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Jung, Escher Briefe, Band 5, S. 75–99.

Zur Schweizer Aussenpolitik und Aussenhandelspolitik der 1850er und 1860er Jahre

Claudia Aufdermauer / Katrin Rigort, unter der Leitung von Prof. Dr. Joseph Jung

1Artikel 8 der Bundesverfassung von 1848 gestand dem Bund allein das Recht zu, «Krieg zu erklären und Frieden zu schließen, Bündnisse und Staatsverträge, namentlich Zoll- und Handelsverträge mit dem Auslande einzugehen».1 Diese neuen Befugnisse und Zuständigkeiten sollten den jungen Bundesstaat in den 1850er und 1860er Jahren vor grosse Herausforderungen stellen: Auf der einen Seite galt es während politischer Krisen (Neuenburger Konflikt 1856/57, Savoyer Frage 1860, Dappentalangelegenheit 1861/62) die Balance zwischen aggressiver Selbstbehauptung und passiver Zurückhaltung zu finden. Auf der anderen Seite gewann die Aussenhandelspolitik ab 1860 an Bedeutung, als die europäischen Nachbarn ihre bis anhin verfolgte Schutzzollpolitik abzulegen begannen. Der Bund stand dabei vor der Aufgabe, der Schweizer Industrie durch den Abschluss von Handelsverträgen (Handelsvertrag mit Frankreich 1864) zu neuen Absatzmärkten zu verhelfen.

21848 existierten im jungen Bundesstaat indes nur zwei mit einfachen Geschäftsträgern besetzte Gesandtschaften in Wien und Paris. 1860 kam eine dritte Gesandtschaft in Turin , 1867 eine vierte in Berlin hinzu. Sowohl das Handels- und Zolldepartement als auch das vom jeweiligen Bundespräsidenten geleitete Politische Departement, welches die Beziehungen zu ausländischen Staaten pflegen sollte, waren während Jahrzehnten personell unterbesetzt.2 Die fehlenden personellen Ressourcen im Verwaltungsapparat des Bundes führten dazu, dass der Bundesrat Privatpersonen als Vermittler und Vertreter der Privatwirtschaft als Handelsdelegierte einsetzte, während Parlamentariern und nicht der Regierung bisweilen die entscheidende Rolle bei aussenpolitischen Wendungen zukam.

3Der Zürcher Nationalrat Alfred Escher, der prominenteste Vertreter der Liberalen, setzte sich wiederholt für eine «aufrichtige und selbstständige Neutralitätspolitik» ein. Überzeugt davon, dass die Schweiz, falls sie eine «weltgeschichtliche» Mission zu erfüllen habe, dies «nicht mit ihren Bajonetten» tun werde, stellte sich Escher in den 1850er und 1860er Jahren als Nationalrat und Nationalratspräsident gegen eine expansive Aussenpolitik.3 Dank seiner engen Beziehungen zu den Gesandtschaften in Paris und Wien stets gut informiert, stützte er den Bundesrat in seinem Bemühen, politische Krisen friedlich und diplomatisch beizulegen. «Eroberungen» sollten seiner Ansicht nach ausschliesslich auf dem Gebiet der Handelsverträge gemacht werden – dort aber mit um so mehr Nachdruck.4

Neuenburger Konflikt 1856/57

4Seit der Wiener Kongressakte von 1815 war Neuenburg zugleich Kanton der Eidgenossenschaft und Fürstentum des preussischen Königs. Anfang September 1856 kam es in Neuenburg zu blutigen Zusammenstössen zwischen Royalisten und Republikanern. Als der Bundesrat Massnahmen gegen die royalistischen Urheber des Aufstands zu ergreifen begann, traf er damit bei Preussen, das den Vorfall ebenfalls registriert hatte, auf Widerstand. Die Angelegenheit führte zu einem Konflikt zwischen den beiden Ländern, der im Dezember 1856 eskalierte.5

Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Preussen

5Am 18. Dezember 1856 – monatelange Vermittlungsbemühungen sowohl von seiten Englands und Frankreichs als auch von Privatpersonen waren gescheitert – teilte Preussen der Schweiz den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit. Der Bundesrat beschloss umgehend, die Bundesversammlung zu einer ausserordentlichen Sitzung einzuberufen. Wie Bundesrat Jonas Furrer seinem Freund Alfred Escher mitteilte, war die Lage «furchtbar ernst»: Man müsse zusehen, dass es zu keinem «Krieg vor der Thüre, Hannibal ante Portas» komme.6 Der Einmarsch der preussischen Truppen in die Schweiz wurde um so mehr befürchtet, als die süddeutschen Staaten ihren Widerstand gegen einen Durchmarsch der preussischen Armee durch ihr Gebiet aufgegeben hatten. Für Bundesrat Furrer hiess es nun: «Iacta est alea u. wir müßen gewärtigen, wie weit es unsre lieben Nachbarn in ihrer Unterwürfigkeit gegen Preußen treiben wollen.»7

6Auf seinen Weg nach Bern, wo die Bundesversammlung unmittelbar nach Weihnachten 1856 zusammentrat, um über den Neuenburger Konflikt zu befinden, bekam Escher Ratschläge und gute Wünsche mit.8 Sein Freund Johann Jakob Rüttimann schrieb: «Möge der Himmel Euch bei Euren Verrichtungen beistehen & uns einen guten Frieden oder eine würdige Haltung im Kampfe verleihen.» Dies sei nun wohl die «wichtigste Bundesversammlung, welche je Statt gefunden» habe.9 Kaspar Lebrecht Zwicky, ebenfalls ein Freund Eschers, vermutete, dass im Laufe der Versammlung die «Würfel über Krieg u. Frieden geworfen werden ».10

7Der Nationalrat erkannte die Bedrohlichkeit des Augenblicks und wählte Escher sowohl zum Präsidenten der nationalrätlichen Kommission betreffend Neuenburger Konflikt als auch mit 91 von 106 Stimmen zum Nationalratspräsidenten.11 Die Wahl zum höchsten Schweizer glich im 19. Jahrhundert einem eigentlichen Popularitätstest, den Escher nun bereits zum dritten Mal für sich entscheiden konnte.12

8Am 30. Dezember 1856 stimmte die Bundesversammlung einstimmig für die Annahme der bundesrätlichen Anträge: Die vom Bundesrat in die Wege geleiteten militärischen Vorkehrungen wurden genehmigt und der Bundesrat ermächtigt, die erforderlichen Geldanleihen für die zu bestreitenden Ausgaben aufzunehmen. Bundesrat Friedrich Frey-Herosé wurde zum Generalstabschef und General Guillaume-Henri Dufour zum Oberbefehlshaber der schweizerischen Armee gewählt. Anlässlich der Vereidigung Dufours richtete Nationalratspräsident Escher feierliche Worte an ihn: «Sie werden, Herr General, [...] Ihre Aufgabe lösen, gehoben durch die ruhmvolle Eintracht, welche in unserm Volke, in unserm Heere herrscht.»13

9Trotz des geschlossenen Auftretens der Bundesversammlung war der Bundesrat nicht vor Kritik gefeit. Der Schaffhauser Nationalrat Johann Friedrich Peyer im Hof forderte gegenüber Escher den freiwilligen Rücktritt Jakob Stämpflis als Bundesrat, da dieser im «Ausland anrüchig» sei: «[D]as dürfen wir unter uns schon sagen [...].» Konkret ging es um die Frage, ob der Bundesrat richtig gehandelt habe, als dieser Napoleons III. Vermittlung zurückwies, oder wie es der Glarner Ständerat Johann Jakob Blumer ausdrückte, «ob es gut gewesen, daß der Bundesrath durch seine Unnachgiebigkeit den französischen Kaiser – wie sich schon damals leicht voraussehen ließ – erzürnt» habe. Eine Frage, die sich nicht so einfach beantworten liess. Während Blumer nach Einsicht der Akten zum Schluss kam, dass dem Bundesrat wegen des Verhaltens des preussischen Königs keine andere Möglichkeit offengestanden habe, war der Aargauer Nationalrat Samuel Frey anderer Meinung.14 Er habe während der Session öfter die Bemerkung gehört, «der Bundesrath hätte gut daran gethan, wenn er nach dem Napoleon'schen Vermittlungsvorschlag, die Räthe einberufen hätte, – bevor er denselben einfach refüsirte». Da Frey befürchtete, dass der Bundesrat erneut über die Köpfe der Abgeordneten hinweg entscheiden könnte, forderte er Escher als Präsidenten der Bundesversammlung und «äußerst einflußreiches Mitglied derselben» dazu auf, geeigneten Orts sein Gewicht für eine Wiedereinberufung der Bundesversammlung einzusetzen.15

Diplomatische Schritte in Paris

10In dieser angespannten Lage – die preussischen Truppen drohten Anfang Januar 1857 in die Schweiz einzumarschieren – musste Frankreich wiedergewonnen werden, wie sich Blumer erinnerte: «[D]aß dieses später geschah, dafür bot Escher seinen ganzen Einfluß auf u. die Mission Kern's nach Paris, zu welcher sich der Bundesrath dann leicht verstand, brachte die Sache bald in's rechte Geleise.»16

11In der französischen Hauptstadt, der Finanzmetropole Europas, vertrat seit Mai 1848 der Walliser Geschäftsmann Joseph-Hyacinthe Barman zunächst als einfacher Geschäftsträger, ab Juli 1856 als Schweizer Gesandter und bevollmächtigter Minister die Interessen der Schweiz. Als nun der Bundesrat, um die Position der Schweiz gegenüber Frankreich zu stärken, am 31. Dezember 1856 die Abordnung eines weiteren Gesandten in der Person des Thurgauer Ständerats Johann Konrad Kern beschloss, war dies ganz in Eschers Sinne .17 Denn Kern, Präsident des Schweizerischen Schulrats, war ein langjähriger politischer Weggefährte Eschers, der auch der Direktion der Nordostbahn-Gesellschaft angehört hatte. In Paris konnte er eine eigentliche Schlüsselposition einnehmen und Escher, den Direktionspräsidenten der Nordostbahn-Gesellschaft und Verwaltungsratspräsidenten der Schweizerischen Kreditanstalt, mit eisenbahntechnischen, finanziellen und aussenpolitisch relevanten Informationen beliefern.18 Bundeskanzler Johann Ulrich Schiess und der Aargauer Nationalrat Augustin Keller wussten von dieser inoffiziellen Informationsvermittlung, ebenso der Berner Nationalrat August von Gonzenbach: «Von Paris wißen wir – d. h. Dufour und ich – noch nichts. Vielleicht erhalten Sie directe Berichte von unserer großen kernigen Friedensschwalbe!!»19

12 Kerns erster Aufenthalt in Paris war kurz. Bereits nach wenigen Tagen berichtete er dem Bundesrat, dass er behufs mündlicher Mitteilungen nach Bern zurückkehren werde. Auf Kerns Vorschlag hin beschloss der Bundesrat, die Bundesversammlung zur Besprechung des Neuenburger Konflikts erneut zu einer ausserordentlichen Sitzung einzuberufen.20

13Am 12. Januar 1857 erzählte Kern dem Bundesrat unter dem «Siegel der größten Diskretion », dass Napoleon III. den beiden Schweizer Gesandten in einer Audienz Einblick in zwei Briefe des preussischen Königs Friedrich Wilhelm IV. gewährt habe, in welchen sich dieser im Falle der Freilassung der royalistischen Gefangenen zum Verzicht auf Neuenburg bereit erklärt habe. Über diese geheimen Zusicherungen orientierte Kern am Abend des 14. Januar 1857 auch rund siebzig der in Bern zur Bundesversammlung zusammengetretenen Parlamentarier. Escher hatte sie zu diesem Zweck ins Restaurant «Storchen» eingeladen.21

14 Am folgenden Tag sprach Escher als Berichterstatter der nationalrätlichen Kommission betreffend Neuenburger Konflikt davon, dass man zurzeit eine «Frage von Krieg und Frieden» zu lösen habe. Auch wenn es die Schweiz unter Umständen zum Krieg kommen lassen müsse, solle dies nur «im äußersten Falle, nur im Falle wirklicher Noth» geschehen. Aufgrund der mündlichen Eröffnungen, welche der «schweizerischen Abordnung in Paris» gemacht worden seien, gehe die Kommission jedoch davon aus, dass eine Lösung des Konflikts «entsprechend den Wünschen der Schweiz ohne Krieg in sicherer Aussicht» stehe. Sie empfehle daher, den bundesrätlichen Anträgen zu entsprechen und den Prozess gegen die aufständischen Neuenburger Royalisten aufzuheben. Die Bundesversammlung folgte dem Entscheid. Infolgedessen wurden die royalistischen Gefangenen in der Nacht vom 17. auf den 18. Januar 1857 bei Les Verrières über die Grenze gebracht.22

Militärische Vorkehrungen

15Nicht nur mit Diplomatie, sondern auch mit militärischen Vorkehrungen wurde der Kriegsgefahr begegnet. Nachdem Preussen seine diplomatischen Beziehungen zur Schweiz eingestellt hatte, bot der Bundesrat am 20. Dezember 1856 die dritte und die fünfte Armeedivision auf. Zudem beschloss er, in Basel, Eglisau und Schaffhausen Befestigungsanlagen zu errichten und Ausländern den Eintritt in die eidgenössische Armee zu verwehren. Ohne diesen Erlass vom 5. Januar 1857 hätten Giuseppe Garibaldi, Giacomo Medici und weitere Soldaten – wenn es denn zum Krieg gekommen wäre – auch auf seiten der Schweiz gekämpft. Ein entsprechendes Anerbieten lag dem Bundesrat am 14. Januar 1857 vor.23

