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Jung, Escher Briefe, Band 5, S. 111–120.

Miszellen

Katrin Rigort, unter der Leitung von Prof. Dr. Joseph Jung

Eschers Engagement für die Opfer des Brands von Glarus

1Die Brandkatastrophe von Glarus war ein einschneidendes Ereignis: Ein gewaltiger Föhnsturm wütete in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 1861 und fegte das Feuer in Windeseile über die eng aneinandergebauten und mit Schindeldächern bedeckten Häuser der Stadt, die gnadenlos erfasst wurden. Zwei Drittel der Stadt, über 600 Wohnungen, Ställe und Magazine wurden zerstört und rund 2200 Menschen auf einen Schlag obdachlos.1 Alfred Escher reiste bereits am folgenden Tag nach Glarus, um sich ein Bild vom Ausmass der Katastrophe zu machen und seinem langjährigen Freund Johann Jakob Blumer, der ebenfalls sein Haus verloren hatte, erste Sachhilfe «mit Dingen, die in den Flammen aufgegangen waren und die man sich nicht sofort wieder verschaffen kann», zu leisten.2

2Escher war tief betroffen von der ungeheuren Zerstörung, besonders nahe ging ihm aber der Schicksalsschlag seines Freundes. Sein erster Brief nach diesem Ereignis datiert vom 5. Juni 1861 . Er ist sehr persönlich gehalten und voller Zuspruch und Ermutigung. Escher bringt darin zum Ausdruck, dass er Blumers Besonnenheit, «Ruhe & Stärke des Characters», seit den Anfängen ihrer Freundschaft kenne und schätze und dass sie ihn stets beeindruckt habe.3 Er sei deshalb überzeugt, dass er auch in dieser schweren Zeit den Mut nicht verlieren werde.4 Zu allem Unglück verstarb kaum zwei Wochen nach der Brandnacht Blumers Onkel, der Glarner Landammann Cosmus Blumer, der ihn und seine Frau vorübergehend in seinem Haus aufgenommen hatte und der ihm ein väterlicher Freund gewesen war.5 Escher drückte auch hier in einer längeren Würdigung des Verstorbenen seine Anteilnahme aus.

3Da Blumers Bibliothek und viele seiner Schriften und Akten verbrannt waren, hatte Escher ihm grosszügigen Ersatz aus seiner eigenen Bibliothek angeboten.6 Neben den von Blumer gewünschten wohl vor allem juristischen Werken liess Escher weitere «zur Ausfüllung» der Versandkiste beilegen, wie seine Frau Augusta Escher-Uebel an Blumers Frau Susanna schrieb.7 Vor allem Dankbarkeit, aber auch Bescheidenheit drücken sich in Blumers Reaktionen aus: «Du [Escher] wirst freilich denken, ich [Blumer] habe zum Theil gerade das Beste ausgelesen, [...]. [Es] werden mir die Bücher willkommen seyn als bleibende Erinnerungszeichen deiner Freundschaft, welche sich in den ersten Tagen nach dem Brande auf eine für uns so rührende u zarte Weise geoffenbart hat.»8 Escher seinerseits hätte ihm gerne mehr geholfen: «Es ist uns [der Familie Escher] so peinlich, daß Ihr [die Blumers] trotz meiner wiederholten Bitten nicht über uns verfügt habt.»

4In der Folge engagierte sich Escher insbesondere bei der Mittelbeschaffung für die Brandgeschädigten. Das Schadensausmass wurde auf über 10 Mio. Franken geschätzt – eine damals unermesslich hohe Summe –, wobei indirekte Folgeschäden, etwa Einbussen durch die brandbedingte Verhinderung der Gewerbetätigkeit, in diesem Betrag noch nicht eingerechnet waren.9 Der Brand von Glarus brachte den viel zu geringen kantonalen Versicherungsschutz schlagartig zu Bewusstsein.10 Die Folgen und ihre Bewältigung beschleunigten denn auch die interkantonale Diskussion um die Rolle von Bund und Kantonen bei Assekuranzfragen und geeigneten präventiven Massnahmen.11

5Zunächst ging es aber um die Organisation einer pragmatischen und unbürokratischen Hilfe, die die gröbste Not der Bevölkerung linderte.12 Escher veranlasste beispielsweise die Direktion der Schweizerischen Kreditanstalt, einen Aufruf an den «Handelsstand des Auslands» für eine Spendensammlung zugunsten der Brandgeschädigten zu erlassen. Ausserdem erreichte er, dass der Verwaltungsrat der Kreditanstalt eine Spende von 10 000 Franken bewilligte.13 Ferner sorgte er dafür, dass die in Zürich eingegangenen Spendengelder bis zu ihrer Verwendung bei der Kreditanstalt zu einem vorteilhaften Zins angelegt werden konnten.14 Weiter regte er ein Darlehensgesuch bei der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft an15 und offerierte Glarus schliesslich selbst ein günstiges Darlehen der Kreditanstalt.16

6Escher arbeitete darüber hinaus eng mit dem Hilfskomitee der Stadt Zürich für Glarus zusammen. In dessen Namen übergab er dem Glarner Hilfskomitee, das mit der Verteilung der eingegangenen Spendengelder beauftragt war, 6000 Franken.17 Ausserdem veranlasste er, dass die Nordostbahn alle Hilfsgüter und Personen, die an Hilfeleistungen beteiligt waren, über Wochen gratis nach Glarus beförderte.18

