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Jung, Escher Briefe, Band 6, S. 82–102.

Das Gotthardbahnunternehmen in der Korrespondenz zwischen Alfred Escher und Josef Zingg: 1863–1879

Lisa Bollinger und Vincent Pick, unter der Leitung von Prof. Dr. Joseph Jung

1Die Korrespondenz zwischen Alfred Escher und Josef Zingg ist für das Verständnis des Gotthardprojekts von zentraler Bedeutung: Sie ermöglicht neue Einblicke in die Umsetzung des Gotthardprojekts von der Gründung der Gotthardvereinigung 1863 bis zum Abschluss der Rekonstruktion im Jahre 1878. Zwar ist die Faktenlage hinsichtlich der Planungs- und Bauphase der Gotthardbahn ebenso wie die Rolle Eschers hinreichend bekannt. Die Korrespondenz zwischen Escher und Zingg liefert jedoch weitere Erkenntnisse darüber, wie der Ausschuss der Gotthardvereinigung und vor allem Escher und Zingg darangingen, politischen Zuspruch und die Finanzierung der Gotthardbahn im In- und Ausland zu sichern.1 Die vielfältige und komplexe Lobbying-Arbeit und die damit verbundenen Herausforderungen, denen sich Escher und Zingg zu stellen hatten, werden durch die Analyse des Schriftbestandes in eine umfassende Perspektive gestellt. Gleichermassen gibt die Korrespondenz zwischen Escher und Zingg Aufschluss über die Qualität ihrer Kommunikation, ihres Verhältnisses und ihrer Zusammenarbeit im Rahmen des Gotthardprojekts. Dabei erwies sich Zingg durch seine Loyalität und seinen Einsatz als unverzichtbare Stütze Eschers. Seine Fähigkeiten in Verwaltungs- und Finanzfragen, die Zingg bereits vor 1863 bei der kantonalen Hypothekarkasse und der Bank in Luzern unter Beweis gestellt hatte, waren ihm auch als Präsident des Gotthardausschusses und als Vizedirektor der Gotthardbahn-Gesellschaft und Leiter des Finanzdepartements dienlich. Wie gross Zinggs Engagement für die Gotthardvereinigung war, zeigt sich 1878 nach dem Tod des dritten Direktionsmitglieds Johann Weber und dem Rücktritt Eschers , als Zingg die Geschäfte rund ein Jahr im Alleingang führte.2 Hauptsächlich von Escher und Georg Stoll vorbereitet und in Angriff genommen, vollendete Zingg die finanzielle Rekonstruktion der Gotthardbahn und wirkte noch bis 1891 als Direktionsmitglied. 3

2Im Kontext des langjährigen Wirkens für das Gotthardprojekt erhielt die Zusammenarbeit zwischen Escher und Zingg eine freundschaftliche Note. Die beiden Korrespondenten kamen im Rahmen ihres geschäftlichen Kontakts durchaus auch auf persönliche Angelegenheiten zu sprechen, wie das folgende Beispiel zeigt. Als Escher und Zingg im Oktober 1866 zur Kur in Montreux beziehungsweise auf der Rigi weilten, bekundeten sie beiderseits grosse Anteilnahme am gesundheitlichen Befinden. So schrieb Escher an Zingg: «Gewiß ist es nun aber nothwendig, daß Sie sich noch einige Zeit schonen [...]. Nehmen Sie in dieser Richtung ein Beispiel an mir, der ich gegenwärtig in Montreux mit Nichtsthun u. s. f. das Ideal eines Spitalbewohners [...] zu verkörpern trachte. Ich habe bereits die Scham, die mich im Anfange meines hiesigen Aufenthaltes wegen meiner Tagdieberei beschlich, glücklich überwunden.»4 Dass ihr Verhältnis über das Geschäftliche hinausging, zeigte sich auch anlässlich des Rücktritts Eschers aus der Direktion der Gotthardbahn-Gesellschaft im Jahre 1878. Zingg äusserte Bedauern und bekundete grosse Anteilnahme: «Ich komme mir wie verwaist vor & es ergreift mich eine tiefe Traurigkeit, wenn ich nur an die Sache denke. Wollen Sie diesen Ausdruk meiner Gefühle gütigst entschuldigen & überzeugt sein, daß, wenn der Schritt unabwendbar ist, ich nie die vielen Beweise v. Freundschaft & Wohlwollen vergeßen werde, welche Sie mir während der langen Periode unseres Zusammenwirkens für das Zustandekommen des großen Werkes haben zu Theil werden laßen.»5 Der Brief Zinggs an Escher bildete den Abschluss ihres freundschaftlichen Verhältnisses, das nach dem Rücktritt Eschers eine merkliche Trübung erfuhr und die Korrespondenz abreissen liess.

3Die Korrespondenz zwischen Escher und Zingg in den Jahren 1863 bis 1879 bildet eine umfangreiche Quellenlage (562 Briefe, 588 Telegramme). Bezüglich der Anzahl Schriftstücke lassen sich sowohl bei den Briefen als auch bei den Telegrammen mehrere Zeitfenster bestimmen. Was die Briefe betrifft, können drei Zeitfenster eruiert werden. Das erste Zeitfenster mit 346 Briefen umfasst die Jahre 1863 bis 1867. Diese grosse Anzahl Briefe lässt sich auf eine intensive Phase des Lobbyings zurückführen und zeugt von einem verstärkten Kommunikationsbedürfnis. Das zweite Zeitfenster mit 145 Briefen betrifft die Jahre 1868 bis 1871. Im Verhältnis zum ersten Zeitfenster nahm der Briefaustausch zwar ab, weil Escher und Zingg zunehmend auch auf andere Kommunikationsmittel zurückgriffen. Die relativ hohe Dichte an Briefen zeigt aber, dass diese während der Subventions- und Konzessionsverhandlungen sowie der Gesellschaftsgründung weiterhin von Bedeutung waren. Das dritte Zeitfenster mit 69 Briefen umfasst die Jahre 1872 bis 1879. Der Schriftverkehr reduzierte sich im Zuge der Institutionalisierung der Gotthardvereinigung massiv. Einen geringen Anstieg erfuhr die Kommunikation ausschliesslich im Rahmen der Rekonstruktion von 1876 bis 1878. Während die Korrespondenz der ersten zwei Zeitfenster in einem gegenseitigen Austausch erfolgte, wurden die Briefe des dritten Zeitfensters fast ausschliesslich von Zingg verfasst (67 Briefe).

4Bezüglich der Telegramme lassen sich zwei Zeitfenster bestimmen. Das erste Zeitfenster mit 159 Telegrammen umfasst die Jahre 1865 bis 1866, das zweite mit 304 Telegrammen die Jahre 1869 bis 1871. Sowohl die Gesamtzahl an Telegrammen als auch die hohe Frequenz, mit der sich Escher und Zingg vor wichtigen Entscheidungen oder Sitzungen austauschten, macht deutlich, dass beide den Telegraphen gezielt einzusetzen wussten. Obwohl die beiden Korrespondenten auf Briefe zurückgriffen, um Sachverhalte näher auszuführen, nutzten sie die kurze Übermittlungszeit des Telegramms sowie die gleichzeitige Erhöhung der Aktualität und Diversifizierung von Informationen, um schnell entscheiden und reagieren zu können. Nach 1871 ging die Anzahl Telegramme aus denselben Gründen wie bei den Briefen stark zurück.

Lobbying

Missionen, Delegationen, Agenturen

5Wie die Korrespondenz zwischen Escher und Zingg zeigt, begann die Gotthardvereinigung ab 1863 in der Schweiz und im Ausland Unterstützung für die Verwirklichung des Gotthardprojekts zu suchen. Im Zentrum der Bemühungen Eschers und Zinggs standen dabei Italien und die süddeutschen Staaten, die als Anrainer ein grundsätzliches Interesse an einer schweizerischen Alpentransversale bekundeten. Daneben setzte sich die Gotthardvereinigung auch in anderen europäischen Ländern wie England, Frankreich, Belgien und Holland für ihre Interessen ein.

6Anstoss für das Auslandsengagement gab einerseits die «schwankende – sog. neurale [sic!]» Haltung des Bundesrates gegenüber der Alpenbahnfrage.6 An der Konferenz der Gotthardinteressenten vom August 1863 in Luzern beschloss die Gotthardvereinigung gestützt auf den Artikel 10 der Bundesverfassung sowie den Artikel 19 des schweizerischen Eisenbahngesetzes, dass Verhandlungen mit ausländischen Staaten betreffend das Gotthardprojekt durch den Bundesrat zu erfolgen haben.7 Nachdem sich die Gotthardvereinigung gemäss dieser Übereinkunft an den Bundesrat gewandt hatte, entsprach dieser zwar deren Wunsch, den ausländischen Regierungen die Gründung der Vereinigung mitzuteilen: der Bitte, sich ausschliesslich für die Gotthardvariante auszusprechen, kam er hingegen nicht nach. Die meisten Mitglieder des Bundesrats stellten sich auf den Standpunkt, keinen bestimmten Alpenübergang favorisieren zu können; sie müssten vielmehr sämtlichen schweizerischen Alpenbahnprojekten Unterstützung zukommen lassen.8

7Andererseits veranlassten die Aktivitäten der Mitglieder der schweizerischen Konkurrenzprojekte wie des Lukmanier- oder des Splügenkomitees in Italien und den deutschen Staaten Escher und Zingg dazu, das Gotthardprojekt im Ausland aktiv zu bewerben. So bemerkte Escher im November 1863 in einem Brief an Zingg: «Ich habe in Erfahrung gebracht, daß Herr a. Landammann & Nationalrath Curti die Süddeutschen Höfe bereist, um für den Lucmanier zu werben. Natürlich reist er bloß als Privatperson & betreibt er bloß ein Privatgeschäft! Wir aber gelangen, um mit dem Auslande in Verkehr zu treten, bundesgetreu an den Bundesrath: dieser hat uns aber bis zur Stunde vor der Thüre stehen lassen! – Ich denke, wir warten die Antwort Italiens über die von uns veranlaßte Anfrage ab. Nachdem sie eingetroffen wird dann aber etwas entschiedener vorgegangen werden müssen: sonst – – –.»9

8Dementsprechend begann die Gotthardvereinigung 1864, in Italien Agenturen mit ständig anwesenden Repräsentanten aufzubauen und Delegationen ins Ausland zu entsenden, die nach erfüllter Mission wieder in die Schweiz zurückkehrten. Die Planung und Koordination von Auslandsmissionen, die Evaluierung möglicher Delegierter und Repräsentanten und die mündliche oder briefliche beziehungsweise telegraphische Instruktion der Gesandten bildeten dabei einen Hauptaspekt der Zusammenarbeit zwischen Escher und Zingg.