16Ende Januar 1857 erreichte die Armee mit 29 300 Mann und 1660 Pferden ihren höchsten Effektivbestand. Zahlreiche Studenten, pensionierte Offiziere und Schweizer Soldaten in fremden Regimentern hatten sich freiwillig zum Dienst gemeldet. In unzähligen Eingaben, Petitionen und Adressen bekundeten Auslandschweizer ihre Solidarität mit dem Bundesrat, oftmals begleitet von sogenannten «Liebesgaben». Die für die Unterstützung der an der Grenze stehenden Milizen und ihrer bedürftigen Familien beim Bund eingegangenen Gelder erreichten bis zum 10. Februar 1857 rund 122 800 Franken. Auch auf kantonaler Ebene wurden von Privaten, Vereinen und Kantonalbehörden zahlreiche Sammlungen betrieben; Escher beteiligte sich mit einer Spende bei einem Verein in Zürich.24

17Der Zürcher Jurist Friedrich Gustav Ehrhardt, welcher der fünften Armeedivision unter Oberst Paul Karl Eduard Ziegler angehörte, schrieb Escher im Januar 1857 zahlreiche Briefe aus dem Hauptquartier in Feuerthalen : «Das Leben im Feldlager ist ein so einförmiges, daß ein Civilist, der in der angenehmen Abwechslung von Vergnügen u.Arbeit mitten in der Welt lebt es sich gar nicht vorstellen kann. Ich bin jetzt sogar der Sorge ledig, meine Uniform ordnungsgemäß herrichten zu lassen; denn unser Chef hat seit Tagen nichts mehr auszusetzen gefunden. Arbeiten kann man auch nicht, so muß ich mich denn auf ein dolce far niente beschränken u. – studire das Dienstregelement.»25 Ehrhardt zufolge befanden sich indes vortreffliche Leute an der Front: «Nur unser Divisionsadjutant u. Stabschef Oberstlieutn. Bachofen ist eine blutrünstige Natur u. will Krieg bis aufs Messer.»26

18Der Beschluss der Bundesversammlung, den Prozess gegen die aufständischen Neuenburger Royalisten aufzuheben und sie über die Grenze zu schicken, führte zu einer Deeskalation. Am 17. Januar 1857 telegraphierte Bundespräsident Constant Fornerod den Bundesbeschluss an General Guillaume-Henri Dufour mit dem Vermerk, dass die bereits im aktiven Dienste stehenden Truppen auf Wunsch der Kommissionen und der Mehrheit der Räte mit sofortiger Wirkung zu entlassen und die Befestigungsarbeiten einzustellen seien. Dessen eingedenk wunderte sich Ehrhardt, als der General am 20. Januar 1857 im Feldlager erschien und «uns kein Wort von unserer Heimkehr sagte».27

19 Dass die Kompetenzaufteilung zwischen General und Bundesrat nicht vollständig geklärt war, hatte sich bereits bei früheren Gelegenheiten gezeigt.28 Kritisch wurde es, als der General die bundesrätlichen Befehle zur Entlassung der Armee bewusst zu ignorieren schien: Zunächst teilte Dufour dem Bundesrat mit, dass er vorderhand am liebsten alles auf dem momentanen Stand belasse; am 21. Januar 1857 schrieb er dem Bundesrat, dass die Befestigungsarbeiten – zumindest in Eglisau und Schaffhausen – eingestellt worden seien: «Quant au licenciement des troupes, il va commencer selon vos intentions, mais il faut quelque temps pour préparer les feuilles de route. On ne peut l'exécuter que successivement. Nous commencerons par l'artillerie, qui est ce qui coûte le plus [...].»29

20Wie Bundesrat Jonas Furrer Escher anvertraute, herrschte «im Bundesrath tiefer Unwille, bey mir persönlich vollendete Entrüstung» über Dufours Vorgehen. Erst nach einer weiteren Verschärfung des Tonfalls erliess Dufour am 24. Januar 1857 die nötigen Befehle. Auch Ehrhardt, der gegenüber Escher bereits den Verdacht geäussert hatte, «daß unser ‹ehrwürdiger General› an altersschwacher Eitelkeit leide u. sich von seinem trefflichen Kriegsheer nicht trennen» könne, wurde noch im selben Monat aus dem aktiven Dienst entlassen.30

21Ab dem 5. März 1857 befasste sich eine internationale Konferenz in Paris mit der Lösung des Neuenburger Konflikts. Am 26. Mai 1857 wurde das Vertragswerk von den preussischen und eidgenössischen Abgeordneten – Johann Konrad Kern war als Schweizer Unterhändler vor Ort – sowie den Bevollmächtigten von Österreich, Frankreich und Grossbritannien unterzeichnet. Darin verzichtete der preussische König Friedrich Wilhelm IV. für sich und seine Nachfolger sowohl auf die Neuenburger Souveränitätsrechte als auch auf eine entsprechende Entschädigung von 1 Mio. Franken, welche die Schweiz zunächst für seinen Verzicht auf Neuenburg hätte zahlen müssen. Die Schweiz musste eine umfassende Amnestie für alle mit den September-Ereignissen von 1856 in Verbindung stehenden politischen und militärischen Verbrechen und Vergehen erteilen und darüber hinaus für alle Kosten aufkommen.31

22 Claudia Aufdermauer

Savoyer Frage 1860

23Der Wiener Kongress neutralisierte 1815 die zum Königreich Sardinien-Piemont zugehörigen nordsavoyischen Provinzen Chablais und Faucigny : Im Fall eines Krieges zwischen den Nachbarstaaten sollte die Schweiz dieses Gebiet militärisch besetzen.32. Im Jahr 1858 vereinbarten der Kaiser der Franzosen Napoleon III. und der sardisch-piemontesische Ministerpräsident Camillo Benso di Cavour, dass Frankreich – als Dank für seine militärische Hilfe bei der Einigung Italiens – die Provinzen Nizza und Savoyen erhalten sollte. Als der Bundesrat im Frühjahr 1860 gerüchteweise von dieser Abmachung erfuhr, sprach er sich für die Beibehaltung des Status quo und somit gegen eine Angliederung Savoyens an Frankreich aus, da dies die Neutralität Genfs gefährden würde. Falls es aber zur Abtretung Savoyens kommen sollte, forderte der Bundesrat die neutralisierten nordsavoyischen Provinzen für die Schweiz. Dass die Schweiz im April 1860, als die Spannungen mit Frankreich wegen der Savoyer Frage immer offensichtlicher wurden, ein uneinheitliches Bild bot, lag nicht zuletzt am breiten Interpretationsspektrum der Rechtslage.33

Die Einberufung von Truppen

24Am 23. März 1860 setzte Bundesrat Jakob Stämpfli, der der Ansicht war, «dass die Schweiz eventuell zur Besetzung Nordsavoyens schreiten muss», die Einberufung der Bundesversammlung zu einer ausserordentlichen Sitzung durch.34 Zwei Tage später brachte er mit dem Argument, dass er sich «sonst jeder Verantwortlichkeit entschlage», Bundespräsident Friedrich Frey-Herosé dazu, den Bundesrat zu einer ausserordentlichen Nachtsitzung zu versammeln.35 Mochten hierfür Depeschen aus Genf, gemäss welchen sich die sardisch-piemontesischen Truppen zurückziehen und statt dessen 600 französische Soldaten nach Annecy aufbrechen würden, der unmittelbare Anlass sein36, so war ein anderes Ereignis nicht unwesentlich: Eine Versammlung von rund 4000 Personen, die sich auf Initiative des Centralausschusses der radikalen Studentenverbindung Helvetia am selben Tag in Bern zur Diskussion der Savoyer Frage eingefunden hatte, hatte den Bundesrat in einer Adresse dazu aufgefordert, «sofort die nöthigen militärischen Maßregeln» zu treffen.37 Bundesrat Jonas Furrer sah den Bundesrat dadurch «unter einen moralischen Zwang gebracht»: 6 der ursprünglich 18 beantragten Bataillone seien zu Wiederholungskursen einberufen worden.38

25Wie der Zürcher Ständerat Jakob Dubs feststellte, stützten nicht alle Mitglieder des Bundesrats dieses Truppenaufgebot, das die Hände der Bundesversammlung kurz vor ihrem Zusammentreten band: Bundesrat Furrer sei gegen diese Massregeln, aber krank; Bundesrat Wilhelm Matthias Näff sei dagegen und seufze; Bundesrat Giovanni Battista Pioda sei dagegen und schreie um Hilfe; Bundespräsident Frey-Herosé sei dafür, indes gezwungenermassen; Bundesrat Josef Martin Knüsel sei dafür, aber auf der Umkehr; nur Bundesrat Stämpfli sei «entêté».39

26 Dubs und Alfred Escher standen dem Vorgehen des Bundesrats kritisch gegenüber, während den Glarner Ständerat Johann Jakob Blumer zudem die Art und Weise beschäftigte, wie einige Kreise – unter ihnen der Berner Grosse Rat – die Savoyer Frage vor Zusammenkunft der Bundesversammlung zu präjudizieren suchten, indem sie sich «zu allen Opfern bereit» erklärten: «Will man wirklich unsre Armee aufbieten, in Savoyen einfallen u. mit Frankreich u. Sardinien Krieg anfangen?» Gemäss Blumer konnte es nur von Vorteil sein, wenn die östliche Schweiz «etwas kühleres Blut mitbringe zu der Hitze, die in Bern zu herrschen» scheine.40

Kritik am Bundesrat

27Die Bundesversammlung, die am 29. März 1860 zur ausserordentlichen Sitzung zusammentrat, sollte gemäss den bundesrätlichen Anträgen die bis anhin getroffenen Massregeln genehmigen und dem Bundesrat «Vollmacht zur Anwendung aller Mittel» erteilen, damit sich dieser entweder für den Verbleib Savoyens beim Königreich Sardinien-Piemont oder aber für die Abtretung der nordsavoyischen Provinzen an die Schweiz stark machen konnte.41 Angesichts des wenige Tage zuvor erfolgten Truppenaufgebots stiess die Gewährung der gewünschten Vollmacht bei der nationalrätlichen und der ständerätlichen Kommission in der Savoyer Frage auf Widerstand. Wie Escher, der Berichterstatter der nationalrätlichen Kommission, notierte, fiel es den Kommissionsmitgliedern dennoch nicht leicht, gegen den Bundesrat ein offenes Misstrauensvotum auszusprechen: einerseits weil eine Desavouierung des Bundesrats im Ausland einen schlechten Eindruck machen würde, andererseits weil sich die Bundesversammlung, die den Bundesrat ja gewählt hatte, dadurch selbst in ein schlechtes Licht rücken würde.42

28 Aus diesen Gründen bemühte sich Escher, mit dem Bundesrat insgeheim eine Einigung zu erzielen. Zusammen mit dem ständerätlichen Kommissionspräsidenten Dubs und dem Nationalratspräsidenten Johann Friedrich Peyer im Hof konnte Escher den Bundesrat am 2. April 1860 zu einer gemeinsamen Sitzung mit der nationalrätlichen und der ständerätlichen Kommission bewegen. Bundesrat Stämpfli verliess die Sitzung sogleich. Seiner Meinung zufolge war die Sitzung unkonstitutionell, da die Kommissionen gemäss der Bundesverfassung getrennt zu verhandeln hätten. Zudem sei es nicht erlaubt, dem Bundesrat geheime Instruktionen zu geben. Die übriggebliebenen fünf Bundesräte – Bundesrat Furrer fehlte krankheitshalber – äusserten sich reihum zu den von Escher gestellten Fragen. Bundesrat Näff erklärte, dass es der Bundesrat nicht verantworten könnte, durch militärische Handlungen einen tatsächlichen Konflikt auszulösen. Auch die anderen Bundesräte gaben zu Protokoll, die Bundesversammlung nicht mittels einer militärischen Besetzung Nordsavoyens vor vollendete Tatsachen stellen zu wollen.43

29Am folgenden Tag listete Berichterstatter Escher die Gründe auf, wieso die Kommission die Versuche, «eine gütliche Verständigung herbeizuführen, durchaus noch nicht für erschöpft » halte, und forderte den Bundesrat auf, die Verhandlungen mit den Mächten «nachdrücklich» fortzusetzen. Da die Exekutive die Bundesversammlung unverzüglich wieder einzuberufen gedenke, «wenn weitere militärische Aufgebote Statt finden oder andere ernste Umstände eintreten sollten», empfehle die Kommission, dem Bundesrat die beantragte Vollmacht zur Anwendung aller Mittel zu gewähren.44 Die Bundesversammlung folgte dem Entscheid. Dubs' Beobachtungen zufolge hatte Escher «nun selbst Freude u. unter all[en] Mitgliedern herrschte Freude».45

30Die Reaktionen der Presse auf die Bundesversammlung waren unterschiedlich: Auf der einen Seite erklärte ein aus der Feder des Glarner Ständerats Blumer stammender Artikel am 5. April 1860 in der «Neuen Zürcher Zeitung», dass der Bundesrat und die nationalrätliche und die ständerätliche Kommission in der Savoyer Frage bei einer Aussprache festgestellt hätten, dass ihre Ansichten gar nicht so unterschiedlich waren.46 Auf der anderen Seite forderte die Bundesrat Stämpfli nahestehende «Berner Zeitung» bereits sieben Tage nach der Bundesversammlung eine bundesrätliche Proklamation ans Volk und militärische Schritte: «Er lasse unsere Truppen nicht bloß Wiederholungskurse machen, er lasse sie marschieren aus dem fernsten Osten nach dem vom gierigen Wolf zu verschlingenden Westen! Die Truppen werden ihm zujauchzen! Das Volk wird ihm zujauchzen [...].»47 Ins gleiche Horn blies der «Bund», der bereits am 1. April 1860 für härtere Massnahmen eingetreten war: «Es ist heut' eine Zeit, wo die Minuten Silber, die Stunden Gold sind, die diplomatischen Noten aber – Papierwische.»48

31Wie der rege Briefwechsel zwischen Escher und Bundesrat Furrer im April 1860 dokumentiert, erwies sich der diplomatische Weg steiniger als erhofft. Zwischen Februar und Mitte April 1860 hatte der Bundesrat – zusätzlich zu den beiden bestehenden Schweizer Gesandtschaften in Paris und Wien – drei ausserordentliche Gesandte nach Turin, London und Berlin abgeordnet, um die Regierungen für das Anliegen der Schweiz zu gewinnen, namentlich für die Einberufung einer internationalen Konferenz zur Lösung der Savoyer Frage. Da es bis Mitte April 1860 indes nicht den Anschein machte, als ob die Grossmächte der Schweiz zu einer Konferenz verhelfen wollten, empfahl Escher dem Bundesrat Separatverhandlungen mit Frankreich . Er war überzeugt, «daß Unterhandlungen directe mit Frank reich (dem Kaiser) am ehesten zum Ziele führen dürften». Furrer war anderer Meinung und beteuerte, dass Eschers Ansicht auf grossen Widerstand stossen werde: Der Bundesrat könne nicht mit Frankreich separat verhandeln, während er gleichzeitig bei den Grossmächten gegen das Verhalten Frankreichs protestiere. England habe bereits interveniert und erklärt, dass es sich zurückziehe, sobald dergleichen direkte Verhandlungen mit Frankreich stattfänden.49

Politischer Zwist und Mobilisierung der Bevölkerung

32Zur ernsten Lage auf dem internationalen Parkett gesellten sich Streitigkeiten im Bundesrat. Wie Bundesrat Jonas Furrer antizipiert hatte, gab es am 9. April 1860 «eine grosse Schlacht» in der Sitzung des Bundesrats. Bundesrat Jakob Stämpfli forderte eine Wiedereinberufung der Bundesversammlung.50 Sein Antrag erhielt keine andere Stimme, aber Bundesrat Furrer befürchtete, dass er später wiederholt werden und dann mehrheitsfähig sein würde. Da der Bundesrat die Frage über Krieg oder Frieden weder im einen noch im anderen Sinne von sich aus werde lösen können, werde sich die «fatale Discussion, welche letzthin umgangen» worden sei, in einer erneuten Bundesversammlung ergeben. So werde sich «leider doch öffentlich u officiell herausstellen, daß die Schweiz in dieser Frage ganz getheilt sein wird, eine Thatsache, welche schon für sich allein die vernünftige Möglichkeit einer Kriegführung ausschließt!».

