Navigation

Jung, Escher Briefe, Band 6, S. 190–213.

Friedrich Lochers Pamphlete «Die Freiherren von Regensberg» und das liberale System Alfred Eschers

Prof. Dr. Joseph Jung

1Man kann es drehen und wenden, wie man will: strukturpolitische Unzulänglichkeiten der repräsentativen Demokratie, das Ineinanderfliessen der Gewalten, Machtballung bei den Häuptern der liberalen Partei und hegemoniales Gehabe ihrer Repräsentanten, Modernisierungsschübe in Wirtschaft und Gesellschaft, Zeitenumbrüche und Verlust von Identitäten, Verunsicherung und Ängste, Nöte und soziale Miseren einzelner Bevölkerungsgruppen – Ursachen und Gründe, die 1868/69 in Zürich das Ende des Systems herbeiführten, sind vielschichtig und komplex. «Die Zeitumstände sind der Tendenz günstig, Unzufriedenheit zu pflanzen»1, hielt Johann Jakob Bucher 1866 in einem Brief an Escher besorgt fest.2 Doch damit ist nicht zur Gänze erklärt, wie es möglich sein konnte, dass die liberale Herrschaft in Zürich derart spektakulär von einem Tag auf den andern einstürzte, einem glanzvollen Palast gleich, der über Nacht dem Erdboden gleichgemacht wird. Mochten die Demokraten in Winterthur haufenweise Argumente für eine neue Verfassung und für die direkte Demokratie nennen, das liberale System Eschers in Grund und Boden reden: Bis Mitte der 1860er Jahre hatten sie damit keine grossen Wellen geworfen. Weit und breit war auch kein Politiker in Sicht, der wortmächtig und kraft seiner Persönlichkeit die Scharen der Bevölkerung hinter der demokratischen Fahne hätte versammeln können. Der Opposition mangelte es an Strahlkraft und Charisma.

2In diese Situation stiess ganz unverhofft ein Mann mit einer schillernden Persönlichkeit: der Jurist Friedrich Locher.3 Dieser spürte, dass die Umwälzung in der Luft lag, wenn Obergerichtspräsidenten, Regierungsräte, Grossräte und Nationalräte wegen Verleumdung und Beschimpfung oder wegen Unterschlagung und Betrug weiterhin vor den Schranken stünden.4 Und er wusste, was zu tun war, um das politische Erdbeben loszutreten.5 Locher artikulierte das, was viele dachten, und steigerte es, indem er die «Opportunität», die «bestehende Diktatur», die «herrschende Clique», die «über das ganze Land netzartig ausgesponnene Cotterie» ebenso personalisierte wie Korruption,6 Oligarchie,7 Plutokratie,8 Servilismus,9 Protektion,10 Einschüchterung,11 Günstlingswirtschaft,12 Willkür in verschiedensten Formen und an allen Orten,13 die Instrumentalisierung von Justiz und Verwaltung14 oder die Unfähigkeit und Dummheit der Richter und Beamten.15 Um an dieser Stelle das Lochersche Register zu schliessen: «Die Söhne Tells sind Fatalisten geworden.»16

3 Locher emotionalisierte, säte Misstrauen, peitschte Leidenschaften auf und verleumdete ohne jede Rücksicht, er zerrte alte Familiengeschichten und das intime Privatleben an die Öffentlichkeit, er kannte keine sittlichen Tabus und hielt sich an keine ethisch-moralischen Normen und Grundsätze, er verdrehte und manipulierte, infam, gerade so wie es ihm dienlich war, halsbrecherisch selbst für Verhältnisse des 19. Jahrhunderts. Dieser Friedrich Locher verstand es wie kein anderer, sich Gehör zu schaffen, denn er verfügte über ein Sprachrohr, das er maliziös beherrschte: Locher war Pamphletist, und seine Schmähschriften, mit grossem Getöse und verheerender Wirkung abgefeuert, fanden reissenden Absatz.17 Zwischen 1866 und 1872 publizierte Locher auf mehr als tausend Seiten insgesamt neun Pamphlete, davon sechs anonym. Sieben Pamphlete sind unter dem Haupttitel «Die Freiherren von Regensberg» erschienen.18 Bereits wenige Tage nach dem Erscheinen der ersten «Freiherren» wusste tout Zurich und bald schon die ganze Schweiz, wer der Verfasser war.19

4Der Antriebskräfte, die Locher gegen das liberale System und dessen Repräsentanten zu Kampfe ziehen liessen, waren viele: Dass er beim Anwaltsexamen durchgefallen war, mag ihn mit Rachsucht erfüllt haben, ein verlorener Prozess ebenso.20 Auch musste er erkennen, dass die liberale Gesellschaft nicht auf ihn gewartet hatte. Sein Lebenswandel, der ihn mit anrüchigen Subjekten in Wirtshäusern und Bordellen herumtreiben liess, und seine leidenschaftliche Neigung zu Hass, Streit, Macht und Ansehen waren der Aufnahme in diese massgebenden Kreise nicht förderlich.21 Dazu kam eine zunehmende Frustration als Anwalt, der sich hauptsächlich mit kleiner Klientel herumzuschlagen hatte und mit Misserfolgen konfrontiert sah, was er indes nicht seinen mangelnden Fähigkeiten und Qualifikationen zuschrieb, sondern den Gerichten und Obergerichtspräsident Rudolf Eduard Ullmer als deren Personifikation.22 Auf dieser Argumentationsschiene weiterfahrend, kommt man zu den liberalen Häuptern und deren Oberhaupt Alfred Escher, die Locher für sein persönliches Scheitern verantwortlich machte. Die Erkenntnis des Pamphletisten, der Beruf eines Advokaten arte in Charakterlosigkeit und Geldschinderei aus, mag in solchem Realitätsempfinden begründet liegen.23 Kurzum: Friedrich Locher war in der praktischen Umsetzung seiner Karriereplanung gescheitert. Und so mag man der Meinung zustimmen, Lochers Hang wäre besser nicht zur Juristerei gegangen, sondern vielleicht zur Geschichte, wohin es ihn ursprünglich zog, oder zur Bühne, wo er Stücke, Rollen und Texte von Opern, Operetten und Theater zu deklamieren wusste.24 Oder er hätte, seinem Klassenkameraden Gottfried Keller nacheifernd, sich in der Literatur versuchen können.25 Schliesslich erscheint es als zweifelhaft, ob die Theologie das Richtige gewesen wäre, wie sein Onkel, Johannes von Muralt, Pfarrer an der deutsch-reformierten Gemeinde in St. Petersburg, und der Zürcher Chorherr Kramer ursprünglich meinten.26 Denn Locher folgte auf seinem Lebensweg nicht der Richtschnur der Deontologie, sondern einem eigenen Verständnis von Wahrheit und Gerechtigkeit.27

5 Lochers geringe juristische Kompetenz und seine mangelhafte Professionalität in der Anwaltstätigkeit finden sich in zeitgenössischen Quellen dokumentiert.28 Schonungslos ist die Einschätzung von Obergerichtsschreiber Leonhard Tobler, dem man parteipolitische Subjektivität und liberale Cliquenwirtschaft nicht vorwerfen kann, gehörte dieser doch dem konservativen Zürcher Lager an: «Es ist immer schlimm, wenn ein Mensch, dem es an sich an Begabung nicht mangelt, seinen Beruf so ganz und gar verfehlt, wie dieß bei Hrn. Locher der Fall ist. Herr Locher hat gezeigt, daß er gewandt zu schreiben versteht. Als Zeitungsreporter, als Schriftsteller leichterer Gattung hätte er sich, wie wir ernstlich glauben, in der Literatur einen nicht unehrenvollen Namen zu erwerben vermocht, seine üppige Phantasie hätte ihm als Romanschriftsteller treffliche Dienste geleistet. Seine Bekannten wissen zudem, daß er ein ausgezeichnetes Schauspielertalent besitzt. Wenn nicht im tragischen Fache, doch jedenfalls auf dem Felde der niedern Komik hätte Herr Locher sicherlich seinen Weg gemacht. Der Pamphletist hat aber die Rechte studirt, schreibt sich Dr. juris, praktizirt als zürcherischer Advokat und nennt sich nicht Literat, sondern ‹schweizerischer Jurist›. Ein Jurist ist nun aber Herr Locher nicht. Dazu fehlt es ihm einfach an Allem. Vorerst an Kenntnissen.»29

6 So schien für Locher 1866 der Zeitpunkt gekommen zu sein, sich an den verhassten zürcherischen Behörden zu rächen, um damit gleichzeitig die eigene politische Karriere endlich zu lancieren – gemäss seinem sarkastischen Resümee, «daß bei uns der Weg in den Rathssaal durch das Zuchthaus führe».30 Johann Jakob Rüttimann, als Bundesrichter, Ständerat, Rechtsprofessor im jungen Bundesstaat hochangesehen, wegen seiner Nähe zu Escher aber auf Lochers Hauptradar, spannte den Bogen von den Rachemotiven zur Methode des Pamphletisten.31 «Um die persönlichen Motive zu verhüllen und um Bundesgenossen zu gewinnen, wird jede Thatsache, welche irgendwie einem Tadel unterliegen kann, generalisirt und ‹dem System› zur Last geschrieben. Allein es wird kaum gelingen, auf diesem Wege das Pamphlet als eine erlaubte Waffe in einem ehrlichen Prinzipienkampfe zu habilitiren. Die Willkür, mit welcher rein lokale Vorgänge zu einer Angelegenheit der gouvernementalen Partei in ihrer Gesamttheit gestempelt werden, ist so augenfällig, daß kein unbefangener Beobachter durch den Kunstgriff sich täuschen lassen wird.» Rüttimann ist teilweise zu widersprechen: Locher ging es nicht um einen «ehrlichen Prinzipienkampf». Und das Zürchervolk? Es wollte sich täuschen lassen – «augenfällig»!32

«Miserabilitäten»

7Im Regensberger Milieu rieb Friedrich Locher seine Aversionen gegen die liberale Herrschaft zunächst an Dorfpossen und Lokalgeschichten, bevor er sich den «Grossen der Krone Zürichs» selbst zuwandte.33 Im Jahre 1866 veröffentlichte Locher die ersten zwei seiner «Regensberger Schriften»: «Einst. Die Freiherren der älteren Linie» und «Jetzt. Die Freiherren der Gegenwart». Die erste, 60 Seiten umfassende Publikation erwies sich zunächst als harmlos. Erzählt wird die Geschichte des im 14. Jahrhundert ausgestorbenen Freiherrengeschlechts, ergänzt durch einen Stammbaum und zwei eingeschobene Erzählungen Martin Usteris über jene vergangene Zeit. Doch bereits in diesem Pamphlet kommt Locher auf den ersten zwölf Seiten auf die Gegenwart zu sprechen. Er moniert, dass das Schicksal der Republik in der Hand eines «Prinzeps» liege, der alle Stellen und Positionen mit «Getreuen» besetze und die kritischen Kräfte verdränge. «Der Prinzeps kann sich damit begnügen, von Zeit zu Zeit die entsprechenden Direktionen zu geben und sich aus jeder verantwortlichen Stellung zurückzuziehen, um sich einträglicheren Beschäftigungen zu widmen [...] und eine Eisenbahn, Bank, oder sonstiges industrielles Etablissement bietet ihm den Gehalt eines Fürsten.»34 Auch kritisierte er bereits in diesem Pamphlet die Zürcher Rechtspflege. Diese sei korrumpiert. An ihre Stelle trete die «Opportunität» aufgrund der «Geschmeidigkeit der Untergebenen», und neben die Pressefreiheit sei «der Galgen» gestellt.35

8Als veritable Schmähschrift gestaltet sich die zweite Publikation, «Die Freiherren der Gegenwart». In ihr beschreibt Locher angebliche Mißstände in der lokalen Verwaltung und im Gerichtswesen des idyllischen Städtchens Regensberg, wobei er ausführlich Prozessakten ausbreitete und aus Protokollen des Gemeinde- und Bezirksrates zitierte. Er kolportierte Regensberger und Rümlanger Dorfwirren – vielfach belanglose Geschichten – und zeichnete politische Intrigen nach, die sich offenbar unter den «Dorfmagnaten» abgespielt hatten.36

9Auf welchem Niveau diese «Miserabilitäten» tatsächlich anzusiedeln sind, die Locher mit den stärksten Worten geisselte und als charakteristisch für die Verwerflichkeit des Systems bezeichnete, dokumentieren die Korrespondenzen, die Escher aus Regensberg und Umgebung erhielt. Da ging es um «eine mehr Fluch als Segen bringende Pfarrwahl und andere Gemeindezwistigkeiten», um die Strasse von Regensberg ins Wehntal, zu deren Bau die Gemeinde Steinmaur durch Regierungsbeschluss gezwungen worden war; man erfährt, dass ein «Müller Kunz, obgleich großer Gewerbbesitzer u. Verkehrsmann, nicht einen Rappen an die Eisenbahn gegeben, sondern ... [dem System] immer entgegengearbeitet» habe. Es sei wohl die Hauptortsfrage gewesen, welche den Leuten im Bezirk Regensberg die Köpfe verdreht und dazu geführt habe, dass der liberale Kandidat nicht gewählt worden sei. «Dielsdorf hat immer wieder an der Sache herumgemacht, dann hat es in Präsident Benz, einem sonst ganz ordentlichen, aber ziemlich von der Eitelkeit angefressenen Mann [...] einen Großrathscandidaten aufgestellt; Niederglatt wollte Salomon Volkart haben und da wäre es für Rümlang und Niederhasli fast eine Schande geworden, wenn sie nicht auch ihren Großraths-Kreisgerichtspräsidenten oder Kreisrichtercandidaten gehabt hätten und mit dem Eifer für solche Liebhabereien verlieren diese Leute bald den Verstand und nicht weniger die Charaktertreue.» Und weiter kommentiert Johann Jakob Bucher seinem Freund Escher, dass eine weitverbreitete Unsicherheit herrsche und «in einer fast ekelhaften Weise» jedermann Bedauern heuchle, «ja die eine Gemeinde beschuldigt die andere, man kann auf niemandes Wort gehen und man weiß nicht, wem man trauen darf [...], die Stimmung ist zu schlecht und zu lottermäßig».37