9Im November 1864 gelang es Escher und Zingg nach langwierigen Verhandlungen, den Grossteil der von ihnen gewünschten Kandidaten davon zu überzeugen, eine Mission oder eine Agentur zu übernehmen. 10 So erklärten sich beispielsweise der Schaffhauser Nordostbahn-Direktor Georg Stoll und der Berner Nationalrat und Unternehmer Karl Wilhelm von Graffenried dazu bereit, in den deutschen Staaten bei den zuständigen Ministerien und Finanzgesellschaften vorzusprechen. Für ähnliche Missionen in Italien konnte unter anderem der Zürcher Nationalrat und Textilhändler Johann Heinrich Fierz gewonnen werden.11 In Italien begann sich 1864 abzuzeichnen, dass «der größte Theil der Subsidien von den Städten & Provinzen & nicht von der Regierung zu erwarten sein werde».12 Escher und Zingg begannen daher in Genua, Mailand und der Hauptstadt Turin (ab 1865 Florenz) ständige Repräsentanten einzusetzen, um die Interessen der Gotthardvereinigung gegenüber den Stadt- und Provinzräten sowie der italienischen Regierung direkt zu vertreten. Zu den Mitarbeitern, welche in den 1860er Jahren in Italien für die Gotthardvereinigung wirkten, zählte der Kaufmann Charles Ducoster und in unregelmässigen Einsätzen auch der Zürcher Ingenieur Gottlieb Koller.13 In den 1870er Jahren sollten der Elsässer Ingenieur Ernest Stamm und der Tessiner Unternehmer Clemente Maraini diese Aufgabe übernehmen.

10Mittels ihrer Delegierten und Repräsentanten verfügten Escher und Zingg über aktuelle Informationen zu politischen Entwicklungen oder Verhandlungen und konnten direkt auf politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger einwirken beziehungsweise gegen die Anstrengungen der anderen schweizerischen Alpenbahnprojekte antreten. Dies zeigte sich unter anderem im Sommer 1867, als die Diskussion betreffend die Alpenbahnfrage, die während des Preussisch-Österreichischen Kriegs stagnierte, von seiten der Schweiz, der deutschen Staaten und Italien wieder aufgenommen wurde.14 Wie Escher im Juli 1867 in Erfahrung bringen konnte, nutzte auch das Lukmanierkomitee diese Stimmung und verstärkte die Bemühungen in Mailand, «um die dortigen Subventionen für den Lucmanier [...] erhältlich zu machen». Escher ersuchte daraufhin Zingg, den in der Schweiz weilenden Gottlieb Koller per Präsidialverfügung aufzufordern, «beförderlich nach Mailand [zu] gehen & dort gegen diesen Plan [zu] wirken». Wie vor der Entsendung von Delegierten oder den Verhandlungen der Repräsentanten üblich, beabsichtigten Escher und Zingg auch in diesem Fall, Koller vor seiner Abreise genau über seinen Auftrag zu instruieren. Aus diesem Grund bot Escher Zingg an, wenn er «Hrn. Koller beauftragen woll[e], vor seiner Abreise noch nach Zürich zu kommen, um nähere Mittheilungen über die Situation von mir zu empfangen, so bin ich ganz bereit, ihm solche zu geben».15

11Welche Bedeutung Escher und Zingg den Missionen und den Agenturen im Ausland beimassen, wird anhand ihrer umgehenden Reaktion auf ungenügende Leistungen ihrer Delegierten oder, wie im Fall Charles Ducosters, ihrer Repräsentanten deutlich. Wie zahlreiche Briefe von Escher und Zingg illustrieren, fiel Ducoster im Laufe seiner Tätigkeit für die Gotthardvereinigung aus zwei Gründen in Ungnade. Zum einen sorgte seine Berichterstattung bei Escher und Zingg für Unmut. Für den Erfolg der Gotthardvereinigung war es entscheidend, über aktuelle Angaben zu Beschlüssen verschiedener Staats- oder Stadtregierungen bezüglich der Alpenbahnfrage zu verfügen.16 Gerade in Italien, wo die wechselhafte Haltung der politischen Entscheidungsträger gezielte Gegenmassnahmen erforderte, war eine gute Informationslage für Escher und Zingg essentiell. Dementsprechend ungehalten reagierte Escher, als er im Juni 1867 zur Ansicht gelangte, dass die Berichte des Repräsentanten Ducoster zu den politischen Entwicklungen und Entscheidungen in Genua, Mailand und anderen Städten betreffend der Subventionierung einer Alpenbahn ungenügend seien: «Die beiliegende Depesche [Ducosters], welche sich übrigens lediglich auf eine Zeitungsnachricht stützt, besagt das gleiche, was wir während der letzten Sitzung des Gotthardausschusses ebenfalls in einer Zeitung gelesen haben. [...] So lange wir einen Agenten in Italien haben, der jährlich ca Fr. 5000 bezieht, sollten wir über Puncte, wie die bezeichneten, renseignirt sein.» Daher forderte Escher Zingg dazu auf, Gottlieb Koller zu instruieren, Ducoster zu «gehöriger Berichterstattung [zu] veranlasse[n].»17

12Zum anderen erwies sich Ducoster als ungeschickter Verhandlungsführer. Als der amtierende italienische Ministerpräsident Urbano Rattazzi erklärte, das Gotthardprojekt unterstützen zu wollen, beabsichtigte Ducoster im September 1867, mit Rattazzi Gespräche betreffend die Behandlung der Alpenbahnfrage zu führen. Bestätigt durch Escher, sprach sich Zingg entschieden dagegen aus: «Dem Hrn. Du Coster wird man eine Weisung ertheilen müßen, ob er seinen Plan, wie Italien die Alpenbahnfrage nach seiner Ansicht behandeln sollte, dem Hrn. Ministerpräsidenten vorlegen u entwikeln solle. Ich habe vorläufig den Eindruk, daß es nicht sehr schiklich wäre, den Hrn. Ministerpräsidenten, sofern er der Sache günstig ist u dieselbe befördern will, über den einzuschlagenden Weg durch D. belehren zu wollen.»18

13Obwohl Ducoster das Vertrauen von Escher und Zingg als Repräsentant in Italien verloren hatte, kam es nicht zur Trennung. Ab 1868 wurde Ducoster in den Konzessions- und Subventionsverhandlungen im Kanton Tessin als Repräsentant der Gotthardvereinigung eingesetzt. In den Konzessionsverhandlungen von 1868 leistete er als Unterhändler noch einen wesentlichen Beitrag dazu, dass die Gotthardvereinigung die Konzessionverträge im Februar 1869 unterzeichnen konnte.19 In den Subventionsverhandlungen, welche die Gotthardvereinigung mit dem Kanton Tessin im Anschluss an die internationale Gotthardkonferenz von 1869 führte, sollte Ducoster hingegen durch seine «Tactlosigkeiten» bei Escher und Zingg jegliche Sympathie verlieren. So äusserte sich Escher Anfang April 1870 gegenüber Zingg, dass «Ducoster die Weisung ertheilt werden sollte, sich der Thätigkeit im Gebiete der niederern Diplomatie (Analogon von ‹niedere Chirurgie›) gänzlich zu enthalten».20 Um die laufenden Verhandlungen nicht zu gefährden, beschlossen Escher und Zingg daher, Ducoster endgültig zu versetzen: «Wenn Ducoster als eine auf der Gotthardunternehmung lastende Servitut angesehen werden muß, [...] so sollte er doch dazu angehalten werden, an einem Orte zu vegetiren, wo er uns nicht, wie dieß im Tessin der Fall ist, augenfällig schadet!»21

14Neben den Delegierten und Repräsentanten übernahmen auch Escher und Zingg Missionen im In- und Ausland, um die politische Unterstützung, Subventionsleistungen und die private Finanzierung für das Gotthardprojekt sicherzustellen. Die Korrespondenz zwischen Escher und Zingg macht ersichtlich, dass sich beide in der Schweiz regelmässig mit verschiedenen Bundesräten austauschten und sich mit Vertretern von Kantons- und Stadtregierungen trafen, um Einfluss auf die Konzessions- oder Subventionsverhandlungen in den jeweiligen Kantonen zu nehmen.22 So teilte Zingg Escher in einem Brief vom September 1865 beispielsweise mit, dass er «was an mir liegt die Subventionsbeschlüße befördern werde. Ich halte heute eine längere Besprechung mit dem Präsidenten des Stadtrathes v. Luzern , der nun die Sache auch vorwärts treiben wird. Hr. Landammann Müller hat mir versprochen, sein Möglichstes zu thun, daß die Sache in Uri vorwärts gehe. [...] Mit Hrn. Landammann Schwarz [Kanton Aargau] trete ich morgen in Olten zusammen.»23 Im Ausland betätigten sich Escher und Zingg in Italien und Deutschland. So reiste Zingg im Herbst 1877 und Anfang 1878 im Zuge der Verhandlungen zwischen der Gotthardbahn-Gesellschaft und dem internationalen Finanzkonsortium über einen Nachvertrag bezüglich der Regelung der Übernahme der ausstehenden Obligationen wiederholt nach Deutschland.24

15Escher, wegen seiner diplomatischen Fähigkeiten ein geschickter Verhandlungsführer, wurde von Zingg und vom Ausschuss der Gotthardvereinigung jeweils ersucht, ins Ausland zu reisen, wenn entscheidende Verhandlungen bevorstanden. Als es Mitte der 1860er Jahre galt, in Italien und Deutschland um politische Unterstützung für das Gotthardprojekt zu werben, bat Zingg Escher 1864, eine Mission nach Turin zu übernehmen, da «[d]ie Entscheidung in Turin [...] von der eminentesten Wichtigkeit [ist] u wenn irgend Jemand, so wären Sie im Falle, die vorhandenen Schwierigkeiten zu überwinden».25 Lehnte Escher diese Mission mit Hinweis auf den Gesundheitszustand seiner Frau noch ab,26 traf er im Sommer 1865 in Italien unter anderem mit Bauminister Stefano Jacini zusammen, um dessen Ansicht bezüglich «der Übernahme des Tunnels durch Italien & bezüglich des Zeitpunctes der Einzalung der Subventionen» zu erörtern. Im Anschluss reiste er auf Einladung des badischen Aussenministers Roggenbach nach Baden-Baden , um «zu vernehmen, was Deutschland über diese Puncte denkt. Ich glaube annehmen zu dürfen, daß die Anschauungsweise der deutschen Staatsmänner [...] mit den ursprünglichen Äußerungen Jacini's & den in unser Subventionsprogramm niedergelegten Grundlagen übereinstimmen dürfte».27