7Escher konnte also in verschiedenen Bereichen Einfluss nehmen, um Glarus und damit auch seinen Freund zu unterstützen. Blumer konsultierte ihn denn auch vermehrt bei Finanzierungsfragen zum Wiederaufbau und zur zukünftigen Entwicklung von Glarus. Obwohl auch andere Sachfragen allmählich wieder in ihren Briefwechsel Einzug hielten, bleibt jedoch die besondere Bedeutung von Familie und engen Freunden für den persönlichen Rückhalt weiterhin spürbar.19 Die fast zeitgleich erfolgte Geburt Hedwigs , Eschers zweiter Tochter, und damit die unmittelbare Nähe von Freud und Leid, gab den Freunden Anlass zu allgemeineren Überlegungen über die Schicksalhaftigkeit und «menschliche Kurzsichtigkeit», wie Blumer sich ausdrückte. Auch Escher musste das «Unwiederbringliche» angesichts seines Wunsches nach einem Sohn annehmen – viel gravierender aber war dies, als die kleine Hedwig nach nur einem Jahr starb.20 Escher umriss, von Trauer und Erschöpfung gezeichnet, in einem Brief vom 28. Juli 1862 an Kaspar Lebrecht Zwicky, einen weiteren gemeinsamen Jugendfreund Eschers und Blumers, in nur wenigen Zügen die Ereignisse ihrer kurzen Krankheit.21 Eschers Frau Augusta wird später von ihren Zweifeln und ihrem eigenen Schmerz über den Verlust des Kindes schreiben und auch, dass neben der «Ergebung in den göttlichen Willen» ihr die Anwesenheit ihrer Mutter und Schwester, insbesondere aber ihres Mannes, Trost verliehen habe.22

Eschers Einfluss auf die «Neue Zürcher Zeitung»: Die Causa Felber

8Zu Beginn des Jahres 1862 schrieb Alfred Escher einen heute nicht mehr erhaltenen Brief an den Mitherausgeber der «Neuen Zürcher Zeitung» Friedrich Fisch-Hagenbuch.23 Er hatte sich darin für ein langfristiges Vertragsverhältnis zugunsten des Chefredaktors Peter Felber eingesetzt, das mit einer sechsmonatigen Probezeit beginnen und an deren Ende ein Schiedsgericht, bestehend aus Johann Jakob Rüttimann und Georg Stoll, über die endgültige Anstellung befinden sollte.24 Diese Einflussnahme Eschers auf die Redaktionsangelegenheiten veranlasste Fisch-Hagenbuch in seinem Antwortschreiben vom 20. Januar 1862 , etwas weiter auszuholen und sowohl eine längere Vorgeschichte der Redaktion als auch eine Chronik der Schwierigkeiten, die sie mit ihrem Chefredaktor seit dessen Stellenantritt 1849 gehabt hatte, zu verfassen.25 Sein Rückblick sei das «Kriterium für die Gegenwart», wie er schreibt, für seine Entscheidung nämlich, dass er sich zwar noch einmal für Felbers Verbleiben in der Redaktion entschlossen habe, insofern Eschers Wunsch nachgekommen sei, inskünftig jedoch Personalfragen unabhängig entscheiden werde.26 Dieser lange Brief lässt zwar lediglich Rückschlüsse darüber zu, was Escher Fisch-Hagenbuch in seinen angeblichen «Postulaten» zu den neuen Vertragsbedingungen im einzelnen mitgeteilt haben mag; allein die Tatsache aber, dass die Zusammenarbeit in der Redaktion und die Konsequenzen daraus offensichtlich nicht nur innerbetrieblich diskutiert wurden, verweist auf die Brisanz und Tragweite der Angelegenheit und den Einfluss Eschers auf die Redaktion.

9 Fisch-Hagenbuchs Brief offenbart das Dilemma des Verlags an einem konkreten Beispiel: Mitten im lang andauernden Eisenbahnstreit um die Linienführung der Westbahn, gefolgt von der Fusionsfrage der schweizerischen Eisenbahngesellschaften, war die NZZ in finanzielle Schwierigkeiten geraten, weil ihre Abonnentenzahlen stark zurückgegangen waren.27 In diesen Eisenbahnkonflikten war es wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen den Berner Radikalen und den Zürcher Liberalen gekommen, die auch in der Presse ihren Niederschlag fanden. Sie waren insbesondere in den beiden Repräsentanten Bundesrat Jakob Stämpfli und Nordostbahn-Direktionspräsident Alfred Escher personifiziert und wurden entsprechend in der «Berner Zeitung» und der «Neue Zürcher Zeitung» polemisch ausgetragen. Fisch-Hagenbuch wollte deshalb «die Redaction, resp. den innern Werth & Gehalt der NZZtg» heben und Felber mit zwei Hilfsredaktoren unter die Arme greifen. Dieser wies jedoch eine finanzielle Beteiligung in Form einer Gehaltsreduktion zurück und drohte mit Kündigung. Da sein polemischer Schreibstil ein von Escher erwünschtes Mittel der publizistischen Entgegnung auf die Anfeindungen von radikaler Seite war, erreichte er mit seiner Drohung, dass die Direktion der Nordostbahn schliesslich die Differenz zu seinem bisherigen Gehalt sowie die zwei Redaktorenstellen zu seiner Entlastung finanzierte. Mit diesen Massnahmen war ein Kompromiss gefunden, der einerseits die Redaktion personell und finanziell stärkte, andererseits die Funktion der NZZ als Presseorgan der Zürcher Liberalen mit Peter Felber an der Spitze sicherte.