10Solche Dorfgeschichten pflückte Locher wie reife Früchte und machte sie zu Zürichs Schicksalsfragen. Dabei hielt er sich nicht an die historische Faktentreue, zitierte bruchstückweise, riss Aspekte und Ereignisse aus dem Zusammenhang, paraphrasierte und kolportierte, seinen Intentionen frei folgend. Die gegenwärtigen «Freiherren» werden bespottet und der hämischen Verachtung preisgegeben. Es sind dies namentlich: Johann Jakob Ryffel, Johann Jakob Bucher und Jakob Bader.38 Diese Politiker und Amtspersonen seien zusammen mit anderen «Matadoren» Teile eines «Systems», an dessen Spitze der «Prinzeps» stehe: Alfred Escher. Dieser beherrsche den Staat, indem er politisch nicht in seinem Sinn agierende Personen aus Amt und Würden dränge und die Stellen mit «Getreuen» besetze. Zürich wird als ein Sumpf von Bürokratie und Willkürherrschaft dargestellt; es herrschten «Servilismus» und «Despotismus».39 Überall im Kanton werde nach den Wünschen und Methoden der «Systemmänner» in Zürich gehandelt. «Man wird bemerken, daß das Prinzip der Gewaltentrennung bei uns nicht in's Kleinliche getrieben wird.»40 Nicht Recht herrsche, sondern Opportunität. Einen Rechtsstreit bestehen, heisse «in die Lotterie setzen»; den Prozess gewinnen, «einen günstigen Richter» oder «gute Briefe haben».41 Die heilige Justitia trage anstatt der Binde eine Brille, «durch welche sie aus den Gesetzestafeln die sakramentalen Worte: ‹Gibst du mir 'ne Wurst, so lösch ich dir den Durst!› herausdistelt. [...] Prinzipien werden niedergetreten, Todfeinde umarmen sich, wenn es gilt einen Handel zu schließen. Nichts ist unerwartet, Alles erklärlich, nil mirari!»42

11Wie Locher selbst deklarierte, war es sein vordergründiges Ziel, Misstrauen gegen die Herrschenden zu wecken, Aversion und Groll zu schüren.43 «Wenn einmal die mittelalterlichen Zwingburgen und Bollwerke falscher Götzenbilder niedergerissen, der sogenannte Respekt, welcher so viel Unheil in der Welt anrichtet, ausgerottet sein wird und der gemeine Bürger aufathmen und mit seiner Meinung herausrücken darf, wie ihm der Schnabel gewachsen – selbst wenn der Herr Verwaltungsrath sich im Nebenzimmer befinden sollte – dann, o Herr, lässest Du Deinen Diener in Frieden dahinfahren, von wannen er nimmer wiederkehren wird!»44 Doch Locher wollte nicht nur Feuer entfachen, er wollte niederbrennen: «Fort mit dem corrupten System! Was hat dasselbe für wirklichen Fortschritt gethan? Eisenbahnen, Kreditinstitute, materielle Schöpfungen, deren es sich bemächtigt hat, wären doch vorhanden, nur auf soliderer Basis; während jetzt Alles von ihm selbst ausgenutzt und angefault ist.»45 Lochers Methode, an den «Freiherren der Gegenwart» erprobt und in den folgenden Pamphleten weiterentwickelt, bestand darin, dass er den Lesern sensationsheischend ein Gemisch aus Wahrheit und Erfindung präsentierte. Von den Mächtigen des Staates, die ihre Herrschaft skrupellos zum eigenen Vorteil ausnützen, zeichnete er ein grauenerregendes Bild. Mit Häme und Spott machte Locher einen Gegner nach dem anderen aus, wühlte in dessen beruflichem oder politischem Umfeld und entblösste dessen Privatleben, um ihn – so des Pamphletisten eigene Worte – «wie die Artischoke, Blatt für Blatt» zu verspeisen.46

Obergerichtspräsident Ullmer unter Dauerbeschuss

12Im Jahre 1867 veröffentlichte Locher vier weitere Pamphlete: «Die Freiherren vor Schwurgericht», «Die Grossen der Krone Zürich», «Othello, der Justizmohr von Venedig» und «Der Prinzeps und sein Hof». Mit diesen Schriften steckt Locher sein finales Ziel ab: Er will das «System [...] sprengen». Er bezwecke nichts weniger, als dass das zürcherische Volk mit «zehntausend Unterschriften» den Grossen Rat abberufe und die «Matadorenwirthschaft» stürze.47 «Wie lange gedenkt Ihr Euch in der Republik noch zu halten, durch die brutale Staatsgewalt Recht, Wahrheit, Freiheit und Intelligenz zu unterdrücken? [...] Macht Euch keine Illusionen über Eure Popularität.»48

13«Die Freiherren vor Schwurgericht» und «Die Grossen der Krone Zürich» thematisieren die Injurienprozesse, die sich aus den Pamphleten entwickelt hatten.49 Indem er schwurgerichtliche Verhandlungen veröffentlicht, will Locher «den Respekt vor falschen Autoritäten» niederreissen «und das Selbstbewußtsein des Bürgers» kräftigen.50 In diesem Kontext wird Eduard Häberlin – «das sinkende Gestirn des Kantons Thurgau, die rechte Hand des Prinzeps in diesem Nachbarkanton» – tragikomisch in Szene gesetzt. Juristische, politische und wirtschaftliche Tätigkeiten Häberlins werden verspottet, die Vielzahl seiner Ämter und Funktionen ironisiert. Häberlin – um lediglich die wichtigsten zu nennen – war damals gleichzeitig Kantonsrat, Erziehungsrat, Ständerat, Staatsanwalt, Bundesrichter und Direktionsmitglied der Nordostbahn-Gesellschaft.51 Locher macht daraus folgendes: «Von der Ehre allein hat man freilich noch nicht gegessen. Wenn man aber neben fixen Besoldungen noch von vierzehn Stellen Taggelder und Reisespesen verrechnen kann, für mehr Tage als das Jahr hält, während man stets mit Freibillets gratis in der Welt herumreist, so sollte man neben Manchem, was so nebenbei fließt und liegen bleibt, – nicht zu kurz kommen. Man muß sich nur nicht geniren, denn probiren geht über studiren! Wie kann man aber so viel Geschäfte besorgen, wie kann man zugleich in Weinfelden, Frauenfeld, Zürich und Bern sein? Nichts leichter als dieß. Wozu ist man Diätenbicker? – Man hat ja die Eisenbahnen. O wie köstlich, o wie köstlich ist das Reisen, wenn es nichts kostet und noch einträgt!» Und unverhofft wird «Meister Häberlin, von Bißegg» von Locher auf die Bühne gestellt und rezitiert – dem Libretto frei folgend – die berühmte Arie des Bürgermeisters aus der Oper «Zar und Zimmermann» von Albert Lortzing: «O sancta justitia!» Und so bekommt man im Pamphlet «Die Grossen der Krone Zürich» von Häberlin zu lesen:

«Ein Glück, daß ich mein Amt verstehe
Und sapientissime Alles wend' und drehe;
Daß mein Ingrimm Akten weiß zu schmieren
Und das Concilium am Gängelband zu führen;
Daß ich weiß zu bombardiren,
Zu rationieren und zu expectoriren,
Zu inspzieren,
Zu raisonniren,
Zu echauffiren
Und zu maltraitiren.
Res publica hab' ich stets im Sinn!
Man weiß es ja, daß ich ein Codex bin.
Alt und Jung ruft mir zum Preise:
Ich sei Sardams größtes Licht!
O ich bin klug und weise
Und mich betrügt man nicht. [...]
Mit einem Wort, man sieht mir's an,
Ich bin ad speciem ein ganzer Mann!»52

14Nachdem Locher solcherart zunächst mit Häberlin «leicht gefrühstückt» hatte, rüstete er sich zum Essen mit einem weiteren Gast aus Eschers engstem Umfeld: mit dem Zürcher Obergerichtspräsidenten Ullmer, nun aber «zu einem Diner en règle mit verschiedenen Gängen, hors d'oeuvres, Dessert, Caffee, petits verres, Bier und Grog».53 Damit ist der methodische Hauptangriff auf das System lanciert.54 Mit Lochers Worten: «Man durchsägt ihm eine Krücke nach der andern. Man nimmt ihm seinen Bader, seinen Bucher, seinen Häberling, und nun auch noch gar seinen Ullmer. Bald hoppt es nur noch auf einem Bein. Noch ein kräftiger Stoß und es fällt. Ha, Ha, Ha! – Rule Britannia! Wie der Vogel Strauß, steht es nicht mehr auf.»55

15Dass Locher den Zürcher Obergerichtspräsidenten Ullmer unter Vollbeschuss nahm und mit ihm den Thurgauer Ständerat Häberlin, erklärt sich aus der Eskalation eines Prozesses, der sich über Jahre hingezogen hatte.56 Allerdings ist zu sagen, das Ullmer und Locher zuvor in anderen Streitsachen bereits aneinandergeraten waren und ihre Beziehung als notorisch belastet qualifiziert werden muss.57 Was nun den erwähnten Prozess von 1867 betrifft: Locher hatte am Seitenrand eines Schreibens des Zürcher Obergerichts, das in den Prozessakten abgelegt war, kommentiert: «O Ullmer, Schurke!» Darauf strebte Ullmer gegen Locher einen Verleumdungsprozess an. Wegen dieser Randglosse, vom Gericht als Amtsehrverletzung qualifiziert, wurde Locher zu acht Tagen Gefängnis, 100 Franken Busse und 30 Franken Entschädigung verurteilt.58 Beizufügen ist in diesem Zusammenhang, dass Locher es zunächst «mit frecher Stirne» abgestritten hatte, den beleidigenden Kommentar zu Ullmer geschrieben zu haben. Darauf wurde Sekundarlehrer Mayer in Neumünster (Zürich) zum Schriftexperten ernannt. In seinem Gutachten sprach er sich entschieden dafür aus, dass die Randbemerkung unzweifelhaft von der Hand Lochers stamme. Nun erklärte sich Locher tatsächlich als Autor, worauf er vom Bezirksgericht Zürich zu vier Tagen Gefängnis und einer Busse von 150 Franken verurteilt wurde.59

16 Lochers Rache war fürchterlich und folgte mit zwei weiteren Pamphleten auf dem Fuss. «Die Freiherren vor Schwurgericht» und «Die Grossen der Krone Zürich» erregten eine ungeheure Sensation, wie zeitgenössische Kommentatoren festhielten.60 Genüsslich verwies Locher auf einige «Justizmorde», an denen Ullmer mitgewirkt habe. Dabei richtete er den Fokus auch auf Prozesse, in welche die Escher-Schöpfungen Kreditanstalt und Nordostbahn verwickelt waren und bei denen die Fehlurteile mit Händen zu greifen seien: «Es ist aber unbestreitbare Thatsache, daß so zu sagen kein wichtigerer Prozeß entschieden wird, in welchem Herr Ullmer nicht privatim mit der einen oder andern Parthei conferirt hätte. Bei den Prozessen der Kreditanstalt und der Nordostbahn ist die Sache mit Händen zu greifen und es ist gerade, wie wenn diese Hohe Herrschaften selbst zu Gericht säßen.»61 In seinem Frontalangriff zeichnete Locher ein mit unglaublich anmutenden Skandalen gespicktes, vernichtendes Bild des Obergerichtspräsidenten, der sich im Pfuhl der Laster wälze, von unersättlicher Habsucht beseelt sei und unter dem Scheinmantel des Rechts an seinen Gegnern Rache übe. Locher führt Ullmersche Vermögens- und Erbgeschichten ins Feld, berichtet, dass dieser seinen eigenen Bruder Karl nach Kleinasien ins Exil geschickt habe oder dass er die Existenz eines unehelichen Kindes verschleiere.62 Und dann Lochers Conclusio: «Das also ist fürderhin unser Herr und Meister, die rechte Hand des Prinzeps, der Eichmeister der Maße und Gewichte der Gerechtigkeit! Gott sei dem armen Sünder gnädig!»63

17Auf den Verleumdungsprozess Ullmers reagierte Locher mit «Othello, der Justizmohr von Venedig», konzipiert als offener Brief. Darin verstärkte er die Vorwürfe an den im «Venedigli» in Zürich-Enge wohnenden Ullmer: Dieser sei korrupt und parteiisch. Locher führt aus, dass Ullmer «nicht weniger als einundzwanzig Anklagen auf ‹Amtsehrverletzung durch Verläumdung›» gegen ihn erhoben habe, verbunden mit dem Wunsch, dass ihm das Anwaltspatent entzogen und er der «Ausübung der Advokatur für immer als unwürdig erklärt werden möchte».64 Ausführlich und bis in Details schildert Locher skandalöse «Concubinats-, Paternitäts- und Unzuchtverhältnisse».65

18 Ullmer habe «praktische Paternitätsstudien» betrieben, «er ist also Paternitätsdoktor! [...] Kein Pascha von drei Roßschweifen lebt großartiger, als der gewesene Gerichtschreiber von Regensberg66 Statt nach Mose heisse es neu nach Ullmer: «Du sollst Dich lassen gelüsten deines Nächsten Weib, dessen Tochter, dessen Magd, so wie des Fremdlings, der bei dir zu Gaste ist usw.»67 Oder: «Herr Ullmer setzt die Thatsache, daß er eine Weibsperson geschwängert, derselben ein Eheversprechen gegeben, ihr dasselbe wieder entwendet und schließlich die Vaterschaft seinem Bruder Karl aufgebürdet habe, in Abrede und verlangt Beweise.»68 In einer Prozeßsache habe eine Frau bei Ullmer vorgesprochen, um «gut' Wetter zu machen. Der Herr Obergerichtspräsident habe sie bei dieser Gelegenheit um die Gestalt gefaßt und auf das Sopha ziehen wollen.»69 «Bäbeli Schreiber, bei der gedeckten Brücke, in Riesbach, hatte zwei Kinder von Herrn Obergerichtspräsident Dr. Ullmer, von denen das eine gestorben ist.»70 In diesem Fall publizierte Locher die Person namentlich, in anderen Fällen habe er die Eigennamen aus Rücksicht für die Betreffenden weggelassen.

