vermutete ein Komplott gegen Stämpfli, das in Eschers Umfeld geschmiedet worden sein musste. Die «Berner Zeitung» witterte eine «Zürcherische Intrigue gegen die Wahl des Herrn Stämpfli in den Bundesrath».65 Escher galt im Parlament als Königsmacher. So schrieb etwa der abgewählte Nationalrat Trog im Vorfeld der Bundesratswahlen an Escher: «Die Frage über die bevorstehenden Wahlen [...] verdient gewiß ernstliche Erwägung. Wie ich die Bundesversammlung kenne, liegt die Sache in Ihrer Hand.»66 Und auch Friedrich Gustav Ehrhardt, Eschers rechte Hand, zeigte sich nicht weiter überrascht über die Verdächtigungen: «Daß man Dich im Auge hat, bedarf weiter keiner Auseinandersetzung.»67

31Escher hätte durchaus seine Gründe gehabt, gegen Stämpfli zu wirken, gingen ihre Ansichten doch in den wichtigen politischen Fragen weit auseinander. Vor allem in Eisenbahnangelegenheiten und in der Aussenpolitik gerieten die politischen Schwergewichte wiederholt aneinander. Zu Stämpflis Plänen zur Verstaatlichung der Bahn schrieb Trog an Escher: «Es ist wirklich merkwürdig, was sich dieser Demagog im bundesräthlichen Frak herausnimmt.»68 Doch darf nicht vergessen werden, dass die Beziehung zwischen Escher und Stämpflis trotz der politischen Differenzen von gegenseitigem Respekt geprägt war.69 In den ersten Jahren des jungen Bundesstaates waren die beiden «ungeduldig aufstrebenden Männer» durch «enge Freundschaft unter sich verbunden», wie sich der Luzerner Nationalrat Philipp Anton von Segesser erinnerte.70

32Richtig ist, dass es Pläne zur Beseitigung Stämpflis gab. Falsch hingegen, dass Escher deren Urheber war. Hinter dem Ansinnen, Stämpfli aus der Exekutive zu drängen, zog der konservative Nationalrat August von Gonzenbach die Fäden. Er glaubte, dass die Zeit reif war für einen reformiertkonservativen Bundesrat, und setzte alle Hebel in Gang, um seinem Berner Amtskollegen Eduard Blösch in die Landesregierung zu verhelfen. Er versuchte, Philipp Anton von Segesser, Kopf der Katholisch-Konservativen im Parlament, für sein Vorhaben zu gewinnen. Dieser konnte sich jedoch nicht vorbehaltlos für das Unterfangen erwärmen, da er einen katholischen Kandidaten bevorzugte: «Meine Meinung ist, die Conservativen sollen den Landammann Nazar Reding von Schwytz, den ersten Staatsmann und Character der innern Schweiz, als ihren Candidaten aufstellen und wenn er wegfällt, jeweilen gegen die Furrerpartei stimmen. Weiter als zu einer Demonstration die unsere Existenz darthut, bringen wir es doch nicht.»71

33Nicht nur in konservativen Kreisen suchte Gonzenbach nach Beistand. Er wandte sich auch an Escher, dessen Einflussnahme für eine Wahl Blöschs unerlässlich gewesen wäre. Gonzenbach bat den Zürcher Nationalrat um eine Vorbesprechung der Wahlen und kündigte an: «Sollte man sich dahin verständigen können St[ämpfli] an Blösch zu vertauschen – so würde letzterer kaum ausschlagen.»72 Escher zeigte sich jedoch nicht willens, mit den Konservativen gegen Stämpfli zu paktieren.

34Eschers Zurückhaltung widerspiegelt sich im Wahlresultat: 38 Stimmen fielen auf Blösch. Trotzdem wurde ein Komplott Eschers gegen Stämpfli vermutet und die Stimmen für Blösch den «Nordostbahnmännern» zugeschrieben.73 Die Verdächtigungen gegen Escher veranlassten Gonzenbach dazu, eine Richtigstellung zu publizieren: Escher habe ihm bei seiner Unterredung geantwortet, «es liege kein Grund vor, große Aenderungen im Bundesrathe eintreten zu lassen». Escher habe «noch mit Niemandem über die Wahlen gesprochen und gedenke überhaupt nicht Einfluß auf dieselben zu üben».74 Mit dieser öffentlichen Erklärung waren die Wogen geglättet. Dass Eschers Gegner bei einem Misserfolg die Urheber sofort in seinen Reihen suchten, illustriert den Einfluss, den man ihm in solchen Fragen beimass.