10 Fisch-Hagenbuch unterstrich in seinem Brief seine Loyalität und sein Pflichtbewusstsein Escher gegenüber und betonte, dass die NZZ ihm immer treu zu Diensten gestanden sei. Er attestierte dabei auch Felber eine «vorzügliche dialektische Begabung» und gab an, sich wiederholt für ihn persönlich eingesetzt zu haben. Er spricht von Schuldgefühlen und Selbstverleugnung ebenso wie von persönlicher Zuneigung, die ihn die unternehmerischen Interessen der NZZ beinahe hätten vergessen lassen. Dies obwohl Felber eine eigenwillige und streitbare Persönlichkeit war, die Sachverhalte zuspitzte und allgemein einen publizistischen Stil pflegte, der vom Publikum nicht immer goutiert wurde. Fisch-Hagenbuch erinnerte daran, dass selbst «Escher und seine Freunde [...] sich zeitweise sehr mißfällig über die Redaktion Felbers geäussert» hätten. Das im Brief zum Ausdruck kommende Wohlwollen Fisch-Hagenbuchs scheint indes vor allem rhetorisch als Rechtfertigung für seinen aktuellen Entscheid zu den Anstellungsbedingungen Felbers und seine Abgrenzungsabsicht gegenüber Escher inszeniert zu sein. Denn Fisch-Hagenbuch war allgemein weniger an der Zeitung als am Buchverlag interessiert, und es war vor allem sein Schwiegervater Johannes Hagenbuch, der die internen Querelen in der Redaktion bis anhin aufgefangen und an Felber festgehalten hatte.28 Hagenbuch hatte seinen Schwiegersohn als Teilhaber ins Unternehmen aufgenommen und ihm angesichts seines Alters und seiner zunehmenden Gebrechlichkeit die Leitung des Verlags nach und nach übertragen. Der sich anbahnende Generationswechsel wirkte sich indes immer deutlicher auf Felber aus, der den Verlust des «Zutrauens» des neuen Verlegers beklagte. Ende 1861 warf er schliesslich das Handtuch und hoffte, «in dem großen Wirkkreise des Herrn Escher irgendeine Arbeitsstelle» zu finden.29 «Herr Escher hat aber einen andern als den von mir [Felber] beabsichtigten Weg für gut befunden und die Vermittlung zwischen dem Chef unseres Hauses [Fisch-Hagenbuch] und mir versucht.»30 Felber sollte demnach in der Redaktion verbleiben und erhielt den eingangs erwähnten langfristigen Vertrag.31

11Escher ging nicht weiter auf Fisch-Hagenbuchs Bestreben nach einem autonomen Personalentscheid ein und setzte sich damit auch über dessen finanzielle Bedenken hinweg. Fisch-Hagenbuch war empört: «Lieber will ich schließlich die Zeitung verschenken oder verkaufen, als länger Sklave und dazu der Schleppträger von Personen und Interessen zu sein, welche jene nur als Mittel betrachten, ohne sich sonst irgend um deren Existenz zu kümmern. Die Kämpfe mit der Union Suisse [ Vereinigte Schweizerbahnen], Oron-Ostwestbahn [ LausanneFribourgBern-Bahn] usw. haben mir schlaflose Nächte und viel Arbeit verursacht und unserm Hause eine Einbuße von 40 000 Francs, allerwenigstens.»32

12Es sollte das letzte Mal sein, dass Fisch-Hagenbuch einlenkte.33 Er war nicht mehr bereit, Eschers liberale Interessen bedingungslos zu vertreten und dabei finanzielle Einbussen hinzunehmen. Er stufte deshalb Peter Felber zum Ressortleiter zurück und entzog ihm die Zuständigkeit für den Lokalbereich, so dass er sich nicht mehr öffentlich zur Zürcher Politik äussern konnte.34 Felber seinerseits hätte Escher weiterhin unterstützt, und seine publizistischen Qualitäten wären im Zuge der Verfassungsrevision und dem Erstarken der demokratischen Bewegung im weiteren Verlauf der 1860er Jahre sicherlich hilfreich gewesen.35 Escher sah sich in der Folge nicht mehr hinreichend durch die NZZ vertreten und zog sich mehr und mehr von ihr zurück.

Die Aufhebung des Klosters Rheinau und die Auswirkungen auf das Projekt der eidgenössischen Universität

13Alfred Escher war am 24. Dezember 1861 in die Kommission zur Prüfung des Gesetzesentwurfs zur Aufhebung des Stiftes Rheinau des Zürcher Grossen Rats gewählt worden. Kaum drei Monate später fiel der endgültige Entscheid zur Aufhebung dieses Benediktinerklosters. Am 22. April 1862 wurde ein entsprechendes Gesetz erlassen, und am 6./7. Mai fand die offizielle Übergabe an die kantonalen Behörden statt.36 Die so besiegelte Klosteraufhebung hatte indes eine längere Vorgeschichte, auf die der Grosse Rat in seiner Begründung rekurrierte.37 Er habe einerseits die «für Staat und Kloster unwürdigen Verhältnisse» zu einem Ende bringen, andererseits den zahlreich eingegangenen Gesuchen um eine Wiedereinsetzung des Klosters nicht entsprechen wollen, weil er meinte, damit seine radikal-liberalen Vorgänger in Frage zu stellen und zu desavouieren.38 Für Escher war die Aufhebung «lediglich die Konsequenz von Schlußnahmen, welche der Große Rath seit einem Vierteljahrhundert in dieser Angelegenheit zu fassen sich veranlaßt fand».39 Dies zeigt, wie sehr der Geist der einstigen Reformpartei noch immer nachwirkte, aber insbesondere auch, wie stark Escher selbst von dieser politischen Bewegung geprägt war.40