33Escher versuchte Bundesrat Furrer aufzumuntern und schrieb, dass er sich zusammen mit den Zürcher Grossräten Johann Jakob Rüttimann und Jakob Dubs freue, dass der Bundesrat den «unsinnigen Stürmereien» der radikalen Studentenverbindung Helvetia oder «vielmehr ihres Meisters» Bundesrat Stämpfli widerstehe. Auch wenn sich Furrer und seine gleichgesinnten Bundesratskollegen in einer misslichen Lage befänden, müssten sie sich bewusst sein, dass sie «die Schweiz vielleicht vor dem Untergange» bewahrten. Überdies sei die Stimmung in den Kantonen Glarus, Schaffhausen, St. Gallen, Thurgau und Zürich nichts weniger als kriegerisch. Furrer und der Bundesrat sollten sich nicht durch die in Zürich und andernorts abgehaltenen Versammlungen von Offizieren beeindrucken lassen. Wie er gehört habe, teilten diese dem Bundesrat mittels Adressen nur ihren Vorsatz mit, im Notfall zu den Waffen greifen zu wollen: «Daran zweifelt aber gewiß niemand!»

34In der Tat geriet die «Friedenspartei» immer mehr unter Druck. Die radikale Studentenverbindung Helvetia und der mit ihr verbündete Grütliverein liessen ebenfalls Versammlungen abhalten und Ergebenheitsadressen an den Bundesrat schreiben. Auch Zürcher Adressen befanden sich in der kriegslustigen Adressenflut.51 Gut informiert war Escher über die Versammlung in Winterthur , die vom Stadtpräsidenten Johann Jakob Sulzer organisiert worden war.52 Das Verhältnis zwischen Escher und seinem ehemaligen Winterthurer Regierungsratskollegen war schon länger getrübt.53 Indem sich nun Sulzer Bundesrat Stämpflis Politik anschloss, erreichte es einen neuen Tiefpunkt. Die Gegenspieler Eschers, die Demokraten wie die Radikalen, schienen sich in einer «Kriegspartei» zu vereinen.54

35Auf Veranlassung von Escher verfasste Dubs im April 1860 fünf Aufsätze, die unter dem Titel «Die tiefern Differenzen in der Savoyerfrage» in der «Neuen Zürcher Zeitung» erschienen.55 Das Ziel der Artikel war es, die Gemüter zu beruhigen. Denn seit die Bundesversammlung am 4. April 1860 auseinandergegangen war, hatte die Aargauer, die Berner und die Winterthurer Presse mehrere Angriffe auf das «Baumwollen- und Eisenbahntum» lanciert.56 Gemeint waren das «System Escher» und damit im Zusammenhang die Zürcher Abgeordneten, wie Dubs gegenüber Escher feststellte: «Der Bund u. der Landbote scheinen mir beide den Verstand verloren zu haben; nach dem Letztern muß wohl Einer von uns ein Landesverräther sein!?»57

36 Dubs‘ fünf Artikel führten dazu, dass der Pressekampf zwischen der «Neuen Zürcher Zeitung» auf der einen und der «Berner Zeitung», dem «Bund» und dem «Landboten» auf der anderen Seite in die nächste Runde ging. Escher selbst war erstaunt ob der Polemik. In einem Brief an den Zürcher Nationalrat Johann Heinrich Fierz bemerkte er, dass er sich freue, dass Dubs «seine Schiffe der Stämpflischen Partei gegenüber verbrannt» habe und in der Savoyer Frage auf seiner Seite stehe. Da er aber nun eine von Bundesrat Stämpfli, «des Dictators», abweichende Meinung vertrete, falle die «Stämpfli'sche Partei mit ingrimmiger Wuth» über ihn her und versuche ihn «moralisch todt zu schlagen».

37 Dubs, dessen Stimmung gemäss dem Glarner Ständerat Johann Jakob Blumer «nicht ganz unbefangen» war, sorgte als Mitglied der ständerätlichen Geschäftsprüfungskommission dafür, dass der Schlagabtausch mit Bundesrat Stämpfli auf die parlamentarische Ebene verlagert wurde. So hatte der Ständerat im Sommer 1860 darüber zu entscheiden, ob Bundesrat Stämpfli dafür gerügt werden sollte, dass er im Januar 1859 als damaliger Bundespräsident gegenüber Ferdinand von Mensshengen, dem österreichischen Geschäftsträger in Bern, beteuert hatte, dass die Schweiz bei einem österreichisch-französischen Krieg das neutralisierte Savoyen mit 150 000 Mann besetzen werde. Die Mehrheit des Ständerats entschied indes, über Stämpflis Aussage hinwegzusehen.58 Diesen Entscheid konnte Blumer auch zehn Jahre später nicht verstehen. Er war der Meinung, dass ein Bundespräsident, der «Großmannspolitik treiben will, die unsern schweizerischen Anschauungen widerspricht», zur Verantwortung gezogen werden müsse.59

38Während die Schweiz weiterhin auf die Einberufung einer internationalen Konferenz hoffte und ihre Gesandten dahingehend wirken liess, schuf Napoleon III. Mitte April 1860 mit einem Plebiszit in Nordsavoyen klare Verhältnisse: Die Bevölkerung konnte lediglich für oder gegen den Anschluss an Frankreich stimmen. Eine Angliederung an die Schweiz stand nicht zur Diskussion. Mit einem Ja-Stimmen-Anteil von über 90% wurde die Angliederung an Frankreich angenommen. Zwei Monate später übernahm Frankreich die zivile und militärische Kontrolle über das Gebiet. In Bezug auf die Savoyer Frage beschloss der Bundesrat am 20. Juli 1860, «die Sache für einsweilen auf sich beruhen zu laßen». Da es zu keiner internationalen Konferenz gekommen war, blieb die Savoyer Frage in der Schwebe und belastete die schweizerisch- französischen Beziehungen noch während Jahren, so auch in den Verhandlungen betreffend das Dappental 1862 und den Handelsvertrag 1864.60

39 Claudia Aufdermauer

Der Fall Gonzenbach

40Mit der Savoyer Frage eng verknüpft ist ein Ereignis, das erst anlässlich der Erneuerungswahlen für den Nationalrat im Herbst 1863 im Briefwechsel Alfred Eschers und August von Gonzenbachs thematisiert wird und einen Schatten auf ihre Beziehung warf. Die Rede ist von der im März 1860 im Berner Grossen Rat einstimmig angenommenen Motion des radikalen Politikers Karl Karrer .61 Darin wurde der Bundesrat in seiner Haltung bezüglich der neutralisierten Provinzen Savoyens bestärkt und die Angelegenheit zur «Lebensfrage» erhoben. Der Berner Grosse Rat hatte damit seine Bereitschaft «zu allen Opfern» zur «Wahrung der Rechte der Schweiz» signalisiert, die er als «Gebot der Selbsterhaltung» auffasste.62

41 August von Gonzenbach, konservatives Mitglied des Berner Grossen Rats, hatte diese Motion mitunterzeichnet und ausserdem in einer ausführlichen Rede zur Savoyer Frage Stellung genommen.63 Er erklärte, dass ein Anspruch der Schweiz auf Savoyen unter Berufung auf den Lausanner Vertrag von 1564 staatsrechtlich fragwürdig sei. Es stünden der Schweiz aber neuere Verträge zur Verfügung, mit denen sie ihre Rechte bei den europäischen Grossmächten wirkungsvoller geltend machen könne.64

42Als nur wenige Tage später, am 29. März 1860, die Bundesversammlung ausserordentlich zusammentrat, arbeitete Gonzenbach in einer dreiköpfigen Redaktionskommission der nationalrätlichen Kommission zur Savoyer Frage einen Beschlussentwurf für die Bundesversammlung aus.65 Zwar unterlag er demjenigen Eschers und hatte, wie er später sagte, «somit keinerlei praktische Folge»; die Berner Radikalen warfen Gonzenbach indes vor, er habe damit eine «zweideutige Haltung» eingenommen und durch «stille Treibereien hinter den Coulissen » den Berner Grossratsbeschluss in seiner Bedeutung heruntergespielt.66 Sie bezichtigten ihn der «Zweizüngigkeit und Charakterlosigkeit», weil in seinem Beschlussentwurf im Nationalrat nicht mehr von einer «Lebensfrage» die Rede war und sich die sogenannte Opferbereitschaft in eine «Genehmigung des bundesräthlichen Protestes» abgeschwächt habe. «Der Gonzenbach im Berner Großen Rathe und derjenige in der nationalrätlichen Kommission wären also da bereits zwei ganz verschiedene Leute!», war ihr Fazit. Gonzenbach habe zudem, kaum sei Escher in Bern eingetroffen, diesen aufgesucht, um ihm «zu erklären, der Beschluß des Berner Großen Rathes sei so ernst nicht gemeint, man solle sich dadurch nicht impressioniren lassen». Darüber hinaus habe er Zentralschweizer Mitglieder der Bundesversammlung zu überzeugen versucht, dass es sich nicht lohne, wegen Savoyen in einen bewaffneten Konflikt zu geraten.67

43Auf diesen Sachverhalt bezieht sich nun der Briefwechsel zwischen Gonzenbach und Escher im Herbst 1863. Gonzenbach sah sich im Wahlkampf erneut einer Hetze von radikaler Seite ausgesetzt.68 Er hatte aber auch bemerkt, dass Escher ihn politisch nicht mehr unterstützte, und forderte ihn deshalb zu einer Stellungnahme auf. Zunächst hielt Escher sehr sachlich, kurz und korrekt fest, dass er die Berechtigung von Gonzenbachs Anfrage anerkenne, und ging Punkt für Punkt auf sie ein, um dann in wenigen Sätzen zu erklären, der Grund liege in Gonzenbachs «Haltung im öffentlichen Leben», die «nicht dazu angethan schien, dasjenige ungeschmälerte Zutrauen zu Ihnen [Gonzenbach] zu erwecken, welches ich [Escher] so gerne in Sie gesetzt hätte».

44Der ursprünglich aus St. Gallen stammende Gonzenbach hatte sich zeitweise sowohl im Berner Grossen Rat als auch im Nationalrat und bei Escher durch seine eigenständige, aber auch integrative Haltung, die nicht selten mit den liberalen Zielen korrespondierte, einigen Respekt und Einfluss verschafft. Er trat beispielsweise als scharfer Kritiker in der Angelegenheit um den Konkurs der Ost-West-Bahn auf . Im Neuenburger Konflikt war er für direkte Unterhandlungen mit Preussen und eine besonnene Haltung eingetreten und hatte sich im Hinblick auf den Friedenserhalt für ein kompromissbereites, nach aussen aber geschlossenes Auftreten der offiziellen Schweiz eingesetzt. In der sogenannten Zentralisierungsfrage argumentierte Gonzenbach aus historischer Sicht, wenn er meinte, «die Zentralisation entschweizert uns».69 Er unterschied sich darin von der Meinung der Radikalen, die in ihr ein probates Mittel zur aussenpolitischen Machtdemonstration sahen, das auch den inneren Zusammenhalt stärke. Dagegen sah er in einer hohen Autonomie der Kantone das traditionell Schweizerische, das sich aus den regionalen Bedürfnissen und Charakteristika entwickelt und über lange Zeit bewährt habe. Deshalb strebte er nach dem Erhalt und der Stärkung der kantonalen Rechte – Ziele und Ansichten, die sich insgesamt mit denen der Liberalen deckten. Für Escher waren solche inhaltlichen Übereinstimmungen in Grundfragen eine wichtige Basis der politischen Zusammenarbeit und hilfreich zur Bildung von Mehrheiten. Er suchte daher zuverlässige und verbindliche Partner über die Parteigrenze hinaus, die gezielt Einfluss nahmen und einer Sache zum Erfolg verhelfen konnten.70

45In der Savoyer Frage empfand es Escher als Affront, dass sich die Konservativen des Berner Grossen Rats in einem Schulterschluss mit den Radikalen für einen politischen Kurs, der auf eine militärische Intervention drängte, instrumentalisieren liessen. Daneben mag es auch eine persönliche Enttäuschung gewesen sein, dass Gonzenbach sich nicht stärker gegen diese ideologische Diskussion abgegrenzt hatte.71 Gonzenbach hatte sich vor allem auf die rechtlichen Aspekte der für die Savoyer Frage wichtigen Verträge bezogen, dabei aber der emotionalen Komponente dieser Auseinandersetzung zu wenig Rechnung getragen. Wie er in seiner Rückantwort an Escher selbst eingesteht, hatte er auf die Dringlichkeit, mit der die Radikalen die Angelegenheit zur «Lebensfrage» erhoben hatten, zu wenig Gewicht gelegt. Escher hingegen konnte nicht nachvollziehen, dass eine latente, jahrzehntelang ungelöst gebliebene Angelegenheit, die auf Verträge des Wiener Kongresses oder noch weiter zurückging, überhaupt zur «Lebensfrage» erhoben wurde, und sah darin eine leichtfertige Agitation, die den Frieden und das wirtschaftliche Fortkommen der Schweiz unnötig gefährdete. Gonzenbach rechtfertigte in seiner Rückantwort sein Handeln noch einmal ausführlich, betonte aber auch, er habe sich in sachlicher Hinsicht nichts vorzuwerfen.