16Auch während der Phase der Ratifizierung des Staatsvertrages für den Bau und den Betrieb einer Gotthardbahn durch Italien, die Schweiz und den Norddeutschen Bund sowie der Verhandlungen zur Bestimmung der definitiven Subventionszahlungen zwischen 1869 und 1871 ersuchte Zingg Escher wiederholt, Missionen ins Ausland zu übernehmen. Als im Frühjahr 1870 innerhalb des Norddeutschen Bundes ein Streit über die jeweilige Beitragssumme der einzelnen Mitgliedstaaten an der Gotthardsubvention entflammte28, wünschte Zingg, Escher könne sich entschliessen, «nochmals [...] nach Berlin zu gehen».29 Zingg, der Escher beschied, dass «[n]och jedesmal, wenn Sie nach Italien oder Deutschland giengen, [...] die Angelegenheit einen entscheidenden Schritt vorwärts gethan [hat]»30, war davon überzeugt, dass Escher die Subventionsfrage zu einem definitiven Abschluss bringen würde.31 Mit der Unterzeichnung des Staatsvertrags durch den Norddeutschen Bund, Italien und die Schweiz im Juni 1870 wurde die Mission Eschers nach Deutschland jedoch hinfällig. Welche Bedeutung Zingg letztlich dem Beitrag Eschers bei der Erwirkung des politischen Zuspruchs sowie der finanziellen Sicherung des Gotthardprojekts zwischen 1863 und 1871 beimass, zeigt sich anhand eines Briefes, den er Escher im Juni 1871 anlässlich der Ratifizierung des Staatsvertrags durch das italienische Parlament schickte: «So wäre denn nach vieljährigem Kämpfen & Ringen auch diese Position – die schwierigste, aber wie hoffe [sic!] auch die entscheidende – errungen. Ich gratulire vor Allem Ihnen zu diesem Erfolg, weiß ich ja, mit welch' unermüdlicher Tätigkeit Sie denselben vorbereitet haben!»32

Der Kampf um die Konzessionen

17Nach der Gründung der Gotthardvereinigung im Herbst 1863 bemühten sich Escher und Zingg darum, bezüglich der Alpenbahnfrage baldmöglichst einen Entscheid zugunsten ihres Projekts herbeizuführen. Besonders im Tessin, wo Escher schon im September eine «außerordentliche Kühle» zu spüren und eine Vorahnung dessen bekam, was dort an Schwierigkeiten auf ihn und die Gotthardbefürworter zukommen würde, musste grosse Überzeugungsarbeit geleistet werden.33 Ziel war es, das Gotthardprojekt nicht nur auf politischer Ebene durchzusetzen, sondern zugleich und schnellstmöglich die für den Bau der Gotthardbahn erforderlichen Konzessionen zu erwerben. Escher und Zingg befassten sich diesbezüglich vor allem mit der Planung und der Erstellung einer Strategie und tauschten sich in ihrer Korrespondenz über aktuelle Ereignisse aus. Als beispielsweise Eschers Reise nach Bern – wo er sich bei verschiedenen Parlamentariern über den Stand der Dinge im Kanton Tessin erkundigen wollte – ins Wasser fiel, ersuchte er Zingg, sich die notwendigen Informationen vom Tessiner Staatsrat Luigi Pioda liefern zu lassen. Damit sich Escher anhand der Erklärungen Piodas selbst einen Überblick verschaffen konnte, leitete ihm Zingg das Antwortschreiben des Tessiners direkt weiter.34 Andere Beispiele aus der Korrespondenz zeigen auf, wie Escher und Zingg die vor Ort wirkenden Agenten der Gotthardvereinigung koordinierten.35

18Zu Anfang des Jahres 1865 betonte Escher in seinem Schreiben an Zingg, dass «der verwundbare Fleck für unsere Bestrebungen zunächst in dem Tessin'schen Bahnnetze [...] zu finden ist».36 Als für die Gotthardvereinigung problematisch erwies sich dabei vor allem die Tatsache, dass die Konzessionen für den Talbahnbau bereits an die englische European Central Railway Limited vergeben waren.37 Bald begann sich jedoch abzuzeichnen, dass die Konzessionsinhaberin ihren Verpflichtungen aus finanziellen Gründen nicht nachkommen konnte.38 Aus der Korrespondenz zwischen Escher und Zingg geht hervor, dass sich die beiden deshalb weiterhin für den Erwerb einer Konzession im Tessin engagierten. Vor allem Zingg wirkte dabei auch persönlich vor Ort. So berichtete er Escher im Juli 1865 über seine Gespräche mit dem Tessiner Staatsrat sowie einigen Mitgliedern des Grossen Rats. Er habe den Eindruck gewonnen, dass das Gotthardkomitee mit einem Konzessionsgesuch beim Staatsrat auf offene Ohren stossen würde. Ausserdem hätten ihm seine Gesprächspartner versichert, sich bezüglich eines allfälligen Konzessionsbegehrens von seiten des Lukmanierkomitees nicht beeilen zu wollen.39 Nicht zuletzt aufgrund dieser Einschätzung entschloss sich die Gotthardvereinigung im September 1865, ein solches einzureichen. 40 Bevor das Gesuch vom Tessiner Staatsrat der zuständigen Grossratskommission zur Vorberatung übergeben wurde, setzte Escher Zingg davon in Kenntnis, dass er den Schaffhauser Politiker Johann Friedrich Peyer im Hof dazu veranlasst habe, als Vertreter der Gotthardvereinigung die Beratungen vor Ort mitzuverfolgen.41 Die Tessiner Grossratskommission stellte im Verlaufe der Verhandlungen trotz Zugeständnissen Peyers immer höhere Forderungen. Des weiteren begann sich abzuzeichnen, dass sie die beiden Konkurrenzprojekte, den Gotthard und den Lukmanier – für letzteres hatte der in Paris niedergelassene Genfer Bankier Edouard Hentsch unterdessen ein Konzessionsgesuch eingereicht –, gegeneinander auszuspielen versuchte, um bestmögliche Konditionen für sich selbst zu erzielen.42 Escher schlug in seinem Brief an Zingg deshalb vor, eine Sitzung des Ausschusses der Gotthardvereinigung einzuberufen, und echauffierte sich: «Wahrscheinlich werden sie [die Tessiner] morgen oder an einem andern schönen Tage beschließen, den Gotthard & den Lucmanier zu conzediren & die Thalbahnen demjenigen zuzusichern, welcher den einen oder den andern Alpenpaß überschient!»43

19Schliesslich wandte sich der Grosse Rat des Kantons Tessin im Februar 1866 definitiv gegen das Gotthardprojekt, indem er den Austritt des Kantons aus der Gotthardvereinigung beschloss und der Hentsch, Lutscher und Compagnie die Konzession für die Lukmanierbahn erteilte.44 Wie aus der Korrespondenz zwischen Escher und Zingg ersichtlich wird, unterliess es die Gotthardvereinigung deshalb vorerst, im Tessin weitere Schritte zu unternehmen. Im April 1866, als sich unter der Leitung des Tessiner Redaktors und Unternehmers Pasquale Veladini die sogenannte ‹Association› bildete, kamen Escher und Zingg wieder vermehrt auf die Situation im Tessin zu sprechen. Die Association hatte zum Ziel, das Gotthardprojekt zu fördern und den Kanton Tessin in der Gotthardvereinigung so lange zu vertreten, wie der Grosse Rat an seiner Stellung festhielt.45 Zingg erläuterte Escher Anfang April auf detaillierte Art und Weise die Argumente, die für eine Unterstützung der Association von seiten der Gotthardvereinigung sprachen, und betonte dabei, dass die «Haltung des Kantons Teßin [...] für unsere Bestrebungen allzu wichtig [ist], als daß wir uns [...] dürfen abhalten laßen, unsere Stellung in diesem Kanton wieder zu verbeßern».46 Escher und Zingg einigten sich daraufhin, die Association zu unterstützen und zukünftig mit ihr zusammenzuarbeiten. In ihrer Korrespondenz berieten die beiden anschliessend regelmässig darüber, wie man mittels des Kontakts zu Veladini am besten auf den Tessiner Staatsrat einwirken könne. Ebenso diskutierten Escher und Zingg darüber, welche Ideen und Absichten Veladinis zu unterstützen und welche abzulehnen seien, damit dessen Vorgehen möglichst dem Interesse der Gotthardvereinigung entspreche.47 Veladini diente des weiteren als Informant und berichtete Escher und Zingg wiederholt über die Situation im Tessin. So leitete Zingg Escher Anfang Juli 1866 die Nachricht Veladinis weiter, dass der Tessiner Staatsrat nun beschlossen habe, die Konzession für die Lukmanierbahn der Bundesversammlung vorzulegen und für ein Konzessionsbegehren der Gotthardvereinigung die Hinterlegung einer Kaution in Aussicht stelle, «wenn man sich nicht vorher mit den Camorristen, die jetzt mit dem Lukmanierkomite unterhandeln, abfinde!».48 Vor der sogenannten Camorra hatte auch Escher schon gewarnt, als er Zingg im Mai darauf aufmerksam gemacht hatte; man müsse gegenüber dieser «Sippschaft» grösste Vorsicht walten lassen.49

20 In den darauffolgenden Wochen sollte sich die Situation für die Gotthardvereinigung zunehmend günstiger entwickeln. Die aktuelle Konzessionsinhaberin Hentsch, Lutscher und Compagnie wurde nämlich durch die Tatsache diskreditiert, weder die Kaution für die Lukmanierkonzession bezahlt noch eine Konzession für den Kanton Graubünden beantragt zu haben.50 Dennoch zögerte Escher im Oktober 1866, noch vor der anstehenden Neubestellung des Tessiner Grossen Rats und der Bundesbehörden ein weiteres Konzessionsgesuch einzureichen. Weil er sich selbst nicht dazu befähigt sah, die Situation im Tessin differenziert einzuschätzen, ermutigte er Zingg, sich an Veladini zu wenden und diesen um Rat zu fragen.51 Zingg informierte Escher umgehend, sich bereits vor einiger Zeit in dieser Hinsicht erkundigt und den Eindruck erhalten zu haben, man würde es im Tessin begrüssen, wenn nicht allzu schnell ein neues Konzessionsgesuch gestellt werden würde. Schliesslich einigten sich Escher und Zingg darauf, vorerst einmal abzuwarten.52 Tatsächlich sollte die neugewählte Bundesversammlung der European Central Railway Limited Ende Dezember 1866 die Konzession für den Talbahnbau entziehen. 53 Zingg schlug in seinem Brief an Escher im Januar 1867 deshalb vor, sich angesichts der günstigen Situation, die inzwischen auch in Italien festzustellen sei, mit der Frage an Veladini und seine Association zu wenden, ob diese den aktuellen Zeitpunkt für erfolgversprechend erachte, ein neues Konzessionsgesuch einzureichen. Schliesslich erteilte der Grosse Rat des Kantons Tessins den der Association angehörenden Komitees für die Strecken ChiassoLugano und LocarnoBellinzonaBiasca im Mai 1868 eine Konzession. Die Association trat die beiden Konzessionen anschliessend wie geplant an die Gotthardvereinigung ab. Zingg und der Luzerner Bundesrichter Jost Weber konnten für die Gotthardvereinigung daraufhin im Februar 1869 die Konzessionsverträge für die Linien ChiassoLugano und LocarnoBellinzonaBiasca unterzeichnen. Die Konzession für den Bau und Betrieb einer Eisenbahn zwischen Lugano und Bellinzona sowie von Biasca bis an die Urner Grenze wurde im Mai 1869 von Oberst Samuel Friedrich Siegfried im Namen der Gotthardvereinigung unterschrieben.54

21Im Sommer 1871 waren die Konzessionen wiederum Gesprächsthema zwischen Escher und Zingg. Weil aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Gründung der Gotthardbahn-Gesellschaft die Konzessionen nun abzulaufen drohten, bemühten sich Escher und Zingg beim Tessiner Grossen Rat um eine Fristerstreckung. Escher, der sich diesbezüglich mit einem Schreiben des Ausschusses an den Bundesrat und an die bundesrätliche Gotthardkommission gewandt hatte, zeigte sich in seinem Schreiben an Zingg zuversichtlich, dass die Fristverlängerung bewilligt werde.55 Zingg hingegen hatte sich mit Bundesrat Emil Welti ausgetauscht und informierte Escher, dass ihm ersterer empfohlen habe, einen Vertreter der Gotthardvereinigung ins Tessin zu schicken. Falls Escher dies begrüssen würde, solle er ihm umgehend Mitteilung erstatten.56 Bereits zwei Tage später aber antwortete Escher, dass sich der Tessiner Grosse Rat für die Fristerstreckung ausgesprochen habe: «Sie werden glauben, was Wunder sie damit gethan haben!»57 Der langwierige Einsatz für den Erhalt der Konzessionen hatte sich für Escher und Zingg also gelohnt.