19Der Obergerichtspräsident, «übersättigt von der Gunst des Bachus und der Venus», wird zum Symbol des ganzen Systems.71 «Sagt man, ein Hochgestellter sei ein Betrüger, so wird man bestraft; sagt man, er sei kein Betrüger, so wird man auch bestraft.»72 Das System protegiere und betreibe Günstlingswirtschaft. «Der Nepotismus, welcher Anfangs schüchtern aus dem Fenster geschielt, geht bald auf offener Straße spazieren»,73 instrumentalisiere die Presse – «hier trieft Alles von Loyalität, Submission und Weihrauch» – und die «Lakaiengerichte»74 – «Wagt ein Journal die kühne Behauptung, daß weiß weiß und schwarz schwarz sei, flugs hat man ihm ein halbes Dutzend Prozesse an den Hals gehängt».75

«Was soll man zu diesem Unsinn sagen?»

20Nachdem er den Lebenswandel Ullmers in den grellsten Farben dargestellt und dessen Person und Tätigkeit als Obergerichtspräsident mit schauerlichen Geschichten unmöglich gemacht hatte, kam Locher zum Fazit:76 Der Fundamentalgrundsatz eines jeden Staatswesens, sei es nun eine Republik oder eine Monarchie, nämlich die Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz, sei unter der Ullmerschen Herrschaft zur lächerlichen Illusion geworden. Hatte Locher, bildlich gesprochen, im Verlaufe der Herausgabe seiner Pamphlete sukzessive einen liberalen Herren nach dem andern vorgeknöpft und dabei das System zusehends seziert, war er mit dieser Methode dem personellen Mittelpunkt nähergerückt. Im Spätherbst 1867 schien ihm der Zeitpunkt gekommen, zum Schlag gegen Alfred Escher höchstpersönlich auszuholen. Dies tat er mit der 56seitigen Schrift «Der Prinzeps und sein Hof». In den Fokus der Locherschen Kritik wurde auch Eschers rechtliches Gewissen, Johann Jakob Rüttimann, gerückt. Dieser hatte nämlich auf Lochers erste Pamphlete mit einer eigenen Publikation repliziert.

21 Locher hatte – nicht zum ersten Mal – die Kreditanstalt der Spekulation bezichtigt. Die Bank habe «lauter Unglück über das Land gebracht».77 Deren Verwaltungsräte beschuldigte er der Habgier: «Vorwärts, noch mehr!» Konkret warf er ihnen vor, «Tantièmen bis auf 10 000 Franken» zu beziehen.78 Die Kreditanstalt und Eschers andere materiellen Schöpfungen, Elemente des «korrupten Systems», stellte er als Beispiel für Zürichs Niedergang dar. Seit die Welt bestehe, habe sich Zürich nie in einer schlimmeren Lage befunden. Zuvor der wohlhabendste, blühendste und solideste Kanton der Eidgenossenschaft, sei Zürich unter Escher verkommen. «Daran sei nicht der amerikanische und der deutsche Krieg, nicht die Unsicherheit aller europäischen Zustände, nicht das Schwanken der Baumwollenpreise, nicht das Papiergeld und der Zolltarif der Vereinigten Staaten, sondern einzig und allein das System Schuld.»79

22Mit diesem «Unsinn» rechnete Rüttimann, Vizepräsident der Kreditanstalt, ab.80 Bewaffnet mit deren Geschäftsbüchern, tritt er den Beweis an, dass die Bank nicht, wie der Pamphletist behauptete, Kredite in Millionenhöhe nach Spanien, Mexiko, in die Türkei und überallhin auf der ganzen Welt vergeben habe, nur nicht in der Schweiz. Ebenfalls setzte sich Rüttimann mit den Vorwürfen auseinander, die Bank stelle der Industrie kein Kapital zur Verfügung, sie begünstige die Überproduktion oder locke zu unverhältnismässigen Unternehmungen. Solche Behauptungen bezeichnete er als lächerlich. Am Beispiel der Rentenanstalt wies Rüttimann nach, wie fruchtbar und segensreich das Wirken der Kreditanstalt sei. Vehement und abgestützt auf Zahlen wies er Lochers Vorwurf, Escher habe sich durch die Kreditanstalt bereichert, zurück. Und Rüttimann führte aus, schwarz auf weiss, dass Escher von 1856 bis 1867 keine einzige Aktie der Kreditanstalt verkauft habe. Er besitze somit noch alle Aktien, die ihm seinerzeit bei der Gründung zugeteilt worden seien. Dann kam Rüttimann auch auf das Salär von Escher zu sprechen und hielt mit aller Bestimmtheit fest, dass der Präsident wie die übrigen Verwaltungsräte kein Gehalt und keine Taggelder beziehen würden. Die Mitglieder des Verwaltungsrates erhielten lediglich Tantièmen, und diese auch nur in den Jahren, in welchen den Aktionären mehr als 5% Dividende zugesprochen werde. Dies bedeutete, dass Escher in seiner Funktion als Verwaltungsratspräsident der Kreditanstalt von 1856 bis 1867 als Gesamtentschädigung jährlich «Fr. 2633.33 Rp.» erhielt.81 Diese Summe erhält ihre qualitative Bedeutung, wenn man sie mit dem Gehalt vergleicht, das in den Gründerjahren der Kreditanstalt den Kadermitarbeitern der Bank bezahlt wurden. Das Salär des ersten Kassiers wurde 1856 mit 3500 Franken berechnet. Dem «Bureau-Chef», der von Frankfurt am Main nach Zürich übersiedelte, wurde 1858 ein Gehalt von 3000 Franken bezahlt; dazu kam ein Beitrag an die Umzugskosten.82

23Hatte Rüttimann mit diesen Ausführungen Locher masslos falscher Behauptungen überführt und dessen «Ausfälle gegen Herrn Dr. Escher» berichtigt, ging es ihm im weiteren darum, die besudelte Ehre des Zürcher Gerichtswesens wiederherzustellen.83 Mit seiner Kompetenz als Professor für Zürcher Privatrecht, Staatsrecht und Verwaltungsrecht, der sich zudem als Bürger von Regensberg, als Grossrat und Regierungsrat jahrelang zwangsläufig mit den verschiedenen Zürcher Gerichten zu beschäftigen hatte, ging er mit Lochers Ausführungen zu Gericht. Dabei listete er Fall für Fall auf und kennzeichnete inhaltliche Unhaltbarkeiten, abstruse Behauptungen und falsche Beweisführung. Er hielt Locher den Spiegel der Unlauterkeit, der Lüge und der Manipulation vor und exemplifizierte dessen mangelhaftes juristisches Fachwissen und fehlende Professionalität als Anwalt. Rüttimann kam auch auf solche Fälle der Zürcher Gerichtspraxis zu sprechen, wo er persönlich sich dem Urteil nicht zwingend anschliessen konnte, da man in guten Treuen unterschiedlicher Meinung sein könne, und auf andere, die seiner Meinung nach tatsächlich falsch entschieden worden waren. Allerdings seien dies Einzelfälle, lägen Jahre und Jahrzehnte zurück, lokale Angelegenheiten, die in keinem Fall zu einer Sache des Systems gemacht werden dürften.84 Mit einem solchen Verdikt aus der Feder eines der renommiertesten damaligen Schweizer Rechtsgelehrten war Locher unübersehbar gebrandmarkt. Doch dies schien ihn nicht zu bekümmern. Die breite Bevölkerung war nicht empfänglich für professorale Repliken und an Details der juristischen Fallbearbeitung nicht interessiert. Und so produzierte und publizierte der Pamphletist weiter. Denn ihm ging es nicht um historische Wahrheit, Faktentreue, Gerechtigkeit. Er verfolgte andere Ziele.

24Die persönliche Beziehung zwischen Locher und Escher wurde von Rüttimann zum Gegenstand seiner Ausführungen gemacht. Tatsächlich sind Besuche von Locher in Eschers Belvoir wie auf einzelnen gesellschaftspolitischen Plattformen des Systems dokumentiert, etwa in der Akademischen Mittwochsgesellschaft und im Café littéraire, wo, bildhaft gesagt, der Prinzeps Hof hielt und die Zürcher Politik bestimmte. Rüttimann berichtete, dass Locher, als es um die Wahl ans Obergericht gegangen sei, bei Escher vorgesprochen und um seine Unterstützung ersucht habe.85 Im «Prinzeps und sein Hof» stellte Locher diese Aussage nun aber ins Gegenteil um: Escher habe ihn zu einem Besuch im Belvoir recht eigentlich genötigt und ihm vor Ort eine Stelle als Bezirksrichter angeboten.86 Das Belvoir beschrieb Locher mit glanzvoll-fürstlichen Szenerien, damit Eschers Macht, Einfluss und Reichtum vorführend. Locher begründete ebenso einen weiteren Besuch, den er an diesem Ort gemacht habe, auf seine Weise: Er sei aus existentiellen Gründen zu Escher gegangen. Um dann mit einem Griff in die Vergangenheit zu erklären, dass er diesen Bittgang nicht gemacht hätte, besässe er die Gelder, welche die Familie Escher seiner Familie schuldig sei. Mit diesen perfid anmutenden Wendungen rückte Locher Alfred Eschers Familiengeschichte erneut ins Licht der Öffentlichkeit und mischte in bekannter Manier Vorkommnisse neu auf, die Jahrzehnte und Generationen zurücklagen.87 Locher wörtlich: «Rasch eilte ich dem Portal des Belvoir's zu. Gärtner schritten bedächtig hin und her, rechten die wohlgepflegten Wege und säuberten die Beeten von rauschenden Blättern. Der Kutscher putzte das Beschläge der Karosse. Aus den entlaubten Gebüschen aber tauchten die weißen Mauern des Schlosses empor. Der Kettenhund legte die Schnauze auf die Pforte und maß mich mit dem Stillschweigen der Verachtung. Es ist eine schöne Besitzung, das Belvoir! – Sonderbar aber geht es zu in der Welt. Gibt es wirklich eine Vorsehung, eine Gerechtigkeit? Auf dieser Welt wohl nicht, denn die Negersklaven, aus deren Schweiß und Blut dieser Palast gebaut ist, sie modern schon längst auf fremder Erde, während ihre Herren sich besten Wohlseins erfreuen. Gibt es aber nicht auch weiße Sklaven? – ‹Wenn Herr Escher die Schulden seines Vaters bezahlen wollte, so würden wir auch noch 37 000 Gulden bekommen, allein er hat es durch ein höfliches Billet abgelehnt›, – hat mein Großoheim einst geäußert. Niemals hatte ich mich bis anhin darum bekümmert und weiß auch jetzt nichts Näheres; in diesem Augenblick aber fiel mir diese Aeußerung wieder ein. ‹Hätte ich diese 37 000 Gulden, ohne die Zinsen, jetzt in der Tasche, keine vier Pferde würden mich weiter bringen!›»88

Die Reaktion des Systems

25Die bis Ende 1867 erschienenen sechs Pamphlete, die sich wie Fortsetzungsromane gestalteten, hatten reissenden Absatz gefunden und waren zum beherrschenden Gesprächsthema geworden. Die «Protestationen der Regierungsblätter» vermochten die Sensationslawinen nicht aufzuhalten.89 So paradox dies auf den ersten Blick tönen mag: Zur Verbreitung des Locherschen Gedankenguts trugen auch jene bei, die mit Entgegnungen oder auf dem Rechtsweg gegen Locher ankämpften. Denn Locher liess sich mit den Waffen der stringenten Richtigstellung, der sauberen Replik und der gerichtlichen Verurteilung nicht mundtot machen. Im Gegenteil: Gegen das marktschreierische Getöse des Pamphletisten waren die Entgegnungen letztlich kontraproduktiv. Denn nach jeder öffentlichen Replik, nach jeder richterlichen Verurteilung und selbst nach dem Absitzen von Gefängnisstrafen: Jedes Mal war Locher wieder am Zug und präsentierte neue Skandale, Exzesse und Verleumdungen. Mochten diese die Wahrheit in grellsten Farben verzerren: Die Pamphlete schrieben sich zur unendlichen Geschichte fort, während der Pamphletist in einer zusehends breiteren Öffentlichkeit zum Symbol stilisiert wurde: Locher in der vereinten Rolle von Winkelried und Tell im Kampf gegen den Tyrannen.

26In diese Falle tappte das System, als sich im Herbst 1867 – wie erwähnt – Johann Jakob Rüttimann, Ständerat, Zürcher Grossrat, Rechtsprofessor und Vizepräsident der Kreditanstalt, zu Wort meldete und sich eingehend mit Lochers Vorwürfen auseinandersetzte. Rüttimanns Ausführungen wurden als Schrift herausgegeben und als Serie in der «Neuen Zürcher Zeitung» abgedruckt.90 Sie fanden ebenso Aufnahme in einem Separatum. Hiervon zeigte sich Fritz Bürkli in einem Brief an Alfred Escher begeistert: «Wir haben einen guten Griff gethan, indem wir Herrn Rüttimanns Broschüre unterm Volk verbreiten. [...] Abends hörte ich und mein Neffe im Wirthshause, wohin es uns trieb, die Stimmung zu vernehmen, vielfach neben dem Beifall für m. Artikel die Worte: ‹Es sei wahr, um recht urtheilen zu können, müsse man das Büchlein von Rüttimann gelesen haben, das sei ein famoses Schriftchen› u. s. w. [...] P. S. Es interessirt dich vielleicht zu erfahren, daß der Pamphletist gestern, Freitag, wol nach den erhaltenen Schüssen, wie eine angeschossene Wildsau die Hirschengräben auf und ab stürmte [...].»91

27Diese Wahrnehmung Bürklis spiegelte indes eine falsche Realität, denn Rüttimanns professorale Richtigstellungen mochten zwar der Wahrheit dienlich sein und die Ehre des Zürcher Gerichtswesens wiederherstellen, doch erzielten sie ausserhalb des Systems keine sichtbare Wirkung: Weder vermochten sie die Volksmeinung zu beeinflussen, noch konnten sie den Pamphletisten vor weiteren Ergüssen abhalten. Die Frage, wie auf die Pamphlete zu reagieren sei, wurde im engsten Kreis um Escher wiederholt besprochen und fand ihren Niederschlag in ausführlichen Briefschaften. Dazu kamen jene fernerstehenden Korrespondenten, die nicht in die Entscheidungsfindung involviert waren, sondern spontan Empfehlungen und Meinung kundtaten.92 Zu den Personen, mit denen sich Escher austauschte, gehörten (neben Rüttimann) Friedrich Gustav Ehrhardt, Franz Hagenbuch, Georg Stoll und Eduard Ullmer. Grundsätzlich war man sich einig, auf die Pamphlete nicht im Einzelfall zu reagieren. Damit sollten die angegriffenen Personen sich nicht selbst in der Öffentlichkeit zur Wehr setzen. Die Frage stellte sich neu, als Locher mit seinem Pamphlet «Der Prinzeps und sein Hof» Escher direkt attackiert hatte. Doch auch dieses Mal kam man zum Schluss, dass Escher nicht mit seinem Namen gegen Locher antreten solle.