46 Gonzenbach hatte sich selbst einmal als «Vermittlungspolitiker» bezeichnet und dabei auf die besonderen Schwierigkeiten dieser Rolle hingewiesen. Während die eigentlichen Verfechter und Repräsentanten der Ideen zweier Lager gleichsam die Pole bildeten, stünden die Vermittler dem entgegengesetzten Lager am nächsten. «Wenn aber auf der einen Seite keine Mittelsperson vorhanden ist und daher dem Vermittler der andern Partei niemand entgegenkommt, sodass nicht inmitten der Kluft, die überbrückt werden soll, die Haken ineinander gehängt werden können, dann ist die Lage desjenigen, der die Brücke allein bauen soll, eine sehr schwierige. Er ist dann in der Regel so lange gut, bis die Parteien die Brücke überschritten haben, dann wird diese abgebrochen und ihm wird, wenn die Sache nicht nach Wunsch ausfällt, nicht selten von seiner eigenen Partei zum Vorwurf gemacht, dass er die andere Partei hinübergelassen habe.» Damit sei er gleichsam ein «Regenmantel, den man bei recht schlechtem Wetter anzieht, bei schönem Wetter aber wieder in den Schrank hängt».72 Gonzenbach scheint in der Savoyer Frage tatsächlich zwischen die Fronten geraten zu sein und zog nun die Konsequenzen, indem er vom letzten Wahlgang für den Nationalrat zurücktrat und Escher etwas wehmütig schrieb: «Wir werden uns verehrtester Herr – im öffentlichen Leben also nicht mehr begegnen!»73

47 Katrin Rigort

Dappentalangelegenheit 1861/62

48Das jurassische Dappental 74, das am Oberlauf der Valserine zwischen Les Rousses und Gex liegt, gehörte seit 1536 zur Eidgenossenschaft. 1802 wurde es an Frankreich abgetreten. Der Wiener Kongress sprach das Gebiet wieder der Schweiz zu, doch verweigerten die Franzosen wegen der bereits von ihnen erbauten Militärstrasse die Rückgabe. Die Angelegenheit beschäftigte die Schweizer Diplomatie während Jahrzehnten; im Januar 1860 auch Alfred Escher, der zum Präsidenten der entsprechenden Kommission erkoren wurde.75

49Indes kam es im Frühjahr 1860 zu keinem schweizerisch-französischen Übereinkommen; die Dappentalangelegenheit wurde in den Wirbel um die Savoyer Frage hineingezogen. Das in der Folge gespannte Verhältnis zwischen der Schweiz und Frankreich führte zu Zwischenfällen, unter anderem in Ville-la-Grand, Genf und Sitten.76 Am 27. Oktober 1861 kam es im Dappental zu einer Grenzverletzung: Um einen gewissen Jean Fournier, der wegen Misshandlung einer Frau von einem Gericht in Nyon verurteilt worden war, vor einer vermeintlichen Verhaftung durch die waadtländische Polizei zu schützen, waren französische Polizisten und Soldaten in die waadtländische Ortschaft Les Cressonnières eingerückt. Dabei «erlaubten sich die Soldaten einige Exzesse, sie nahmen einige Cigarren &. dgl.», wie Escher am 31. Oktober 1861 von Jakob Dubs erfuhr, der inzwischen den Bundesratssitz des verstorbenen Jonas Furrer eingenommen hatte. Es sei beschlossen worden, zwei Kommissäre zur Untersuchung des Vorfalls abzusenden und bei Frankreich zu reklamieren. Bundesrat Jakob Stämpfli habe «gewaltsames Zurücktreiben» gefordert. Dubs war indes der Meinung, Escher werde damit einverstanden sein, dass man «um dieser Sache willen noch nicht zu Truppenaufgeboten» schreite.77

50 Dubs war der Überzeugung, dass Frankreich mit Stämpfli, der 1862 Bundespräsident war, nicht verhandeln werde.78 Indes führten die zwischen Stämpfli und Louis-Félix-Etienne de Turgot, dem französischen Gesandten in Bern, geführten geheimen Verhandlungen am 8. Dezember 1862 zum Abschluss eines Vertrags, der im wesentlichen drei Punkte beinhaltete: «1) Die Schweiz tritt vom Dappenthal denjenigen Theil ab, welcher westlich der Straße nach der Faucille – mit Inbegriff der leztern – gelegen ist. 2) Frankreich tritt einen äquivalenten Landstrich am Noirmont ab, von der Straßenverzweigung bei la Cure an, in östlicher Richtung. 3) Beide Theile verpflichten sich, auf den abgetretenen Gebietstheilen keine militärischen Werke anzulegen.» 79 Nationalratspräsident Escher quittierte die Einigung zwischen der Schweiz und Frankreich am 31. Januar 1863 im Nationalrat mit den Worten: «Die Dappenthal- Angelegenheit ist endlich zu abschließlicher Erledigung gebracht worden.»80

51 Claudia Aufdermauer

Handelsvertrag mit Frankreich 1864

52Am 23. Januar 1860 – zum Zeitpunkt, als der Bundesrat gerüchteweise von einer Angliederung Savoyens an Frankreich erfuhr – unterzeichneten England und Frankreich den sogenannten Cobden-Chevalier-Vertrag. Darin einigten sie sich auf gewisse Zollermässigungen: Beispielsweise setzte England den Einfuhrzoll auf französischen Wein, Frankreich denjenigen auf britische Steinkohle herunter. Darüber hinaus sicherten sich beide Vertragspartner die gegenseitige Meistbegünstigung zu: Sie verpflichteten sich, jede Einfuhrzollermässigung, jede Begünstigung und jedes Vorrecht, welches sie in Zukunft einer dritten Nation zugestehen sollten, dem Vertragspartner ebenfalls zu gewähren.81

53 Der Bundesrat und die Schweizer Handels- und Industriekreise begrüssten den auf den Prinzipien des Freihandels beruhenden englisch-französischen Handelsvertrag. Die Schweizer Exportindustrie, die aufgrund der hohen Schutzzölle der europäischen Nachbarn ihren Absatz vorwiegend in Übersee suchen musste, hoffte, dass dieser Handelsvertrag in der europäischen Aussenhandelspolitik einen Paradigmenwechsel einleiten werde.82

54 England, wie der junge Bundesstaat seit längerem ein Anhänger der Freihandelslehre, gewährte die im Cobden-Chevalier-Vertrag Frankreich zugestandenen Vorteile und Einfuhrzollermässigungen «in wahrhaft großartiger Weise» sogleich allen Nationen. Die vom Zürcher Seidenfabrikanten Johann Jakob Schwarzenbach-Hüni gegenüber Alfred Escher geäusserte Besorgnis, dass der englisch-französische Vertrag die schweizerische Seidenindustrie in England benachteiligen könnte, da er der französischen Konkurrenz bessere Rahmenbedingungen schaffe, blieb somit unbegründet.83

55Da «die Lehre der Handelsfreiheit selbst einen kaiserlichen Schüler» überzeugt zu haben schien, waren der Bundesrat und die Schweizer Exportindustrie gespannt, ob Frankreich seine Schutzzollpolitik definitiv ablegen und mit anderen Ländern, namentlich auch mit der Schweiz, in Handelsvertragsverhandlungen treten werde. Während der Import von französischen Produkten in die Schweiz Anfang der 1860er Jahre um die 140 Millionen Franken betrug, exportierte die Schweiz zur selben Zeit nur Waren im Wert von 60 Millionen Franken nach Frankreich. Der Grund für diese ungleiche Handelsbilanz lag darin, dass Frankreich den Import von Schweizer Produkten – mit Ausnahme von Uhren und Seidenbändern – entweder verboten oder mit hohen Zöllen belegt hatte.84

56Bei einem Handelsvertrag mit Frankreich standen somit sowohl die Aufhebung der Einfuhrverbote auf Schweizer Produkte als auch gewisse Zollermässigungen im Vordergrund. Selber hatte die Schweiz in bezug auf Differentialzölle wenig Spielraum, wie der Zürcher Baumwollfabrikant Johann Heinrich Fierz gegenüber Escher feststellte. Da der junge Bundesstaat zur Deckung seiner Finanzen auf Zolleinnahmen angewiesen war und alle Importprodukte – mit Ausnahme von Luxusgütern – seit der Neuregelung des Zollwesens bereits mit niedrigen Taxen belastet wurden, war es ihm nicht möglich, weiteren Ländern tiefere Einfuhrzölle auf gewisse Produkte anzubieten, wie er es noch 1851 gegenüber dem Königreich Sardinien- Piemont getan hatte.85

57Wie die Debatte über die Dappentalfrage wurde diejenige über einen allfälligen Handelsvertrag mit Frankreich im Frühjahr 1860 von den Ereignissen im Zusammenhang mit der Savoyer Frage überrollt. Der Misserfolg in dieser Angelegenheit gebot es, das Handelsvertragsprojekt zunächst auf Eis zu legen. Als Johann Konrad Kern, der Schweizer Gesandte in Paris, am 23. Februar 1861 vom Bundesrat den Auftrag erhielt, mit Frankreich in Handelsvertragsverhandlungen zu treten, war der schweizerische Widerstand gegen jeden Vertrag mit Frankreich immer noch erheblich. Kontraproduktiv waren dabei die Bestrebungen des französischen Aussenministers Edouard Thouvenel, die Savoyer Frage mit den Verhandlungen über einen Handelsvertrag in Verbindung zu bringen.86

58Innenpolitisch brachten die zunehmenden Handelsgeschäfte den Verwaltungsapparat des jungen Bundesstaates an die Grenzen. Im Frühjahr 1862 sah sich Kern gezwungen, Escher «zu bemühen, wenn ich überhaupt konfidentiell soll erfahren können, was ich im Intreße des Landes zu erfahren für durchaus nothwendig erachte», da die Kommunikation mit dem Bundesrat zu wünschen übriglasse. Der Grund dafür lag unter anderem in der personellen Unterbesetzung des Handels- und Zolldepartements: Es bestand – bis zur Errichtung des Handelssekretariats 1864 – nur aus dem Departementsvorsteher und dem sechsköpfigen Büro der Oberzolldirektion, das sich indes mit dem Zollwesen und den Entschädigungszahlungen an die Kantone zu befassen hatte.87

59Im Juli 1861 lud der Glarner Nationalrat Peter Jenny den Bundesrat dazu ein, die Organisation des Handels- und Zolldepartements zu überdenken. Escher, der diese Forderung unterstützte, sprach sich zugleich für die Errichtung eines ständigen schweizerischen Handelskollegiums aus, das, aus Fachleuten bestehend, dem Bundesrat als Konsultationsbehörde dienen und damit zu einer besseren Fühlung der Bundesbehörden mit den Kreisen des Handels, der Industrie und des Gewerbes beitragen sollte. Eschers Vorschlag wurde nicht umgesetzt. Im Frühjahr 1863, als die Handelsvertragsverhandlungen mit Frankreich in Paris eröffnet wurden, war der Bundesrat mangels eigener personeller Ressourcen gezwungen, die Experten für die Verhandlungen aus der Privatwirtschaft zu rekrutieren.88

60 Kern hätte es bereits 1861 gerne gesehen, wenn Escher zu den Teilnehmern an diesen Verhandlungen gehört hätte.89 Escher konnte sich dies jedoch nicht einrichten, und so brachen im Februar und März 1863 im Auftrag des Bundesrats 12 andere Vertreter der Privatwirtschaft nach Paris auf, um den Handelsvertragsverhandlungen beizuwohnen. Es waren dies Nationalrat Johann Heinrich Fierz ( ZH ), Carl Emil Viktor von Gonzenbach ( SG ) und Ständerat Johann Jakob Sutter ( AR ) für die Baumwollindustrie, Alphons Koechlin-Geigy ( BS ) für die Seidenindustrie, César Vacheron ( GE ), Joseph Jeannot ( NE ) und Charles Ami Lecoultre ( VD ) für die Uhrenindustrie, Friedrich Blösch ( BE ) für die Metall- und Eisenindustrie, Ständerat Johann Ulrich Lehmann (BE) und Nationalrat Anton Hunkeler ( LU ) für die Landwirtschaft sowie Nationalrat Jean-Jacques Challet-Venel ( GE ) und Karl Rudolf von Lentulus ( GE ) für die Angelegenheiten betreffend die Stadt Genf. Gemeinsam mit Kern aktiv an den Konferenzen teilnehmend, hatten diese Experten einen grossen Einfluss auf die Abfassung des Handelsvertrags.90