14Trotz dieser rhetorisch-argumentativen Anknüpfung an frühere Debatten sah sich der Grosse Rat mit hartnäckigen Vorwürfen des Bereicherungsverdachts und der Diskriminierung der Katholiken konfrontiert.41 Er versuchte sich dagegen zu verwahren und betonte, das Klostervermögen werde in erster Linie für die kirchlichen Bedürfnisse der seit dem freien Niederlassungsrecht stetig erweiterten katholischen Gemeinden, aber auch für die Priesterausbildung sowie die Armen- und Krankenversorgung verwendet.42 Escher hatte in seiner Funktion als Grossratspräsident sowohl «gewinnsüchtige Zwecke» als auch «konfessionelle Befangenheit» vehement zurückgewiesen und verlauten lassen: «Steuern wir, meine Herren, fern von Gewinnsucht oder Unduldsamkeit, frei aber auch von krankhafter Sentimentalität, von dem sichern Kompasse des gesunden Menschenverstandes geleitet, entschlossen vorwärts auf der bisher von dem Großen Rathe in dieser Angelegenheit eingeschlagenen Bahn und vergessen wir nicht, daß wenn die Säkularisation des Klosters Rheinau erst jetzt ausgesprochen wird, dies lediglich äußern und zufälligen Umständen zuzuschreiben ist, welche bisanhin der Aufhebung des Stiftes hindernd in den Weg traten.»43 Mit solchen Statements verärgerte er die konservativen Katholiken der Zentralschweiz ebenso wie reformiert-konservative Kreise, die dem Kloster Rheinau Sympathie entgegenbrachten. Dies bestätigte ihm auch der Direktionspräsident der Rentenanstalt, Johann Conrad Widmer, den er eigens zur Sondierung der Stimmungslage in die Zentralschweiz geschickt hatte, in seinem Brief vom 6. Mai 1862 . Widmer hob im wesentlichen zwei Umstände hervor, welche die dortigen Katholiken und insbesondere konservative Kreise gegen Zürich aufgebracht hatten: der allgemeine Eindruck, der Protestantismus nehme überhand, und eben die Rhetorik, mit der die Aufhebung des Klosters Rheinau einhergegangen war.

15Escher hatte sich durch seine kompromisslose Haltung und seine unsensiblen Äusserungen in einer Weise exponiert, die sich nun hinsichtllich eines Unternehmens, das in erheblichem Umfang auf die Zentralschweizer Unterstützung angewiesen war, immer deutlicher abzeichnete. Die Rede ist von der eidgenössischen Universität. Escher hatte das 1854 im Ständerat gescheiterte Projekt im Herbst 1861 wieder ins Auge gefasst und wollte ihm, zusammen mit seinem langjährigen Freund und Präsidenten des Schweizerischen Lehrervereins, David Fries , neuen Aufwind geben.44 Da dieses Projekt schon früher mit Eschers persönlichem Ehrgeiz assoziiert worden war, erstaunt es wenig, dass aufgrund seiner unnachgiebigen Haltung in der Aufhebungsfrage schnell wieder eine Verbindung zwischen einer allfälligen Verwendung des Klostervermögens und der Finanzierung der eidgenössischen Universität hergestellt war.45 Obwohl Escher dies stets zurückgewiesen hatte, gibt es Anzeichen, die auf einen entsprechenden Zusammenhang hindeuten. Als nämlich im Grossen Rat über die Verwendung des für Bildungszwecke vorgesehenen Teils des Rheinauer Vermögens beraten wurde, entwickelte Escher die folgende Vision: Aus einer alten, nicht mehr zeitgemässen Institution wie dem Kloster sollte ein «neues Monument geschaffen werden, auf das man noch in spätern Zeiten hinweisen könne».46 Escher stellte die Hochschulfrage als ein unmittelbares Interesse von Zürichs eidgenössischer Politik dar. Weil die Bundesversammlung, wie er meinte, jederzeit eine eidgenössische Universität beschliessen könne, müsse sich Zürich zwischenzeitlich durch die gezielte Förderung seiner kantonalen Universität als Standort prädestinieren, wozu nun auch die Mittel verfügbar seien. Er verband damit ein kantonales Bildungsinteresse mit der eidgenössischen Universität und dem Klostervermögen und beförderte so die Zustimmung zum Kommissionsantrag bei der abschliessenden Abstimmung im Grossen Rat. Gleichzeitig lieferte er damit seinen Gegnern aber auch einen Anlass für ihre Polemik und bestätigte die in ihren Augen vorliegende Bereicherungsabsicht.47

16Eine weitere Schwierigkeit zeichnete sich seit dem 31. März 1862 mit der Motion Wieland hinsichtlich der Standortfrage ab.48 Neben dem reichen Basel hatten auch andere Städte Anspruch auf die eidgenössische Universität erhoben und konkurrenzierten nun Zürich, das sie bedingt durch die Klosteraufhebung für isoliert hielten. Die Motion Wieland hatte auch Escher überrascht, weshalb er unverzüglich bei seinem wichtigsten Informanten aus dem Bundesrat, Jakob Dubs, nachfragte, ob in Bern bezüglich der Universität ein Dekret erlas sen worden sei, das diese Motion begünstigt habe.49 Dubs schrieb Escher am 3. April 1862 , dies sei zwar nicht der Fall, die Basler Presse und andere Zeitungen hätten den Vorstoss jedoch positiv aufgenommen. Auch Dubs brachte die durch die Klosteraufhebung brüskierten Kreise und die Agitation gegen Zürich miteinander in Verbindung und riet Escher, vorerst eine «etwas zaudernde Politik in dieser Frage einzuhalten». Er legte ihm im Sinne einer Schadensbegrenzung nahe, durch ein gezieltes Entgegenkommen und Engagement für katholische Anliegen sich insbesondere mit den Zentralschweizern zu versöhnen, damit ihnen ein Eintreten für den Zürcher Standort wieder möglich werde. Dubs zeigte sich sehr konkret und engagiert in seinen Vorschlägen und meinte zudem, dass nur so wirklich der Nachweis erbracht werden könne, dass «dem Klostergute eine lebensvollere Verwendung» gegeben werde.50