28 Ehrhardt, Eschers Faktotum, hatte eine klare Meinung: «Wenn ich meinen persönlichen Gefühlen Ausdruck geben soll, so spreche ich mich mit Entschiedenheit dahin aus, daß auf das Pamphflet [sic!] nicht geantwortet wird. Es würde jede Antwort theils überflüssig, theils zwecklos sein. Ersteres für Alle, die Dich kennen u. dahin glaube ich alle besseren Elemente zählen zu dürfen; denn Dein Leben gehört ja seit 20 Jahren der größten Oeffentlichkeit an. Letzteres weil Deine systematischen Antipoden nicht belehrt werden wollen u die große urtheilslose Masse (par préference jetzt Volk genannt) nicht mehr belehrt werden kann.» Ehrhardt fügte bei, dass Freunde, mit denen er sich über die Pamphlete unterhalten habe, ebenfalls für Nichtbeachtung plädierten. Damit schloss Ehrhardt ein, dass das System, wenn nicht vertreten durch einzelne Protagonisten, so dann doch in geeigneter Weise via die «Neue Zürcher Zeitung» Antwort zu geben habe. Dort würde Eschers «Thätigkeit in den bisherigen u spätern Artikeln [...] ihre richtige Würdigung [finden]». In einem späteren Brief hält Ehrhardt fest, dass nur Obergerichtsschreiber Leonhard Tobler der Ansicht sei, dass man «nicht einläßlich zwar antworten, aber die Unwahrheit u. Verdrehungen – für fernerstehende – kennzeichnen solle. [...] Man sollte einem Manne von Deiner Stellung nicht zumuthen, sich gegen eine Persönlichkeit, wie Locher zu vertheidigen, wo das erforderlich sein könnte, würde auch durch die Antwort nicht viel erreicht werden.»93

29Anderer Meinung war Johann Jakob Blumer, ein lebenslanger Freund Eschers: «Einen Angriff wie den Locher'schen, der die ganze bürgerliche u. moralische Existenz des Angegriffnen zu vernichten bestimmt war, kann man am allerwenigsten todtschweigen u. den Gegner mit mattherziger Schwäche seinem ‹innern Wurm› überlassen! Ich weiß nicht, ob Du diese Ansichten unbedingt theilst, aber es interessirt Dich doch vielleicht.»94

30Auch Oswald Heer, Eschers väterlicher Freund, schrieb in Sachen Schmähschrift: «Zwar werden Deine Feinde, welche nach Titel u. Motto gar erschreckliche Enthüllungen erwarteten, nicht wenig enttäuscht worden sein, denn wenn selbst ein Locher nichts als Erbärmlichkeiten gegen Dich vorzubringen weiß, muß eine solche Schrift gerade die gegentheilige Wirkung haben, als beabsichtigt wurde. [...] das System hat so viel Schönes u. Großes geschaffen, daß auch diese es nicht mehr zu zerstören vermögen werden.» Für den ersten Teil seiner Einschätzungen kann man Heer zustimmen: Nach den grossen Wellen, welche die vorausgegangenen Pamphlete geworfen hatten, waren Lochers Enthüllungen im «Prinzeps und sein Hof» für die skandalgierige Gesellschaft enttäuschend. Differenzierter muss man den zweiten Teil von Heers Einschätzungen beurteilen: Denn das «Schöne und Grosse» des Systems sollte bald schon an Glanz verlieren.

31 Auf Eschers gesellschaftliches Engagement wies Josef Zingg aus Luzern. Seine Reverenz für Escher erhält vor dem Hintergrund der zeitlichen Koinzidenz zwischen den Angriffen von Locher und der Endausmarchung bei der Alpentransversale zusätzliche Bedeutung. «Es braucht in der That ein hohes Maß v. Selbstaufopferung & Hingabe für das öffentliche Wohl, um ungeachtet solcher Angriffe unentwegt auf dem mühevollen Posten der öffentlichen Wirksamkeit auszuharren; ich zweifle übrigens nicht daran, daß die große Mehrheit des Zürcherischen Volkes soviel Einsicht & verständige Sinne besitzt, um wirkliche Leistungen gegenüber allen Anschwärzungen in ihrem wahren Werthe zu würdigen.»95

32Escher, der vom 2. bis 21. Dezember 1867, zur Zeit der Veröffentlichung des gegen ihn gerichteten Pamphlets, in Bern weilte und an der ordentlichen Session des Nationalrats teilnahm, zeigte sich zunächst besorgt, wie er sich gegenüber Georg Stoll , seinem verlängerten Arm bei der Kreditanstalt, äusserte. «Der Zweck dieser Zeilen ist, Sie zu fragen, welchen Eindruck die gegen mich gerichtete Schmähschrift in Zürich gemacht habe & ob Sie von der Ansicht ausgehen, daß ich darauf antworten sollte. Hier in Bern begegne ich überall dem Urtheile, daß die Schmähschrift, abgesehen von ihrer Gemeinheit, eben – Nichts enthalte & dadurch den besten Beweis leiste, daß L. trotz seiner brennenden Begierde, mich anzugreifen, eben nichts habe ausfindig machen können, um mir beizukommen. Man sagt mir daher von allen Seiten, ich solle nicht daran denken, L.'n zu antworten. In Zürich sieht man die Sache vielleicht anders an & darum erlaube ich mir, die obige Frage an Sie zu richten.»96

33Wiewohl die liberale Führung um Escher nach wiederholten Erwägungen davon absah, die Locherschen Vor- und Anwürfe fortlaufend durch Spitzenvertreter zu kontern, wurde eine systemische Entgegnung vorbereitet. Diese war auch gedacht als direkte Entgegnung auf eine Artikelserie im «Landboten», die ihrerseits eine Reaktion auf die Publikationen von Rüttimann war.97 Diese konzertierte Aktion von Escher und seinem engsten Kreis erschien zwischen dem 13. und 25. Dezember 1867 in der «Neuen Zürcher Zeitung» als redaktioneller Beitrag unter dem Titel «System und Opposition».98 Erarbeitet wurden die einzelnen Beiträge von Stoll, Rüttimann, Hagenbuch und von Escher selbst. Allerdings herrschten unter den hochkarätigen Autoren unterschiedliche Standpunkte bezüglich Tonalität, wie der Auszug eines Briefes von Escher an Stoll vom 9. Dezember 1867 dokumentiert: «Rüttimann findet, ich habe etwas zu scharf geschrieben. Ich kann diese Ansicht nicht theilen, sondern halte vielmehr dafür, daß man den fortgesetzten Verläumdungen gegenüber, die gegen uns geschleudert werden, eine etwas entschiedene Sprache führen soll. Die Frechheit der Opposition ist gewiß nicht am wenigsten durch unsere lammsartige Sanftmüthigkeit großgezogen worden. Sollten Sie übrigens ebenfalls den Ton meines Artikels zu herb finden, so ersuche ich Sie, ihn nach Belieben zu modifiziren. Ich erkläre mich von vornherein mit allem einverstanden, was Sie in dieser Beziehung thun werden. Es hat sich für mich die Nothwendigkeit herausgestellt, ‹3.) Das System in den Eidg. Räthen› selbst zu bearbeiten. Hagenbuch, der gestern Vormittag noch bei mir war, dürfte mir auf Dienstag oder Mittwoch seinen Artikel senden. Ich zweifle daran, daß man vor Donnerstag die Artikel in der N.Z.Z. beginnen lassen kann. Indessen möchte ich dieß nicht mit voller Bestimmtheit sagen.»99

«Es rast der See, er will sein Opfer haben»

34Während sich Escher und seine Vertrauten über die Frage, wie auf die Pamphlete zu reagieren sei, kritisch auseinandersetzten, stand Eduard Ullmer wie kein anderer des Systems unter Dauerbeschuss. Wegen prozessualer Entwicklungen steigerte sich dieser Ende 1867, Anfang 1868 zum Äussersten. Die Klagen Ullmers gegen Locher wegen Amtsehrverletzung und Privatehrverletzung durch Verleumdung und Beschimpfung mussten vor Gericht behandelt werden. Bis zur gerichtlichen Erledigung hatte Ullmer vom Obergericht Urlaub genommen. Die Klage wegen verletzter Amtsehre bezeichnete zwölf Punkte der Pamphlete als spezielle Klagepunkte und musste vom Schwurgericht behandelt werden. Damit war Ullmer in die Lochersche Falle gegangen.100 Denn Injurienklagen waren nicht das probate Mittel, um gegen den Pamphletisten und dessen Ausführungen vorzugehen, so beleidigend und verletzend diese auch sein mochten. Der Duktus der Pamphlete machte es zudem faktisch unmöglich, vor dem Schwurgericht lediglich einzelne Stellen aus dem Ganzen herauszunehmen und beurteilen zu lassen. Es überrascht, dass Ullmer und mit ihm das System nicht energischer die Einsetzung einer speziellen Untersuchungskommission gefordert hatten. Aus der Rückschau betrachtet, wäre dies wohl der einzige Weg gewesen, um Schuld und Unschuld gegeneinander abzutrennen. Doch nun stand die Sache vor dem Schwurgericht. Dessen Zusammensetzung war bereits heikel genug. Denn wer wollte sich in einer solch delikaten Sache überhaupt zur Verfügung stellen, um dann im Zürcher Rathaus in einer aufgeladenen Stimmung für Ullmer und gegen den Pamphletisten Partei zu nehmen, wenn Demonstrationen und Volksaufmärsche im Anzug waren und selbst «Waldmannshändel» nicht ausgeschlossen schienen? 101 Zu dieser explosiven Lage gesellte sich ein anderes Problem: Dass nämlich das Schwurgericht im Grunde genommen nicht in der Lage war, die zwölf Klagepunkte sauber beurteilen zu können. Es hätte sich mit den moralisch-ethischen Verdächtigungen auseinandersetzen müssen, gegen die es aber letztlich keine Verteidigung gab.102

35In dieser Situation machte Ullmer einen weiteren kapitalen Fehler: Er folgte dem Ratschlag, die Amtsklage ganz fallenzulassen, die Injurienklage hingegen vor das Bezirksgericht zu bringen, da dort ruhiger und sachlicher beurteilt und entschieden werden könne. Dies führte nun dazu, dass in den Behörden die Frage aufkam und kontrovers beurteilt wurde, ob eine bereits beim Schwurgericht anhängig gemachte Klage überhaupt vor das Bezirksgericht gezogen werden könne. Davon hatte Ullmer Escher persönlich berichtet und die Details genannt: «Die Sache hat sich durch den, wie ich nun selbst einsehe, unglücklichen Schritt, den ich am Dienstag that, so geändert, daß ich nun auch die Privatklagen fallen lassen mußte. Bei Abgabe meiner Erklärung, daß ich die Klagen wegen Verletzung der Amtsehre zurückziehe, dachte ich & auch sonst kein Mensch daran, daß die Privatklagen doch noch vor der Jury zu verhandeln seien, vielmehr wurde als selbstverständlich vorausgesetzt, dass die letztern nun an die ordentlichen Gerichte gelangen. Anders die Anklagscommission, wenigstens zwei Mitglieder (worunter der Präsident Hauser & Gerichtsschreiber Nüscheler). Sie berieten am Mittwoch & Donnerstag Abend, jedesmal 2–3 Stunden, ohne sich auf einen Beschluß vereinigen zu können.»