Das Ringen um die kantonalen Subventionen

22Die lange zögerliche Haltung der italienischen Regierung hatte sich für die Gotthardvereinigung lange Zeit als problematisch erwiesen. Als sich erstere ab Mitte der 1860er Jahre zunehmend positiv über das Gotthardprojekt äusserte und die Notwendigkeit einer angemessenen Subventionierung erkannt zu haben schien, beschloss die Gotthardvereinigung, aktiv zu werden. Sie wollte die Gunst der Stunde nutzen und machte sich deshalb an die Erstellung eines vorerst provisorischen Finanzplans, den sie den beteiligten Kantonen und Eisenbahngesellschaften im August 1865 übermittelte.58 Nebst den privaten Geldgebern, welche den grössten Teil des Investitionskapitals an das Gotthardprojekt übernehmen sollten, nahm die Gotthardvereinigung auch die Kantone und Städte in der Schweiz ins Visier.59 Eine ihrer Aufgaben bestand ab Mitte der 1860er Jahre folglich darin, die betroffenen Kantonsregierungen davon zu überzeugen, sich dem Gotthardprojekt gegenüber finanziell zu verpflichten und eine gewisse Höhe an Subventionen zu leisten. Aus der Korrespondenz zwischen Escher und Zingg geht hervor, dass die beiden gerade an den Orten, wo sie selbst über einen gewissen Einfluss und entsprechende Kontakte verfügten, persönlich das Gespräch suchten, um auf die Verhandlungspartner einzuwirken.

23Die Beispiele des Kantons und der Stadt Luzern zeigen auf, dass die Subventionsverhandlungen eine komplexe und anspruchsvolle Angelegenheit waren, da die jeweiligen Verhandlungspartner die finanzielle Unterstützung der Gotthardbahn oft an gewisse Bedingungen knüpften. Im Herbst 1865 berichtete Zingg, dass auch die Randregionen des Kantons Luzern sich wohl dazu verpflichtet sähen, sich finanziell am Gotthardprojekt zu beteiligen, einer Subventionierung des Entlebucher Bahnprojekts aber abgeneigt seien. Das Entlebuch hingegen habe angekündigt, das Gotthardprojekt nur subventionieren zu wollen, wenn der Kanton auch der Entlebucher Bahn finanzielle Mittel zusprechen werde: «Hierin liegt unsere Schwierigkeit. Es frägt sich, ob man ein beide Theile zufriedenstellendes Abkommen treffen kann & wenn nicht, auf welchem Wege man die Betheiligung für das Gotthardtbahnunternehmen sicherer erreicht.»60 Die einen Monat zuvor gegenüber Escher geäusserten Befürchtungen Zinggs, dass sich im Luzerner Grossen Rat noch Widerstand gegen die vom Regierungsrat beschlossenen Subventionszahlungen regen werde, sollten sich also bewahrheiten.61 Schwierigkeiten kündigten sich gemäss Zingg auch im Luzerner Stadtrat an, da sich einzelne Mitglieder gegen eine finanzielle Unterstützung des Gotthardprojekts ausgesprochen hätten. Er bat Escher deshalb, sich mit dem Luzerner Bankier Kasimir Friedrich Knörr in Verbindung zu setzen und diesen darauf aufmerksam zu machen, «wie höchst sonderbar es erscheinen müße, wenn sein nächster Verwandter & Angestellter (Stadtrath Berchtold) eine oppositionelle Stellung gegen die Unterstützung des Unternehmens einnehme [...]».62 Escher unterrichtete Zingg daraufhin, dass er mit dem Luzerner Bankier eine sehr eingehende Besprechung gehabt habe und ihm dieser in dieser Beziehung das Beste versprochen habe.63 Weiterer Widerstand wurde in der Stadt Luzern in Form einer Kassationsbeschwerde geleistet. Da Zingg befürchtete, es werde daraus eine «Cause célèbre» gemacht, empfahl er dem für das Gemeindewesen zuständigen kantonalen Beamten, ein Gutachten Johann Jakob Rüttimanns einzuholen. Die Expertise des juristischen Beraters Eschers würde dazu beitragen, die Subventionsleistungen an die Gotthardbahn mit stichhaltigen und überzeugenden Argumenten begründen zu können – schrieb er in seinem Brief an Escher.64 Die Kassationsbeschwerde wurde schliesslich abgelehnt, und die Stadt Luzern stimmte einer Subvention für die Gotthardbahn zu.65

24Nachdem an der internationalen Gotthardkonferenz im Herbst 1869 die finanziellen Beteiligungen Italiens, Deutschlands und der Schweiz definitiv festgelegt worden waren, handelte es sich für Escher und Zingg darum, die kantonalen Subventionen abschliessend sicherzustellen. Die Korrespondenz zwischen Escher und Zingg zeigt, dass die beiden den verschiedenen und in Abhängigkeit von ihrem jeweiligen Einflussbereich für die Gotthardvereinigung wirkenden Akteuren Anweisungen hinsichtlich der dort zu führenden Subventionsverhandlungen erteilten. Escher teilte Zingg beispielsweise mit, dass er den Tessiner Unternehmer Clemente Maraini darum gebeten habe, «mit seinen dortigen zahlreichen & einflußreichen Freunden im Sinne einer Betheiligung der Tessin'schen Hauptstädte bei der Vervollständigung der Schweiz. Gotthardsubvention Rücksprache zu nehmen [...]».66 Gerade weil Escher und Zingg in ihrem Amt als Politiker aber häufig selbst mit den Ansprechpartnern in Kontakt standen, übernahmen sie auch in diesem Falle die Rolle des Vermittlers. Escher schrieb Zingg im November 1869, dass er mit den Regierungspräsidenten von Thurgau und Schaffhausen bereits Kontakt aufgenommen habe, um mit diesen über die Subventionen zu verhandeln.67

25Eine der grössten diplomatischen Herausforderung diesbezüglich stellte der Kanton Bern dar, da dieser seine Subventionszusprüche von der finanziellen Unterstützung der Entlebucher Bahn durch den Kanton Luzern abhängig machte. Im November 1869 informierte Escher Zingg über seine Unterredung mit dem Berner Regierungsrat Johann Weber und dass er diesen davon habe überzeugen können, auf die Luzerner Regierung zuzugehen und sich diesbezüglich verständigen zu wollen. Zingg sicherte Escher daraufhin zu, im Regierungsrat – dem er selbst auch angehörte – die Annahme des Berner Vorschlags zu beantragen: «Im Intereße des Gotthardtbahnunternehmens, sowie der Entlebucherbahn [...] werde ich nicht unterlaßen, nach meiner bescheidenen Kraft zu einer Verständigung beizutragen.»68 Schliesslich verpflichteten sich die Regierungen der Kantone Luzern und Bern Anfang 1870 dazu, Aktien im Wert von jeweils 2 Mio. Franken zu kaufen und damit rund einen Drittel der Baukosten für die Entlebucher Bahn zu übernehmen.69 Ebenso im Frühling 1870 bewilligten der Grosse Rat bzw. die Stimmberechtigten des Kantons Bern die Subventionierung des Gotthardprojekts in der Höhe von 1 Mio. Franken. 70

Die Öffentlichkeitsarbeit der Gotthardvereinigung

26Wie die Korrespondenz zwischen Escher und Zingg zeigt, setzten beide die Presse im In- und Ausland zwischen 1863 und 1879 gezielt dazu ein, das Interesse der politischen Entscheidungsträger und der breiten Öffentlichkeit für das Gotthardprojekt zu wecken und politische Entscheidungen bezüglich des Zuspruchs von Konzessionen und Subventionen zu beeinflussen. Neben der Publikation eigener Artikel bestimmten Escher und Zingg gemeinsam regelmässige Korrespondenten und gaben bei Mitgliedern der Gotthardvereinigung oder anderen Gotthardbefürwortern Artikel in Auftrag. In der Schweiz erfolgte eine solche Einflussnahme beispielsweise über den Aargauer Landammann Samuel Schwarz, der sich im Oktober 1865, als im Aargauer Grossen Rat die Beteiligungsfrage am Gotthardunternehmen verhandelt wurde, auf Wunsch Zinggs hin bereit erklärte, «[d]ie Aargauische Preße [...] auf den Zeitpunkt besonders zu bethätigen, nachdem der Regierungsrath seinen Antrag an den Großen Rath festgestellt haben wird».71 Um die Darstellung der Gotthardvereinigung in der Presse in ihrem Sinne zu beeinflussen, setzten Escher und Zingg auch ihr eigenes politisches Gewicht ein. Nachdem sich Escher 1863 darüber verärgert gezeigt hatte, dass der Luzerner «Eidgenosse» Beschlüsse der Ständigen Kommission der Gotthardvereinigung verfrüht und unvollständig publiziert hatte, nahm Zingg mit dessen Redaktor Johann Stocker Kontakt auf.72 Nach dem Gespräch mit Stocker meldete er Escher zufrieden, dass er die Angelegenheit mit dem Redaktor so erörtert habe, «daß ich glaube, es werde von dieser Seite her bei künftige[n] Publikationen in Gotthardtbahnsachen mit aller Sorgsamkeit verfahren werden».73

27 Im Ausland, vor allem in den für die Unterstützung des Gotthardprojekts wichtigen deutschen Staaten und in Italien, sorgten Escher und Zingg bereits ab 1863 für eine verstärkte Pressetätigkeit. Ziel war es, durch sachliche Information über das Projekt eine gotthardfreundliche Stimmung zu schaffen.74 So beauftrage Escher 1863 Johann Conrad Widmer, «in die Süddeutschen Blätter zu Gunsten des Gotthardtprojectes zu schreiben».75 Ebenso regte er 1864 gegenüber Zingg an, sich an den italienischen Pädagogen und Publizisten Carlo Cattaneo zu wenden, der als «eine der besten Federn Italiens» gelte, um diesen eine Serie von Artikeln in der Turiner Zeitschrift «Diritto» verfassen zu lassen.76 Escher schlug zudem vor, mit Hilfe Cattaneos in Italien weitere Personen für die Pressearbeit zu suchen.77