17Auch für Johann Conrad Widmer, Eschers zweiten wichtigen Berater in dieser Angelegenheit, war es eine Frage der Zeit, die eine erneute Annäherung ermöglichen würde. Denn selbst diejenigen Leute in der Zentralschweiz, die wüssten, dass die katholische Kirche durch die Klosteraufhebung «nicht verliere, sondern gewinne», wünschten, dass sich die Wogen wieder glätteten, um in der Hochschulfrage «frischer für Zürich stimmen» zu können. Widmer ging in seiner brieflichen Rückmeldung aus der Zentralschweiz auch auf die zugrunde liegende Mentalitätsfrage ein. Weil er die Zentralschweizer historisch und wirtschaftlich näher bei Zürich als bei Basel verortete, schien ihm auch die Überwindung der konfessionellen Kluft naheliegend.51 Seine Vorschläge und Einsichten im Hinblick auf eine eidgenössische Universität und eine neue Generation von Studierenden beinhalteten denn auch eine Chance zur Versöhnung und für einen nachhaltigen kulturellen und wirtschaftlichen Austausch.

18Eschers unnachgiebige und undiplomatische Haltung ist zu einem guten Teil den an alte Ressentiments anknüpfenden Konflikten zuzuschreiben, die durch die Klosteraufhebung wieder aktualisiert und in der Folge auf das Projekt der eidgenössischen Universität übertragen wurden. Dagegen scheint der Rückgriff auf sein wirtschaftspolitisches Netzwerk Escher dazu verholfen zu haben, die Situation besser einordnen und die vorherrschenden Stimmungen adäquater sondieren zu können. Die freundschaftlichen Ratschläge, die damit einhergingen, mögen ihm den einen oder anderen Denkanstoss gegeben haben und scheinen auch da und dort in seinen Äusserungen wieder auf.52

Kommentareinträge

1 Zur Brandkatastrophe vgl. Winteler, Glarus Hauptort, S. 202–226; Brunner, Blumer Glarus, S. 83–134; Hauser, Stadt in Flammen; Kaufmann, Spielhof. – Zum Brand von Glarus aus der Sicht von Zeitzeugen vgl. Tschudi, Glarus, S. 27–45; Blumer, Erinnerungen, S. 33(c)–37(d); Becker, Glarner Landsgemeinde; Becker, Brand von Glarus; Senn, Brand von Glarus; Tschudi, Hülfskomite; Berichterstattung in der NZZ und der «Neue Glarner-Zeitung», 1861 und 1862. – Zur Bewältigung von Naturkatastrophen vgl. Pfister, Tag danach; Müller/Fässler/Grünig, Not als Lehrmeisterin; HLS online, Naturkatastrophen.

2 Vgl. Blumer, Erinnerungen, S. 34(d); Alfred Escher an Johann Jakob Blumer, 5. Juni 1861.

3 Zur Freundschaft Eschers und Johann Jakob Blumers vgl. Jung, Aufbruch, S. 96–99.

4 Zeichen der Entmutigung bei Blumer waren vor allem angesichts des verheerenden Ausmasses der Brandkatastrophe aufgetreten. Aus seinen Erinnerungen geht hervor, dass er kurzzeitig auch an eine Auswanderung gedacht hat. Vgl. Blumer, Erinnerungen, S. 34(a–d); Brunner, Blumer Glarus, S. 85–86. Jakob Dubs an Alfred Escher, 3. April 1862 Johann Conrad Widmer an Alfred Escher, 6. Mai 1862

5 Vgl. Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 1. Juni 1861; Blumer, Erinnerungen, S. 34(c), 35(a).

6 Blumer arbeitete zu dieser Zeit an einem Handbuch zum schweizerischen Bundesstaatsrecht. Auch ein Teil des noch nicht abgeschlossenen Manuskripts war verbrannt. Er beschrieb später in seinen Erinnerungen, wie er es wieder rekapituliert hatte. Der erste Band wurde 1863 veröffentlicht. Vgl. Blumer, Erinnerungen, S. 36(a–c); Blumer, Handbuch Bundesstaatsrecht.

7Namentlich erwähnt sind neben dem Archiv für Civilistische Praxis Johann Jakob Hottingers Buch über Zwingli und seine Zeit von 1842, Hegels Philosophie, zudem «zeitgenössische Geschichten» von Adolf Schneider und das Nibelungenlied von einem nicht näher bezeichneten Bachmann. Vgl. Brief Augusta Escher-Uebel an Susanne Blumer-Heer, 28./29. Dezember 1861 (FA Tschudi); Alfred Escher an Johann Jakob Blumer, 4. November 1861, Fussnote 4.

8 Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 9. September 1861.

9 Es gibt verschiedene Angaben zur Höhe des Brandschadens. Der Gemeinderat von Glarus hatte eine Kommission eingesetzt, die sich schon am 13. Mai 1861 mit diesbezüglichen Erhebungen befasst hatte. Es wurden Befragungen durchgeführt und Protokolle erstellt über Gebäude- und Mobiliarschäden. Später wurde eine Revisionskommission gebildet, bestehend aus je zwei Mitgliedern der Regierung, des Gemeinderats und des Hilfskomitees, die diese Angaben prüfte. Insgesamt konnte die Schadensumme dadurch um 1 Mio. Franken reduziert werden. Vgl. Tschudi, Glarus, S. 42; Tschudi, Hülfskomite, S. 37, 61–66; Hülfskomite der Stadt Zürich für Glarus.

10 Ein Katastrophenfall belastete vor allem die kleinen Kantone. Bei einer Risikodeckung von 75% der Schadensumme blieben enorme Beträge zu zahlen, die über Jahrzehnte hohe Schulden und Abgaben mit sich brachten. Glarus konnte auf keinerlei Vermögen zurückgreifen und hatte bereits vor dem Brand hohe Steuern für seinen Budgetausgleich erhoben. Allein die Zinszahlungen für den Schuldbetrag stellte eine grosse Belastung dar.Vgl. Tschudi, Hülfskomite, S. 36–40; Blumer, Erinnerungen, S. 35(b – c).

