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Jung/Wiederkehr, Escher Briefe, Band 4, S. 68–77.

Turicensia

Sandra Wiederkehr, unter der Leitung von Prof. Dr. Joseph Jung

1 In den rund 440 Briefen von und an Alfred Escher, die für die Zeit zwischen November 1848 und Juli 1852 dokumentiert sind, kommen neben den grossen Themen der Bundespolitik zahlreiche zürcherische Aspekte zur Sprache. Sie betreffen beispielsweise die Zürcher Verfassungsrevision des Jahres 1849, das Erziehungswesen, Wahlen und parteipolitische Themen, Infrastrukturfragen oder die Organisation der Feierlichkeiten zur 500jährigen Zugehörigkeit Zürichs zur Eidgenossenschaft.

Stimmungsbilder

2Im eidgenössischen Parlament war der Kanton Zürich nach Bern die stärkste Kraft. Der Kanton Zürich war eine der treibenden Kräfte hinter der Bundesrevision gewesen und entsandte 1848 Politiker der ersten Garde in die eidgenössischen Räte. Die Einsitznahme erfahrener Kantonspolitiker im eidgenössischen Parlament ist einer der Erfolgsfaktoren des jungen Bundesstaates. Die Mitarbeit zahlreicher Regierungsräte aus verschiedenen Kantonen hat den Austausch von Problemen, Kenntnissen und Erfahrungen zwischen der kantonalen und der eidgenössischen Ebene gefördert1. Unter den zwölf Zürcher Nationalräten im Jahr 1848 waren die Regierungsräte Alfred Escher, Rudolf Benz, Rudolf Bollier, Paul Karl Eduard Ziegler sowie Bezirksstatthalter Johann Jakob Müller 2. Regierungsrat Johann Jakob Rüttimann nahm im Ständerat Einsitz und wurde von der Bundesversammlung ans Bundesgericht gewählt3. Zusammen mit Rüttimann hatte der zürcherische Grosse Rat den damaligen Führer der Zürcher Radikal-Liberalen, Regierungsrat Jonas Furrer, in den Ständerat delegiert. Furrer wurde im November 1848 von der Vereinigten Bundesversammlung in den Bundesrat und zum ersten Bundespräsidenten gewählt. Infolgedessen musste er aus der kantonalen Politik ausscheiden.4 In diese Lücke trat Alfred Escher, der zum führenden Kopf der Zürcher Liberalen wurde und wiederholt als Amtsbürgermeister bzw. Regierungspräsident amtete. Im Vergleich zu heute war die Visibilität des Regierungspräsidenten ganz allgemein eine viel grössere und wurde noch gesteigert durch die Tatsache, dass die einzelnen Kantone damals viel grösseren Einfluss besassen. Eschers Stellung in der kantonalen Politik legte die Basis für seinen Erfolg auf Bundesebene.5

3In Anbetracht der wochenlangen Absenzen der Bundespolitiker stellt sich die Frage, wie die Geschäfte trotz der langen Reisezeiten und der räumlichen Distanz abgewickelt wurden. Die Korrespondenz Alfred Eschers und die Berichterstattungen der «Neuen Zürcher Zeitung» zeigen, dass den jeweiligen Stellvertretern eine wichtige Rolle zukam und dass die Mitglieder der Bundesversammlung auch während der Session immer wieder für bedeutsame Geschäfte nach Zürich zurückreisten.6 Ausserdem wurde zwischen Zürich und Bern eine rege Korrespondenz geführt: man berichtete über den Lauf der Geschäfte, erteilte Anweisungen und Ratschläge, bat um Einschätzungen. Gelegentlich liessen sich die Regierungsräte Unterlagen schicken, um in Bern arbeiten zu können.

4In der Bundesverfassung von 1848 war die Hauptstadtfrage bewusst ausgeklammert und der Bundesgesetzgebung anheimgestellt worden, weil sie zwangsläufig zu Interessenkonflikten führen musste.7 Am 27./28. November 1848 berieten der National- und Ständerat in dieser Angelegenheit. Sie beschlossen, das Rotationsprinzip des Vorortes aufzugeben und statt dessen eine permanente Bundeshauptstadt zu bezeichnen. In der engeren Auswahl befanden sich die drei ehemaligen Vororte Bern, Luzern und Zürich. Die Anhänger Luzerns hoben die zentrale Lage der Stadt hervor und zeigten sich überzeugt, dass eine Wahl Luzerns in der Innerschweiz zu einer Verbesserung der Einstellung gegenüber dem Bundesstaate beitragen könnte. Während Zürich mit guter Infrastruktur, Naturschönheiten und Weltoffenheit warb, sprachen die geographische Nähe zur französischsprachigen Schweiz sowie verteidigungstechnische Argumente für Bern.8