36Die bereits während Monaten anhaltende Schlammschlacht um seine Person, die Bloßstellung seiner Privatverhältnisse, die Anprangerung seiner Amtsführung – und nun noch diese prozesstaktischen Wendungen mit der zweifelhaften Zuständigkeit: Ullmer befand sich in einer unmöglichen Situation, und dazu «in einer so verzweiflungsvollen Lage», dass er nicht «im Stande» gewesen wäre, vor Escher «zu erscheinen» und mit ihm den unabwendbaren Schritt zum einzigen Ausweg zu besprechen. «Gegen eine so unerhörte Beleidigung, wie Dir Locher angethan, kann kein gerichtliches Urtheil Satisfaktion geben», erkannte Ullmers Anwalt, Fürsprecher Lauffer, «da gibt es nur zwei Wege, entweder Selbsthülfe oder stilles Erdulden; und sicher, verlasse Dich darauf, die Zeit, die Dir gerecht werden wird, wird nicht gar ferne sein.»103 Ullmer zog die Konsequenzen und trat per 31. Januar 1868 als Präsident des Obergerichts und als Grossrat zurück. «Diesem Wirrsal machte ich nun durch Einreichung meiner Abstandserklärung ein Ende», so seine Worte an Escher, «umso eher, als ich damit dem Gesammtobergericht eine höchst unangenehme Berathung ersparte.» Seinen dramatisch anmutenden Brief schloss Ullmer mit einem berührenden Appell: «Mit der Bitte, Du mögest mich nicht aufgeben, sondern mir wenigstens noch einen kleinen Theil Deiner alten & bewährten Freundschaft bewahren, grüßt Dich freundschaftlich Dein ganz ergebener R. E. Ullmer Der Grosse Rat sprach am 11. Februar 1868 «mit Verdankung der geleisteten Dienste» die Entlassung aus.104

«Das neue ‹System› zeigt die Schatten des alten, ohne dessen Lichtseiten»

37Wie man es hatte voraussehen können, blieb Locher nach der Publikationsserie von Escher und seinem engsten Kreis in der «Neuen Zürcher Zeitung» von Ende 1867 nicht lange ruhig. Die Prozessangelegenheit war Gegenstand der folgenden Schmähschrift, die er im Frühjahr 1868 veröffentlichte. Ebenfalls breitgeschlagen wurden Geschichten der «Winkelbordellhalterin» H. in R., die dem Pamphlet den Titel gaben.105 In der Zwischenzeit war der Sturz der liberalen Herrschaft eingeläutet: Das Zürchervolk hatte sich für die Erarbeitung einer neuen Verfassung ausgesprochen, und die Demokraten waren daran, die politische Macht in Zürich zu übernehmen. Locher wurde in den Verfassungsrat gewählt, den er indes nach der ersten Sitzung bereits wieder verliess, enttäuscht über die fehlende Ehrerbietung seitens der demokratischen Führung.106 Dies legt nahe, dass Locher nicht in die demokratische Bewegung integriert war. Zu diesem Schluss waren bereits zeitgenössische Kommentatoren gelangt.107 Der Pamphletist wirkte als Einzelkämpfer, der mit seinen Angriffen auf das System nicht primär politischen Motiven, sondern persönlichen Zielen gefolgt war. Die Skandalisierung war ihm wichtiger als die Ideologie, Rache und Abrechnung stärkere Treiber als staats- und sozialpolitische Fragen. Dies erklärt auch, dass sich Locher, kaum hatte der politische Machtwechsel stattgefunden, mit den führenden Demokraten entzweite. Und so richtete er sein achtes Pamphlet, das 1869 herauskam, gegen die demokratische Bewegung und gegen die neuen Machthaber: «Die neuesten Freiherrn», lautete der Titel. Diese waren es nun, die sich nach Locher machthungrig gebärdeten.108 Und es hagelte Vorwürfe auf die neuen Herren, ohne dass ihre Vorgänger rehabilitiert worden wären. Immerhin: Locher schien gegenüber den Liberalen Eschers milder gestimmt zu sein als zuvor. «Das neue ‹System› zeigt die Schatten des alten, ohne dessen Lichtseiten», setzte er dem Pamphlet als Maxime voran.109 Das neunte und letzte Pamphlet, «Die kommunen Freiherrn», erschien 1872. Darin beschrieb Locher den Deutsch-Französischen Krieg, fuhr wiederum schweres Geschütz gegen die Demokraten auf und nahm erneut auch Alfred Escher ins Visier. Locher warf Escher vor, weder Nordostbahn und Kreditanstalt noch das Polytechnikum gegründet zu haben. Escher sei lediglich ein «Kind der Verhältnisse», ingeniöse Gedanken und die Rolle des Bahnbrechers würden ihm fälschlicherweise zugeschrieben.110 Diese Breitseite gegen Escher feuerte Locher just zum Zeitpunkt ab, als dieser sein Jahrhundertprojekt in Angriff nahm, den Bau der Alpentransversale durch den Gotthard. Lochers Methode, die historische Wahrheit in Einzelteile zu zerlegen und diese – vom Kontext losgelöst – als manipulierte Bruchstücke zu versetzen, hatte abstruse Züge angenommen.

38 Damit hatte Locher den Schlusspunkt unter seine «Freiherren von Regensberg» gesetzt, unter dieses Gewirr von Pamphleten, Repliken, Separatdrucken, von Serien und Einzelartikeln in Zeitungen, von Klagen, Klagantworten und Widerklagen, von Aussagen und Gegenbehauptungen, von Identifikation und Distanzierung; ein Gemisch von massloser Überzeichnung und böswilliger Karikatur; Werkzeuge und Mittel, um die Bevölkerung aufzurütteln und die liberale Herrschaft zu verpönen und zu ächten, um letztlich die «Allmacht» des Prinzeps zu brechen. Mit den «Freiherren von Regensberg» sollte das «System auseinandergesprengt und zertrümmert» werden.111 Dabei werden die «Guten» und «Bösen» klar und unmissverständlich verbal getrennt. An den Pranger gestellt werden die «Oligarchen», «Aristokraten» und «Bundesbarone», in deren «Hexenküche» «Systemzustände» und «Justizmorde» angerührt werden, mit denen die «Patrioten», «Bauern» und «Arbeiter», generell die «rechtschaffenen Leute», unterdrückt und ausgebeutet werden.112

39In den «Freiherren von Regensberg» wird verdreht, erfunden und erlogen, werden Andeutungen und Anspielungen gemacht, welche die Phantasie des Lesers erregen.113 Locher benützt eine bildhafte Sprache. Um das System zu brechen, müsse «der politischen Hydra ein fetter Brocken vorgeworfen» werden.114 Locher kennt keine Berührungsängste. Er zitiert gleichermassen aus Bibel, Oper, Operette und griechischer Mythologie; er gebraucht die Helden der alten Schweizer Geschichte Tell und Winkelried, er instrumentalisiert Literaten, Komponisten und Dichter, und er nennt, um seinen Ausführungen Glanz zu verleihen und Tiefenschärfe zu geben, im selben Atemzug Martin Usteri, Goethe, Schiller, Mozart, Beethoven, Donizetti, Rossini und andere.115 In den «Freiherren von Regensberg» wird mit dem Stadt-Land-Gegensatz gespielt, dem Anti-Zürich-Reflex. Locher zieht die Konfliktlinien zwischen Zürich und Winterthur, dem liberalen System und der demokratischen Opposition, der «Neuen Zürcher Zeitung» und dem «Landboten», dem Prinzeps Escher an der Limmat und dem Stadtpräsidenten Sulzer an der Eulach. Mit den «Freiherren von Regensberg» verleiht Locher dem politischen Missmut, der wirtschaftlichen Unzufriedenheit und dem individuellen Groll Gesicht und Stimme und schlägt eine Bresche nach der andern in die Mauer des liberalen Systems. Mag man es als «gewalttätigen Terrorismus» oder als «Revolver-Journalismus» bezeichnen116, als Politik der Einschüchterung, als Instrument der Suggestion, der subtilen Andeutung oder der grobschlächtigen Verdrehung und Vermischung von Tatsachen und Unwahrheiten: Locher wirkte als Verstärker bestehender Konflikte. Er unterstellte Rechtsbrüche, Rachsucht, Machtgier, Missbrauch, Veruntreuung öffentlicher Gelder, unsittlichen Lebenswandel. Locher versimplifizierte komplexe Themen und machte diese für die breite Öffentlichkeit nachvollziehbar.

40«Die Freiherren von Regensberg» symbolisieren Lochers eigenes Leben. Was er dem System in den 1860er Jahren vorwarf, holte ihn selbst auf andere Art und Weise ein. Rachsucht, Bosheit und Arglist, sanguinisches Temperament und krankhafte Geltungstriebe verleiteten ihn zu Irrtümern und Leidenschaften, zu einer Haltung, die politische und persönliche Gegner nicht schonte und deren Privatleben mit den intimsten Bereichen durch infame Verleumdungen öffentlich machte. Mit diesem Charakter vernichtete er die eigene bürgerliche Existenz. Locher wurde für seine Irrtümer und seine Niedertracht gebüsst. In Zürich mehrfach von den Gerichten verurteilt, flüchtete er aus der Haft und setzte sich nach Paris (F) ab, wo er an den Folgen eines Unfalls starb.117

«Das verlorene Lachen»

41 Gottfried Keller, häufiger Gast in Eschers Belvoir, dem Prinzeps, einem Jahrgänger, persönlich gewogen, als Staatsschreiber auch ein Diener des Systems, gingen «der skrupellose Feldzug» und die «infamen Verleumdungen» seines Klassenkameraden Locher nahe. «Er legte sich einen Sammelband mit den Locherschen Pamphleten und den Gegenschriften an und gelobte sich, zu gegebener Zeit in einem ‹artigen historisch-politischen Traktätlein› auf die einstigen Wirren zurückzukommen.»118 Dies tat er in der Seldwyler Novelle «Das verlorene Lachen». In dichterischer Freiheit zeichnete Keller die demokratischen Umwälzungen und die Verleumdungen des Pamphletisten in einer Weise nach, die am zeitgeschichtlichen Bezug keine Zweifel aufkommen liess. Mit dem Ölweib verurteilte Keller die wüste Demagogie des «Calumniator publicus».119 Das unzufriedene, hässliche alte Weib, diese «Unholdin», «jene Sibylle der Verleumdung»120, wurde «nach der biblischen Witwe mit dem unerschöpflichen Oelkrüglein» genannt, «weil ihr der gute Ratschlag und die üble Nachrede so wenig ausgehe, wie jener das Oel. Wenn man glaube, es sei gar nichts mehr über einen Menschen vorzubringen und nachzureden, so wisse diese Frau [...] immer noch ein Tröpflein fetten Oeles hervorzupressen, denselben zu beschmutzen, und sie verstehe es, in wenig Tagen das Land mit einem Gerüchte anzufüllen.»121

42Die Rache Friedrich Lochers fand rund vierzig Jahre später Nachahmung auf anderer Bühne und in anderem Kontext. 1904 lancierte Heinrich Angst, ehemaliger Direktor des Schweizerischen Landesmuseums, einen Pressefeldzug gegen die Gottfried Keller-Stiftung.122 Auslöser war die im Palais Henneberg in Zürich gezeigte Ausstellung der Stiftung über die Ankäufe in den ersten 15 Jahren ihrer Tätigkeit. Der Angriff war mit einem raffinierten Plan unterlegt und dramaturgisch konzipiert. Angst skandalisierte, provozierte, machte lächerlich, liess sich von anonymen Heckenschützen mit Halb- und Unwahrheiten sekundieren, um schliesslich seine Opfer zu brandmarken: Carl Brun, den Präsidenten der Stiftung, und mit diesem die anderen Mitglieder der Ankaufskommission. Die Auseinandersetzung nahm in den Zeitungen landesweite Ausmasse an und eskalierte zu einem schweizerischen Kunstkrieg. Die Rache Heinrich Angsts macht hellhörig. Und so wickelt man rasch die Fäden auf – und vor dem Hintergrund erscheinen die «Freiherren von Regensberg». Denn trotz aller Unterschiede des Inhalts und des kulturpolitischen Umfelds und zwischen Lochers Dämonisierungen und Angsts Diffamierungen: Gemeinsamkeiten der beiden Rachefeldzüge sind nicht zu übersehen. Die Beziehung zwischen Angst und Locher ist angesprochen. Verblüfft nimmt man zur Kenntnis, dass der Vater von Heinrich Angst, Johannes Angst, in den 1840er Jahren für sein Amt als Schuldenschreiber in Regensberg die Dienste Friedrich Lochers in Anspruch genommen hatte. Damit ermöglichte Vater Angst dem jungen Advokaten Einblicke in die Verwaltungsverhältnisse des Bezirks und erschloss ihm wichtige Quellen für die späteren Pamphlete. Aus dieser Verbindung wuchsen gemeinsame Vorstellungen, die sich im Kampf gegen das System trafen. Und es mag nicht mehr weiter überraschen, dass Friedrich Locher im Hause der Familie Angst in Regensberg einzelne Teile seiner frühen Pamphlete schrieb – unterstützt von Johannes Angst. Doch dieser blieb als Hintermann in der Anonymität, während Locher sich als Pamphletist zu erkennen gab. Ein junger Student war im Hause Angst mitbeteiligt, wo er das Handwerk lernte: es war niemand anderer als der spätere Direktor des Landesmuseums. Diese personellen Zusammenhänge waren Alfred Escher und seiner Tochter Lydia bekannt, wie überhaupt Johannes Angst im liberalen System einen schlechten Ruf genoss, wie die Korrespondenzen dokumentieren.123 Hier liegt denn auch der eigentliche Grund für die spätere unnachgiebige Haltung, mit welcher die Escher-Tochter die Einsitznahme von Heinrich Angst in der Gottfried Keller-Stiftung verhinderte. Ein weiterer Hintermann von Locher war François Wille, der Herr auf Mariafeld. Briefe von Locher an Wille dokumentieren den Gedankenaustausch zwischen den beiden. Wenn Wille von Locher eine Bestätigung verlangte, dass er keine aktive Rolle gegen Escher gespielt habe, so bedeutet dies nichts anderes, als dass er sich absichern wollte, eben weil er zum Kreis um Locher gehörte: «Und ich gebe Ihnen gerne die wahrheitsgemäße Erklärung, dass Sie mich bei Abfassung des 6ten Teiles der Freiherrn von Regensberg, der im Druck ist, aber vielleicht nicht ausgegeben wird, weder intellektuell noch materiell unterstützt haben. Finden Sie sich veranlaßt, diese Erklärung zu veröffentlichen, so habe ich nichts dagegen einzuwenden.»124

43Wie rasch selbst ein ehemals berüchtigter und gefürchteter Pamphletist, der jahrelang in aller Schweizer Munde war, der die Spalten der helvetischen Zeitungen gefüllt hatte und von internationalen Blättern rezipiert wurde, im breiten Publikum in Vergessenheit geraten kann, musste Friedrich Locher am eigenen Leib erfahren. Damit teilt er das Schicksal mit den Politikern und öffentlichen Personen in der Schweiz, deren Popularität dahinwelkt, wie sie emporgeschossen ist. Diese Tatsache wird einem bewusst, wenn man der «Neuen Zürcher Zeitung» folgt, die 1911 den Tod Lochers vermeldete. Locher sei der jungen Generation kaum mehr der Sage nach bekannt gewesen. Erklärend fügte sie im Nekrolog bei, dass zu dieser Feststellung beigetragen habe, dass Locher 90jährig wurde, aber auch die Tatsache, dass der Pamphletist Jahrzehnte seines Lebens durch «Schicksal und eigene Verschuldung» ausserhalb der Schweiz und der eidgenössischen Wirksamkeit verbracht hatte. Bemerkenswert an der Berichterstattung war, dass die Mitteilung vom Tode Lochers gleichzeitig in zwei Artikeln in gleicher Spalte erfolgte: Mit dem «Eingesandt» aus einer überaus huldvollen und beschönigenden Feder eines mit Locher Befreundeten und mit einer redaktionellen Anmerkung. Letztere bezweckte nicht, am Grabe die Diskussion über Lochers «Charakter und die Natur, die Ursachen und Folgen» seiner politischen Tätigkeit in Zürich zu eröffnen. Indes verhehlte der Eingriff nicht, dass die Urteile über den Pamphletisten «nicht alle so mild ausfallen wie die voranstehende pietätvolle Erinnerung».125

44Tatsächlich blieb es über das ganze 20. Jahrhundert ruhig um Friedrich Locher. Die öffentliche Anerkennung, die er gesucht hatte, blieb aus. Aufnahme fand er in Handbüchern zur Schweizer Geschichte und in Zürcher Kantonsgeschichten,126 auch wurde sein Name in Fach- und Spezialpublikationen genannt.127 Eine aktuelle Biographie, die Leben und Werk kritisch darstellt, fehlt bis heute. Auf die grosse Bühne der Literatur wurde Locher 1998 wieder gestellt, dieses Mal von Adolf Muschg. Im Unterschied zu Gottfried Keller ging es Muschg nicht darum, das Motiv der politischen Verleumdung in eine Erzählung zu setzen. Muschg greift weiter aus zu einer Geschichte des Bundesstaates nach 1848 aus dem Geiste der Literatur. In dichterischer Form verbindet er den Pamphletisten Locher mit dem Dichter Keller und dem Politiker und Wirtschaftsmann Escher: «O mein Heimatland!»128

Kommentareinträge

1 Johann Jakob Bucher an Alfred Escher, 10. Mai 1866.

2Zum System und zum wirtschaftsliberalen Zeitfenster vgl. «Der Prinzeps und sein Hof» oder wie die liberale Herrschaft in Zürich unterging; dazu Jung, Erfolgsgeschichten, S. 10–13.