28Escher und Zingg nutzten die Presse ebenfalls, um der Polemik der Konkurrenzprojekte und anderen Gotthardgegnern entgegenzuwirken. Während der 1860er Jahre und der ersten Hälfte der 1870er Jahre reagierten Escher und Zingg noch gemässigt auf Kritik in der Presse. Als beispielsweise Zingg Escher 1865 mitteilte, das er gedenke, den Ingenieur August von Beckh eine Berichtigung auf verschiedene gotthardkritische Artikel im Berner «Bund» schreiben zu lassen78, erwiderte Escher, dass er kein Bedürfnis sehe, solche Massnahmen zu ergreifen: «Jedermann weiß, daß der ‹Bund› eine ganz einseitige Stellung gegen den Gotthardt einnimmt & daß alle die Angaben von Zahlen jeglicher Art, welche in den eine bestimmte tendenziöse Absicht in der Alpenbahnfrage verfolgenden Blättern erscheinen, keinen Anspruch auf Zuverlässigkeit machen können. Ich glaube also, daß gegenwärtig Entgegnungen auf derartige Auslassungen nur ganz ausnahmsweise zu erfolgen haben &, um eine Ausnahme zu machen, schienen mir die Artikel des ‹Bund› nicht außergewöhnlich genug!»79 Von dieser Haltung liessen sowohl Escher als auch Zingg ab, als ab 1875 die Kritik an der Gotthardbahn-Gesellschaft und Angriffe auf ihre Person im Zuge der Rekonstruktion und der Nachfinanzierung der Gotthardbahn in der schweizerischen Presse zunahmen.80 So mussten sich Escher und Zingg beispielsweise wiederholt gegen die Polemiken des Oberingenieurs der Gotthardbahn, Konrad Wilhelm Hellwag, zur Wehr setzen.81

29Neben der in- und ausländischen Presse setzten Escher und Zingg fundiertes und aufbereitetes Datenmaterial in Form eines finanziellen sowie eines technischen Gutachtens ein, um auf politische und ökonomische Entscheidungsträger sowie die öffentliche Meinung einwirken zu können. Im Mai 1864 bekundete die italienische Regierung Interesse daran, auch den Gotthard als eine mögliche Alpentransversale zu prüfen, und meldete daher Bedarf an aktuellen technischen Studien an.82 Zingg und Escher drängten in der Folge auf die Erstellung eines finanziellen und technischen Gutachtens. Wie Escher in einem Brief von Juni 1864 gegenüber Zingg bemerkte, galt es die verbesserten Chancen für das Gotthardprojekt nicht dadurch zu gefährden, dass die Gotthardvereinigung dem Wunsch von «denen, die es mit dem Gotthardt am besten meinen», nicht nachkam.83

30Die Gutachten waren jedoch von Beginn weg nicht ausschliesslich für die italienische Regierung gedacht. Nach ihrer Fertigstellung wurden sie, versehen mit einem auf den jeweiligen Adressaten zugeschnittenen Begleitschreiben, an verschiedene Regierungen und Regierungsvertreter, Gesandtschaften, Handelskollegien, Eisenbahngesellschaften in der Schweiz, den deutschen Staaten, England, Frankreich, Holland und Belgien gesandt und über Zeitungsredaktionen und den Buchhandel auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.84 Die erhoffte Wirkung blieb nicht aus. Die Feststellung der Konkurrenz, welche wie die St. Galler Regierung den Gutachten einen «gefährlichen Einfluss auf die öffentliche Meinung im In- und Ausland»85 attestierte, deckten sich mit der Einschätzung Eschers, dass das Gotthardprojekt durch die Gutachten «eine Stellung in der öffentlichen Meinung [erhält], die als eine entschiedene Errungenschaft bezeichnet werden muss».86 Die zunehmende Unterstützung Italiens und der deutschen Staaten gaben Escher recht.

31 Lisa Bollinger und Vincent Pick

Wahlen

32Die Korrespondenz zwischen Escher und Zingg umfasst neben dem Gotthardprojekt auch Themen und Aspekte, mit welchen die beiden Akteure anderweitig in Kontakt gerieten oder sich auseinanderzusetzen hatten. Im weitesten Sinne standen aber auch diese Gesprächsthemen meistens in Zusammenhang mit dem Gotthardprojekt. Wurde gelegentlich auf persönliche und private Angelegenheiten eingegangen, so kommentierten und analysierten Escher und Zingg in ihren Briefen aktuelle politische Ereignisse und Entwicklungen. Die beiden Korrespondenten sprachen in ihren Briefen darüber, wie sich die Neugestaltung der politischen Landschaft und die soziostrukturellen Veränderungen auf die Situation der Liberalen und ihre eigene Stellung als Politiker auswirkten. Escher äusserte sich gegenüber seinem Briefpartner zudem hinsichtlich bundespolitischer Ereignisse und deren voraussichtlichen Folgen für das Gotthardprojekt. Der Schriftverkehr erfolgte dabei im Sinne eines Informationsaustausches über bestimmte Vorfälle und die jeweiligen Schlüsse, die aus der Sicht des Korrespondenten daraus zu ziehen waren. Die Korrespondenz zeugt insbesondere von der analytischen Schärfe und der weitsichtigen Perspektive, mit welchen Escher und Zingg politische Entwicklungen und Situationen einzuschätzen und zu evaluieren wussten. Vorausschauend und stets mit Fokus auf den Gotthard gelang es Escher und Zingg, detaillierte und differenzierte Beschreibungen abzuliefern. Die dabei geäusserten Befürchtungen der beiden Korrespondenten zeigen ausserdem, dass der Erfolg des Gotthardprojekts zu einem grossen Teil vom Beziehungsnetzwerk Eschers und seinen liberalen Zeitgenossen abhing.

Bundesratswahl und Eisenbahnpolitik

33Ein Ereignis, das im Briefwechsel von seiten Eschers eingehend besprochen wurde, war die Ersatzwahl des Bundesrates vom Juli 1864. In seinem Brief vom 12. Juli begründete und legte Escher auf ausführliche Art und Weise dar, weshalb er für den zurückgetretenen Giovanni Battista Pioda anstatt des radikalen Genfer Staatsrates Jean-Jacques Challet-Venel den konservativen Freiburger Alfred von der Weid gewählt habe. Sein Entscheid beruhte einerseits auf der Idee, den Forderungen der konservativen Kräfte im Lande durch die Wahl eines ihrer gemässigten Mitglieder nachzukommen und damit einen «Act der Billigkeit & auch einer weisen Politik» zu vollziehen: «Meine Stimmgabe konnte keine enthusiastische sein. Sie war lediglich auf die Überzeugung basirt, daß man sich mit Vonderweid am besten aus der Verlegenheit ziehe, welche die Wahl unter den obwaltenden Umständen mit sich bringen mußte. [...] Ein Welscher, ein Katholik, kein Abenteurer in Fragen der auswärtigen Politik, ein Freund des Gotthardt87 Escher führte aus, dass die Mitwirkung konservativer Politiker im Bundesrat wie auf kantonaler Ebene die jeweilige Behörde nicht schwäche, sondern sich vielmehr positiv auf die politische Integration auswirke. Andererseits bezeugen seine Worte, dass die Frage der Ersatzwahl für Pioda zumindest aus Sicht der «Gotthardisten» bereits im Zeichen der Alpenbahnfrage stand, und es galt so früh wie möglich die Weichen zu stellen, die für die erfolgreiche Realisierung des Gotthardprojekts von entscheidender Bedeutung waren. Schliesslich ging Challet-Venel aus den sechs Wahlgängen mit 9 Stimmen Vorsprung als Sieger hervor.88 Von der Weid, der als Favorit gegolten hatte, scheiterte daran, dass es einigen Parlamentariern aus Eschers liberalem Lager widerstrebte, einen konservativen Kandidaten zu wählen. Dass gerade viele Luzerner Liberale aufgrund unüberwindbarer «politischer Antipathien» für Challet-Venel und gegen von der Weid stimmten, wurde besonders von Zingg bedauert: «Der verknöcherte, [...] kurzsichtige Partheistandpunkt hat [...] zu einer Mißachtung unserer Intereßen geführt.»89 Mit Eschers Argumenten zeigte sich Zingg vollkommen einverstanden; er befürchtete ebenso, dass die Wahl Challet-Venels sich nicht zugunsten des Gotthardprojekts auswirken werde: «Die neueste Bundesrathwahl gewährt wenig Hoffnung, daß der Bundesrath sobald aus seiner schwankenden – sog. neuralen [sic!] – Stellung herauskommen &, wie es einer kräftigen Centralbehörde wohl anstehen würde, auch das schweiz. Intereße in der Alpenbahnfrage [...] zur gehörigen Geltung bringen werde.»90

34Ein weiteres Thema, welches Escher und Zingg in ihrer Korrespondenz kommentierten, war die sich ab den 1860er Jahren abzeichnende parlamentarische Debatte über die Eisenbahnpolitik.91 Im Sommer 1869 bedauerte Escher es ausserordentlich, dass gewisse Befürworter des Gotthardprojekts dem Bund in bezug auf die Eisenbahnpolitik die Hauptverantwortung übertragen wollten, gleichzeitig aber wichtige Fragen wie diejenige der Finanzierung komplett ausser acht liessen: «Es ist zu beklagen, daß bei einem Theile derjenigen, welche in dem Gotthardlager stehen, eine schrankenlose Tendenz obwaltet, eine Omnipotenz des Staates in Eisenbahnsachen [...] zu begründen. Man denkt nicht an die Schwierigkeiten, welche die Gewinnung des Privatcapitales darbietet & diejenigen denken am wenigsten daran, welche sich selbst wohl hüten, einen Franken an die Gotthardbahn zu wagen! [...] Es ist einem nicht übel zu nehmen, wenn man hie & da den Eindruck hat, als arbeite man an dem Thurmbaue von Babel92 Der grossen Auswirkungen auf das Gotthardprojekt bewusst, bemühte sich Escher folglich intensiv darum, einen bestmöglichen Ausgang der Debatte zu erzielen.93