5In einem anonym in der «Neuen Zürcher Zeitung» erschienenen Artikel mit dem Titel «Die Bundesstadt» setzte sich auch der damals in Bern wohnhafte deutsche Immigrant Ludwig Snell für Zürich ein. Er lobte die «kosmopolitische Denkart und Hospitalität» der Zürcher. In der ganzen Stadt wehe «derselbe heitere, humane, soziale Geist».9 Snell machte den Erfolg des neuen Bundesstaates unter anderem davon abhängig, ob die Grundsätze des neuen Bundes – Freiheit, Gerechtigkeit und Humanität – von der Regierung des Kantons, in der die Hauptstadt zu liegen käme, gelebt würden: «Hier ist es nun Jedem einleuchtend, wie nothwendig es ist, daß die Regierung und das ganze Staatsleben des Kantons, in welchem der Bundessitz ist, mit diesem Geist, mit diesen Lebensprinzipien der verjüngten Eidgenossenschaft in einem innig befreundeten, sympathetischen Verhältniß stehe, oder mit andern Worten, daß das Staatsleben des Kantons, wo der Bund seinen Sitz hat, selbst von jenen Grundsätzen durchdrungen und vollständig beherrscht sei. Ist dieß der Fall, so wird die fernere Entwickelung der Eidgenossenschaft frei und selbstständig, zum Glück und zur Wohlfahrt der Schweiz erfolgen.»10 Der damalige Redaktor der «Neuen Zürcher Zeitung», Ludwig Herkules Daverio, hatte Alfred Escher einige Exemplare des Artikels zukommen lassen und ihn gebeten, diese im Nationalrat zu verbreiten.11 Doch alle Interventionen blieben ohne Erfolg: Beide Räte entschieden sich deutlich zugunsten von Bern als neue Bundeshauptstadt.12 Als Kompensation für den entgangenen Bundessitz sollte die geplante eidgenössische Universität in Zürich angesiedelt werden. Dennoch war die Enttäuschung in Zürich gross, wie ein leicht verbitterter Kommentar in der «Neuen Zürcher Zeitung» beweist: «Zürich hat die zurückhaltende, bescheidene Stellung, wie sie für Mitbewerber sich ziemt, nicht einen Augenblick verlassen, Bern nicht einen Augenblick eingenommen [...].»13

6Obwohl oder gerade weil die Würfel in der Frage der Bundeshauptstadt zugunsten von Bern gefallen waren, rief Alfred Escher in seiner Rede zur Eröffnung der Wintersitzung 1848 des zürcherischen Grossen Rates dazu auf, sich für den Kanton Zürich und die Schweiz als Ganzes einzusetzen, um Zürich auf diese Weise wenn auch nicht den Rang der Bundesstadt, so doch die Stellung als führende Kraft in der Schweizerischen Eidgenossenschaft zu sichern: «Lassen wir unsern Schmerz nicht in eine ärmliche Eifersüchtelei gegen Bern, lassen wir ihn noch weniger in eine kleinliche Gereiztheit oder gar in ein feindseliges Verhalten gegen die Eidgenossenschaft ausarten: gerade dadurch würden wir ja beweisen, daß wir des Bundessitzes unwürdig gewesen wären. Vergessen wir nicht, daß der Kanton, in dessen Gebiet sich der Bundessitz befindet, nicht deßwegen schon nothwendig eidgenössischer Vorort ist. Nein, Tit. der schweizerische Stand wird Vorort sein, der es den andern zuvorthut in eidgenössischer Gesinnung und in unermüdlicher Fürsorge für die Wohlfahrt des Volkes.»14 In diesem Sinne befasste sich Escher intensiv mit Infrastrukturfragen. Er engagierte sich für Ausbau und Stärkung der kantonalen Universität sowie für die die Gründung einer eidgenössischen Hochschule. Escher richtete seinen Blick schon früh über die Kantonsgrenzen hinaus und dachte in Wirtschaftsräumen. Er erkannte, dass der Ausbau des Verkehrs- und Kommunikationsnetzes eine Voraussetzung für die weitere Entwicklung des Kantons Zürich und die Ausdehnung seines Einflusses im Bundesstaat darstellte und dass die eidgenössische Verkehrspolitik, insbesondere das Eisenbahnwesen, von herausragendem Interesse für den Kanton war.

7Genauso wie die Zürcher Radikal-Liberalen auf Bundesebene versuchten, gute und verlässliche Leute aus dem Kanton oder «zugewandten Orten» in wichtige Positionen zu bringen, waren sie bemüht, Schlüsselstellen im Kanton mit Leuten aus den eigenen Reihen zu besetzen. Die Briefe von und an Alfred Escher zeigen, dass nicht nur bei politischen Ämtern im engen Sinn auf die politische Gesinnung der Kandidaten geachtet wurde, sondern auch bei der Besetzung von Richter-, Statthalter-, Redaktoren-, Lehrer- und Pfarrstellen. Im Blickfeld stand beispielsweise die Zürcher Presselandschaft. Wiederholt kommt in den Briefen von und an Alfred Escher das Fehlen einer echt liberalen Zürcher Tageszeitung zur Sprache, hatte doch die «Neue Zürcher Zeitung» mit dem Tod von Chefredaktor Herkules Daverio im Jahr 1849 vorübergehend das Vertrauen der fortschrittlichen Kräfte verloren. Unter anderem wurde kritisiert, dass sein Nachfolger Peter Jakob Felber zu sehr auf einen Ausgleich mit den ehemaligen Sonderbehemaligen Sonderbündlern bedacht, «versöhnungssüchtig» und zuweilen «realitätsfremd» sei.15 Unzufrieden mit der Berichterstattung der «Neuen Zürcher Zeitung» in der Freiburger Frage, wandte sich Alfred Escher – früher selber Korrespondent der NZZ – im Mai 1852 an Abraham Roth, um eine Übersiedlung des von ihm redigierten «Bundes» nach Zürich anzuregen. Seiner Ansicht nach würde sich Zürich mit seiner bundesfreundlichen Gesinnung als Sitz des Blattes besonders eignen. Gleichzeitig habe der «Bund», «dessen vorherrschende Bedeutung immer in seinem Eidgenössischen Character zu suchen sein wird, auf diese Stellung Zürichs in Bundesangelegenheiten ein besonderes Gewicht zu legen». Dieser Ortswechsel biete beiden Seiten Vorteile: Während der «Bund» sich damit den Berner Pressegesetzen entziehe, unter welchen ein «durchaus ruhig & würdig, jedoch entschieden gehaltenes freisinniges Blatte nicht bestehen» könne, erhalte Zürich im Gegenzug die ersehnte liberale Tageszeitung.16 Roth informierte Alfred Escher jedoch im November 1852, dass das Projekt einer Verlegung des «Bundes» nach Zürich aus finanziellen Gründen nicht weiter verfolgt werde.17

8In der Korrespondenz Alfred Eschers widerspiegelt sich auch die Besorgnis radikal-liberaler Kreise über sozialistische Forderungen Johann Jakob Treichlers, dem im August 1850 nach dem Rücktritt von Jakob Dubs – mangels anderer Kandidaten – die Redaktion des «Schweizerischen Republikaners» übertragen werden musste . In der Folge übernahm Dubs zwar die Redaktion des «Landboten» und machte diesen vorübergehend zum Parteiblatt der Liberalen.18 Vor allem aufgrund seiner Verankerung in der Region Winterthur eignete sich der «Landbote» jedoch wenig als kantonalzürcherisches Blatt.