3 Friedrich Locher (1820–1911), Stadtzürcher Bürger, besuchte, nachdem er die Lateinschule abgebrochen hatte, die Industrieschule. Während eines zweijährigen Aufenthalts in Lausanne und am Obergymnasium in Zürich eignete sich Locher Kenntnisse in klassischen und modernen Sprachen an (Französisch, Lateinisch, Griechisch, Hebräisch und Italienisch). 1842–1846 studierte er die Rechte in Zürich und Berlin und promovierte. Er wurde Auditor am Bezirksgericht in Zürich. Wegen ungenügender Kenntnisse beim Prokuratorenexamen wurde ihm das Examen gnadenhalber geschenkt. Locher war Mitglied des Kriminalgerichts (1851–1853), Ersatzmann am Obergericht (1853–1867), Verfassungsrat (1868, trat nach der ersten Sitzung zurück) und später Friedensrichter in Fluntern. Zudem war er Herausgeber und Redaktor der «Zürcher Nachrichten» (gegründet am 12. September 1878), wobei es dieses «Skandalblatt [...] nur auf eine Lebensdauer von vier Jahren» (Garnaus, Familie Locher, S. 77) brachte. Locher lebte jahrelang in Italien, ab 1899 bis zu einem Tod 1911 zusammen mit seiner Tochter in Vanves bei Paris. In Frankreich schrieb er seine Memoiren, die er 1901 abschloss und die von der Tochter Emma Locher unter dem Titel «Republikanische Wandelbilder und Portraits» herausgegeben wurden. Vgl. Locher, Wandelbilder; Garnaus, Familie Locher, S. 54–82. – Zu biographischen Stichworten vgl. die entsprechenden Ausführungen in: Rüttimann, Über die Freiherren; Tobler, Locher. Siehe hierzu Friedrich Lochers Pamphlete «Die Freiherren von Regensberg» und das liberale System Alfred Eschers, Absatz 43.

4 Vgl. Locher, Freiherren, S. 128.

5Zu meinen verschiedenen Veröffentlichungen zu Locher, erstmals 1997 und seit 2006 wiederkehrend, Friedrich Lochers Pamphlete «Die Freiherren von Regensberg» und das liberale System Alfred Eschers, Fussnote 126.

6Beispiel: «[...] daß die drei letzten Gerichtschreiber von Regensberg, die Herren Ullmer, Gwalter, Bucher, für Ablieferung gerichtsärztlicher Gebühren regelmäßig größere oder kleinere Gratifikationen bis auf 10% bezogen haben!» Locher, Schwurgericht, S. 48.

7Beispiel: «Den Nimbus von Euren Titeln habt Ihr für Euch; Ihr gebietet über Eure Gerichtshöfe, Eure Weibel und Landjäger und könnt Euch behaupten wie die Franzosen in Mexiko; [...] Auf die Aristokratie der Bundesbarone und Oligarchen wird die Demokratie der ehrlichen Leute folgen.» Locher, Krone Zürich, S. 166, 168.

8Beispiel: «Der zählende Mensch begann in diesen Regionen staatlich bei'm Oberrichter, oder Fürsprecher, privatrechtlich bei'm Eigenthümer von einer Viertelmillion. [...] Ich [Locher] bin nicht wohlhabend genug um ein kantonales Amt zu bekleiden [...].» Locher, Prinzeps, S. 19, 24.

9Beispiel: «Von Tag zu Tag erweitert sich der Kreis. Staatsmänner, Gelehrte und Professoren, Patrizier und Edelleute, früher Gegner, drängen sich um das aufgehende Gestirn.» Locher, Freiherren, S. 7.

10Beispiel: «Hohe Gönner übertrugen ihm [Bucher] den Bezirk Regensberg [...].» Locher, Freiherren, S. 67.

11Beispiel: «Blieb der Zeuge ausnahmsweise bei seiner Angabe, so hatte er nächste Woche ein halbes Dutzend Polizeiprozesse auf dem Nacken, ohne daß er wußte, wie das geschah.» Locher, Schwurgericht, S. 64.

12Beispiel: «Der hohe Regierungsrath des Standes Zürich befand sich in nicht geringer Verlegenheit. Daß die Sache [die angebliche Veruntreuung durch Ryffel] wirklich so sei, daran zweifelte Niemand, allein wie konnte man sein eigen Fleisch und Blut, seine Kinder, die Triarier sammt den Hopliten, und horribile dictu, seine Wähler steinigen?» Locher, Freiherren, S. 77.

13Beispiel: «Das Präsidium – anstatt den Zeugen anzuhalten, die gestellten Fragen zu beantworten – ersucht den Vertheidiger, dem Zeugen nicht zu nahe zu treten [...].» Locher, Schwurgericht, S. 11.

14 Vgl. Locher, Freiherren, S. 80; Locher, Schwurgericht, S. 43.

15 Vgl. Locher, Krone Zürich, S. 145.

16Ausgewählte Belegstellen der zitierten Passagen: Locher, Freiherren, S. 77–78; Locher, Krone Zürich, S. 163.

17Gemäss Lochers Erinnerungen sind die «Freiherren von Regensberg» in 30 000 Exemplaren gedruckt worden. Vgl. Locher, Wandelbilder, S. 370. – Diese Aussage kann nicht verifiziert werden. In jedem Fall bleibt die enorme propagandistische Wirkung der Pamphlete unbestritten.

181. Pamphlet: «Die Freiherren von Regensberg. Pamphlet eines schweizerischen Juristen. I. Einst. Die Freiherren der älteren Linie», Bern 1866. – 2. Pamphlet: «Die Freiherren von Regensberg. Pamphlet eines schweizerischen Juristen. II. Jetzt. Die Freiherren der Gegenwart», Bern 1866. – 3. Pamphlet: «Die Freiherren von Regensberg. Pamphlet eines schweizerischen Juristen. III. Theil. Die Freiherren vor Schwurgericht», Bern 1867. – 4. Pamphlet: «Die Freiherren von Regensberg. Pamphlet eines schweizerischen Juristen. III. Theil. Die Grossen der Krone Zürich», Bern 1867. – 5. Pamphlet: «Othello, der Justizmohr von Venedig. Vom Verfasser der ‹Freiherren von Regensberg›», Bern 1867. – 6. Pamphlet: «Der Prinzeps und sein Hof. Vom Verfasser der ‹Freiherren von Regensberg›», Bern 1867. – 7. Pamphlet: «Die Freiherren von Regensberg. Pamphlet eines schweizerischen Juristen. V. Theil. Die Prozesshexe», Bern 1868. – 8. Pamphlet: «Die Freiherren von Regensberg. Pamphlet eines schweizerischen Juristen. VI. Theil: Die neuesten Freiherren», Bern 1869. – 9. Pamphlet: «Die Freiherren von Regensberg, von Dr. Friedrich Locher, Fürsprecher in Zürich. VII. und letzter Theil. Die kommunen Freiherrn», Bern 1872. – In seinen Lebenserinnerungen schreibt Locher von sieben Teilen der «Freiherren von Regensberg», die einzeln erschienen seien. Vgl. Locher, Wandelbilder, S. 370. Dazu kommen die zwei Pamphlete «Othello, der Justizmohr von Venedig» und «Der Prinzeps und sein Hof» gemäss vorstehender Auflistung.

19In Zürich wusste man unmittelbar nach dem Erscheinen des ersten Pamphlets Mitte April 1866, wer der anonyme Autor war. Inhalt, Sprache und Stil liessen zwangsläufig auf Locher schliessen. Allerdings war nicht im Detail erschliessbar, auf welche Netzwerke sich Locher beim Recherchieren und Verfassen der Pamphlete abstützen konnte (vgl. Friedrich Lochers Pamphlete «Die Freiherren von Regensberg» und das liberale System Alfred Eschers, Absatz 42). Eduard Ullmer, Präsident des Zürcher Obergerichts und eine von Lochers Projektionsflächen, entgegnete dem Pamphletisten in der «Sonntagspost» Ende Mai und verkündete damit den Namen des Autors schweizweit. Darauf replizierte Locher; es folgte eine Duplik, schliesslich eine Triplik. Obwohl der Schleier der Anonymität gelüftet war, trat Locher lediglich in den beiden Schmähschriften «Othello, der Justizmohr von Venedig» und «Der Prinzeps und sein Hof» sowie im 9. und letzten Pamphlet namentlich als Autor auf. Vgl. Sonntagspost, 27. Mai 1866, 10. Juni 1866, 17. Juni 1866, 1. Juli 1866. – Zu Lochers Erfahrungen als anonymer Autor: Bekannt ist folgender Vorfall: Der jugendliche Gymnasiast hatte dem Hebräischlehrer Ludwig Hirzel einen anonymen Brief geschrieben, da, seiner Ansicht nach, Hirzel an einigen Schülern ungerecht gehandelt habe. «In ähnlicher Weise hat Locher in seinem Leben mehrmals gehandelt, wenn er wähnte, Recht und Billigkeit seien verletzt worden. » Garnaus, Familie Locher, S. 55. – Zum Vorfall mit Hirzel vgl. Lochers eigene Darstellung in seinen Memoiren: Locher, Wandelbilder, S. 93–98.

20«Wer sieht, mit welchem Ingrimm Herrn Locher jeder verlorene Prozess erfüllt, kann sich denken, in welcher Aufregung er sich gefunden haben mag, als ihm das Obergericht, gestützt auf die vorgenommene Prüfung, das Fähigkeitszeugnis für den Eintritt in die höhere Advokatenklasse verweigerte.» Rüttimann, Über die Freiherren, S. 4.

21Die Lochersche Familiengeschichte schreibt weiter von «theatralischer Eitelkeit», einer «übersetzten Meinung von seiner Persönlichkeit» und attestiert eine «naturgeborene krankhafte Geistesanlage». Zum späteren gesundheitlichen Zustand: «Dr. Lochers krankhaft erregte Wahrnehmung und Phantasie, die Vernachlässigung seiner Berufsgeschäfte, die persönliche Überspanntheit, das zweckwidrige Denken und Handeln deuten darauf hin, er habe an einer schweren Manie gelitten, der Manie des Streits und der Intrige.» Garnaus, Familie Locher, S. 61, 81.

22In der zeitgenössischen Literatur wird Ullmer gewöhnlich nicht mit beiden Vornamen, sondern lediglich mit dem Rufnamen Eduard erwähnt.

23 Vgl. Garnaus, Familie Locher, S. 56.

24Zu den möglichen Optionen vgl. Garnaus, Familie Locher, S. 54ff.

25Zur Beziehung zwischen Locher und Gottfried Keller vgl. die entsprechenden Ausführungen in: Muschg, Heimatland; Locher, Wandelbilder; Keller, HKKA; Friedrich Lochers Pamphlete «Die Freiherren von Regensberg» und das liberale System Alfred Eschers, Absatz 41; Friedrich Lochers Pamphlete «Die Freiherren von Regensberg» und das liberale System Alfred Eschers, Fussnote 119.

26Alfred Eschers Grossvater, Hans Caspar, hatte sich, nachdem seine Spekulationen 1788 zum grössten Konkurs im alten Zürich geführt hatten, nach Russland abgesetzt. Dort zog er – neben vielem anderen – Anwerbungsprogramme auf, um westeuropäische Auswanderer anzusiedeln. Auch aus der Schweiz, wo die Werbung verboten war, zogen etliche verarmte Schweizer Familien nach Osten. Eschers Auswanderungsprojekt wurde zu einem Fiasko. Der Theologe von Muralt avancierte zu einer wichtigen Verbindungsperson zwischen den in Russland lebenden Auswanderern und ihrem Heimatland. Zu Eschers Grossvater und der tragischen Auswanderungsgeschichte vgl. Jung, Aufbruch, S. 31–41 (zu von Muralt: Jung, Aufbruch, S. 40–41).

27Einzelne von Lochers Lügengeschichten wurden vor Gericht gebracht und sind quellenkundig. Friedrich Lochers Pamphlete «Die Freiherren von Regensberg» und das liberale System Alfred Eschers, Absatz 15 (beispielhaft). – Dass es nicht Lochers Bestreben war, sich in den «Freiherren» der Wahrheit zu bedienen, wird durch diesen Beitrag evident gemacht.