Konservative Bestrebungen in Luzern

35Escher und Zingg diskutierten in ihrer Korrespondenz auch politische Entwicklungen auf kantonaler Ebene wie beispielsweise die demokratische Bewegung in Zürich 94. Im Mittelpunkt standen dabei aber die Vorgänge im Kanton Luzern.95 Nach den Luzerner Grossratswahlen vom 5. Mai 1867, in welchen die Liberalen die Mehrheit mit 57 zu 43 Sitzen gegen die Konservativen verteidigen konnten96, zeigte sich Zingg konsterniert. Denn sowohl die respektable konservative Minderheit als auch der Erfolg der Radikal-Liberalen – die gestärkt aus den Wahlen hervorgegangen waren – machten auf Zingg einen «wenig erfreulichen Eindruck». Falls es den Liberalen gelingen sollte, die neue Regierung in «extremem Sinne» zu bestellen, wolle er selbst nicht mehr als Regierungsrat wirken. So oder so stehe jedoch fest, dass es «großer Festigkeit & Klugheit [bedürfe], um das Staatsschiff in der nächsten Zeit ohne zu stranden durch die Wogen zu führen».97 Um so erfreuter zeigte sich Zingg, als die Liberalen einige Wochen später auch als Sieger aus den Regierungsratswahlen hervorgingen und die «Versuche, eine extreme radikale Richtung des Reg[ierungs]R[a]thes zu inauguriren», gescheitert waren.98 Die Luzerner Kantonsregierung bestand nun ausschliesslich aus liberalen Politikern, denn auch der konservative Oppositionsführer Philipp Anton von Segesser wurde nicht wiedergewählt.99 An dessen Stelle und an diejenige des verstorbenen Johann Villiger traten Anton Wapf und Josef Vonmatt, zwei Männer «entschieden liberaler Gesinnung».100 Zingg konnte sich dennoch nur «mit schwerem Herzen» zur Wiederannahme seines Amtes als Regierungsrat entschliessen: «Es steht uns eine außerordentlich schwierige Periode bevor, die um so unerfreulicher sein wird, weil die Partheiverhältniße so gestaltet sind, daß es fast unmöglich sein wird, mit irgend welchen Vorschlägen [...] durchzudringen & Positives zu schaffen.» Ausschlaggebend für seine Entscheidung im Frühling 1867, dennoch weiterhin Mitglied der Luzerner Kantonsregierung zu bleiben, war nicht zuletzt das Gotthardprojekt: «Hätte ich nicht das Gefühl, daß es eine Pflicht sei, auch in der schwierigen Stellung auszuharren & wäre mir nicht die Gotthardtbahnfrage an's Herz gewachsen, ich würde in der That lieber in's Privatleben zurüktreten.»101

36Die Grossratswahlen im Jahr 1871 sollten für die längerfristige politische Ausrichtung des Kantons Luzern schliesslich von grundlegender Bedeutung sein. Nachdem die 1869 durchgeführte Verfassungsreform zu einer veränderten Wahlkreiseinteilung geführt hatte, sollte sich erstmals konkret zeigen und erweisen, ob die Liberalen ihren Vorsprung von 1867 gegenüber den Konservativen bewahren konnten – der infolge des grossen Erfolgs der konservativen Partei in den Nationalratswahlen von 1869 in Gefahr zu sein schien. Schliesslich waren es die Konservativen, welche die Wahl vom 7. Mai 1871 zu ihren Gunsten entscheiden konnten. Zingg bekundete gegenüber Escher grosse Sorge bezüglich der dadurch wieder in den Vordergrund tretenden konfessionellen Frage. Besonders im Zusammenhang mit der Wahl Vinzenz Fischers als Präsident des Obergerichts befürchtete Zingg eine Verschärfung der parteipolitischen Gegensätze in Luzern. Fischer war nämlich für seine engen Verbindungen zum Sonderbund bekannt und setzte sich in der Luzerner Politik vehement gegen eine Subventionierung der Eisenbahnen ein – was aus der Sicht Eschers und Zinggs negativ zu beurteilen war, weil auch das Gotthardprojekt auf die finanzielle Unterstützung der Kantone angewiesen war.102 Zingg sprach in seinem Brief vom 8. Mai 1871 ebenso die bevorstehenden Regierungsratswahlen an, wobei er erneut kundtat, dass er – angesichts der konservativen Mehrheit nur geringen Aussicht auf politischen Erfolg – sein Amt lieber aufgeben würde. Zingg bat Escher diesbezüglich um ein Gespräch: «Sie können sich leicht denken, wie mir unter den obwaltend[en] Umständen, wo ein fruchtbares Schaffen nicht vorauszusehen ist, eine solche Stellung behagen kann.»103

37 Lisa Bollinger

Die Bedeutung der Telegraphie für das Gotthardbahnunternehmen

38Die Telegraphie, die mit ihrer Einführung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die gesellschaftliche Kommunikation weltweit revolutionierte, kam in der Kommunikation der Gotthardvereinigung während der Umsetzung des Gotthardprojekts eine bedeutende Rolle zu.104 Die Möglichkeit, Informationen innerhalb kurzer Zeit über grosse Distanzen hinweg austauschen zu können, bedeutete für ein internationales Grossprojekt, wie es die Gotthardbahn bereits bei ihrer Lancierung darstellte, einen entscheidenden Vorteil. Der geschickte Einsatz dieses neuen Kommunikationsmittels durch Escher und Zingg leistete bei der Planung und Umsetzung des Lobbyings im In- und Ausland und damit zur Verwirklichung der Gotthardbahn einen wesentlichen Beitrag.

Die Entwicklung der Telegraphie im 19. Jahrhundert

39Der Durchbruch der elektrischen Telegraphie erfolgte Ende der 1830er Jahre durch die Verbreitung des von Samuel Morse 1837 entwickelten Schreibtelegraphen und des Morsealphabets. Morses Erfindung bildete die Grundlage für ein konstantes und schnelles Kommunikationsmittel, das den Bedürfnissen der stetig wachsenden Industriegesellschaft entsprach. Ab Mitte der 1840er Jahre begann weltweit der Aufbau von nationalen Telegraphennetzen und internationalen terrestrischen Telegraphenverbindungen. Mit der Verlegung submariner Leitungen zwischen 1858 und 1886 sollten diese Verbindungen bis Ende des 19. Jahrhunderts die ganze Welt umspannen.105

40Das schweizerische Telegraphennetz wurde zwischen 1852 und 1877 erstellt. Ab 1850 wurde der volkswirtschaftliche und politische Nutzen der Telegraphie für die Schweiz von der Wirtschaft erkannt. Der Wunsch, gegenüber dem Ausland wirtschaftlich konkurrenzfähig zu bleiben, veranlasste schweizerische Wirtschaftskreise wie etwa das Kaufmännische Direktorium St. Gallen dazu, dem Bundesrat im April 1851 den Antrag zu stellen, die Einführung der Telegraphie voranzutreiben.106 Gestützt auf das eidgenössische Gesetz über die Errichtung elektromagnetischer Telegraphen wurde der Bau des schweizerischen Telegraphennetzes 1852 angegangen. Bereits Ende des Jahres konnte das Inlandnetz, das sich von Rheineck bis Genf sowie von Basel bis Chiasso erstreckte und 34 Telegraphenbüros umfasste, in Betrieb genommen werden. 1877 verfügte jede grössere Ortschaft über eine Niederlassung, und das Telegraphennetz erreichte mit einer Länge von 6526 km seinen endgültigen Ausbaustand. Ab 1853 wurde das schweizerische Telegraphennetz systematisch mit den Netzen der direkten Nachbarstaaten und der restlichen europäischen Staaten verbunden.107

Die Nutzung der Telegraphie durch Escher und Zingg

41In den 1860er Jahren war der Ausbau des schweizerischen Telegraphennetzes weit fortgeschritten und der Anschluss an die Netze von Italien und der deutschen Staaten bereits gewährleistet. Dieser Ausbau ermöglichte Escher und Zingg eine beschleunigte Kommunikation sowohl in der Schweiz als auch mit den Delegierten und Repräsentanten der Gotthardvereinigung im Ausland. Der schnelle Informationsaustausch verkürzte die Entscheidungsfindung von Escher und Zingg und versetzte sie in die Lage, unmittelbar auf politische Entscheidungen oder auf Aktivitäten von schweizerischen Konkurrenzprojekten im In- und Ausland zu reagieren. Dementsprechend setzten beide zwischen 1863 und 1871 den Telegraphen dann ein, wenn der unsichere Verlauf von Konzessions- oder Subventionsverhandlungen und der daraus resultierende Handlungsbedarf zeitlich keine liche Kommunikation zuliessen.

42Escher und Zingg nutzten die Telegraphie, um ihre Ansichten und Meinungen zur Gestaltung oder zur Ausführung des persönlichen oder des gemeinsamen Vorgehens auszutauschen und damit die nächsten Schritte planen zu können. Sie benützten das Telegramm, wenn die Situation ihnen kein Handeln mehr erlaubte, sondern entweder eine «[m]ündliche Rücksprache [...] in Sachen Gotthardtbahn»108 zwischen den beiden nötig machte oder einen Mehrheitsbeschluss der Ausschuss- und Kommissionsmitglieder der Gotthardvereinigung und später der Verwaltungsrats- und Direktionsmitglieder der Gotthardbahn-Gesellschaft erforderte. So teilte Escher Zingg im Vorfeld der Abschlussverhandlungen bezüglich der Konzessionen im Tessin im Januar 1869 telegraphisch mit, dass «die Tessinerangelegenheiten [...] auf einem Puncte angekommen [sind], der mir nicht mehr erlaubt, von mir aus zu handeln». Aufgrund der Dringlichkeit der Lage ersuchte Escher Zingg, auf den nächsten Tag eine Sitzung des Gotthardausschusses einzuberufen, und vermerkte dazu: «Es würde wohl im Interesse der Beschleunigung liegen, wenn Sie die Einladung directe von Ihnen aus auf telegraphischem Wege abgehen ließen.»109 Gerade mittels Telegrammen liessen sich innerhalb weniger Stunden ein Zeit- und Treffpunkt festlegen oder verschieben sowie die gewünschten Mitglieder und die zur Klärung eines Sachverhalts erforderlichen Experten aufbieten.110 Gegenüber der lichen Einladung war dadurch eine erhebliche Zeiteinsparung möglich.