Die Einführung des Direktorialsystems: Alfred Escher als Erziehungsdirektor und Kirchenrat

9Grossrat Benjamin Brändli, ein Studienfreund Alfred Eschers, reichte 1847 einen parlamentarischen Vorstoss für die Einführung des sogenannten Direktorialsystems ein. Damit sollten die Probleme der auf dem sogenannten Kollegialsystem basierenden zürcherisches Regierungsorganisation behoben werden («Zersplitterung der Kräfte», «Oberflächlichkeit», ein «schleppender Geschäftsgang» und mangelnde Verantwortlichkeit). Zur Prüfung und Berichterstattung wurde die Motion an eine fünfzehnköpfige Kommission überwiesen, der sowohl Brändli als auch Escher angehörten. Bedingt durch die Ausarbeitung der neuen Bundesverfassung kam es zu Verzögerungen, so dass der erstberatende Kommissionsausschuss erst im Dezember 1848 zu seiner ersten Sitzung zusammentrat.19 Escher war an der Ausarbeitung der Verfassungsänderung massgeblich beteiligt und konnte den Grossen Rat im Frühling 1849 von seinem «modifizierten Direktorialsystem» überzeugen. Beim Zürcher Direktorialsystem handelte es sich strenggenommen um ein Departementalsystem. Dieses wurde aber – in Anlehnung an die als «Direktionen» bezeichneten Abteilungen der Kantonsverwaltung – «Direktorialsystem» genannt. In diesem Modell spielten die Direktoren, d. h. die den einzelnen Departementen vorstehenden Regierungsräte, bei der Vorberatung der Geschäfte die zentrale Rolle. Darüber hinaus bekamen sie Entscheidungsbefugnisse, um laufende Verwaltungsgeschäfte selbständig erledigen zu können. Diese Befugnisse waren jedoch beschränkt: In wichtigen Angelegenheiten mussten jeweils zwei weitere Regierungsmitglieder beigezogen werden. Eine Rekursmöglichkeit an die Adresse des Regierungsrates sollte die notwendige Kontrolle sicherstellen. Die Gegner des Direktorialsystems argumentierten, dass damit eine angemessene Kontrolle nicht sichergestellt sei und dass einzelne Personen einen zu grossen Einfluss hätten. Der gemässigt konservative Grossrat und Obergerichtspräsident Hans Georg Finsler meinte: «Dieß System ist unrepublikanisch. Es widerstrebt dem allgemeinen Gefühle, Wohl und Wehe ganzer Zweige in eines Einzelnen Hand zu legen.»20 Es gelang Alfred Escher, sein Direktorialsystem gegen den vehementen Widerstand konservativer Mitglieder des Grossen Rates durchzusetzen. In der Volksabstimmung vom 18. November 1849 wurde die Verfassungsrevision mit 8723 zu 2117 Stimmen vom Volk überraschend deutlich angenommen. Die Stimmbeteiligung war mit 18,2% jedoch sehr gering. Die revidierte Verfassung wurde am 20. Dezember 1849 in Kraft gesetzt und am 30. April 1850 durch die Bundesversammlung gewährleistet.21

10Die Umsetzung der Verfassungsänderung wurde durch das Organisationsgesetz aus dem Jahr 1850 geregelt. Auch dieser Gesetzesentwurf wurde von Alfred Escher ausgearbeitet und im Grossen Rat verteidigt. Escher setzte sich unter anderem mit der Forderung durch, dass die Regierungsräte nicht länger als acht Jahre ein und derselben Direktion vorstehen durften. Er erklärte: «So entschieden ich für das Direktorialsystem war, so entschieden will ich nun auch alle Garantien, welche einen Mißbrauch der Einzelgewalt unmöglich machen.»22 Regierungsrat Ulrich Zehnder schätzte das Direktorialsystem aufgrund der erhöhten «Verantwortlichkeit» und der «Ersparnis an Zeit». Statt wie bis anhin sieben bis zehn Sitzungen besuchte er nur noch zwei bis drei Sitzungen pro Woche.23Von entscheidender Bedeutung war dies vor allem für die in die Bundesversammlung gewählten Regierungsräte, weil es die Vereinbarkeit von kantonalen und eidgenössischen Mandaten verbesserte.