35 Im Umfeld von Wahlen schlug Escher wiederholt Kritik entgegen. Seine dominante Stellung in der eidgenössischen Politik, verbunden mit seinem wirtschaftlichen Engagement, löste in manchen Kreisen Unbehagen aus. Der thurgauische «Wächter» etwa stellte im Umfeld der Nationalratswahlen von 1857 erfreut fest, die Opposition gegen Escher sei «ein Aufflackern des republikanischen Selbstbewußtseins, das sich nicht bevormunden, nicht vogten lassen will».75 Aus dem «Aufflackern» entwickelte sich zunehmend ein loderndes Feuer, das durch die demokratische Bewegung am Leben gehalten wurde . Escher und sein «System» entwickelten sich zu einem prominenten Feindbild.76 Tangiert wurde Escher davon jedoch nur marginal. Ein Blick auf seine Ergebnisse in den Nationalratswahlen zeigt, dass sein Sitz im eidgenössischen Parlament nie ernsthaft bedroht war. Dreizehnmal wurde Escher von 1848 bis zu seinem Tod 1882 im Kanton Zürich in den Nationalrat gewählt, und dies stets im ersten Wahlgang. Sechsmal belegte er dabei in seinem Wahlkreis den Spitzenplatz, fünfmal erhielt er am zweitmeisten Stimmen. Nur 1878 und 1881 rangierte er auf Platz drei.77 Angesichts dieser Ergebnisse relativiert sich die Durchschlagskraft seiner Gegner.

Kommentareinträge

1Zu den Angriffen der Konservativen auf Escher in den 1840er Jahren vgl. Jung, Aufbruch, S. 199–212; Eschers Aufstieg in der Politik (1842–1848), Die Politik.

2Die Auseinandersetzungen lassen sich besonders anhand von Eisenbahnprojekten, der Hochschulfrage und der Aussenpolitik illustrieren. Vgl. die relevanten Ausführungen, in: Jung, Aufbruch.

3 August von Gonzenbach an Alfred Escher, 17. Oktober 1857.

4 Vgl. NZZ, 7. Februar 1855 (Nekrolog); Altermatt, Bundesräte, S. 82–83.

5 Vgl. NZZ, 30. März 1855 (Nekrolog); Altermatt, Bundesräte, S. 119.

6Zu Eschers und Munzingers Mission im Kanton Tessin vgl. Weichenstellungen im jungen Bundesstaat: Alfred Escher auf dem Weg an die Spitze, Absatz 6; Jung, Vom Wehen des Zeitgeistes, S. 66; Maissen, Sonderbund, S. 280–282.

7Zu den politischen Position von Munzinger und Druey vgl. Altermatt, Bundesräte, S. 115–126; Haefliger, Munzinger; Leresche, Henri Druey; Lasserre, Henri Druey.

8 NZZ, 30. März 1855.

9Die radikalen Positionen Genfs, dessen Politik von James Fazy dominiert wurde, führten immer wieder zu Konflikten. So gewährte Genf etwa radikalen Flüchtlingen Asyl, was zu Spannungen mit den angrenzenden Monarchien führte. Vgl. Flüchtlingswesen, Frankreich: Proteste gegen die Politik Louis Napoléons; Jonas Furrer an Alfred Escher, 7. Februar 1858.

10 Vgl. NZZ, 30. März 1855; 6. April 1855.

11Zu Eschers Krankheit und der Kur in Baden vgl. Jung, Aufbruch, S. 272–278.

12«Pour éviter Dufour cette vieille lavandière [...].» Abraham Louis Tourte an Alfred Escher, 25. März 1855.

13 Louis Blanchenay an Alfred Escher, 26. April 1855.

14 Vgl. Guggenbühl, ETH, S. 50.

15 Alfred Escher an Jakob Dubs, 3. Juli 1855.

16 Jakob Dubs an Alfred Escher, 4. Juli 1855.

17 Vgl. NZZ, 12. Juli 1855.

18 Johann Konrad Kern an Alfred Escher, 9. Juli 1855.

19 Jakob Dubs an Alfred Escher, 2. Juli 1855.

20 Blumer, Erinnerungen, S. 26b.

21 Johann Konrad Kern an Alfred Escher, 9. Juli 1855.

22 Vgl. NZZ, 12. Juli 1855.

23Neben Johann Jakob Stehlin schlugen die Wahl in den Bundesrat aus: am 10. Dezember 1875 Louis Ruchonnet ( VD ), am 18. Dezember 1875 Charles Estoppey ( VD ), am 22. Februar 1881 Karl Hoffmann ( SG ), am 3. März 1993 Francis Matthey ( NE ). Vgl. Altermatt, Bundesräte, S. 58; Wahlausschläge Bundesräte online .

24Schreiben Johann Jakob Stehlin an das Eidgenössische Parlament, 13. Juli 1855, zit.: NZZ, 18. Juli 1845.

25 Vgl. NZZ, 18. Juli 1845.

26 Jakob Dubs an Alfred Escher, 13. Juli 1855.

27 Vgl. HLS online, Stehlin Johann Jakob.

28 Vgl. HLS online, Hagenbach.

29 Berner Zeitung, 16. Juli 1855.

30 Jakob Dubs an Alfred Escher, 13. Juli 1855.

31 Vgl. Brief Nazar von Reding an Philipp Anton von Segesser, 27. Juli 1861, zit.: Conzemius, Briefwechsel von Segesser III, S. 110.