61Gemäss dem schweizerisch-französischen Handelsvertragsbündel, das die Bundesversammlung im September 1864 ratifizierte, konnten sich alle Franzosen in der gesamten Schweiz frei niederlassen. Dies war eine Neuheit. Bis anhin hatte Artikel 41 der Bundesverfassung allen Nichtchristen die freie Niederlassung in der Schweiz untersagt. Mit der Teilrevision der Bundesverfassung im Februar 1866 wurde die aus dem Handelsvertrag resultierende Benachteiligung der Schweizer Juden gegenüber den französischen Juden behoben: Ihnen wurde nun ebenfalls die freie Niederlassung in der gesamten Schweiz und die Gleichstellung vor dem Gesetz gewährt.91

62Mit dem Handelsvertrag eröffnete Frankreich der Schweizer Industrie einen Absatzmarkt mit 40 Millionen Einwohnern. Ende 1866 konstatierte der Bundesrat, dass «namentlich die Ausfuhr von seidenen, halbseidenen und baumwollenen Waaren aus der Schweiz nach Frankreich [...] in steigendem Verhältnisse zunimmt, – eine Errungenschaft, die den beiden wichtigsten Industriezweigen der Schweiz zu gut kömmt, deren Fabrikate früherhin in Frankreich entweder überhaupt verboten, oder aber mit hohen, der Prohibition nahe kommenden Zöllen belastet waren».92

63Während die Ausfuhr von Schweizer Weinen und Baumaterialien nach Frankreich unbedeutend blieb und die Uhrenindustrie in Frankreich mit Absatzproblemen kämpfte, nahm die Ausfuhr von gefärbter Seide, Seidengeweben, Baumwollgarnen, Stickereien, Käse sowie Gold-, Silber- und Juwelierarbeiten nach Frankreich in den 1860er Jahren zu. Selbst 1872, unmittelbar nach dem Deutsch-Französischen Krieg, war der durchschnittliche Wert des Schweizer Exports nach Frankreich gemäss dem Bericht des Statistischen Büros von 1876 «immer noch grösser als er in den Jahren vor dem Handelsvertrag gewesen ist».93

64Auch wenn die Schweiz – auf der Basis des schweizerisch-französischen Handelsvertrags – mit Italien erst 1868 und mit dem Deutschen Zoll- und Handelsverein erst 1869 einen Handelsvertrag abschloss, beschränkte sich die Zunahme des Handelsverkehrs, die gemäss dem Bundesrat 1866 «erheblich» war, nicht nur auf Frankreich. Vielmehr hatte die Schweiz mit Italien und dem Deutschen Zollverein, mit denen sie sich in Handelsvertragsverhandlungen befand, einen Modus vivendi gefunden. Als der schweizerisch-französische Handelsvertrag am 1. Juli 1865 in Kraft trat, galten die mit Frankreich vereinbarten Zollermässigungen in gegenseitiger Gültigkeit auch für die Schweiz und Italien beziehungsweise für die Schweiz und den Deutschen Zollverein. Die Schweizer Gesamtausfuhr für das Jahr 1866 betrug das Doppelte des Exports von 1865.94 Verschiedenen Beobachtungen zufolge waren diese Mehreinnahmen eine «Folge des mächtigen Impulses, welchen die Handelsverträge dem Verkehr geben».95

65 Claudia Aufdermauer

Die Gesandtschaften in Wien und Paris

66Mit der Ernennung Johann Jakob Tschudis zum provisorischen Geschäftsträger in Wien am 5. Oktober 1866 war neben Johann Konrad Kern ein weiterer enger Freund Alfred Eschers in eine ausländische Gesandtschaft berufen worden.96 Nachdem am 21. Juni 1866 sein Vorgänger, der langjährige Geschäftsträger Ludwig Eduard Steiger, überraschend im Amt verstorben war, hatte der Bundesrat die Stelle allerdings nur noch provisorisch besetzt.97 Diese Entscheidung stand in engem Zusammenhang mit dem österreichisch-preussischen Krieg 1866 und der Auflösung des Deutschen Bundes.98 Die damit einhergegangene neue politische Vormachtstellung Preussens in Europa veranlasste die Schweiz, die Gesandtschaft in Wien vorläufig in ihrer Bedeutung herabzustufen und statt dessen die Einrichtung einer ständigen Vertretung in Berlin in Erwägung zu ziehen.99 Tschudi hatte deshalb bereits im August 1866 ein Memorandum zuhanden des Bundesrates verfasst, in dem er die Gesandtschaftsfrage grundsätzlich erörterte, denn «mehrfach sind die schweizerischen Gesandtschaften geradezu für überflüssige, sogar als ganz unrepublikanische Institutionen erklärt und dafür die verschiedensten Gründe in das Feld geführt worden».100 Tschudi stand diesbezüglich auch mit Escher in Kontakt, von dem er sich in dieser unsicheren Zeit Unterstützung durch dessen einflussreiche Stellung in Bern erhoffte. Escher kannte die Inhalte des Memorandums und hielt Tschudi seit dessen Amtsantritt über die Schweizer Politik auf dem laufenden.101

67Die Schweiz hatte bis anhin nur drei permanente Gesandtschaften unterhalten und ihre Interessen im Ausland eher mittels Spezialmissionen vertreten, was ihrem Selbstverständnis einer unabhängigen Stellung innerhalb des europäischen Mächtegleichgewichts entsprochen hatte.102 Tschudi gab in seinem Memorandum zu bedenken, dass auch die Schweiz von der Umgestaltung der deutschen Staaten betroffen sei. Er hielt es nicht mehr für zeitgemäss, sich auf Verträge als alleinige Garanten für den Fortbestand einer unabhängigen Stellung zu verlassen. Eine derartige Garantie sei eine Illusion; es gelte vielmehr, sich diplomatisch zu rüsten und gezielt permanente Gesandtschaften einzurichten.103 Tschudi setzte ausführlich auseinander, dass durch eine kontinuierliche Kontaktpflege engere Beziehungen zu den Repräsen- tanten der verschiedenen Staaten ermöglicht würden. Dadurch würden die Strukturen und Strategien dieser Staaten und ihre Ziele besser verstehbar, was im Konfliktfall schneller zu einer Lösung führe. Anders als bei Spezialmissionen und konsularischen Aufträgen, bei denen oft nur ein punktuelles Verständnis der Sachlage bei den Beauftragten vorherrsche, könnten ständige Vertreter die Interessen der Schweiz kontinuierlich vorantreiben, seien umfassender informiert und hätten bessere Beobachtungsmöglichkeiten. Ausserdem stünden sie in regelmässigem Austausch mit der heimischen Regierung und könnten insgesamt effizienter intervenieren. Sie seien besser als Konsuln – die nicht selten noch einen zweiten Beruf ausübten – in der Lage, Handels- und Industrieabkommen abzuschliessen, aber auch die im Ausland lebenden Schweizer zu unterstützen. Tschudis Fazit lautete daher: «ununterbrochenes offenes oder geheimes Verhandeln allerorts» sei «ein unumgänglich nothwendiges Verfahren für das Wohl des Staates».104

68Konkret schlug Tschudi zwei Gesandtschaften in Deutschland vor: eine für die nördlichen Staaten und das Königreich Sachsen mit Sitz in Berlin, wobei das Generalkonsulat in Leipzig aufzulösen oder ebenso wie die nördlichen Hafenstädte durch einen Handelskonsul zu besetzen sei, die dem Berliner Gesandten unterstellt seien; die zweite mit Zuständigkeit für die süddeutschen Staaten könne, da Österreich seine europäische Machtposition trotz territorialer Einbussen nicht verloren habe, an die Gesandtschaft in Wien angegliedert werden. Denkbar wäre auch nur eine Zusammenlegung der Vertretung in Wien mit derjenigen für Bayern. Tschudi plädierte damit insbesondere für die Aufrechterhaltung der Wiener Gesandtschaft.105

69 Tschudi engagierte sich also für den Erhalt bestehender und die Einrichtung weiterer Gesandtschaften und setzte sich für eine Verbesserung ihres Images ein. Im Bewusstsein, dass Escher von der «Wichtigkeit des internationalen Verkehres durch Gesandte [...] ebenso durchdrungen » sei wie er, führte er darüber auch in der Presse in mehreren Artikeln eine öffentliche Diskussion106 – dies im Hinblick auf einen bevorstehenden Entscheid in der Bundesversammlung, aber auch in eigener Sache, wie er Escher anvertraute. In seinem Brief vom 8. November 1866 offenbarte er ihm seine persönlichen Befürchtungen bezüglich des Fortbestands der Wiener Gesandtschaft. Er glaube zwar nicht, dass die Gesandtschaftsstelle in Wien mit Bundesbeschluss aufgehoben werde, aber es sei wohl möglich, dass man ihn aus «Partheirüksicht » oder aus «collegialer Protection» nicht mehr im Amt bestätige und die Stelle dem bei den kommenden Wahlen voraussichtlich abtretenden Bundesrat Wilhelm Matthias Näff anbieten könnte. Dies empfände er als Kompromittierung seiner Verdienste und seiner Person, denn in Österreich würde niemand die Hintergründe einer solchen Entscheidung nachvollziehen können. Tschudi wollte die Geschäfte in Österreich gerne weiterführen, zumal er sich bereits als ausserordentlicher Gesandter für die Schweizer Kolonisten in Brasilien bewährt hatte. Zu Österreich verfügte er über weitreichende wissenschaftliche, politische und diplomatische Beziehungen und hatte zudem in Niederösterreich einen Landsitz, auf dem er seit seiner Rückkehr von seiner letzten südamerikanischen Forschungsreise lebte.107

70Zwar wurde Bundesrat Näff dann doch noch einmal gewählt und Tschudis Stelle durch ihn nicht weiter gefährdet.108 Als aber am 13. Dezember 1866 das Budget für die Gesandtschaften im Nationalrat zur Verhandlung kam, zeigte sich erneut, wie fragil die Situation war. Die Mehrheit der Budgetkommission beantragte nämlich die Reduktion der finanziellen Mittel für die Wiener Gesandtschaft. Dem entgegneten die Befürworter einer vorausblickenden Diplomatie im Sinne Tschudis mit handfesten Gegenargumenten. Insbesondere der Waadtländer Nationalrat Louis Ruchonnet plädierte im Namen der Kommissionsminderheit für die Ablehnung des Antrags, da er «den Anschein einer Kondescenz vor der aufgehenden Sonne des Nordens und der Abwendung vom sinkenden Oesterreich» habe und in der diplomatischen Welt auf Missfallen stossen könnte.109 Escher nahm diesen Faden auf und betonte, in diesem Antrag liege ein Präjudiz, weshalb es besser sei, den Kredit unangetastet und dem Bundesrat dadurch alle Optionen für seine weiteren Entscheidungen offenzulassen. Er plädierte in seinem abschliessenden Statement entschieden für den Erhalt des Status quo und unterstützte so das Anliegen seines Freundes Tschudi.110 Parlamentarier verschiedenster politischer Ausrichtung, so beispielsweise auch der katholisch-konservative Luzerner Nationalrat Philipp Anton von Segesser, schätzten Tschudi als Person: «Das Vorgehen [das Budget für die Wiener Gesandtschaft zu kürzen] wäre beleidigend für den gegenwärtigen Inhaber eines der ersten Lichter der Wissenschaft, der schon den Grad eines Ministers bekleidet habe.»111 Diese Argumente waren so überzeugend, dass der Antrag mit einer deutlichen Mehrheit abgelehnt wurde.

71Während Johann Jakob Tschudi die Auslandsvertretung der Schweiz in Wien also weiterführen konnte, bekleidete in Paris bereits seit 1857 Johann Konrad Kern, ein weiterer Freund Eschers, den Posten des ausserordentlichen Gesandten.112 Kern verkörperte gewissermassen das diplomatische Verständnis, wie es Tschudi 1866 in seinem erwähnten Memorandum über die Vorteile von permanenten Gesandtschaften ausformuliert hatte. Die diplomatischen Beziehungen mit Frankreich und die Schweizer Aussenpolitik im allgemeinen waren weitgehend vom Engagement Kerns und seiner Persönlichkeit geprägt. Er verfügte über persönliche Verbindungen zum französischen Hof und gestaltete seinen Wirkungskreis in Paris überwiegend selbst. Er pflegte beispielsweise den Kontakt zu Diplomaten anderer Staaten, und da sein Einflussbereich beachtlich war, nahm man den schweizerischen Bundesstaat im Ausland insgesamt besser wahr.113

72Auch Kern stand in brieflichem Kontakt zu Escher und suchte über ihn etwas über die Stimmungslage in der Bundesversammlung und im Bundesrat zu erfahren. In seinem Brief vom 19. Januar 1862 kommt hinsichtlich der damaligen politischen Krisensituation über weite Strecken beispielhaft sein Ringen um eine Verbesserung der Beziehungen zu Frankreich zum Ausdruck.114 In seinen Überlegungen und konkreten Handlungsvorschlägen spiegeln sich seine Vorstellungen von einer adäquaten diplomatischen Beziehung. Er klärte Escher über seine Beobachtungen und das Stimmungsbild in Frankreich auf und beschrieb mögliche Szenarien mit Vor- und Nachteilen, um mit Frankreich wieder ins Gespräch zu kommen und um neben den strittigen politischen Fragen auch die ins Stocken geratenen Verhandlungen für einen Handelsvertrag wieder aufnehmen zu können. Es ging ihm neben politischen Anliegen also nicht zuletzt um die wirtschaftlichen Interessen der Schweiz.115 In seiner Situationseinschätzung zeichnete er sich als Kenner Frankreichs und seiner Institutionen und Organe aus. Er wusste, auf welche Bedingungen Frankreich eingehen könnte und wie eine abwartende Haltung der Schweiz interpretiert würde. Er kam zum Schluss, dass ein Kompromiss durchaus erzielt werden könnte, wenn die Schweiz auf Frankreich zuginge und zunächst ein Signal des Verständigungswillens geben würde. Er empfahl daher, nicht in jener gefährlichen «exspectativen Haltung» zu verharren und lediglich darauf zu hoffen, dass es bei all den Provokationen an der Landesgrenze nicht doch einmal zu einem Krieg komme. Auf die europäischen Grossmächte könne man sich diesfalls nicht verlassen, was die vergeblichen Bemühungen um die Einberufung einer internationalen Konferenz in der Savoyer Frage ja bereits gezeigt habe.116 Deshalb plädierte er wiederholt für direkte Verhandlungen und hoffte, über eine Annäherung im Konflikt um das Dappental auch nachträglich eine Übereinkunft in bezug auf die Savoyer Frage erzielen zu können.