11Alfred Escher war seit Dezember 1845 Mitglied des Erziehungsrats des Kantons Zürich und gehörte diesem bis zu seinem Rücktritt aus dem Regierungsrat im Jahr 1855 an. Nach Einführung des Direktorialsystems (1850) übernahm Escher die Leitung der Direktion des Erziehungswesens, der er bis 1855 vorstand. In seiner Funktion als Erziehungsdirektor war er auch Präsident des Erziehungsrates.24 Eschers Interesse an bildungspolitischen Fragen gründete auf seinem Streben nach Fortschritt. Bereits im Juni 1846 hatte Escher im Grossen Rat eine Reform des Mittelschulwesens (Gymnasium und Industrieschule) angeregt, welche die Einführung des Französischen als obligatorisches Fach, eine stärkere Berücksichtigung naturwissenschaftlicher Fächer und eine Neuausrichtung des Unterrichts in Geschichte und Deutsch vorsah. Escher war der Ansicht, dass sich die Mittelschulbildung auch an den Bedürfnissen der Wirtschaft orientieren sollte, und trug mit diesem Antrag der ständig wachsenden Bedeutung technischen Wissens Rechnung.25 Mitgewirkt hatte Escher dann auch bei der Ausarbeitung des neuen Organisationsgesetzes für die Kantonsschule, das im April 1847 vom Grossen Rat des Kantons Zürich verabschiedet worden war.26

12Als Erziehungsdirektor redigierte Alfred Escher die Gesetzesentwürfe über die Schullehrerbesoldung und über die Unterstützungen an Schulgenossenschaften. Escher war der Überzeugung, dass die Herrschaft des Volkes in der repräsentativen Demokratie, wie sie mit der Kantonsverfassung von 1831 in Zürich eingeführt worden war, am besten verwirklicht sei. Um die in der Verfassung verankerten Grundsätze zu schützen, müsse der «Buchstabe lebendig gemacht» werden. Er präzisierte: «Eine sichere, ja die sicherste Bürgschaft dafür, daß unsere Verfassung immer mehr eine Wahrheit werde, erblicke ich in der Erhebung des Volksschulwesens.»27 Im Grossen Rat setzte sich Escher für eine Erhöhung der Lehrerlöhne ein. Er argumentierte, dass Volksbildung die Voraussetzung jeder demokratischen Staatsform und politischen Entwicklung des Kantons sei. Die Volksbildung würde aber bei einem «auf tiefer Stufe stehenden Lehrerstand» zurückbleiben. Die Lehrerbesoldungen müssten darum angehoben werden, weil «eine wahre Erhebung des Lehrerstandes mit der äußern Existenz desselben in Verbindung stehe». Am 28. Januar 1851 hiess der Grosse Rat diesen Antrag gut.28

13In Bezug auf die Lehrerwahlen hatten in den 1840er Jahren verschiedene Petitionen die Abschaffung des erziehungsrätlichen Dreiervorschlags zuhanden der Schulgemeinden verlangt.29 Die Umsetzung dieser Forderung fiel in Eschers Zeit als Erziehungsrat: 1849 wurde der entsprechende Verfassungsartikel dahingehend abgeändert, dass die Schulgemeinden ihre Primarlehrer frei wählen konnten. Der Erziehungsrat bestimmte fortan lediglich, welche Personen als wahlfähig galten. Diese Neuerung wurde ins Lehrerwahlgesetz vom 2. April 1850 übernommen.30

14Im Sommer 1850 beschloss der Erziehungsrat auf Antrag seines Präsidenten Alfred Escher, bei Schulpflegen und Schulkapiteln Gutachten darüber einzuholen, ob eine Revision der Schulgesetze gewünscht werde, namentlich um die geltenden Bestimmungen zu systematisieren und zu aktualisieren. Die mit der Prüfung derselben beauftragte Expertenkommission präsidierte Escher selbst. Als sich jedoch herausstellte, dass eine grundlegende Revision des Volksschulwesens nicht als nötig erachtet wurde, stufte er das Projekt in den Prioritäten hinter dringlichere Zeitprobleme wie beispielsweise die Zoll- und Eisenbahnpolitik zurück. Die Revision der Unterrichtsgesetze wurde schliesslich erst unter seinem Nachfolger Jakob Dubs wieder an die Hand genommen und im Jahr 1859 umgesetzt.31 Nicht einverstanden mit Eschers neuer Prioritätensetzung war der Sekretär der Erziehungsdirektion, Johann Jakob Tobler . Im Juli 1852 schrieb er: «Sie haben mich heute durch die Mittheilung, daß Sie in nächster Zeit des Eisenbahnwesens wegen vielleicht dem Erziehungswesen weniger obliegen können, recht sehr erschreckt. [...] Ich darf Ihnen vor Allem nicht verbergen, daß sich schon seit längerer Zeit die Ueberzeugung bei mir immer fester gestaltet hat, daß der Direktor des Erziehungswesens ganz und nur seiner Direktion sollte leben können. Ich sage von ferne nicht, daß Sie dabei das Geringste versäumt, daß Sie nicht auch Vortreffliches nun auf die Bahn gebracht haben; aber – mancher Uebelstand ist aus Mangel an Zeit, ihn zu beseitigen, doch noch geblieben; manche Reform, die unternommen werden könnte und sollte unterblieben.» Auch hätte Tobler es vorgezogen, wenn sich Escher statt mit «Eisenbahn Kabalen» mit Universitätsfragen beschäftigt hätte. Escher hatte das Projekt einer eidgenössischen Universität in der Tat ruhen lassen – nicht weil er dessen Bedeutung nicht erkannt hätte, sondern weil ihm die Zeit aufgrund der ungelösten Finanzierungsfrage dafür nicht reif schien. Sobald aber Klarheit über die finanziellen Möglichkeiten des Bundes herrschte, setzte Escher sich mit unverminderter Energie dafür ein. Wenn auch die eidgenössische Universität nicht verwirklicht werden konnte, so gelang es Escher und seinen Mitstreitern immerhin, dem Polytechnikum zum Durchbruch zu verhelfen und dieses nach Zürich zu holen.32