32 Vgl. NZZ, 31. Juli 1861.

33 Vgl. Altermatt, Bundesräte, S. 163. – Die Bundesversammlung umfasste 1861 164 Mitglieder. Vgl. Gruner, Bundesversammlung II, S. 178.

34 NZZ, 31. Juli 1861.

35Brief Philipp Anton von Segesser an Nazar von Reding, 1. August 1861, zit. Conzemius, Briefwechsel von Segesser III, S. 114.

36 BV 1848, Art. 65.

37Zur Propaganda gegen die «Eisenbahnherren» und «Bundesbarone» vgl. Wehrli, Bundesbarone; Segesser, Sammlung III, S. VIII; Gagliardi, Escher, S. 327–333.

38 Der Landbote, 15. Oktober 1857.

39 Der Landbote, 15. Oktober 1857.

40 Der Landbote, 17. Oktober 1857.

41 Intelligenzblatt der Stadt und Landschaft Zürich, 9. Oktober 1857.

42 Intelligenzblatt der Stadt und Landschaft Zürich, 23. Oktober 1857.

43 Der Landbote, 3. Oktober 1857.

44 Jonas Furrer an Alfred Escher, 22. Oktober 1857.

45Zur publizistischen Tätigkeit Eschers vgl. Eschers Aufstieg in der Politik (1842–1848), Absatz 15; Johannes Honegger an Alfred Escher, 9. Juli 1844; Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 3. / 4. November 1845; Heinrich Schweizer an Alfred Escher, 22. Februar 1847.

46Zu den einzelnen Redaktoren vgl. Weisz, Redaktoren; Weisz, NZZ.

47 Vgl. Turicensia, Absatz 7

48 NZZ, 2. Oktober 1855.

49 Vgl. NZZ, 30. September 1857, 7. Oktober 1857, 13. Oktober 1857, 18. Oktober 1857, 24. Oktober 1857, 22. Oktober 1857, 5. November 1857.

50 NZZ, 17. Oktober 1857.

51 Alfred Escher an Johann Jakob Treichler, 21. November 1857.

52 Vgl. Der Bund, 19. Oktober 1857.

53 Vgl. NZZ, 5. November 1857.

54 Eidgenössische Zeitung, 21. Oktober 1857.

55 Vgl. Thurgauer Zeitung, 23. Oktober 1857. – Zu Häberlins Einfluss auf Eschers Wahl vgl. Mebold, Häberlin, S. 136–139.

56Zum politischen Einfluss der «Thurgauer Zeitung» vgl. Mebold, Häberlin, S. 271–292.

57 Thurgauer Zeitung, 23. Oktober 1857.

58 Vgl. Gruner, Nationalratswahlen III, S. 57, 66.

59 Vgl. Gruner, Nationalratswahlen III, S. 57, 66.

60 Vgl. NZZ, 24. Oktober 1857; Gruner, Nationalratswahlen I.2, S. 628, 637.

61 Jakob Benedikt Schmid an Alfred Escher, 2. November 1857.

62Zum Wahlkampf für die Nachwahlen im Kanton Thurgau vgl. Thurgauer Zeitung, 14. November 1857.

63Am 22. November 1857 fand die erste Nachwahl statt, bei der Messmer zwar am meisten Stimmen erhielt, das absolute Mehr jedoch nicht erreichte. Im zweiten Wahlgang vom 4. Dezember 1857 wurde er mit 9816 Stimmen (65,7%) in den Nationalrat gewählt. Vgl. Gruner, Nationalratswahlen III, S. 66.

64 Vgl. NZZ, 11. Dezember 1857.

65 Berner Zeitung, 31. Dezember 1857; NZZ, 1. Januar 1858.

66 Johann Jakob Trog an Alfred Escher, 7. Dezember 1857.

67 Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, 13. Dezember 1857.

68 Johann Jakob Trog an Alfred Escher, 1. April 1857.

69Jung thematisiert in seiner Escher-Biographie wiederholt das ambivalente Verhältnis zwischen Jakob Stämpfli und Escher, die bei verschiedenen eisenbahn- und aussenpolitischen Themen auf entgegengesetzten Seiten standen. Vgl. die relevanten Ausführungen, in: Jung, Aufbruch.

70 Segesser, Sammlung III, S. XV.

71Brief Philipp Anton von Segesser an August von Gonzenbach, 4. Dezember 1857, zit.: Conzemius, Briefwechsel von Segesser II, S. 237–238.

72 August von Gonzenbach an Alfred Escher, 30. November 1857.

73 Vgl. NZZ, 1. Januar 1858.

74 NZZ, 6. Januar 1858.

75 Der Wächter, 29. Oktober 1857.

76Die demokratische Bewegung und ihre Angriffe auf Escher werden Gegenstand von Bd. 6 der Briefedition sein.

77 Vgl. Gruner, Nationalratswahlen III, S. 9–171.

Kontexte