73 Kern beklagte vor allem die Kommunikationsschwierigkeiten mit dem Bundesrat und die dadurch verursachte Stagnation. Er zog in seinem Brief Escher ins Vertrauen und thematisierte auch die Frage, weshalb er sich nicht direkt an den zuständigen Bundesrat wenden könne. «Ich habe [...] so wenig vernehmen können», klagte er und das Bundespräsidium habe ihm auf seine direkten «konfidentiellen» Anfragen nicht immer geantwortet und ihm sogar Mitteilungen der französischen Regierung vorenthalten.117 «Ich habe schon seit mehr als drei Monaten auf das nachdrucksamste in den Bundesrath gedrungen, mir Instruktionen zu ertheilen, die mich ermächtigen, [...] Propositionen der franz. Regierung zu machen.»118 Dabei war Kern ein äusserst zuverlässiger Informant. Es lässt sich erkennen, dass sich die an Escher weitergegebenen Hinweise in sachlicher Hinsicht genau mit den Informationen an den Bundesrat decken.119 Manche Passagen stimmen sogar wörtlich überein. Demgegenüber kommt das persönliche Verhältnis von Kern und Escher vor allem in vertraulichen Bemerkungen Kerns und in seinen Beschwerden zum Ausdruck: «Das sage ich dir und nur dir als aufrichtiger Freund, dem ich auch alle Offenheit schuldig bin.»120

74Die von Kern beklagten Schwierigkeiten mit dem Bundesrat gingen vor allem auf den Antagonismus zwischen Liberalen und Radikalen zurück – dem Willen zu einer aktiveren Haltung im Interesse des Friedens und des wirtschaftlichen Fortkommens auf der einen und der militärischen Konfrontationsbereitschaft zur «Reputation des Vaterlandes» auf der anderen Seite. Kern galt auch in Paris als Vertreter der liberalen Zürcher Wirtschaftspolitik, was seine Nähe zu Escher zusätzlich assoziierte.121 Dies sorgte für Misstrauen in den radikalen Kreisen um Bundesrat Jakob Stämpfli, und so verwundert es nicht, dass die diplomatische Beziehung dadurch erheblich belastet war. Obwohl die Vertreter beider politischen Lager, Radikale wie Liberale, «im Interesse des Landes» zu handeln meinten, waren Kern und Escher klare Verfechter einer unbedingten Neutralitätspolitik der Schweiz, die auf Diplomatie setzte. Escher gab in seiner die Session abschliessenden Rede im Nationalrat am 31. Januar 1863 denn auch zu bedenken, dass durch die Erleichterungen, die durch die Bundesverfassung von 1848 für den Abschluss von Handelsverträgen geschaffen worden seien, das eigentliche Betätigungsfeld der Schweizer Aussenpolitik im Abschluss von Verträgen liege. «Auf diesem Gebiete kann und soll die Schweiz Eroberungen machen. Dieselben werden für unser Vaterland jeweilen wirkliche Eroberungen sein, während sie hinwieder von denen, welchen gegenüber sie erzielt worden, nicht als solche empfunden werden.»122

75 Katrin Rigort

Kommentareinträge

1 BV 1848, Art. 8.

2 Vgl. Altermatt, Diplomatie, S. 18–25, 46–63; Hauser, Wirtschaftsverbände, S. 28–33.

3 NZZ, 15. Februar 1861. – Bereits 1848/49, als Escher als National- und Regierungsrat des Kantons Zürich mit Flüchtlingsangelegenheiten im Zusammenhang mit den europäischen Revolutionen unter anderem mit den badischen Aufständen und dem Büsinger Handel konfrontiert wurde, hatte er sich für eine strikte Neutralität eingesetzt. Zu den Revolutionen 1848/49 und zur Aufnahme von Flüchtlingen im jungen Bundesstaat vgl. Flüchtlingswesen.

4 Aus den Verhandlungen der schweiz. Bundesversammlung, in: BBl 1863 I, S. 212. – Zu Eschers aussenpolitischer Position vgl. Jung, Aufbruch, S. 917–976; Jung, Vom Wehen des Zeitgeistes, S. 62–72.

5Zum Neuenburger Konflikt vgl. Bonjour, Neuenburger Konflikt; Meyer, Neuenburger Konflikt; Bonjour, Neutralität, S. 339–357; Jung, Aufbruch, S. 925–936. – Die Doppelstellung Neuenburgs hatte bereits 1848/49 zu Spannungen zwischen den beiden Ländern geführt: Als Neuenburg 1848 eine republikanische Verfassung annahm, versäumte es die Tagsatzung, beim preussischen König Friedrich Wilhelm IV. eine formelle Verzichtserklärung zu erwirken. Heikel war dies für die Eidgenossenschaft insbesondere 1849, als die preussische Armee in Süddeutschland den dritten badischen Aufstand niederschlug und ihr Einmarsch zur Wiederherstellung der royalistischen Verhältnisse in Neuenburg befürchtet wurde. Vgl. Flüchtlingswesen, Absatz 3; Flüchtlingswesen, Absatz 28.

6 Jonas Furrer an Alfred Escher, 23. Dezember 1856. Vgl. Prot. BR, 18. Dezember 1856; Prot. BR, 23. Dezember 1856; Jonas Furrer an Alfred Escher, 9. November 1856. – Theodore S. Fay, der Gesandte der Vereinigten Staaten von Amerika in Bern, und Heinrich Gelzer, ein Schweizer Professor in Preussen, hatten sich der Eidgenossenschaft als Vermittler in Berlin angeboten. Vgl. August von Gonzenbach an Alfred Escher, 3. Januar 1857; August von Gonzenbach an Alfred Escher, 22. Februar 1857; Prot. BR, 28. Dezember 1856; Bonjour, Amerikanischer Vermittlungsversuch; Bonjour, Gelzers Vermittlungstätigkeit, S. 9–13.

7 Jonas Furrer an Alfred Escher, 22. November 1856.

8 Vgl. Dominik Steinauer an Alfred Escher, 29. Dezember 1856; Alexander Schweizer an Alfred Escher, 29. Dezember 1856.

9 Johann Jakob Rüttimann an Alfred Escher, 26. Dezember 1856.

10 Kaspar Lebrecht Zwicky an Alfred Escher, 26. Dezember 1856.

11 Vgl. Prot. NR, 27. Dezember 1856.

12 Vgl. Jung, Aufbruch, S. 136–138; Jung, Vom Wehen des Zeitgeistes, S. 65.

13 NZZ, 2. Januar 1857. Vgl. Prot. NR, 30. Dezember 1856; Prot. SR, 30. Dezember 1856; Botschaft des Bundesrathes an die hohe Bundesversammlung in der Angelegenheit des Kantons Neuenburg (vom 26. Dezember 1856), in: BBl 1856 II, S. 761–762.

14 Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 22. Dezember 1856.

15 Samuel Frey an Alfred Escher, 4. Januar 1857. – Die Antwort Eschers auf diesen Brief ist nicht ermittelt. – Eine ähnliche Forderung stellte Samuel Frey in einem späteren Brief. Vgl. Samuel Frey an Alfred Escher, 18. April 1857.

16 Blumer, Erinnerungen, S. 28(b) – 28(c).

17 Vgl. Prot. BR, 31. Dezember 1856; Altermatt, Diplomatie, S. 23, 41–45.

18Zu Eschers Beziehung zu Johann Konrad Kern vgl. Jung, Aufbruch, S. 426, 472–473, 894–896. – Zu Eisenbahnangelegenheiten vgl. Johann Konrad Kern an Alfred Escher, 13. Februar 1857; Johann Konrad Kern an Alfred Escher, 18. Januar 1859. – Zu den hohen Lebenshaltungskosten in Paris vgl. Johann Konrad Kern an Alfred Escher, 21. Juli 1862. – Zu Kerns Beziehung zum französischen Kaiser vgl. Johann Konrad Kern an Alfred Escher, [Oktober 1872]; Schoop, Kern I, S. 393–395. – Zu Kerns Konflikt mit Joseph-Hyacinthe Barman vgl. August von Gonzenbach an Alfred Escher, 22. Februar 1857; Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, 19. Januar 1857.

19 August von Gonzenbach an Alfred Escher, 3. Januar 1857. Vgl. Augustin Keller an Alfred Escher, 28. Januar 1857.

20 Vgl. Prot. BR, 7. Januar 1857; Prot. BR, 8. Januar 1857.

21 Prot. BR, 12. Januar 1857. Vgl. Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 16. Januar 1857; Kern, Erinnerungen, S. 100–110, 129–135.

22 Vortrag des Herrn Dr. Escher, Präsidenten des schweizerischen Nationalrathes, als Berichterstatter der in der Neuenburgerfrage niedergesezten nationalräthlichen Kommission (Gehalten im Nationalrathe am 15. Januar 1857); in: BBl 1857 I, S. 49–55. Vgl. Prot. NR, 15. Januar 1857; Prot. SR, 16. Januar 1857; Prot. BR, 18. Januar 1857. – Der Bundesrat betonte die Bedeutung der von Kern erwähnten geheimen Zusicherungen in einem Briefwechsel mit Barman. Vgl. Brief Joseph-Hyacinthe Barman an BR, 20. Januar 1857 (BAR E2, 1000/44-445); Brief Constant Fornerod an Joseph-Hyacinthe Barman, 22. Januar 1857 (BAR E2, 1000/44-445).

23 Vgl. Prot. BR, 20. Dezember 1856; Prot. BR, 5. Januar 1857; Prot. BR, 14. Januar 1857. – Zur Schweizer Mobilmachung im Neuenburger Konflikt vgl. Beck, Neuenburger Konflikt, S. 27–74; Fricke, Krieg um Neuenburg, S. 96–115.

24 Vgl. Johann Jakob Rüttimann an Alfred Escher, 26. Dezember 1856; Militärdienstanerbieten 1856–1857 (BAR E2, 1000/44-458); Liebesgaben für dürftige Wehrmänner und deren Familien (BAR E2, 1000/44-459); Adressen, Petitionen und verschiedene Eingaben (BAR E2, 1000/44-451); Prot. BR, 22. Dezember 1856; Prot. BR, 5. Januar 1857; Prot. BR, 6. Januar 1857; Prot. BR, 9. Januar 1857; Prot. BR, 17. Januar 1857. – Als Liebesgaben werden aus Mildtätigkeit gegebene Spenden an Notleidende bezeichnet, die sowohl aus Naturalien als auch aus Geldern bestehen können. Vgl. Grimm, Deutsches Wörterbuch XII, Sp. 946; Duden online, Liebesgabe (18. Februar 2013).

25 Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, 13. Januar 1857. Vgl. Ziegler, Confidentielle Berichterstattung. – Zu Eschers Beziehung zu Friedrich Gustav Ehrhardt vgl. Jung, Aufbruch, S. 22, 240–242, 254–260.

26 Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, 11. Januar 1857.

27 Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, 21. Januar 1857. Vgl. Brief Constant Fornerod an Guillaume-Henri Dufour, 17. Januar 1857 (BAR E2, 1000/44-457); Prot. BR, 17. Januar 1857.

28 Vgl. Prot. BR, 2. Januar 1857; Prot. BR, 6. Januar 1857; Prot. BR, 9. Januar 1857.

29 Brief Guillaume-Henri Dufour an Constant Fornerod, 21. Januar 1857 (BAR E2, 1000/44-457). Vgl. Brief Guillaume-Henri Dufour an Constant Fornerod, 16. Januar 1857 (BAR E2, 1000/44-457).

30 Vgl. Brief Constant Fornerod an Guillaume-Henri Dufour, 23. Januar 1857 (BAR E2, 1000/44-457); Brief Guillaume-Henri Dufour an Constant Fornerod, 24. Januar 1857 (BAR E2, 1000/44-457); Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, 28. Januar 1857; Prot. BR, 26. Januar 1857.

31 Vgl. Traité Neuchâtel; Botschaft des schweiz. Bundesrathes an die hohe Bundesversammlung in der Angelegenheit des Kantons Neuenburg (vom 8. Juni 1857), in: BBl 1857 I, S. 641–679. – Eschers Freunde Ehrhardt, Kern und Johann Jakob Rüttimann hatten sich bereits mit der Zahlung der Entschädigungssumme arrangiert. Vgl. Alfred Escher an Johann Konrad Kern, 16. Februar 1857; Johann Jakob Rüttimann an Alfred Escher, 20. Mai 1857; Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, 23. Mai 1857; Johann Konrad Kern an Alfred Escher, 10. April 1857.

32 Vgl. Eisenbahnnetz der Schweiz 1860, in: Jung, Escher Briefe, Band 5, S. 353–354.

33Zur Savoyer Frage vgl. Monnier, Savoie; Stöckli, Savoyerhandel; Guichonnet, Savoie; Delaloye, Schweiz und Savoyen; Jung, Aufbruch, S. 938–949; Schneider, Bundesstaat, S. 546–615.

34 Brief Jakob Stämpfli an Abraham Louis Tourte, 11. März 1860, in: DDS I, S. 727 . Vgl. Prot. BR, 23. März 1860.

35 Jonas Furrer an Alfred Escher, 26. März 1860. Vgl. Prot. BR, 25. März 1860.

36 Vgl. Telegramm Jean-Jacques Challet-Venel an Jakob Stämpfli, 24. März 1860 (BAR E2, 1000/44-1630); Telegramm James Fazy an Friedrich Frey-Herosé, 24. März 1860 (BAR E2, 1000/44-1630); Telegramm Jean-Jacques Challet-Venel an Jakob Stämpfli, 25. März 1860 (BAR E2, 1000/44-1630).