15In Bezug auf die kantonale Universität hatte sich Alfred Escher stets persönlich bemüht, vielversprechende junge Professoren nach Zürich zu holen , um so die Attraktivität der Hochschule im Rahmen ihrer beschränkten finanziellen Mittel zu steigern. Erziehungsdirektor Escher beteiligte sich aktiv an der Professorensuche, erkundigte sich nach möglichen Kandidaten, holte Referenzen ein, nahm mit geeignet erscheinenden Personen Kontakt auf und schickte Vertrauensleute hin. Als sich im Zuge der Revolutionen von 1848/49 das Klima für fortschrittliche Köpfe in Deutschland erheblich verschlechterte, wusste Escher die Gunst der Stunde zu nutzen und interessante Persönlichkeiten zu verpflichten. Betreffend die Berufung von Theodor Mommsen beispielsweise stand Escher in regem brieflichem Kontakt mit seinem an der Universität Berlin lehrenden Vetter Friedrich Ludwig Keller sowie dem Schweizer Konsul in Leipzig, Hans Caspar Hirzel-Lampe.33 Wie wirkungsvoll dieses Rekrutierungssystem war, zeigt sich daran, dass dieser bedeutende Staatsrechtler für Zürich gewonnen werden konnte. Als Mommsen 1851 in Leipzig infolge «aufständischer Aktivität» seines Amtes als ausserordentlicher Professor enthoben wurde, nahm er einen Ruf an die Universität Zürich an und wirkte in den Jahren 1852–1854 als ordentlicher Professor für römisches Recht.34 Vom Einfluss Eschers und von seinem persönlichen Engagement für Volksschullehrer und Professoren an Mittelschulen und Universität zeugen verschiedene Bitt- und Dankesbriefe, die Anstellungsbedingungen oder organisatorische Fragen betreffen, sowie Eschers Briefe an Oswald Heer, die Eschers Besorgnis um dessen Gesundheitszustand zum Ausdruck bringen.35

16Immer wieder beschäftigte sich Alfred Escher auch mit Stipendiengesuchen. Unter anderem setzte er sich im Erziehungs- und im Regierungsrat wiederholt für finanzielle Unterstützung des jungen Gottfried Keller ein. Im Herbst 1849 bedankte sich dieser für das regierungsrätliche Stipendium: «Hochverehrter Herr Bürgermeister! Sie haben wiederholt mir das gütige Wohlwollen erwiesen, von den Beschlüssen des hohen Erziehungs- und Regierungsrathes mir freundlichst Kenntniß geben zu wollen. Seither habe ich auch die ammtliche Anzeige durch die Staatskanzlei sowie die Summe für das bevorstehende Semester erhalten und bin dadurch in den Stand gesetzt, ferner auf freie und bequeme Art meiner literarischen Entwicklung nachleben zu können.» Escher war früh auf das Talent Gottfried Kellers aufmerksam geworden und entwickelte sich zu einem Förderer des jungen Dichters.36

17Im Dezember 1848, gleichzeitig mit seiner Wahl zum Amtsbürgermeister, wurde Alfred Escher in den Kirchenrat des Kantons Zürich gewählt.37 Über sein Wirken in diesem Gremium ist wenig bekannt. In wissenschaftlicher Literatur und in Nachrufen wird dieser Aspekt zugunsten seiner Hauptwirkungsbereiche wenig beleuchtet, und auch in den Briefen von und an Escher aus den Jahren 1848−1852 wird diese Thematik nur am Rande angesprochen. Alfred Escher betrachtete Religion als Privatsache: Der Staat sollte seinen Bürgern in Glaubenssachen möglichst viel Freiraum lassen, sich so wenig als möglich einmischen und sich hüten, religiöse Überzeugungen zu verletzen. In seiner Zuschrift an die Wähler von Elgg aus dem Jahr 1844 forderte er aber auch, dass man Versuchen der Kirche, in die Bereiche des Staates überzugreifen und dessen Unabhängigkeit anzugreifen, entschieden entgegentreten müsse.38

18Im Zuge der 1849 beschlossenen Einführung des Direktorialsystems wurde Alfred Escher mit der Ausarbeitung des Gesetzesentwurfs über Organisation, Befugnisse und Pflichten des Regierungsrats und seiner Direktionen beauftragt. Diese Vorlage betraf auch den Kirchenrat, und konservative Kreise warfen Escher vor, er wolle den Einfluss der Geistlichkeit brechen und den Kirchenrat zu einem Departement des Regierungsrats machen. Umstritten war unter anderem das Projekt der Einführung einer gemischten Synode. Gemeint war damit die Ergänzung der Versammlung der Zürcher Pfarrer mit Laien, wie es seit den 1830er Jahren wiederholt gefordert wurde. Escher hatte bei Johann Jakob Blumer Erkundigungen über das Funktionieren der gemischten Synode im Kanton Glarus eingeholt. Dieser hatte ihm das Organisationsreglement übersandt und seine Vorbehalte gegen diese Institution geschildert. Auch Escher nahm Abstand von diesem Projekt. An der ausserordentlichen Synode der zürcherischen Geistlichkeit im Februar 1850 bezeichnete er eine gemischte Synode als «unnatürlich in ihrem Prinzipe». Ausserdem liege sie «weder im Bewußtsein, noch in den Bedürfnissen des Volkes».39

19Getreu seinen Ansichten über die Stellung der Kirche im Staat setzte sich Alfred Escher 1850 für die Berufung des reformierten Theologen Alois Emanuel Biedermann an die Universität Zürich ein. Biedermann hatte in den 1840er Jahren als Pfarrer in Münchenstein gewirkt. Er hatte seinem liberalen theologisch-kirchlichen Credo in Vorträgen und Schriften Ausdruck verliehen und entwickelte sich innerhalb der reformierten Kirche der Schweiz zu einem führenden Vertreter einer fortschrittlichen Theologie. Biedermann war wie Escher ehemaliges Mitglied des Zofingervereins und nahm an Eschers Akademischen Mittwochgesellschaft teil.40