43Nicht zuletzt wurde das Telegramm auch eingesetzt, wenn es für Escher und Zingg galt, Informationen zu beschaffen, um Entscheide hinsichtlich der Planung oder der Koordination des Einsatzes der Delegierten und der Auslandsagenturen zu fällen. Zu diesem Zweck standen Escher und Zingg regelmässig in telegraphischem Austausch mit ihren Delegierten und Repräsentanten in Italien und den deutschen Staaten. So ermöglichten es ihnen beispielsweise die Mitteilungen des Delegierten Georg Stoll aus Deutschland oder des Repräsentanten Gottlieb Koller aus Italien, umgehend über den aktuellen Stand der politischen Entscheidungen und Entwicklungen und den Verlauf von Verhandlungen in den jeweiligen Staaten im Bilde zu sein. Im Februar 1866 telegraphierte Zingg Escher, dass sich laut Koller die italienische Expertenkommission nach erfolgter Prüfung verschiedener Alpenpässe klar für den Gotthard als Alpentransversale ausgesprochen habe. Gleichzeitig hatte Koller Zingg auf die Aktivitäten des Lukmanierkomitees in der tessinischen Presse hingewiesen.111 Escher war durch diese Informationen in der Lage, der Delegation der Gotthardvereinigung in Berlin für die dortigen Verhandlungen Informationen zu liefern. Gleichzeitig konnte er dadurch den Schaffhauser Nationalrat Johann Friedrich Peyer im Hof veranlassen, gegen die Pressetätigkeit der Lukmanier-Befürworter vorzugehen: «Habe auch unserer Delegation in B. Kenntniß gegeben und sie entsprechende instruirt. Peyer wird auf das Tessiner Pamphlet, das durch die Lucmanier Presse reproduziert wird, mit einer actenmäßigen Darstellung des Sachverhaltes antworten.»112

44Durch den Telegraphen liessen sich somit die Instruktion und die Versorgung der Delegierten mit Zusatzinformationen beschleunigen und die Reaktionsfähigkeit und Effizienz der Gesandten erheblich steigern. Dies zeigt sich beispielsweise im Dezember 1865, als der Tessiner Grosse Rat beschloss, das Konzessionsbegehren der Gotthardvereinigung für die Tessiner Talbahnen, das die Gotthardvereinigung im Verlauf des Jahres eingereicht hatte, nicht weiter zu verfolgen. 113 Die Delegierten der Gotthardvereinigung, der Basler Unternehmer Wilhelm Schmidlin und Peyer im Hof, schlugen Escher daraufhin vor, dass «Conzessionsgesuch mit geeigneten Bemerkungen zurück[zu]ziehen».114 Da Peyer von Escher wünschte, noch am gleichen Tag Instruktionen zu erhalten, telegraphierte Escher an Zingg: «Ich glaube, er sollte beauftragt werden, einfach und ohne weitere Erklärungen abzureisen. Bitte um telegraphische Mittheilung Ihrer Ansicht.»115 Rund zwei Stunden später antwortete Zingg, dass er eine «einfache Abreise Peyers ohne weitere Erklärung für das zweckmäßigere [erachte]».116

Rückgang der Telegraphennutzung

45Mit der Sicherung der Finanzierung der Gotthardbahn und der Gründung der Gotthardbahn-Gesellschaft Ende 1871 ging der Telegrammverkehr zwischen Escher und Zingg erheblich zurück. Für die geringe Anzahl an überlieferten Telegrammen ab 1872 sind verschiedene Gründe verantwortlich. Einen wesentlichen Grund bildet die Tatsache, dass Escher und Zingg ab 1872 keine Lobbying-Tätigkeiten im In- und Ausland mehr zu koordinieren hatten, die einer schnellen Informationsbeschaffung und -weitergabe bedurften. Ein weiterer Grund ist in der Institutionalisierung der Gotthardvereinigung zu sehen, die mit der Gründung der Gotthardbahn-Gesellschaft 1871 ihren Projektcharakter verlor. Zwar war eine beschleunigte Kommunikation für Escher und Zingg auch nach diesem Zeitpunkt im gleichen Mass erforderlich wie zuvor. Als Direktionsmitglieder trafen sich Escher und Zingg nun jedoch wöchentlich zu Direktionssitzungen.117 Der regelmässige mündliche Austausch führte dazu, dass beide bis auf die Einladung zu persönlichen Besprechungen nur noch wenig telegraphierten.118 Der Rückgang der telegraphischen Kommunikation wurde durch den Umstand begünstigt, dass Escher und Zingg nach der Gründung der Gotthardbahn-Gesellschaft Departementen mit verschiedenen Aufgabenbereichen vorstanden.119 Wie die wenigen ermittelten Telegramme belegen, griffen Escher und Zingg nur selten auf den Telegraphen zurück, um den Informationsaustausch zu bau-, finanz- und personaltechnischen Fragen zu beschleunigen.120 Ein Beispiel findet sich im Juni 1876, als Escher Zingg anfragte, ob dieser «mit dem Entwurfe zu dem Berichte an die Generalversammlung betreffend die Finanzlage der Gotthardbahngesellschaft einverstanden [sei], so daß die Versendung desselben an die Mitglieder des Verwaltungsrathes erfolgen kann».121 Im allgemeinen erübrigte sich die Nutzung des Telegraphen zwischen Escher und Zingg jedoch.

46 Vincent Pick

Kommentareinträge

1Zur Entstehung der Gotthardbahn vgl. Jung, Aufbruch; Jung, Escher; Wanner, Gotthardunternehmen; Wanner, Gotthardbahn; Prot. Ausschuss Gotthardvereinigung.

2 Wanner, Gotthardbahn, S. 9.

3Zur Biographie Zinggs vgl. HLS online, Zingg Josef; Gruner, Bundesversammlung I, S. 292; ADB VL, S. 323–324; Röll, Enzyklopädie X, S. 477; Mathys, Männer, S. 152–154.

4 Alfred Escher an Josef Zingg, 30. Oktober 1866.

5 Josef Zingg an Alfred Escher, 4. Juli 1878.

6 Josef Zingg an Alfred Escher, 14. Juli 1864.

7 Vgl. Prot. Konferenz Gotthardeisenbahn 1863.

8 Vgl. Die Gotthardvereinigung, Absatz 3.

9 Alfred Escher an Josef Zingg, 8. November 1863.

10 Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 10. November 1864; Prot. Ausschuss Gotthardvereinigung, 28. Oktober 1864, 17. November 1864.

11 Vgl. Prot. Ausschuss Gotthardvereinigung, 17. November 1864.

12 Josef Zingg an Alfred Escher, 5. Mai 1864.

13 Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 9. November 1865; Josef Zingg an Alfred Escher, 12. Oktober 1866; Prot. Ausschuss Gotthardvereinigung, 23. Juli 1865.

14 Vgl. Die Gotthardvereinigung, Absatz 14.

15 Alfred Escher an Josef Zingg, 25. Juli 1867; Stoll, Stoll, S. 25–27.

16 Alfred Escher an Josef Zingg, 21. Juni 1867.

17 Alfred Escher an Josef Zingg, 21. Juni 1867.

18 Josef Zingg an Alfred Escher, 8. September 1867. Vgl. Alfred Escher an Josef Zingg, 14. September 1867.

19 Vgl. Wanner, Gotthardunternehmen, S. 134.

20 Alfred Escher an Josef Zingg, 1. April 1870

21 Alfred Escher an Josef Zingg, 15. April 1870. Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 16. April 1870.

22 Vgl. Alfred Escher an Josef Zingg, 5. November 1864.

23 Josef Zingg an Alfred Escher, 29. September 1865. Vgl. Alfred Escher an Josef Zingg, 13. November 1869; Josef Zingg an Alfred Escher, 23. November 1869; Josef Zingg an Alfred Escher, 25. Februar 1870.

24 Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 12. September 1877; Josef Zingg an Alfred Escher, 15. Februar 1878; Die Rekonstruktion der Gotthardbahn, Absatz 20; Wanner, Gotthardbahn, S. 418–421, 504.

25 Josef Zingg an Alfred Escher, 5. Februar 1864.

26 Vgl. Alfred Escher an Josef Zingg, 6. Februar 1864.

27 Alfred Escher an Josef Zingg, 2. September 1865. – Zu Eschers Missionen in Italien und Deutschland sowie zum Zusammentreffen mit Bismarck vgl. Prot. Ausschuss Gotthardvereinigung, 5. Juli 1865, 20. August 1865, 7. September 1865; Jung, Aufbruch, S. 572; Die Gotthardvereinigung, Absatz 5.

28Der Streit entbrannte, weil das Grossherzogtum Baden die an der internationalen Gotthardkonferenz von 1869 versprochene Subvention von 3 Mio. Franken im März 1870 bestätigte, ohne sich mit den anderem deutschen Staaten abzusprechen. Der Norddeutsche Bund beschloss nach ausgiebigen Debatten trotzdem, dem Staatsvertrag beizutreten, sprach jedoch nur eine Summe von 10 Mio. Franken, wodurch bei der festgelegten deutschen Gesamtsubvention ein Fehlbetrag von 7 Mio. Franken resultierte. Vgl. Die Gotthardvereinigung, Absatz 29.

29 Josef Zingg an Alfred Escher, 18. Mai 1870.

30 Josef Zingg an Alfred Escher, 24. Mai 1870.

31 Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 18. Mai 1870.

32 Josef Zingg an Alfred Escher, 15. Juni 1871. – Zur Ratifizierung der Staatsverträge zwischen der Schweiz, Italien sowie dem Deutschen Reich vgl. Die Gotthardvereinigung, Absatz 34; Die Gotthardvereinigung, Absatz 38; Wanner, Gotthardunternehmen, S. 155–156, 186–188.

33 Alfred Escher an Josef Zingg, 7. September 1863.

34 Vgl. Alfred Escher an Josef Zingg, 20. November 1863; Josef Zingg an Alfred Escher, 24. November 1863; Josef Zingg an Alfred Escher, [29. November 1863].

35 Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 20. September 1864; Josef Zingg an Alfred Escher, 4. Februar 1865; Alfred Escher an Josef Zingg, 5. Februar 1865.

36 Alfred Escher an Josef Zingg, 22. Januar 1865.

37Zur European Central Railway Limited vgl. Wanner, Gotthardunternehmen, S. 125; Schmidlin, Ostalpenbahnfrage, S. 95; .

38 Vgl. Wanner, Gotthardunternehmen, S. 125–126; Schmidlin, Ostalpenbahnfrage, S. 95–96.

39 Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 18. / 19. Juli 1865.

40 Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 13. September 1865.

41 Vgl. Alfred Escher an Josef Zingg, 17. Oktober 1865.

42 Vgl. Wanner, Gotthardunternehmen, S. 128.

43 Alfred Escher an Josef Zingg, 17. November 1865.

44 Vgl. Prot. BR, 6. Juli 1866; Wanner, Gotthardunternehmen, S. 132–133.

45Die Assocation «Pro ferrovia Gottardo» war eine Verbindung der Gemeinden Lugano, Locarno, Mendrisio, Faido, Bedretto, Giornico, Balerna, Coldrerio, Novazzano, Capolago, Airolo, Chironico, Pollegio, Mairengo, Dalpe, Osco, Calonico und Chiggiogna, acht Patriziaten und Korporationen sowie 135 Personen, von welchen der Grossteil der Tessiner Regierung angehörte und über ein Mandat in der Bundesversammlung verfügte. Vgl. Wanner, Gotthardunternehmen, S. 133.

46 Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 1. April 1866.

47 Vgl. Alfred Escher an Josef Zingg, 6. Juni 1866; Josef Zingg an Alfred Escher, 5. Dezember 1866; Alfred Escher an Josef Zingg, 8. Dezember 1866.

48 Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 1. Juli 1866; Alfred Escher an Josef Zingg, 5. Juli 1866.

49 Alfred Escher an Josef Zingg, 27. Mai 1866. – Im Tessiner Volksmund wurde unter «Camorra» ein Zusammenschluss einflussreicher Tessiner Politiker verstanden, welche vom Tessiner Bauunternehmer Pietro Genazzini als Associés an seinem Unternehmen beteiligt wurden. Aus Angst, ihr bei Genazzini investiertes Vermögen zu verlieren, engagierte sie sich in der Vorbehandlungskommission und im Grossen Rat gegen die Konzession der Gotthardvereinigung. Vgl. Wanner, Gotthardunternehmen, S. 129–131.