11 Diskutiert wurden unter anderem die Einführung einer obligatorischen schweizerischen Gebäudeversicherung, die Frage der Rückversicherung und die Bildung von Reservefonds. Die Hauptschwierigkeiten bei all diesen Vorschlägen lagen in den unterschiedlichen Gesetzgebungen der Kantone, aber auch in der Abwägung der Vor- und Nachteile von privatwirtschaftlichen und staatlichen Unternehmungen. Dennoch wurde bereits im Herbst 1861 in der Bundesversammlung beschlossen, erste Massnahmen zur Errichtung eines Konkordats zur gegenseitigen Rückversicherung der kantonalen Gebäudeversicherungsanstalten zu treffen. Ein Jahr später lag ein erster Entwurf vor. Die Gründung von Versicherungsunternehmen, wie der Helvetia Schweizerischen Feuerversicherungs-Gesellschaft in St. Gallen am 7. November 1861 und der Basler Versicherungs-Gesellschaft gegen Feuerschaden im Jahre 1863, resultierte unmittelbar aus den Erfahrungen des Brands von Glarus. Auch die Einführung der professionellen Rückversicherung geht auf dieses Ereignis zurück. 1864 wurde die Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft in Zürich gegründet. Vgl. NZZ, 4. Juni 1861, 6. Juni 1861, 25. März 1862; Fässler, Fürio, S. 83; Müller/Fässler/Grünig, Not als Lehrmeisterin, S. 270. – Zur Entwicklung der Privatversicherungen in der Schweiz vgl. Oberholzer, Privatversicherung; Jung, Winterthur, S. 16–52.

12 Der Brand löste eine grosse Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft im In- und Ausland aus. Vgl. Tschudi, Hülfskomite; Tschudi, Glarus; NZZ in den Wochen und Monaten nach dem Brand unter der Rubrik «Was in den Kantonen für Glarus geschieht»; NZZ, 29. Juli 1861; Fässler, Fürio, S. 60–69; Müller/Fässler/Grünig, Not als Lehrmeisterin, S. 278; Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 7. Juni 1861, Fussnote 4.

13 Vgl. Prot. VR SKA, 14. Mai 1861; NZZ, 15. Mai 1861.

14 Vgl. Hülfskomite der Stadt Zürich für Glarus.

15 Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 7. Juni 1861, Fussnote 4.

16 Aufgrund der unerwartet zahlreich eingegangenen Spendengelder konnte jedoch darauf verzichtet werden. Vgl. Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 20. September 1862; Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 4. Oktober 1862; Hülfskomite der Stadt Zürich für Glarus; Aufruf der Centralkommission der SGG, 12. Juli 1861.

17 Vgl. NZZ, 21. Mai 1861.

18 Vgl. Hülfskomite der Stadt Zürich für Glarus.

19 Vgl. Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 9. September 1861; Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 20. September 1862; Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 4. Oktober 1862; – Auch bei Sachthemen weist der Briefwechsel oft eine persönliche Note auf, etwa wenn Blumer befürchtete, dass den Glarnern eine Annahme weiterer Hilfsangebote «als bettelhafte Zudringlichkeit ausgelegt werden könnte». Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 7. Juni 1861.

20 Vgl. Jung, Aufbruch, S. 262–267.

21 Zur Beziehung Eschers zu Kaspar Lebrecht Zwicky vgl. Jung, Aufbruch, S. 96, 240, 275.

22 Vgl. Brief Augusta Escher-Uebel an Susanne Blumer-Heer, 27. August 1862 (FA Tschudi). – Zu Freud und Leid im Belvoir vgl. Jung, Aufbruch, S. 238–271.

23 Der Brief datierte vom 15. Januar 1862; Friedrich Fisch-Hagenbuch an Alfred Escher, 20. Januar 1862.

24 Sowohl Johann Jakob Rüttimann als auch Georg Stoll waren enge Vertraute Eschers. Rüttimann war ein langjähriger Freund Eschers und sein juristischer Berater bei allen seinen Gründungen. Stoll wurde 1853 von Escher zum Sekretär der Zürich-Bodensee-Bahn und 1858 in die Direktion der Nordostbahn berufen. Ende der 1860er Jahre wurde er Verwaltungsrat der Neuen Zürcher Zeitung. – Zu Rüttimann vgl. Jung, Aufbruch, S. 749–750. – Zu Stoll vgl. Stoll, Stoll; Strebel, Rückkauf, S. 352.

25 Peter Felber hatte das liberale «Solothurner Blatt» redigiert und wechselte nach dem Tod des damaligen NZZ-Chefredaktors Herkules Daverio 1849 in die NZZ-Redaktion nach Zürich. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelang es ihm, allmählich Fuss zu fassen und sich als verlässlicher Berichterstatter der liberalen Zürcher Wirtschaftspolitik zu etablieren. Sein wiederholtes Plädoyer für eine ab 1856 strikt neutrale Haltung der Schweiz gegenüber dem Ausland und seine klare Meinung zum Privatbetrieb der Eisenbahnen und gegen Zentralisierungstendenzen in Eisenbahnfragen machten ihn schliesslich zum Sprachrohr der Zürcher Liberalen, deren Interessen er in der NZZ kämpferisch vertrat. Vgl. Weisz, NZZ, S. 32–87. – Zu Felbers Biographie und Werdegang in der NZZ vgl. Weisz, NZZ; Maissen, NZZ, S. 45–52; HLS online, Felber Peter Jakob; HBLS III, S. 132–133; Blaser, Bibliographie, S. 1201. – Zu Ludwig Herkules Daverio vgl. NZZ, 14. April 1849 (Nekrolog); Weisz, Redaktoren, S. 301–333; HBLS II, S. 672; Weisz, NZZ, S. 10.