Die Jubiläumsfeier von 1851

20 In den ersten Maitagen des Jahres 1851 feierte der Kanton Zürich das Jubiläum der 500jährigen Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft. Es war die erste derartige Feier im neuen Bundesstaat. Entsprechend gross waren die Erwartungen, die man in dieses Jubiläum setzte, das im Idealfall ein nationales Friedensfest darstellen und die Basis für das Gedeihen des Bundesstaates weiter festigen konnte. Erschwert wurde die Organisation des Festes allerdings durch Parteiquerelen und die Nachwirkungen der noch nicht lange zurückliegenden innerschweizerischen Auseinandersetzungen. Dass die Feier zum Siegesfest über den Sonderbund verkomme, befürchtete nicht zuletzt der konservative Georg von Wyss. Als der Zürcher Grosse Rat im Januar 1851 über den Kredit für die Jubiläumsfeierlichkeiten beriet, beantragte er, dass sich der Kanton Zürich angesichts der schwierigen Lage in den ehemaligen Sonderbundskantonen dafür einsetze, dass «die Opfer, welche für den neuen Bund auf die alten Miteidgenossen gelegt wurden, denselben erleichtert würden». Der Antrag und dessen Ablehnung lösten eine wüste Pressepolemik aus.41

21Die Organisatoren hofften lange Zeit, dass die Innerschweizer Kantone die offizielle Einladung zum Jubiläumsfest annehmen würden. Dies taten sie nicht, und schliesslich nahm nur der damals liberal regierte Kanton Luzern am Fest teil, während die Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden ihr offizielles Fernbleiben mit unverheilten Wunden und der schwierigen Situation in der Heimat begründeten. Das hielt eine Anzahl Schützen aus den Urkantonen nicht davon ab, am Jubelschiessen teilzunehmen. Behindert wurde die Organisation des «Zürifestes» ferner durch die Interessengegensätze zwischen der liberalen Landschaft und den «alten Herren» der mehrheitlich konservativ gesinnten Hauptstadt. Diese Differenzen zwischen Stadt und Kanton offenbarten sich unter anderem in der Diskussion rund um den geeigneten Zeitpunkt der Feierlichkeiten sowie die Art und Weise der Illumination.42 In einem Brief an Alfred Escher bedauerte Johann Jakob Blumer die parteipolitischen Streitereien rund um die Organisation des Festes: «Ich läugne nicht, daß es mir wehe thut, ein Fest von so schöner, ächt vaterländischer Bedeutung durch den Trotz u. die Ränke einer Parthei, welche sich mit der Gegenwart nicht aussöhnen kann, auf mannigfache Weise getrübt zu sehen; aber ich hoffe gleich wohl, dasselbe werde in der Hauptsache noch gelingen, u. für mich bietet es jedenfalls den Anlaß zu einem angenehmen Ausfluge dar.»43

22All den Querelen zum Trotz konnten die Organisatoren mit einem eindrücklichen Programm aufwarten: Am 1. Mai 1851 führte ein festlicher Umzug mit den geladenen Gästen vom Rathaus durch die Stadt zum Festplatz beim Bahnhof, wo Reden und Gesänge folgen. Für den Abend waren ein kostümierter historischer Umzug, ein Feuerwerk auf dem See sowie die Beleuchtung des Grossmünsters und des Rathauses sowie Freudenfeuer entlang der beiden Seeufer und der Albiskette geplant.44 Am 4. Mai fanden in den Gemeinden Jugendfeste statt, und zwischen dem 3. und dem 10. Mai massen sich die Schützen beim Jubelschiessen. Unter den zahlreichen nationalen Festen des 19. Jahrhunderts nimmt das erste «Zürifest» einen besonderen Platz ein, weil mit ihm der Übergang vom alten Bund zum Bundesstaat gefeiert wurde.45

23Im Rückblick auf das Fest schimpfte die «Freitagszeitung»: «Die Veranstalter [...], welche [...] mit dem Feste weniger das vergangene Ereigniß feiern, als einem neuen, einem politischen Siege, um nicht zu sagen, einem Parteisiege, die Kraft der Weihe zu geben beabsichtigten, waren durch den Widerstand, den sie vielfach theils in politischer Abneigung, theils in Gleichgültigkeit fanden, gereizt, und wurden selbst wegen sächlicher Hindernisse über Personen erbittert.»46 Die Emotionalitäten, die mit der Durchführung der Jubiläumsfeierlichkeiten verbunden waren, aber auch die Verbissenheit, mit der die Beteiligten ihren Vorstellungen zum Durchbruch verhelfen wollten, widerspiegeln sich sowohl in der Anzahl als auch im Ton der in dieser Angelegenheit an Escher gerichteten Briefe. Wenn auch von den Festveranstaltern die altschweizerische Vergangenheit festlich in Szene gesetzt47 und so auch die Verdienste der Urschweiz gewürdigt wurden, so liessen Alfred Escher und andere politische Meinungsmacher in Zürich doch die sich bietende Möglichkeit, einen Schritt auf die 1847 unterlegenen Innerschweizer Kantone zuzugehen, ungenutzt verstreichen. Zu einem konzilianteren Auftreten gegenüber den ehemaligen Sonderbundskantonen und der Opposition im eigenen Kanton waren die in Zürich regierenden Radikal-Liberalen offensichtlich noch nicht bereit.

Kommentareinträge

1 Vgl. Beschluß der Tagsatzung über die Einführung der neuen Bundesverfassung, in: BBl 1848/49 I, S. 36–37; Neidhart, Bundesparlament, S. 35, 49.

2 Vgl. Gruner, Nationalratswahlen III, S. 9–10.

3Gemäss Bundesverfassung von 1848 waren eidgenössische Parlamentarier als Bundesrichter wählbar. Durch die Totalrevision der Bundesverfassung im Jahr 1874 wurde das Bundesgericht zu einer ständigen Behörde mit erweiterten Kompetenzen. Gleichzeitig wurde das Amt eines Bundesrichters mit anderen öffentlichen Ämtern für unvereinbar erklärt. Vgl. Beeler, Gewaltentrennung, S. 95.