28Beispielhaft die entsprechenden Stellen in der Schrift von Obergerichtsschreiber Leonhard Tobler, in der er ausführlich auf die Unhaltbarkeiten Lochers replizierte, ebenso wie Rüttimanns systematische Auseinandersetzung. Vgl. Tobler, Locher; Rüttimann, Über die Freiherren. – Zu weiteren Hinweisen und Quellen vgl. die nachfolgenden Ausführungen.

29 Tobler, Locher, S. 5.

30In verschiedenen Varianten schreibt Locher, dass der Weg ins Rathaus durch das Zuchthaus führe. Vgl. Locher, Neueste Freiherren, S. 137; Rüttimann, Über die Freiherren, S. 4.

31Illustrative Beispiele aus Lochers Pamphleten sind: «Der Nepotismus, welcher Anfangs schüchtern aus dem Fenster geschielt, geht bald auf offener Straße spazieren.» (Locher, Freiherren, S. 7), «Das Verantwortlichmachen eines höheren Beamten gehört übrigens bei uns zu denjenigen Problemen, welche, wie die Quadratur des Cirkels, noch nicht gelöst sind.» (Locher, Freiherren, S. 66–67), «Die Juristen folgen den Direktionen des Gouvernements.» (Locher, Schwurgericht, S. VIII), «Dem Richter fehlt bei uns vor Allem [...] Erfahrung, denn er ist von heut auf morgen in's Amt gekommen und wird übermorgen wieder abgesetzt. [...] Ganz dasselbe gilt von den Beamten der Verwaltung.» (Locher, Freiherren, S. 3) oder auch «Was überhaupt Wahrheit sei, darüber entscheidet nicht etwa das Volk, zu dem noch die Presse spricht, sondern zwei vornehme Herren, an welchen, mit Ausnahme der Knöpfe, nicht viel ‹Wahres› zu entdecken ist.» (Locher, Freiherren, S. 10).

32 Rüttimann, Über die Freiherren, S. 4.

33Zu Lochers vielfältigen direkten und indirekten Berührungspunkten mit Regensberg vgl. die nachfolgenden Ausführungen (beispielhaft Friedrich Lochers Pamphlete «Die Freiherren von Regensberg» und das liberale System Alfred Eschers, Absatz 42), dazu die relevanten Stellen in Locher, Wandelbilder. – «Die Grossen der Krone Zürichs» ist Titelelement von Lochers viertem Pamphlet. Vgl. Locher, Krone Zürich.

34 Locher, Freiherren, S. 6.

35 Locher, Freiherren, S. 7, 9.

36Die von Locher dargestellten Sachverhalte wurden mehrfach in zeitgenössischen Darstellungen kritisch besprochen. Vgl. beispielhaft die überzeugenden Ausführungen, mit denen Johann Jakob Rüttimann Lochers Halbwahrheiten klarstellt und die offensichtlichen Lügengeschichten bezeichnet: Rüttimann, Über die Freiherren. Vgl. dazu Tobler, Locher.

37 Johann Jakob Bucher an Alfred Escher, 10. Mai 1866.

38 Johann Jakob Ryffel (Statthalter des Bezirks Regensberg 1838–1866, Grossrat 1843–1866, Nationalrat 1849–1857), Alfred Eschers Studienfreund Johann Jakob Bucher (Gerichtsschreiber des Bezirks Regensberg 1851–1869, Grossrat 1853–1866, Nationalrat 1857–1866) und Jakob Bader (Bezirksrichter 1844– 1866, Grossrat 1843–1866). Diese drei Politiker und Amtspersonen genossen in der liberalen Partei Ansehen und spielten eine Rolle in der Mittwochsgesellschaft. Einer von Lochers Lieblingsgegnern in Regensberg ist Bezirksrichter Jakob Bader, dem er Willkür, Korruption, Falschheit, Lüge, sexuelle Verfehlungen, fehlende Bildung und vieles andere mehr vorwirft. Beispiele: «Die Bader'schen Protokolle wimmeln von Sprachschnitzern, wie: ‹Tatum› statt Datum» (Locher, Freiherren, S. 118); «Herr Bader [...] versuchte sogar, sich an dessen Frau zu machen [...]» (Locher, Freiherren, S. 126); «Richtig aber ist, daß unter seiner [Baders] Leitung der bereits durch Anzeichnung (‹Anbläsung›) und amtliche Verwahrung konstatirte objektive Thatbestand auf mirakulöse Weise verloren ging und auch der subjektive sich von Tag zu Tag lichtete, wie Thautropfen, welche von der Sonne eingesogen werden» (Locher, Freiherren, S. 119).

39 Locher, Freiherren, S. 178.

40 Locher, Freiherren, S. 68.

41 Locher, Freiherren, S. 2.

42 Locher, Freiherren, S. 178.

43 Lochers Ziele und Strategien werden im Verlaufe dieses Beitrags ausführlich dargestellt.

44 Locher, Schwurgericht, S. VIII.

45 Locher, Krone Zürich, S. 165.

46 Locher, Krone Zürich, S. 100.

47 Vgl. Locher, Krone Zürich, S. 167.

48 Locher, Krone Zürich, S. 167–169.

49«Der Richter urtheilt bei uns nicht nur über Thatsachen, sondern über Absichten, welche er nach Belieben dem Angeklagten unterschieben kann» (Locher, Schwurgericht, S. 80).

50 Locher, Schwurgericht, S. VII.

51 Eduard Häberlin (1820–1884), von Bissegg und Weinfelden; sein Bruder Friedrich Heinrich und sein Neffe waren ebenfalls thurgauisch-kantonale und eidgenössische Politiker. Häberlin war ein herausragender wirtschaftsliberaler Parlamentarier und Exekutivpolitiker, dazu Anwalt und Richter. Während Jahren gehörte er unter dem Präsidium von Escher der Direktion der Nordostbahn-Gesellschaft an. Vgl. Gruner, Bundesversammlung, S. 698–701. – In der Nachfolge von Johann Konrad Kern, der von 1856 bis 1883 in Paris die Interessen der Schweiz als ausserordentlicher Gesandter und Minister vertrat, wurde Häberlin im Kanton Thurgau zum Machtzentrum und gehörte zum engsten Kreis um Escher.

52 Locher, Krone Zürich, S. 92–93, 95–96.

53 Locher, Krone Zürich, S. 101.

54 Rudolf Eduard Ullmer (1813–1886), wohnhaft in Enge (Zürich), durchlief eine glanzvolle Karriere in den kantonalen Gerichtsbehörden: Bezirksgerichtsschreiber in Regensberg, Bezirksgericht Zürich (Präsident 1845), Oberrichter (1852–1868), Obergerichtspräsident (1861–1868), liberaler Grossrat (1848–1868), Präsident des Juristischen Vereins des Kantons Zürich. Ullmer schrieb grundlegende staatsrechtliche und privatrechtliche Beiträge und publizierte u. a. eine Sammlung der staatsrechtlichen Rechtsprechung der Bundesbehörden. Sein Ruf als Jurist ging weit über Zürich hinaus. Ullmer und Escher standen sich nicht nur politisch, sondern auch privat nahe, was sich nicht zuletzt durch ihre Nachbarschaft in der Gemeinde Enge erklärt. Zum ausführlichen Nekrolog vgl. NZZ, 13. August 1886, 14. August 1886, 16. August 1886.

55 Locher, Krone Zürich, S. 163.

56Es handelte sich um den Prozess Guex-Perey: 1855 erbten die drei im Kanton Waadt wohnhaften minderjährigen Kinder von Heinrich Schellenberg, der bereits 1846 in Cossonay (VD) gestorben war, von ihrem Grossvater aus Pfäffikon (ZH) ein Vermögen von rund 11 000 Franken. Von den Waadtländer Behörden war für die Kinder Schellenberg deren Mutter als Vormund eingesetzt worden. So bemühte sich nun die Waadtländer Vormundschaftsbehörde um die Erbschaft in Zürich. Dem kam die Gemeinde Pfäffikon zuvor, ernannte ihrerseits einen Vormund für die Schellenberg-Kinder und verweigerte die Herausgabe der Erbschaft ins Waadtland. Zwischen den beiden gleichzeitig und unabhängig voneinander wirkenden Vormundschaftsbehörden kam es nun zum Konflikt, der in der Souveränität der beiden Kantone und in der Verschiedenheit ihrer Gesetzgebungen gründete. 1859 verlangten Töchter eines Franz Guex-Perey von den Kindern Schellenberg einen Betrag von rund 11 000 Franken, den ihr Vater seinerzeit angeblich als Bürge für die Familie Schellenberg bezahlt hatte. Die Schellenberg-Kinder wurden 1859 durch das Distriktgericht Cossonay «in contumaciam» zur Bezahlung des geforderten Betrags verurteilt. In dieser Situation erhielt Locher den Auftrag, das Urteil im Kanton Zürich vollziehen zu lassen. Dieser jedoch sah davon ab, die Schuldbetreibung gegen den Vormund der Schellenberg-Kinder anzuheben, und liess den Prozess in Zürich von vorne nochmals beginnen, worauf sich die bereits langwierige Vorgeschichte nochmals verwickelte und weitere Kreise über das Zürcher Obergericht bis ins eidgenössische Parlament zog. Der Fall fand 1867 seinen Abschluss mit dem Urteil zugunsten der Erben Guex-Perey. Vgl. Rüttimann, Über die Freiherren, S. 12–22. – Der Fall Guex-Perey fand breiten Niederschlag in den eidgenössischen Bundesblättern. Vgl. Bericht des Bundesrates an den schweiz. Ständerath, betreffend den Rekurs der Kinder Guex-Perey von Cossonay gegen die Kinder Guex-Schellenberg von Pfäffikon (vom 7. Oktober 1861), in: BBl 1861 III, S. 66–70; Bericht der Rekurs-Kommission des Ständerates über den von dem Nationalrate gefassten Beschluss in Sachen der Kinder Guex-Perey von Cossonay gegen die Kinder Schellenberg von Pfäffikon (vom 7. Februar 1862), in: BBl 1862 I, S.432–433; Bericht der nationalrätlichen Commission über die Rekursbeschwerde der Kinder Guex-Perey gegen die Kinder Schellenberg in Cossonay, vom 1. Dezember 1860 (vom 11. Juli 1862), in: BBl 1862 III, S. 159–168; Bericht des schweiz. Bundesrates an die h. Bundesversammlung über seine Geschäftsführung im Jahr 1862, in: BBl 1863 II, S. 86–89; Spezialbericht des Herrn Fracheboud, betreffend den Rekurs der Kinder Guex-Perey (vom 12. Juli 1866), in: BBl 1866 II, S. 742–746; Bericht der nationalrätlichen Kommission über die Rekursbeschwerde der Kinder Guex-Perey von Cossonay gegen die Kinder Schellenberg betreffend Vollziehung eines waadtlandischen Zivilurteils im Kanton Zürich (vom 19. Juli 1867), in: BBl 1867 II, S.496–507; Bericht des Schweiz. Bundesrates an die h. Bundesversammlung über seine Geschäftsführung im Jahr 1867, in: BBl 1868 II, S. 488. – Die vorstehende stichwortartige Zusammenfassung folgt der Fallbeschreibung von Johann Jakob Rüttimann. Vgl. Rüttimann, Über die Freiherren, S. 12–22.

57Bereits in seinem ersten Prozess – es handelte sich um eine Ehescheidung – war Locher mit dem damaligen Bezirksgerichtspräsidenten Ullmer in Konflikt geraten. Locher warf Ullmer vor, im Einverständnis mit der schuldigen Frau und gestützt auf Gefälligkeitszeugen seinen Mandanten, den unschuldigen Mann verhaftet zu haben, und reichte beim Obergericht eine Beschwerdeschrift ein, die er aber wieder zurückzog. Dies änderte indes nichts daran, dass Ullmer künftig geringschätzig über Locher sprach, worauf Locher diesem die Schuld dafür gab, dass seine Laufbahn als Advokat erschüttert worden sei. Seither hegte Locher gegenüber Ullmer einen tiefen Groll, während Ullmer an Locher kein gutes Haar liess. Beachtet man die Stellung, die Ullmer im Zürcher Gerichtswesen, als liberaler Politiker und in Eschers engstem Umfeld einnahm, so erscheint es bereits aufgrund dieser Auseinandersetzung als nicht vorstellbar, dass Locher je innerhalb des Systems hätte Karriere machen können. Vgl. Garnaus, Familie Locher, S. 56. Dazu die entsprechenden Ausführungen in Locher, Wandelbilder.

58Die Akten des Falles Guex-Perey, mit der besagten handschriftlichen Bemerkung von Locher versehen, lagen der ständerätlichen Rekurskommission im Sommer 1867 vor. Es war namentlich Ständerat Rüttimann, der verlangte, dass im Kommissionsbericht «diese Ungebührlichkeit gerügt werde». Dies tat dann Häberlin als Berichterstatter vor dem Ständerat. Blumer, Erinnerungen, 31(c)–31(d). – Die Klage, die Obergerichtspräsident Ullmer «wegen der beschimpfenden Randbemerkungen» gegen Locher erhob, fand Eingang in verschiedene Schweizer Zeitungen. Vgl. NZZ, 11. August 1867. Vgl. dazu Garnaus, Familie Locher, S. 69.

59 Vgl. Tobler, Locher, S. 34–35.

60 Vgl. beispielhaft Blumer, Erinnerungen, 31(c)–31(d).

61 Locher, Krone Zürich, S. 123–124.

62 Vgl. Locher, Krone Zürich, S. 102–119.

63 Locher, Krone Zürich, S. 120.

64 Locher, Othello, S. 4.

65 Locher, Othello, S. 13.

66 Locher, Krone Zürich, S. 117.

67 Locher, Krone Zürich, S. 116.

68 Locher, Othello, S. 11.

69 Locher, Othello, S. 16.

70 Locher, Othello, S. 16–17.

71 Locher, Krone Zürich, S. 121.

72 Locher, Othello, S. 26.

73 Locher, Freiherren, S. 7.

74 Locher, Freiherren, S. 10.

75 Locher, Freiherren, S. 9.

76«Die Herren Oberrichter wohnen, figürlich natürlich, sämmtlich an der Gerechtigkeitsgasse, sind aber häufig nicht zu Hause!» Locher, Prozesshexe, S. 69.