26 Zur Geschichte der NZZ und ihrer Redaktoren vgl. Weisz, NZZ; Weisz, Redaktoren; Maissen, NZZ; Meyer, NZZ.

27 Zum Westbahnkonflikt vgl. Halperin, Westbahnkonflikt; Jung, Aufbruch, S. 468–482; Weisz, NZZ, S. 69–72; Zur Eisenbahngeschichte, Der Westbahnkonflikt.

28 Johannes Hagenbuch gehörte dem Gründungskomitee der Kreditanstalt und später ihrem Verwaltungsrat an, mit anderen Worten jenem einschlägigen Kreis liberal gesinnter Männer aus der Zürcher Politik und Wirtschaft, die in engstem Verhältnis zu Escher standen und die dieser für seine Projekte gezielt ausgewählt und gewonnen hatte. Er hatte sich vom Buchhändlerlehrling in der Verlagsbuchhandlung Orell Füssli & Co. zum Teilhaber des Unternehmens hochgearbeitet. 1849 hatte er Peter Felber in die Redaktion berufen. 1854 wurde er zum alleinigen Besitzer und Herausgeber der NZZ. Vgl. Jung, Aufbruch, S. 746, 752, 759–763, 793–803, 814; Weisz, NZZ, S. 84–85, 190–192. – Zu Johannes Hagenbuch und dem Verlag Orell Füssli vgl. NZZ, 10. Oktober 1863 (Nekrolog); Corrodi-Sulzer, Orell Füssli, S. IV–V; Rychner, Orell Füssli, S. 143–144; HBLS IV, S. 52; Jöhr, SKA, S. 557.

29 Vgl. Brief Peter Felber an Jakob Dubs, 17. März 1862, gedruckt in Auszügen, in: Weisz, NZZ, S. 154–155.

30 Brief Peter Felber an Jakob Dubs, 17. März 1862, zit. Weisz, NZZ, S. 154. – Felber hatte in demselben Brief Dubs unter anderem selbst um «ein Zeichen» des Wohlwollens Fisch-Hagenbuchs und um das Erwirken eines langfristigen Vertrags ersucht. Vgl. Brief Peter Felber an Jakob Dubs, 17. März 1862, zit. Weisz, NZZ, S. 154–155.

31 Escher war durch den St. Galler Nationalrat Basil Curti, der ein Jugendfreund Felbers war, über dessen Kündigung informiert worden. Vgl. Brief Peter Felber an Jakob Dubs, 17. März 1862, zit. Weisz, NZZ, S. 154.

32 Brief Friedrich Fisch-Hagenbuch an Jakob Dubs, s. d., zit. Züricher Post, 1. Februar 1903.

33 1868 verkaufte er die Zeitung tatsächlich. Der 1866 gegründete «Politische Gemeindeverein» übernahm unter seinem Präsidenten Eugen Escher 1868 die NZZ und gründete eine Aktiengesellschaft. Eugen Escher wurde der neue Chefredaktor. Felber konnte noch bis zu seinem Tod 1872 in der Redaktion verbleiben, hatte aber keinen massgeblichen Einfluss mehr. Vgl. Meyer, NZZ, S. 59–64.

34 Vgl. Maissen, NZZ, S. 51–52; Weisz, NZZ, S. 190–192, 247–257.

35 Zur Verfassungsrevision und zu der demokratischen Bewegung aus publizistischer Sicht vgl. Weisz, NZZ, S. 193–231, 247–257; Meyer, NZZ, S. 55–58.

36 Vgl. Prot. Grosser Rat ZH, 3. März 1862 (S. 271–275), 22. April 1862 (S. 284–286); NZZ, 25. Dezember 1861, 23. April 1862; Jung, Aufbruch, S. 906, 1006–1007. – Zur Aufhebung des Klosters Rheinau vgl. Schoch, Kloster Rheinau; Schoch, Aufhebung Rheinau.

37 Bereits in den 1830er Jahren war dieses einzige katholische Kloster auf Kantonsgebiet im Zuge der Regeneration ins Visier der herrschenden radikal-liberalen Politik geraten. In den Kantonen Aargau und St. Gallen waren die Klöster bereits damals unter Staatsverwaltung gestellt worden, was auch im protestantischen Kanton Zürich die Aufhebungsfrage belebte. Das Kloster Rheinau war 1836 der kantonalen Verwaltung unterstellt, zu Beitragszahlungen an die Volksschule und die katholische Pfarrstelle in Zürich verpflichtet und so in seiner Autonomie beschränkt worden. Das gleichzeitig erlassene Aufnahmeverbot von Novizen und Geistlichen aus anderen Klöstern kam langfristig einer Aufhebung auf «natürlichem» Wege gleich. Das Kloster sofort aufzuheben hatte einen entscheidenden Nachteil, wie auch Escher fünfzehn Jahre später, 1851, in einem Brief an den liberalen katholischen Pfarrer Josef Anton Sebastian Federer festhielt: «Schon sehr lange ist im Ctn. Zürich davon die Rede, dieses Kloster aufzuheben & wohl wäre es schon längst aufgehoben worden, wenn nicht beinahe die Hälfte seiner Güter im Großherzogthum Baden läge & dieser Staat das Epavenrecht geltend machen würde. Vielleicht wird man trotz dieses ungünstigen Umstandes das Kloster säcularisiren [...].» Alfred Escher an Josef Anton Sebastian Federer, 5. August 1851. Vgl. Alfred Escher an Josef Anton Sebastian Federer, 5. August 1851; Alfred Escher an Josef Anton Sebastian Federer, 6. August 1851. – Epavenrecht: Heimfallsrecht. Ein nicht unerheblicher Teil der ausserkantonalen Ländereien und Güter des Klosters lag auf dem Gebiet des Grossherzogtums Baden und wurde von diesem im Falle einer Klosteraufhebung aufgrund des Heimfallsrechts mit einem staatsrechtlichen Beschlag belegt. Vgl. Staatsvertrag zwischen der schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Grossherzogthum Baden, betreffend die gegenseitigen Bedingungen über Freizügigkeit und weitere nachbarliche Verhältnisse (vom 6. Dezember 1856), in: BBl 1857 I, S. 107–109; Inauen, Brennpunkt Schweiz, S. 214–215. – Zur Regenerationszeit im Kanton Zürich vgl. Wettstein, Regeneration; Schmid, Zürcher Kantonsregierung, S. 81–116. – Zum Kirchenwesen in der Regenerationszeit vgl. Wettstein, Regeneration, S. 437–454.