4 Vgl. Gruner, Bundesversammlung I, S. 99–100; Altermatt, Bundesräte, S. 103–105.

5 Vgl. Schmid, Zürcher Kantonsregierung, S. 369–370; Gagliardi, Escher, S. 125–126, 150.

6Beispielsweise schrieb Ulrich Zehnder als zweiter Regierungspräsident im Dezember 1851 nach Bern, dass die anwesenden Regierungsratsmitglieder im Hinblick auf wichtige anstehende Geschäfte «dringend wünschen, daß [...] außer Herrn Oberst Ziegler, dessen Eintreffen zugesagt ist, noch eines der in Bern befindlichen Mitglieder des Regierungsrathes in Zürich sich einfinde, um an diesen Verhandlungen Theil zu nehmen [...]». Er bat Escher, sich diesbezüglich mit Johann Jakob Rüttimann und Rudolf Benz abzusprechen. Regierungsrat Zürich an Alfred Escher, 18. Dezember 1851. – Im Dezember 1851 stellte die Staatsrechnungsprüfungskommission den Antrag, dass künftig nur noch zwei Mitglieder des Regierungsrats in den Bundesbehörden sitzen dürfen. Escher reagierte auf diesen Antrag, indem er eine Untersuchung der Verwaltung forderte und anführte, dass die Verwaltung mehr Sitzungen abgehalten und mehr Geschäfte erledigt habe als in den Vorjahren. Im Juni 1852 beschloss der Grosse Rat, die gleichzeitige Einsitznahme in Regierungsrat und eidgenössischem Parlament nicht zu verbieten. Vgl. NZZ, 24. Dezember 1851, 29. Juni 1852.

7«Alles, was sich auf den Sitz der Bundesbehörden bezieht, ist Gegenstand der Bundesgesetzgebung.» BV 1848, Art. 108.

8 Vgl. HLS online, Bundesstadt.

9 Snell, Bundesstadt, (5. November 1848).

10 Snell, Bundesstadt, (6. November 1848).

11 Vgl. Ludwig Herkules Daverio an Alfred Escher, 7. November 1848.

12 Resultate der Abstimmungen über den Sitz der Bundesbehörden: Nationalrat: Bern (58), Zürich (35), Luzern (6); Ständerat: Bern (21), Zürich (13), Luzern (3). Vgl. HLS online, Bundesstadt. – Eine vollständige Auflistung der Abstimmungsresultate (namentliche Nennung) wurde in der NZZ abgedruckt. Vgl. NZZ, 1. Dezember 1848.

13 «Zürich und die Bundesstadt», in: NZZ, 1. Dezember 1848.

14 NZZ, 27. Dezember 1848.

15 Vgl. Gagliardi, Escher, S. 186; Dändliker, Zürich III, S. 353. – Friedrich Fisch-Hagenbuch (Mitinhaber von Orell, Füßli & Compagnie, der Herausgeberin der «Neuen Zürcher Zeitung») schrieb 1862 in einem Brief an Alfred Escher, dass das Blatt bei der Übernahme der Redaktion durch Peter Jakob Felber im Juli 1849 rund 3500 Abonnenten hatte. Bis Anfang 1852 habe die Zeitung aber über 1000 Abonnenten verloren. Mehrmals habe man mit Felber das Gespräch gesucht, weil man «die Rührigkeit der Redaction stimuliren» wollte. Vgl. Friedrich Fisch-Hagenbuch an Alfred Escher, 20. Januar 1862

16 Alfred Escher an Abraham Roth, 25. Mai 1852.

17 Abraham Roth an Alfred Escher, 19. November 1852.

18 Vgl. Dändliker, Zürich III, S. 353.

19 NZZ, 12. April 1849. Vgl. Schmid, Zürcher Kantonsregierung, S. 146–149.

20 NZZ, 12. April 1849. Vgl. Schmid, Zürcher Kantonsregierung, S. 147, 150–152.

21 Vgl. NZZ, 5. Dezember 1849; Schmid, Zürcher Kantonsregierung, S. 151–155, 160–161.

22 NZZ, 4. April 1850. Vgl. Schmid, Zürcher Kantonsregierung, S. 155–158.

23 Zehnder, Fünfziger Jahre, S. 125. Vgl. Zehnder, Fünfziger Jahre, S. 127.

24 Vgl. Jung, Aufbruch, S. 146–147; Hunziker, Erziehungsrat, S. 83, 86. – Das Organisationsgesetz aus dem Jahr 1850 sah insgesamt neun Direktionen vor: Direktion des Innern, Direktion der Polizei, Direktion der Finanzen, Direktion der öffentlichen Arbeiten, Direktion des Militärs, Direktion der Justiz, Direktion des Erziehungswesens, Direktion der politischen Angelegenheiten und Direktion der Medizinalangelegenheiten. Beibehalten wurden der Erziehungsrat und der Kirchenrat; einzelne Direktionen erhielten spezielle Fachkommissionen. Vgl. Schmid, Zürcher Kantonsregierung, S. 157, 377.

25 Vgl. Muralt, Zürich, S. 142; Gagliardi, Escher, S. 84–85; Grube, Kantonsschule, S. 14.

26 Vgl. Hunziker, Erziehungsrat, S. 49.

27 Schweizerischer Republikaner, 6. August 1844. – In einer Zuschrift an den Wahlkreis Elgg erklärte Alfred Escher Annahme der Wahl in den Grossen Rat und nahm gleichzeitig Stellung zu wichtigen Zeitfragen. Vgl. Schweizerischer Republikaner, 6. August 1844.