77 Rüttimann, Über die Freiherren, S. 33. Vgl. Locher, Prinzeps, S. 40.

78 Locher, Prinzeps, S. 40.

79 Rüttimann, Über die Freiherren, S. 27. Vgl. Locher, Prinzeps, S. 51–56.

80 Rüttimann, Über die Freiherren, S. 27.

81 Vgl. Rüttimann, Über die Freiherren, S. 27–33

82Zu «Anstellungen, Löhne und Tantièmen» in den Gründerjahren der Kreditanstalt vgl. Jung, Aufbruch, S. 800–805.

83 Vgl. Rüttimann, Über die Freiherren, S. 31. – Zum Zürcher Obergericht, zum Gerichtswesen und zur Zürcher Rechtspflege in den 1830er Jahren vgl. die entsprechenden Ausführungen in Weibel, Keller.

84 Vgl. Rüttimann, Über die Freiherren, S. 4, 10, 12.

85 Vgl. Rüttimann, Über die Freiherren, S. 36.

86Wenn Locher später ausführen wird, dass nicht er, sondern Escher den Kontakt zu ihm gesucht habe, so mag man dies nicht recht glauben. Denn warum sollte Locher verschiedentlich dem angeblichen Ruf Eschers gefolgt sein, wenn er, wie er ausführte, von dessen liberalen Machenschaften und von der Günstlingswirtschaft des Systems abgestossen war? Es erscheint naheliegender, dass es Locher war, der nach dem Studium den Kontakt zu Escher und zu anderen liberalen Repräsentanten suchte, um seiner Karriere den nötigen Schwung zu geben. Dies bestätigen die massgeblichen Zeitgenossen. Zu Rüttimanns Einschätzungen vgl. die relevanten Ausführungen in Rüttimann, Über die Freiherren. Vgl. Garnaus, Familie Locher, S. 55–56.

87Alfred Eschers Grossvater, Hans Caspar Escher (1755–1831), war Konkurs gegangen und hat beinahe ganz Zürich in den finanziellen Abgrund gerissen. Heinrich Escher (1776–1853), der Vater, war in Amerika zu neuem Reichtum gekommen. Er verletzte den Ehrenkodex, indem er die Schulden der vorausgegangenen Generation nicht zurückzahlte. In den 1840er Jahren lancierte der Glarner Kaufmann Kaspar Kubli, unterstützt von konservativen Stadtzürchern, Angriffe gegen die Familie Escher. Dabei wurde neben anderem der Vorwurf erhoben, Alfred Eschers Vater sei in Amerika durch Sklavenhandel reich geworden. Das Obergericht sprach Kubli der Beschimpfung und Verleumdung schuldig. Der Vorwurf des Sklavenhandels wurde auch später als haltlos erkannt, was nichts daran änderte, dass er bis in die Gegenwart immer wieder und ohne entsprechendes qualitatives Fundament (Quellen) vorgebracht wird. Vgl. Jung, Aufbruch, S. 30–32, 199–212; dazu die entsprechenden Ausführungen in Jung/Koch, Escher Briefe, Band 3.

88 Locher, Prinzeps, S. 15–16.

89 Locher, Schwurgericht, S. V.

90 Vgl. Rüttimann, Über die Freiherren; NZZ, 14. November 1867, 16. November 1867, 17. November 1867, 18. November 1867, 19. November 1867, 20. November 1867, 21. November 1867, 22. November 1867.

91 Fritz Bürkli an Alfred Escher, 30. November 1867.

92Fallbeispiel: So schrieb am 11. Dezember 1867 Rudolf Kunz-Rebsamen an Escher: «Letztere [die Schmähschrift] wird nicht ermangeln, bei allen gutgesinnten Bürgern, welche die künftige Ordnung der Dinge nicht auf der Unterlage von Pamphleten aufgebaut wissen wollen, neuen & gerechten Abscheu gegen die verwerflichen Mittel zu erwecken, welche von der Opposition zur Erreichung ihrer Zwecke angewendet werden. Aber freilich, wer dem Satz ‹der Zweck heiligt die Mittel› huldigt, wird auch ob der Anwendung solcher Gemeinheiten nicht erröthen, vermehren sie ja doch die Agitation & führen zum Ziele.» Rudolf Kunz-Rebsamen an Alfred Escher, 11. Dezember 1867.

93 Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, 17. Dezember [1867?]. Vgl. dagegen Tobler, Locher, S. 92.

94 Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 1. Februar 1868.

95 Josef Zingg an Alfred Escher, 26. November 1867.

96 Alfred Escher an Georg Stoll, 14. Dezember 1867.

97Die Beiträge im «Landboten» erschienen unter folgenden Titeln: «Ein Symptom» (2. November 1867), «Das Pamphlet» (9./10. November 1867), «Pamphlet und Opposition» (22. November 1867), «Das Zürcher System in der Klemme» (29. November 1867), «System und Opposition» (4./5./6. Dezember 1867). Vgl. Der Landbote, 2. November 1867, 9. November 1867, 10. November 1867, 22. November 1867, 29. November 1867, 4. Dezember 1867, 5. Dezember 1867, 6. Dezember 1867.

98 Vgl. NZZ, 13. Dezember 1867, 14. Dezember 1867, 19. Dezember 1867, 20. Dezember 1867, 21. Dezember 1867, 22. Dezember 1867, 24. Dezember 1867, 25. Dezember 1867.

99 Alfred Escher an Georg Stoll, 9. Dezember 1867.

100«Die Herren Geschwornen schauen einander unschlüssig an, doch das stereotype Lächeln ihres Obmanns bedeutet: ‹Debatten und Vorträge seien ganz überflüssig, sie, nämlich er, wissen schon was sie zu tun haben›» (Locher, Schwurgericht, S. 43).

101 Zürichs Bürgermeister Hans Waldmann (1435–1489) wurde am 1. April 1489 zusammen mit anderen Ratsmitgliedern gefangengenommen – unter dem Druck einer wütenden Menge. Das Todesurteil wurde 5 Tage später vollstreckt. Vgl. Flüeler/Flüeler-Grauwiler, Zürich I, S. 136. – Lochers siebtes Pamphlet, «Die Prozesshexe», enthält u. a. die wörtliche Abschrift von Ullmers Anklageschrift. Insgesamt waren 21 Anklagen gegen Locher gerichtet. Vgl. Locher, Prozesshexe, S. IV, 3–5.

102 Vgl. NZZ, 14. August 1886.

103 NZZ, 14. August 1886. – 16 Jahre später wurde Ullmer teilweise rehabilitiert. An einer demokratischen Versammlung kam Professor Friedrich Salomon Vögelin auf die Ereignisse in den 1860er Jahren zu sprechen und meinte mit Bezug auf die Person Ullmer: «Heute urtheilen wir anders. Der Mann, der die ganze Aufregung angestiftet hatte [Locher], ist jetzt als Verläumder gebrandmarkt und derjenige, der damals die ganze Last der Schuld auf sich nehmen mußte, ist heute ein von jedem Verdacht entlasteter und geehrter Mann.» NZZ, 14. August 1886.

104 NZZ, 14. August 1886. – Die Freundschaft zwischen Escher und Ullmer überdauerte diese stürmische Phase. Im Zusammenhang mit dem Bau der Gotthardeisenbahn erhielt Ullmer wiederholt Aufträge für juristische Gutachten und Beratung. Vgl. Schreiben Rudolf Eduard Ullmer an Dir. GB, 25. Mai 1876 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB03_003); Schreiben Rudolf Eduard Ullmer an Dir. GB, 26. Juli 1876 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB03_003).

105Es handelte sich dabei um das siebte Pamphlet. Vgl. Locher, Prozesshexe. – Das Bordell in Riesbach wurde von Frau Hämig geführt. Diese bezeichnete Ullmer nicht nur als Vetter, sondern auch als ihren besten Kunden. Vgl. Locher, Prozesshexe, S. 9–12. – Nach Adolf Muschg ist das Ölweib in Kellers Seldwyler-Geschichte «Das verlorene Lachen» Lochers «Prozesshexe» aus dem Gesicht geschnitten. Vgl. Muschg, Heimatland, S. 111. – Zu Kellers Erzählung vgl. Friedrich Lochers Pamphlete «Die Freiherren von Regensberg» und das liberale System Alfred Eschers, Absatz 41; Friedrich Lochers Pamphlete «Die Freiherren von Regensberg» und das liberale System Alfred Eschers, Fussnote 119.

106 Vgl. Dändliker, Zürich III, S. 380.

107 Vgl. beispielhaft Scheuchzer, Bleuler, S. 168–172; Dändliker, Zürich III, S. 380.

108Neben Hans Rudolf Zangger griff er namentlich die Zürcher Demokraten Karl Felix Walder und Karl Bürkli und die Winterthurer Johann Jakob Sulzer und Salomon Bleuler-Hausheer an.

109 Locher, Neueste Freiherren, Titelseite (Maxime).

110 Locher, Kommune Freiherren, S. 124.

111 Locher, Prinzeps, S. 51.

112Fallbeispiele: Locher, Schwurgericht, S. 70; Locher, Krone Zürich, S. 157, 167; Locher, Neueste Freiherren, S. 259, 312; Locher, Kommune Freiherren, S. 80, 117.

113Am Beispiel von Ullmer führt Obergerichtsschreiber Tobler aus, was von Locher erfunden und erlogen sei, nämlich alles von A bis Z. Das einzige, was «von dem ganzen schändlichen Lügengewebe» übrigbleibe, sei möglicherweise, «dass Hr. Dr. Ullmer in geschlechtlicher Beziehung nicht rein dazustehen scheint», da er «laxen Grundsätzen gehuldigt» haben könnte. Tobler, Locher, S. 83–85.

114 Locher, Prinzeps, S. 26.

115 Vgl. Locher, Schwurgericht, S. 1, 9, 14, 43; Locher, Krone Zürich, S. 102, 123, 130.

116 Gagliardi, Escher, S. 534; Zurlinden, Bilder Zürich, S. 5.

117 Friedrich Lochers Pamphlete «Die Freiherren von Regensberg» und das liberale System Alfred Eschers, Absatz 43; Friedrich Lochers Pamphlete «Die Freiherren von Regensberg» und das liberale System Alfred Eschers, Fussnote 125.

118 Fränkel, Gottfried Keller, S. 485–486.

119Gottfried Keller, Das verlorene Lachen, in: Keller, HKKA V, S. 250–356. – Auch mit dem Gedicht «Die öffentlichen Verleumder» hat Gottfried Keller die politische Verleumdung thematisiert. Vgl. Keller, HKKA IX, S. 283–284. Vgl. dazu die entsprechenden Ausführungen in Muschg, Heimatland.

120Gottfried Keller, Das verlorene Lachen, in: Keller, HKKA V, S. 341–342.

121Gottfried Keller, Das verlorene Lachen, in: Keller, HKKA V, S. 317.

122Zu Heinrich Angst und zur Gründungs- und Entwicklungsgeschichte der Gottfried Keller-Stiftung vgl. die entsprechenden Ausführungen in Jung, Museum. Zum Kunstkrieg von 1904 vgl. Jung, Museum, S. 243– 284.

123«Es mag übrigens Herrn Rüttimann auch angenehm sein zu wissen, daß derjenige, der die Hauptveranlassung dieser ganzen Schweinerei ist, Herr Angst, es seinem sel. Vater & ihm zu verdanken hat, daß er zu irgend etwas gekommen ist. Das ist übrigens der gewöhnliche Dank für das, was man andern leistet.» Johann Jakob Bucher an Alfred Escher, 10. Mai 1866.

124 Brief Friedrich Locher an François Wille, 8. April 1869 (PA Wille).

125 NZZ, 25. April 1911.

126Beispielhaft: Zur aktuellen Zürcher Kantonsgeschichte vgl. Flüeler/Flüeler-Grauwiler, Zürich III, S. 147–148, 233. In der aktuellen Geschichte der Schweiz (2014) wird Locher im Personenregister nicht aufgeführt. Vgl. Kreis, Schweiz, S. 643. Von den Spezialpublikationen vgl. beispielhaft Dünki, Verfassungsgeschichte; dazu Gagliardi, Escher. – Auf die Zusammenhänge zwischen dem von Heinrich Angst losgetretenen Kunstkrieg 1904 und Lochers Pamphleten habe ich erstmals 1998 hingewiesen (vgl. Jung, Museum). Im Kontext meiner Escher-Biographie habe ich 2006 Lochers Kampf gegen das System auf dem Stand der damaligen Erkenntnisse in geraffter Form beschrieben (vgl. Jung, Aufbruch). Diese Ausführungen sind seither in den jeweiligen Neuauflagen der (gekürzten) Escher-Biographie beibehalten worden, letztmals in der 5. Auflage 2014 (vgl. Jung, Escher). Gestützt auf neue Quellen und Erkenntnisse geht der hier nun vorliegende Beitrag sowohl umfangmässig als auch qualitativ weit über meine früheren hinaus.

127Um so mehr wird man dann überrascht, wenn man Locher auf aktuellen Plattformen wiederfindet: etwa in der «Basler Zeitung» 2012 (vgl. Somm, Geist) oder in einer Abhandlung über Merkur-Darstellungen in Zürich 2013 (vgl. Bernhard, Merkur). Dass Locher 2012 in der «Zeitschrift für Europäische Rechtsgeschichte» Aufnahme fand, vermag indes nicht zu überraschen, denn Ausführungen über die «schwierige Durchsetzung der richterlichen Unabhängigkeit im jungen Rechtsstaat und die prekäre Legitimation desselben» sind im Kontext von Lochers Wirken vielmehr naheliegend. Vgl. Kradolfer, Komödie (zit. S. 19).

128Vollständiger Titel: «O mein Heimatland. 150 Versuche mit dem berühmten Schweizer Echo.» Vgl. Muschg, Heimatland. Bereits zwanzig Jahre früher (Originalausgabe 1977) hatte Muschg seine intensive Beschäftigung mit Kellers Leben und Werk ausführlich dokumentiert in Buchform gebracht. Dort allerdings wird Locher noch nicht im Register geführt, während Escher seinen Platz erhielt – und mit ihm das System. Vgl. Muschg, Keller.

Kontexte