38 Seit den 1830er Jahren hatte sich die Zahl der Mönche aufgrund eines Novizenaufnahmeverbots von etwa sechzig auf elf verringert. Vgl. Rede des Regierungsratspräsidenten Ulrich Zehnder in der Sitzung des Grossen Rats vom 23. Dezember 1861, in: NZZ, 25. Dezember 1861 sowie sein Votum im Grossen Rat als Referent der Kommission, in: NZZ, 19. Dezember 1861, 4. März 1862, 5. März 1862. – Zu den Gesuchen um die Wiedereinsetzung des Klosters Rheinau vgl. NZZ, 25. Dezember 1861, 4. März 1862; Schoch, Kloster Rheinau, S. 90–92.

39 Eschers Eröffnungsrede im Grossen Rat vom 23. Dezember 1861, in: NZZ, 24. Dezember 1861.

40Zu ihren Vertretern zählte beispielsweise Friedrich Ludwig Keller, Eschers Doktorvater und Kopf der damaligen radikal-liberalen Partei des Kantons Zürich, oder Jonas Furrer, Eschers enger Freund und Mentor, der in ihm nach dem Zürichputsch einen hoffnungsvollen Vertreter der neuen Generation sah, dem er die Erneuerung der liberalen Partei im Kampf gegen die Konservativen zutraute. Vgl. Alfred Eschers Jugendzeit: Freunde und Bekannte (1831–1843), Absatz 21; Die Hochschulmotion von Regierungsrat Bürgi: Alfred Eschers erstes öffentliches Hervortreten (1839); Jung/Koch, Escher Briefe, Band 3; Jung, Aufbruch, S. 78–79, 96–97, 156–158, 173–181; Schmid, Escher, S. 63–65; Gagliardi, Escher, S. 126–128. – Zum Zürichputsch 1839 und Eschers Einstieg in die Politik vgl. Jung, Aufbruch, S. 155–195.

41 Das in Anmerkung 37 erwähnte Epavenrecht bestand 1862 nicht mehr. Vgl. Inauen, Brennpunkt Schweiz, S. 214–215.

42 Vgl. Gesetzesentwurf betreffend die Aufhebung des Stiftes Rheinau und Weisung des Regierungsrathes an den hohen Großen Rath zu dem Gesetzesentwurf betreffend die Aufhebung des Stiftes Rheinau, in: Amtsblatt ZH, 17. Dezember 1861 (S. 1616–1621); NZZ, 4. März 1862.

43 Eschers Eröffnungsrede zur ordentlichen Wintersitzung des Grossen Rats am 23. Dezember 1861, in: NZZ, 24. Dezember 1861.

44 Zur eidgenössischen Universität und den Hochschulfragen allgemein vgl. Jung, Aufbruch, S. 854–889. – Zur Wiederaufnahme des Projekts der eidgenössischen Universität in den 1860er Jahren vgl. Jung, Aufbruch, S. 900–913.

45 Vgl. Jung, Aufbruch, S. 870.

46 NZZ, 3. Juli 1863.

47 Vgl. NZZ, 23. Januar 1862, 13. April 1862, 20. November 1862.

48 Bei dieser von Oberst Hans Wieland im Grossen Rat von Basel eingebrachten Motion handelte es sich um eine Anfrage, ob die eidgenössische Universität nicht auch in Basel eingerichtet werden könne. Die Motion kam relativ überraschend, wurde aber auch als Reaktion auf Eschers Rede im Nationalrat vom 7. Februar 1862 verstanden. Darin hatte er die Bildungspolitik als eine wesentliche Aufgabe des Bundes erwähnt. Vgl. Rede Eschers im Nationalrat, 7. Februar 1862, in: NZZ, 11. Februar 1862, 10. April 1862, 13. April 1862; Der Schweizerbote, 7. März 1862, 3. Juli 1863; Jung, Escher, S. 296; Jung, Aufbruch, S. 911–913; Jakob Dubs an Alfred Escher, 3. April 1862, Fussnote 16.

49 Vgl. Alfred Escher an Jakob Dubs, [2. April 1862]; Jung, Aufbruch, S. 144.

50 Jakob Dubs verwies in den Beispielen, die er Escher für ein Engagement empfahl, auf aktuelle Themen wie die Reorganisation der katholischen Gemeinden, die Einrichtung eines Stipendienfonds oder den Anschluss der katholischen Gemeinden an einen Bistumsverband. Vgl. Dubs, Tagebücher, 3. April 1862; Jakob Dubs an Alfred Escher, 3. April 1862.

51 Vgl. NZZ, 23. Januar 1862, 11. April 1862, 26. April 1862.

52 Vgl. Eschers Votum in der Kommission zur Verwendung des Klostervermögens, in: NZZ, 3. Juli 1863; NZZ, 23. Januar 1862.