50 Wanner, Gotthardunternehmen, S. 132.

51Nebst der Tatsache, dass die aktuelle Konzessionsinhaberin, die Hentsch, Lutscher und Compagnie, weder die Kaution für die Lukmanierkonzession bezahlt noch eine Konzession für den Kanton Graubünden beantragt hatte, entschieden sich die Bündner Standeskommission sowie die St. Galler Regierung, den Splügen dem Lukmanier als eine mögliche Alpentransversale vorzuziehen und entsprechend zu prüfen. Vgl. Müller, Alpenbahn-Bestrebungen, S. 105–109; Wanner, Gotthardunternehmen, S. 132.

52 Josef Zingg an Alfred Escher, 12. Oktober 1866; Alfred Escher an Josef Zingg, 19. Oktober 1866.

53 Vgl. Kern, Repertorium I, S. 199; Gygax, Wirth-Sand, S. 28–29.

54 Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 29. Januar 1867; Wanner, Gotthardunternehmen, S. 133–134.

55 Vgl. Alfred Escher an Josef Zingg, 21. Juli 1871; Alfred Escher an Josef Zingg, 11. September 1871.

56 Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 17. September 1871.

57 Alfred Escher an Josef Zingg, 19. September 1871.

58 Vgl. Die Gotthardvereinigung, Absatz 7; Wanner, Gotthardunternehmen, S. 113–116.

59 Vgl. Jung, Aufbruch, S. 657–659.

60 Josef Zingg an Alfred Escher, 1. Oktober 1865. – Der Grosse Rat des Kantons Luzern sprach sich beim definitiven Subventionszuspruch für das Gotthardprojekt am 8. November 1865 für eine «angemessene Betheiligung bei Erstellung einer Schienenverbindung durch das Entlebuch» aus; zit. Bossard-Borner, Spannungsfeld, S. 582.

61 Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 2. September 1865.

62 Josef Zingg an Alfred Escher, 10. September 1865.

63 Vgl. Alfred Escher an Josef Zingg, 17. Oktober 1865.

64 Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 10. November 1865.

65 Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 2. Dezember 1865. – Die Stadt Luzern leistete schliesslich einen Subventionsbeitrag von 1,15 Mio. Franken. Vgl. Wanner, Gotthardunternehmen, S. 162, 166.

66 Alfred Escher an Josef Zingg, 11. September 1871.

67 Vgl. Alfred Escher an Josef Zingg, 13. November 1869.

68 Josef Zingg an Alfred Escher, 23. November 1869.

69 Vgl. Bossard-Borner, Spannungsfeld, S. 582.

70 Vgl. Junker, Geschichte Kt. Bern II, S. 184.

71 Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 1. Oktober 1865.

72 Vgl. Alfred Escher an Josef Zingg, 2. Oktober 1863.

73 Josef Zingg an Alfred Escher, 9. Oktober 1863.

74 Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 23. Januar 1865.

75 Alfred Escher an Josef Zingg, 9. November 1863.

76 Alfred Escher an Josef Zingg, 25. September 1864.

77 Vgl. Alfred Escher an Josef Zingg, 22. Januar 1865.

78 Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 15. Januar 1865.

79 Alfred Escher an Josef Zingg, 22. Januar 1865.

80 Vgl. Jung, Escher, S. 420.

81 Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 3. März 1877; Josef Zingg an Alfred Escher, 19. Juli 1878; NZZ, 21. April 1876, 22. April 1876; Jung, Aufbruch, S. 681–686; Die Rekonstruktion der Gotthardbahn, Probleme mit Oberingenieur Hellwag.

82 Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 5. Mai 1864.

83 Alfred Escher an Josef Zingg, 12. Juni 1864; Vgl. Alfred Escher an Josef Zingg, 18. Juni 1864.

84 Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 27. September 1864; Alfred Escher an Josef Zingg, 17. Mai 1865; Josef Zingg an Alfred Escher, 19. Mai 1865; Josef Zingg an Alfred Escher, 22. Mai 1865; Wanner, Gotthardunternehmen, S. 88.

85St. Gallisches Regierungsratsprotokoll vom 14. September 1864, Nr. 2184; zit. Müller, Alpenbahn-Bestrebungen, S. 75.

86 Alfred Escher an Josef Zingg, 26. Februar 1865.

87 Alfred Escher an Josef Zingg, 12. Juli 1864.

88 Vgl. Altermatt, Bundesräte, S.175; Gagliardi, Escher, S. 472–473.

89 Josef Zingg an Alfred Escher, 14. Juli 1864.

90 Josef Zingg an Alfred Escher, 14. Juli 1864.

91 Vgl. Schneider, Bundesstaat, S. 498–501.

92 Alfred Escher an Josef Zingg, 21. Juli 1869.

93Der Bund übernahm erst mit dem Eisenbahngesetz von 1872 die bisher den Kantonen übertragenen Kompetenzen. Vgl. Röll, Enzyklopädie VIII, S. 440.

94 Escher äusserte sich zur demokratischen Bewegung dahingehend: «Es wird sich eben vielleicht zeigen müssen, daß die ‹reine Demokratie› der Erfüllung großer Staatsaufgaben nichts weniger als förderlich ist!» Alfred Escher an Josef Zingg, 18. Februar 1868. – Vgl. Josef Zingg an Alfred Escher, 26. November 1867.

95Zum Wahlsieg der Konservativen in Luzern vgl. Bossard-Borner, Spannungsfeld; Kopp, Konservative Partei; Letter, Wahlkampf.

96 Vgl. Bossard-Borner, Spannungsfeld, S. 646.

97 Josef Zingg an Alfred Escher, 13. Mai 1867.

98 Josef Zingg an Alfred Escher, 24. Mai 1867.

99 Vgl. Kopp, Konservative Partei, S. 174–175; Bossard-Borner, Spannungsfeld, S. 648.

100 NZZ, 29. Mai 1867. – Weil Vonmatt sein Nationalratsmandat nicht verlieren wollte und deshalb auf das Amt als Regierungsrat verzichtete, wurde er durch Jost Weber ersetzt. Vgl. Bossard-Borner, Spannungsfeld, S. 648.

101 Josef Zingg an Alfred Escher, 24. Mai 1867.

102 Vgl. Gruner, Bundesversammlung I, S. 259; Bossard-Borner, Spannungsfeld, S. 681, 717–721.

103 Josef Zingg an Alfred Escher, 8. Mai 1871.

104Zur Beschleunigung und zum Medienwandel im 19. Jahrhundert allgemein vgl. Osterhammel, Verwandlung; Kaschuba, Überwindung; Faulstich, Medienwandel. – Zur Telegraphie und ihren Auswirkungen im 19. Jahrhundert vgl. Standage, Viktorianisches Internet; Ahvenainen, Role, S. 73–80; Walter, Kommunikationsrevolution, S. 179–190; Neutsch, Briefverkehr, S. 129–155; Wobring, Globalisierung. – Zur Einführung der Telegraphie in der Schweiz vgl. Giacometti, Einführung; Generaldirektion PTT, Hundert Jahre; Schweizerische Telegraphen-Direktion, Telegraphen- & Telephonwesen; Balbi et al., Voie suisse, S. 435–453; Buser, Entwicklung; S. 21–26.

105 Vgl. Generaldirektion PTT, Hundert Jahre, S. 98–115; Osterhammel, Verwandlung, S. 1025; Standage, Viktorianisches Internet, S. 89, 112–113.

106 Vgl. Buser, Entwicklung, S. 23–24; Schreiben des Kaufmännischen Direktoriums in St. Gallen an den Hohen Bundesrat in Bern (mit Unterschrift der 18 angesehensten Zürcher Handelshäuser) vom 21. April 1851, zit. Generaldirektion PTT, Hundert Jahre, S. 123–126; Balbi et al., Voie suisse, S. 440–451.

107 Vgl. Generaldirektion PTT, Hundert Jahre, S. 127–135, 257–309; Schweizerische Telegraphen-Direktion, Telegraphen- & Telephonwesen, Tabelle IV, V; Giacometti, Einführung, S. 46–47, 50–51. – Escher brachte sich massgeblich in die Behandlung des Gesetzesentwurfs zur Einführung des Telegraphen ein. Er vertrat die Ansicht, dass das Telegraphenwesen die Angelegenheit des Bundes sei, der Bund für den Unterhalt aufkommen sollte und die Erteilung von Konzessionen für Telegraphenlinien der Bundesversammlung zu überlassen sei, stellte jedoch den Antrag, dass sich die Standortgemeinden von Telegraphenbüros massgeblich an den Errichtungskosten beteiligen. Der Antrag Eschers wurde als Artikel 5 im Gesetzesentwurf aufgenommen. Vgl. Wiederkehr, Aufbau, Kapitel Telegraphenwesen; Dossier Telegraphenfrage 1851 (BAR J I.67-4.3.34).

108 Telegramm Escher an Josef Zingg, 10. April 1871 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054).

109 Vgl. Telegramm Escher an Josef Zingg, 27. Januar 1869 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_010).

110 Vgl. Telegramm Escher an Josef Zingg, 13. September 1865 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_005); Telegramm Escher an Josef Zingg, 9. Juni 1870 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054); Telegramm Josef Zingg an Escher, 9. Juni 1870 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054).

111 Vgl. Telegramm Josef Zingg an Escher, 11. Februar 1866 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_005).

112 Vgl. Telegramm Escher an Josef Zingg an, 11. Februar 1866 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054).

113 Vgl. Wanner, Gotthardbahn, S. 131; Die Gotthardvereinigung, Absatz 10.

114 Telegramm Escher an Josef Zingg, 16. Dezember 1865 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_004).

115 Telegramm Escher an Josef Zingg, 16. Dezember 1865 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_004).

116 Telegramm Josef Zingg an Escher, 16. Dezember 1865 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_010).

117Zur Häufigkeit der Sitzungen des Direktoriums vgl. Prot. Dir. GB, 1871–1878.

118 Vgl. Telegramm Josef Zingg an Escher, 22./23. Februar 1872 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_061); Telegramm Escher an Josef Zingg, 26. Dezember 1874 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB03_066); Telegramm Escher an Josef Zingg, 27. Juli 1875 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB03_001).

119Escher übernahm das erste Departement, welches sämtliche eisenbahnpolitischen Angelegenheiten und das gesamte Bauwesen ohne den Hochbau und die Beschaffung des Rollmaterials umfasste. Zingg war verantwortlich für das zweite Departement, das sich dem Finanzwesen, der Beschaffung des Baukapitals, dem Rechnungs-, Kautions- und Taxwesen, der Tarifierung sowie dem Hochbau widmete. – Zu den einzelnen Departementen der Gotthardbahn-Gesellschaft vgl. Wanner, Gotthardbahn, S. 9–13.

120 Vgl. Telegramm Josef Zingg an Escher, 8. Januar 1872 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054); Telegramm Josef Zingg an Escher, 30. Oktober 1873 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB02_062); Telegramm Escher an Josef Zingg, 5. März 1875 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_061).

121 Telegramm Escher an Josef Zingg, 13. Juni 1876 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_017).

Kontexte