28 NZZ, 17. Dezember 1850. Vgl. Alfred Escher an Franz Hagenbuch, 19. November 1850; Kreis, Volksschule, S. 456. – Zur materiellen Lage der zürcherischen Volksschullehrer vgl. Bloch Pfister, Volksbildung, S. 457–492.

29 Die Schulgemeinde wählte ihren Lehrer aus einem ihr vom Erziehungsrat vorgelegten Dreiervorschlag. Die Schulsynode befürwortete 1847 die Aufhebung des Dreiervorschlages, «da er seine Bedeutung verloren, da er die Entwicklung des republikanischen Lebens hemme, und da der Erziehungsrath durch andere Mittel in den Stand gesetzt werden könne, die Lehrerwahlen zu kontrollieren». Verhandlungen der Synode 1847, zit. Bloch Pfister, Volksbildung, S. 394.

30 Vgl. Kreis, Volksschule, S. 450–451; Bloch Pfister, Volksbildung, S. 393–395. – Das Verfassungsgesetz von 1849 gab Art. 86 der Zürcher Kantonsverfassung von 1831 folgenden Wortlaut: «Die Schulgemeinden wählen die Lehrer an ihren Primarschulen aus der Zahl derjenigen, welche von dem Erziehungsrathe hiezu für wahlfähig erklärt worden sind.» Art. 85 über die Wahl der Pfarrer wurde in vergleichbarer Weise abgeändert. Verfassungsgesetz betreffend Abänderung der §§ 85 und 86 der Verfassung (Wahl der Pfarrer und Lehrer), in: Sammlung Gesetze, Beschlüsse, Verordnungen VIII, S. 67.

31 Vgl. Frey, Volksschulgesetzgebung, S. 72, 81–84; HLS online, Dubs Jakob.

32 Vgl. Jung, Aufbruch, S. 870–872; 880–887.

33 Vgl. Friedrich Ludwig Keller an Alfred Escher, 3. März 1851; Friedrich Ludwig Keller an Alfred Escher, 3. März 1851; Friedrich Ludwig Keller an Alfred Escher, 27. April 1851; Hans Caspar Hirzel-Lampe an Alfred Escher, 9. September 1851; Friedrich Ludwig Keller an Alfred Escher, 18. September 1851.

34 Vgl. HLS online, Mommsen Theodor. – Zu Mommsens Wirken in Zürich vgl. Meyer, Mommsen.

35 Vgl. Alfred Escher an Oswald Heer, [8. August 1850]; Alfred Escher an Oswald Heer, 20. August 1850; Alfred Escher an Oswald Heer, 3. September 1850.

36 Gottfried Keller an Alfred Escher, 30. Oktober 1849. Vgl. Jung, Aufbruch, S. 140–141.

37 Vgl. Gagliardi, Escher, S. 125.

38 Vgl. Schweizerischer Republikaner, 6. August 1844.

39 NZZ, 10. Februar 1850. Vgl. Hess, Kirchliche Gesetzgebung, S. 152; Gagliardi, Escher, S. 151.

40 Vgl. HLS online, Biedermann Alois Emanuel; Frey, Volksschulgesetzgebung, S. 74–75. – Zur Akademischen Mittwochgesellschaft vgl. Eschers Aufstieg in der Politik (1842–1848), Absatz 11.

41 NZZ, 29. Januar 1851. Vgl. Pfiffner, Bundesfest 1851, S. 119–123.

42 Vgl. Pfiffner, Bundesfest 1851, S. 122–125, 131, 134. – Die Absage des Kantons Uri wurde im «Landboten» veröffentlicht. Vgl. Der Landbote, 17. April 1851.

43 Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 19. April 1851.

44 Vgl. NZZ, 28. April 1851. – Eine detaillierte Schilderung der Festivitäten befindet sich im Nachlass von Gerold Meyer von Knonau. Vgl. Meyer von Knonau, Bundesjubiläum. – Der vom Regen arg in Mitleidenschaft gezogene historische Umzug wurde am 11. Mai 1851 wiederholt; das Feuerwerk musste auf den 6. Mai verschoben werden. Vgl. Meyer von Knonau, Bundesjubiläum, S. 9; Pfiffner, Bundesfest 1851, S. 134.

45 Vgl. Pfiffner, Bundesfest 1851, S. 117, 131, 134.

46 Zürcherische Freitagszeitung, 9. Mai 1851.

47Eine Schilderung des Umzugs findet sich in Gerold Meyer von Knonaus nachgelassenen Papieren: «Der Zug hatte in lebendigen Bildern die schönsten Partien der vaterländischen Geschichte vom 14. bis in das 18. Jahrhundert hinab aufzurollen. Voran [rolt?] Musiker in Weiß u Blau gekleidet. Es kamen nun 1.) der Reichsherold u der Reichsbannerträger zum Zeichen, daß Zürich 1351 beim Eintritt in den Bund eine freie Reichsstadt gewesen war; 2.) der Abschluß des Bundes dargestellt durch den Bürgermeister Brun u den Gewaltsboten der Waldstätte, begleitet von Rittern, Bannerträgern u Stadtknechten; 3.) die Constafler u Zünfte Zürichs mit ihren verschiedenartigen Insignien; 4.) die Helden der Schlacht bei Tätwyl, voran die gewonnenen Banner, gefolgt von Wagen mit Helmen u Schilden erschlagener Ritter; 5.) der Auszug zur Sempacher Schlacht, 1386, angeführt durch Gundoldingen u Arnold von Winkelried, die im siegreichen Kampfe gegen Herzog Leopold von Oesterreich ruhmvoll fielen, eine höchst belebte Gruppe, bei der auch der sogenannte Stier von Ury, ein phantastisch gekleideter Mann, mit dumpf tönendem Horne nicht fehlte [...].» usw. Meyer von Knonau, Bundesjubiläum, S. 11.

Kontexte