37 Eingabe der Helvetia an BR, 25. März 1860. Vgl. Der Bund, 21. März 1860, 25. März 1860, 27. März 1860, 28. März 1860. – Aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über gesellschafts- und staatspolitische Fragen kam es 1832 zur Spaltung der Studentenverbindung Zofingia. Daraus erwuchs die Studentenverbindung Helvetia. Die im Unterschied zur liberalen Zofingia radikal-demokratische Helvetia entschied sich 1859 für das Motto «Vaterland, Freundschaft, Fortschritt». Vgl. Vaterland, Freundschaft, Fortschritt, S. 24–25; Jung, Aufbruch, S. 101–102.

38 Jonas Furrer an Alfred Escher, 26. März 1860.

39 Dubs, Tagebücher, 25. März 1860.

40 Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 25. März 1860. Vgl. Dubs, Tagebücher, 28. März 1860; Louis-Henri Delarageaz an Alfred Escher, 23. März 1860.

41 Prot. BR, 28. März 1860. Vgl. Anträge des Bundesrathes in der Savoyerfrage, in: BBl 1860 I, S. 489–490.

42 Vgl. Prot. NR, 29. März 1860; Escher, Notizen zur Savoyer Frage, s. d. (BAR J I.67-1.60). – Es handelt sich bei diesen Notizen um Eschers Notizen aus den Sitzungen der nationalrätlichen Kommission.

43 Vgl. Escher, Notizen zur Savoyer Frage, Protokoll (S. 22–23), s.d. (BAR J I.67-1.60); Dubs, Tagebücher, 2. Mai 1860; Prot. BR, 1. April 1860; Prot. BR, 2. April 1860; Blumer, Erinnerungen, S. 32(a). – Jakob Dubs sieht sich in seinem Tagebuch als Initiant. Als er am Morgen des 2. April 1860 Escher in seinen Plan habe einweihen wollen, sei dieser «noch im Neglige» gewesen. Später habe Escher, der nur Dubs zuliebe dem Plan zugestimmt habe, Dubs die Hand gedrückt, dass sie einander wieder gefunden, während «Thrän[en]» aus seinen Augen gestürzt seien. Dubs, Tagebücher, 2. Mai 1860.

44 Bericht der Kommission des Nationalrathes in der Savoyerfrage (vom 2. April 1860), in: BBl 1860 I, S. 550–551.

45 Dubs, Tagebücher, 2. Mai 1860. Vgl. Prot. NR, 3. April 1860; Prot. SR, 4. April 1860.

46 Vgl. NZZ, 5. April 1860, 7. April 1860, 11. April 1860.

47 Berner Zeitung, 11. April 1860.

48 Der Bund, 1. April 1860. Vgl. Der Bund, 10. April 1860.

49 Vgl. Notiz Friedrich Frey-Herosé, 7. April 1860 (BAR E2, 1000/44-1631); Prot. BR, 9. April 1860; Prot. BR, 20. April 1860.

50 Vgl. Prot. BR, 9. April 1860.

51 Vgl. Adressen aus Aarburg, Aigle, Altdorf (UR), Basel, Bern, Biel, Chur, Dietwil, Fribourg, Genf, Kerzers, Lausanne, Le Locle, Liestal, Luzern, Mendrisio, Neuchâtel, Sion, St. Gallen, St. Petersburg, Thun, Val-de-Travers, Winterthur, Zürich (BAR E2, 1000/44-1635). – Handwerksgesellen und Arbeiter gründeten 1838 in Genf den Grütliverein. Der Diskussionsverein mit dem Wahlspruch «Durch Bildung zur Freiheit» stand bereits früh mit der radikalen Studentenverbindung Helvetia in freundschaftlichem Kontakt; die Mitglieder der Vereine nahmen gegenseitig an Sitzungen teil. Vgl. Gruner, Arbeiter, S. 468–504; Mettier, Grütliverein Zürich, S. 7–8, 18; Naef, Grütliverein Aarau, S. 1–6; Künzle/Bänninger, Konsumverein Zürich, S. 12–19.

52 Vgl. Johann Jakob Huggenberg an Alfred Escher, 15. April 1860.

53Zu Eschers Beziehung zu Johann Jakob Sulzer vgl. Jung, Aufbruch, S. 501, 894.

54 Dubs unterteilte die Gruppierungen in «Friedenspartei» und «Kriegspartei». Vgl. Jakob Dubs an Alfred Escher, 22. Oktober 1861; Dubs, Tagebücher, 25. März 1860. – Auch Gottfried Keller schloss sich in der Savoyer Frage den Ansichten der Radikalen an. Vgl. Jung, Aufbruch, S. 946–947, 140–141; Bauer, Italienische Einigung, S. 175–181.

55 Vgl. NZZ, 16. April 1860, 18. April 1860, 19. April 1860, 21. April 1860, 22. April 1860; Dubs, Tagebücher, 6. Mai 1860; Jakob Dubs an Alfred Escher, 12. April 1860; Ermatinger, Dubs, S. 23; Zehender, Dubs, S. 42–43. – Louis-Henri Delarageaz liess Dubs‘ Artikel wie mit Escher verabredet im «Nouvelliste Vaudois» abdrucken. Vgl. Louis-Henri Delarageaz an Alfred Escher, 11. April 1860; Le Nouvelliste Vaudois, 18. April 1860, 20. April 1860, 23. April 1860, 25. April 1860, 27. April 1860.

56 Berner Zeitung, 2. April 1860. Vgl. Samuel Frey an Alfred Escher, 13. April 1860; Samuel Frey an Alfred Escher, 22. April 1860; Alfred Escher an Jonas Furrer, 17. April 1860, Fussnote 10.

57 Jakob Dubs an Alfred Escher, 12. April 1860.

58 Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 24. Juni 1860. Vgl. Prot. SR, 4. Juli 1860.

59 Blumer, Erinnerungen, S. 33(a). – Zu Bundesrat Jakob Stämpflis Verteidigung vgl. Brief Jakob Stämpfli an die «Neue Zürcher Zeitung», 19. Mai 1860 (BAR J I.26); Prot. BR, 14. Mai 1860.

60 Prot. BR, 20. Juli 1860. Vgl. Brief Johann Konrad Kern an Friedrich Frey-Herosé, 30. November 1860, in: DDS I, S. 804–807 . – Im Hinblick auf die Wahlen im Herbst 1860 war entscheidend, wer in der Savoyer Frage auf welcher Seite gestanden hatte. Vgl. Josef Leonhard Bernold an Alfred Escher, 15. Oktober 1860; Johann Baptist Weder an Alfred Escher, 16. Oktober 1860; Johann Heinrich Ammann an Alfred Escher, 1. November 1860; Alfred Escher an Johann Heinrich Fierz, 27. Mai 1860; Zur Schweizer Aussenpolitik und Aussenhandelspolitik der 1850er und 1860er Jahre, Absatz 43; Zur Schweizer Aussenpolitik und Aussenhandelspolitik der 1850er und 1860er Jahre, Fussnote 68.

61 Vgl. Tagblatt des Grossen Rats (BE), 20. März 1860 (S. 9–15); Der Bund, 22. März 1860; Prot. BR, 23. März 1860.

62Zum Wortlaut der Motion vgl. Tagblatt des Grossen Rats (BE), 20. März 1860 (S. 9).

63 August von Gonzenbach hatte sich bereits vor der Savoyer Krise mit der schweizerischen Neutralität unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse in Nordsavoyen, das heisst den bestehenden Verträgen, ihren Verbindlichkeiten und den Rechten, die daraus abgeleitet werden konnten, auseinandergesetzt und dazu eine Broschüre verfasst. In seiner Rede im Berner Grossen Rat am 20. März 1860 hatte er erneut auf die rechtlich problematische Situation hingewiesen. Vgl. Gonzenbach, Savoyen; Tagblatt des Grossen Rats (BE), 20. März 1860 (S. 11–13); Dreyer, Gonzenbach, S. 86–87, 124–132.

64Es handelte sich um die Wiener Kongressakte vom 8. Juni 1815 und die beiden Pariser Verträge vom 30. Mai 1814 und vom 20. November 1815. Der weitaus ältere Lausanner Vertrag wurde am 30. Oktober 1564 zwischen der Stadt Bern und dem Herzogtum Savoyen abgeschlossen. Vgl. HLS online, Lausanner Vertrag; August von Gonzenbach an Alfred Escher, 9. November 1863, Fussnote 4. – Zu Gonzenbachs Einschätzung dieser Verträge in Bezug auf die Savoyer Frage vgl. Gonzenbach, Savoyen; Tagblatt des Grossen Rats (BE), 20. März 1860 (S. 11–13); Der Bund, 27. März 1860; Dreyer, Gonzenbach, S. 86–87, 124–132.

65Die Redaktionskommission bestand neben August von Gonzenbach aus Escher und dem konservativen Walliser Alexis Allet. Vgl. Eidgenössische Zeitung, 3. Januar 1861.

66Der Wortlaut dieses Beschlussentwurfes zitierte Gonzenbach in einer mit «Erklärung» betitelten Stellungnahme in der «Eidgenössischen Zeitung». Vgl. Eidgenössische Zeitung, 3. Januar 1861.

67Zu den Zitaten in diesem Abschnitt vgl. Berner Zeitung, 4. Januar 1861. – Zu Gonzenbachs Reaktionen auf diese Vorwürfe vgl. Eidgenössische Zeitung, 3. Januar 1861, 4. Januar 1861, 11. Januar 1861.

68Schon bei den Nationalratswahlen vom Herbst 1860 und deren Nachwahlen am 6. Januar 1861 gelang es den Berner Radikalen, Gonzenbach so weit zu diskreditieren, dass er nicht mehr wiedergewählt wurde. Vgl. Eidgenössische Zeitung, 26. Oktober 1860, 3. Januar 1861, 4. Januar 1861, 11. Januar 1861; Berner Zeitung, 20. Oktober 1860, 6. November 1860, 7. November 1860, 8. November 1860, 4. Januar 1861; Der Bund, 3. November 1860, 5. November 1860; Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 6. Januar 1861, 7. Januar 1861, 9. Januar 1861, 24. Oktober 1863; Dreyer, Gonzenbach, S. 137–145; August von Gonzenbach an Alfred Escher, 5. November 1863.

69 Brief August von Gonzenbach an seinen Vater, 1. November 1850, zit. Dreyer, Gonzenbach, S. 85. – Escher war zu Beginn seiner politischen Laufbahn Zentralist gewesen, hatte sich dann aber im Hinblick auf die wirtschaftlichen Gegebenheiten der verschiedenen Regionen mehr und mehr zum Föderalisten entwickelt. Vgl. Jung, Aufbruch, S. 135, 388–389, 748.

70Im Herbst 1860 hatten die Berner Radikalen, unterstützt von den Konservativen, die Wahl des Nationalratspräsidenten dominiert und mit dem Konservativen Edouard Dapples insofern in ihrem Sinne entschieden, als sie damit die Wahl eines Zürchers verhindert hatten. Dieses Beispiel zeigt – wie die NZZ kommentierte –, «daß die konservative Partei den Ausschlag geben kann, wenn sich die äußersten Gegenfüßler mit ihr verbinden». NZZ, 6. Dezember 1860. Vgl. NZZ, 7. Dezember 1860; Dubs, Tagebücher, 4. Dezember 1860.

71 Johann Jakob Blumer, eine Stimme aus dem nächsten Umfeld Eschers, interpretierte beispielsweise das Vorgehen des Berner Grossen Rates als Rückfall in «das alte System der Institutionen», in welchem die Kantone noch vollkommen autonom Beschlüsse gefasst hätten. Die Motion Karrer sei in diesem Fall eine unqualifizierte Vorwegnahme der Beratungen der Bundesversammlung und allfälliger daraus resultierender Beschlüsse und müsse unterbunden werden. Die NZZ glaubte in ihrer Beurteilung der Motion Karrer hingegen nicht, dass der Berner Grosse Rat «Druck auf die Freithätigkeit der Landesbehörden auszuüben die Absicht» gehabt habe, und betonte vor allem die Wichtigkeit der einheitlichen schweizerischen Repräsentation nach aussen. Vgl. Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 25. März 1860; NZZ, 22. März 1860.

72 Tagblatt des Grossen Rats (BE), 31. Januar 1867 (S. 68).

73 August von Gonzenbach an Alfred Escher, 9. November 1863.

74 Vgl. Eisenbahnnetz der Schweiz 1860, in: Jung, Escher Briefe, Band 5, S. 353–354.

75 Vgl. Prot. NR, 9. Januar 1860, 17. Januar 1860, 27. Januar 1860. – Zur Dappentalangelegenheit vgl. Jung, Aufbruch, S. 949–955; Schneider, Bundesstaat, S. 615–623; Schoop, Kern II, S. 233–252.

76In Genf kam es zwischen Genfern und durchreisenden Bewohnern von Gex zu Pfiffen, Beschimpfungen und zum Streit um eine französische Fahne. Der Bundesrat entschuldigte sich umgehend bei Louis-Félix- Etienne de Turgot, dem französischen Gesandten in Bern, für die Vorkommnisse. Rund einen Monat später wurde in Sitten eine Fahne von einem Eisenbahnwaggon entfernt. Der Bundesrat entkräftete die Vorwürfe Turgots, dass es erneut zur Beschimpfung der französischen Fahne gekommen sei, mit dem Argument, dass es sich bei der Fahne in Sitten um eine italienische und nicht um eine französische Fahne gehandelt habe. Vgl. Verbalnote des Bundesrathes an den kais. französischen Botschafter, betreffend die am 31. August d. J. in Genf stattgefundenen Demonstrationen (vom 10. Oktober 1860), in: BBl 1860 III, S. 207–209; Note des kais. französischen Botschafters in der Schweiz an den Bundespräsidenten, betreffend die am 27. September 1860 im Bahnhofe zu Sitten stattgehabten Vorgänge, hinsichtlich der französischen Fahne (vom 9. Oktober 1860), in: BBl 1860 III, S. 223–224; Antwortnote des Bundesrathes an den kais. französischen Botschafter in der Schweiz, betreffend die im Bahnhofe zu Sitten stattgehabten Vorgänge (vom 7. November 1860), in: BBl 1860 III, S. 224–226.

77 Jakob Dubs an Alfred Escher, 31. Oktober 1861. Vgl. Noten, betreffend die Gebietsverlezung im Dappenthal (vom Oktober und November 1861), BBl 1861 III, S. 157–164.

78 Vgl. Jakob Dubs an Alfred Escher, 12. April 1862; Jakob Dubs an Alfred Escher, 8. Mai 1862.

79 Botschaft des Bundesrathes an die h. Bundesversammlung, betreffend den Vertrag mit Frankreich über das Dappenthal (vom 7. Januar 1863), in: BBl 1863 I, S. 62. Vgl. Vertrag zwischen der schweiz. Eidgenossenschaft und Frankreich, betreffend das Dappenthal (abgeschlossen den 8. Dezember 1862), in: BBl 1862 III, S. 551–554.

80 Aus den Verhandlungen der schweiz. Bundesversammlung, in: BBl 1863 I, S. 212.

81 Vgl. Handelsvertrag, abgeschlossen zwischen Frankreich und Großbritannien, zit. Aus den Verhandlungen des schweizerischen Bundesrathes, in: BBl 1860 I, S. 443–450. – Zum schweizerisch-französischen Handelsvertrag von 1864 vgl. Brand, Handelsvertrag; Schmidt, Handelspolitik, S. 36, 86–91; Frey, Handelspolitik, S. 472–475.

82 Vgl. Bericht des schweiz. Bundesrathes an die h. Bundesversammlung über seine Geschäftsführung im Jahr 1860, in: BBl 1861 I, S. 418–420.

83 Bericht des schweiz. Bundesrathes an die h. Bundesversammlung über seine Geschäftsführung im Jahr 1860, in: BBl 1861 I, S. 420. Vgl. Johann Jakob Schwarzenbach-Hüni an Alfred Escher, 28. Januar 1860. – Trotz des 1855 mit Grossbritannien und Irland abgeschlossenen Freundschafts-, Handels- und Niederlassungsvertrags blieb die Ausfuhr von Schweizer Seidenprodukten und Stickereien nach England bis 1860 mit hohen Zöllen belastet. Vgl. Bericht des schweiz. Bundesrathes an die h. Bundesversammlung über seine Geschäftsführung im Jahr 1858, in: BBl 1859 I, S. 474.

84 Bericht der Kommission des Nationalrathes über die Geschäftsführung des Bundesrathes und des Bundesgerichtes während des Jahres 1860, so wie über die Staatsrechnung von demselben Jahre (vom 17. Juni 1861), in: BBl 1861 II, S. 124. Vgl. Bericht der nationalräthlichen Kommission, betreffend die Verträge mit Frankreich (vom 26. August 1864), in: BBl 1864 II, S. 582.

85 Vgl. Johann Heinrich Fierz an Alfred Escher, 3. Dezember 1860; Handelsvertrag Sardinien; BV 1848, Art. 25; Institutionen, Strukturen, Prozesse, Absatz 17. – Differentialzölle sind Unterscheidungszölle, die ein Staat bisweilen aufstellt, indem er gewisse Waren aus gewissen Ländern zu geringeren Zöllen als den sonst geltenden zulässt. Vgl. Pierer's Universal-Lexikon V, S. 147; Herders Conversations-Lexikon II, S. 389.

86 Vgl. Johann Konrad Kern an Alfred Escher, 2. April 1861; Brief Johann Konrad Kern an BR, 26. März 1861, in: DDS I, S. 836–837 ; Prot. BR, 23. Februar 1861. – 1863 drohten die Verhandlungen über einen Handelsvertrag mit Frankreich abermals wegen der Savoyer Frage zu scheitern. Vgl. Jakob Dubs an Alfred Escher, 9. April 1863.

87 Vgl. Hand- und Adressbuch Bern, 1859, S. 9; Adresskalender Bern, 1861, S. 3; Adresskalender Bern, 1862, S. 3; Adresskalender Bern, 1866, S. 3.

88Escher liess die Idee eines schweizerischen Handelskollegiums nicht los. Sowohl im Sommer 1861, 1863, 1865 als auch im Winter 1876 – nach der Gründung des ersten wirtschaftlichen Dachverbands in der Form des Schweizerischen Handels- und Industrievereins 1869/70 – machte er im Nationalrat einen entsprechenden Vorstoss. Aufgrund verschiedener Bedenken (Schmälerung des Einflusses von Bundesrat, Bundesversammlung wie kantonaler Instanzen und bestehender Verbände) erteilte der Nationalrat dem Projekt 1877 eine erste und 1882 die definitive Absage. Vgl. Prot. NR, 2. Juli 1861, 31. Juli 1863, 16. Dezember 1876; NZZ, 4. Juli 1861, 24. Juni 1877; Bericht der Kommission des Nationalrathes über die Geschäftsführung des Bundesrathes und des Bundesgerichts während des Jahres 1864, so wie über die Staatsrechnung von demselben Jahre (vom 3. Juni 1865), in: BBl 1865 II, S. 764–765; Zimmermann, Wirtschaftspolitik, S. 64. – Zum 1869/70 gegründeten Schweizerischen Handels- und Industrieverein vgl. Hulftegger, Handels- und Industrieverein, S. 4–23, 43; Wehrli, Handels- und Industrieverein, S. 9–29. – Zum 1879/80 gegründeten Schweizerischen Gewerbeverein vgl. Tschumi, Gewerbeverband, S. 24–45; Tschanz, Gewerbeverband, S. 5–15. – Zum 1880/81 gegründeten Schweizerischen Gewerkschaftsbund vgl. Heeb, Gewerkschaftsbund, S. 51–56. – Zum 1897 gegründeten Schweizerischen Bauernverband vgl. Baumann, Bauernstand und Bürgerblock, S. 75–81.

89 Vgl. Johann Konrad Kern an Alfred Escher, 2. April 1861. – Kern freute sich über Eschers Besuch im Frühjahr 1857. Johann Konrad Kern an Alfred Escher, 10. April 1857.

90An der Konferenz, die zur Besprechung des Handelsvertrags mit Frankreich im Januar 1863 in Bern stattfand, waren die Namen einzelner Kandidaten gefallen. Der Bundesrat wählte die Experten gemäss den Vorschlägen, die er von Exponenten des Handels und der Industrie erhalten hatte. Vgl. Bericht des schweiz. Bundesrathes an die h. Bundesversammlung über seine Geschäftsführung im Jahr 1863, in: BBl 1864 I, S. 485. – Der Einfluss der Wirtschaftsvertreter, der sogenannten «Bundesbarone», auf die Schweizerische Aussenpolitik und Aussenhandelspolitik im 19. Jahrhundert untersucht Claudia Aufdermauer in ihrer Dissertation, die sie an der Universität Freiburg i. Üe. unter der Leitung von Professor Joseph Jung schreibt.

91 Vgl. Verträge und Uebereinkünfte zwischen der Schweiz und Frankreich (abgeschlossen in Paris am 30. Juni 1864), in: BBl 1864 II, S. 343–434; Prot. NR, 24. September 1864; Prot. SR, 28. September 1864. – Die Diskriminierung der Juden und anderer Nichtchristen im Niederlassungsrecht war von den Vereinigten Staaten, Frankreich, Persien und den Niederlanden wiederholt kritisiert worden. Erst die Revision der Bundesverfassung von 1874 gewährte den Schweizer Nichtchristen auch die Glaubens-, Gewissens- und Kultusfreiheit. Vgl. Schreiber, Jüdisches Leben, 11–13, 36–38; Heinrichs, Helvetik, S. 198–214; Guggenheim-Grünberg, Juifs en Suisse, 28–35; BV 1848, Art. 41; Art. 48; Rappard, Bundesverfassung, S. 308– 315.

92 Bericht des schweiz. Bundesrathes an die h. Bundesversammlung über seine Geschäftsführung im Jahr 1866, in: BBl 1867 I, S. 492. Vgl. Bericht der nationalräthlichen Kommission, betreffend die Verträge mit Frankreich (vom 26. August 1864), in: BBl 1864 II, S. 581.

93 Statistisches Büro, Handel Frankreich, S. XXIII.

94 Bericht des schweiz. Bundesrathes an die h. Bundesversammlung über seine Geschäftsführung im Jahr 1866, in: BBl 1867 I, S. 492. Vgl. Bericht des schweiz. Bundesrathes an die h. Bundesversammlung über seine Geschäftsführung im Jahr 1865, in: BBl 1866 I, S. 581. – Zu den Verträgen mit Italien vgl. Botschaft des Bundesrathes an die h. Bundesversammlung, betreffend die zwischen der schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Königreich Italien am 22. Juli laufenden Jahres abgeschlossenen Verträge (vom 9. Oktober 1868), in: BBl 1868 III, S. 416–487; Heckner, Pioda S. 68–93. – Zu den Verträgen mit dem Deutschen Zollverein vgl. Botschaft des Bundesrathes an die h. Bundesversammlung betreffend den Handels- und Zollvertrag mit dem deutschen Zoll- und Handelsverein (vom 11. Juni 1869), in: BBl 1869 II, S. 307–371; Napolski, Handelsvertrag; Widmer, Schweizer Gesandtschaft, S. 62–72.

95 Bericht der Kommission des Ständerathes über die Geschäftsführung des Bundesrathes und des Bundesgerichtes vom Jahr 1865, sowie über die Staatsrechnung vom gleichen Jahre (vom 16. Juni 1866), in: BBl 1866 II, S. 124.

96 Vgl. Prot. BR, 8. Oktober 1866. – Escher und Johann Jakob Tschudi waren seit ihrer Gymnasialzeit befreundet. Als Jugendliche hatte sie ein naturwissenschaftliches Interesse verbunden. Vgl. Schazmann, Tschudi, S. 18; Jung, Aufbruch, S. 85–90; Jung/Fischer, Escher Briefe, Band 2.

97Der St. Galler Arnold Otto Aepli hatte die Geschäfte nach Steigers Tod bis 30. September 1866 ad interim geführt. Vgl. Prot. BR, 24. September 1866; Prot. BR, 8. Oktober 1866; Prot. BR, 24. Oktober 1866; Schreiben Carl Brunner von Wattenwyl an BR, 21. Juni 1866 (BAR E2, 1000/44-573); Schreiben Arnold Otto Aepli an BR, 8. September 1866, in: DDS II, S. 63–65 ; Schreiben Alexander von Mensdorff an BR, 15. Oktober 1866 (BAR E2, 1000/44-573); Hiller, Aepli, S. 187–192; Hiller, Erfindung, S. 38–39.

98Zum österreichisch-preussischen Krieg vgl. Groote/Gersdorff, Krieg Österreich Preussen; Groote, Königsgrätz, S. 129; Zimmer, Königgrätz; Becker, Einigungskriege, S. 135–158.

99Zur Geschichte der Schweizer Gesandtschaft in Berlin vgl. Widmer, Schweizer Gesandtschaft.

100 Tschudi, in: Der Bund, 12. November 1866. – Tschudi hatte sein Memorandum an Jakob Dubs zuhanden des Bundesrats übermittelt. Vgl. Tschudi, Auslandsvertretungen; Schazmann, Tschudi, S. 170–171.

101Neben aussenpolitischen Themen unterrichtete er ihn etwa über die Revision der Bundesverfassung und die Anschaffung von Hinderladungsgewehren. Johann Jakob Tschudi an Alfred Escher, 8. November 1866, Fussnote 5.

102Zu den Gesandtschaften in Paris und Wien war 1860 eine in Turin hinzugekommen. Vgl. Altermatt, Diplomatie, S. 46–52. – Zur Entwicklung der Schweizer Aussenvertretungen vgl. Altermatt, Diplomatie, S. 23–79.

103 Tschudi spielte unter anderem auf die unentschiedene Haltung der europäischen Grossmächte in der Savoyer Frage an. Zur Schweizer Aussenpolitik und Aussenhandelspolitik der 1850er und 1860er Jahre, Absatz 31; Zur Schweizer Aussenpolitik und Aussenhandelspolitik der 1850er und 1860er Jahre, Absatz 72.

104 Tschudi, Auslandsvertretungen.

105 Vgl. Tschudi, Auslandsvertretungen.

106Zu den Presseartikeln vgl. Der Bund, 12. November 1866, 13. November 1866; NZZ, 16. Dezember 1866, 17. Dezember 1866.

107 Tschudi war 1838–1842 und 1857/58 auf Forschungsreisen in Südamerika. 1860 war er als ausserordentlicher Gesandter für die Schweizer Kolonisten in Brasilien tätig gewesen. Vgl. Schazmann, Tschudi, S. 26–74, 108–132, 132–160; ADB XXXVIII, S. 749–752; Zuberbühler, Tschudi, S. 177–186; Jung, Aufbruch, S. 86–90, 270. – Zu Tschudis Werken vgl. Werkverzeichnis, in: Anders, Tschudi, S. 18–19. – Zu Tschudis Mission nach Brasilien vgl. BAR E2, 1000/44-2102–2105.

108 Näff blieb aufgrund einer Verzichtserklärung des Glarners Joachim Heer Bundesrat. Vgl. Altermatt, Bundesräte, S. 141. – Zu Näffs Wahl 1860 vgl. Johann Baptist Weder an Alfred Escher, 16. Oktober 1860; Hiller, Aepli, S. 194.

109 NZZ, 16. Dezember 1866.

110 Vgl. NZZ, 17. Dezember 1866. – Tschudis Provisorium ging allerdings erst 1868 mit seiner Ernennung zum ausserordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister der Schweiz in Wien in eine definitive Anstellung über. Vgl. Prot. BR, 5. August 1868.

111 NZZ, 17. Dezember 1866; Schazmann, Tschudi, S. 170–175.

112Der Bundesrat ernannte Johann Konrad Kern zum ausserordentlichen Gesandten, während Joseph Hyazinthe Barman bevollmächtigter Minister des Bundesrats in Paris war. Seit Juli 1857 war Kern als Nachfolger Barmans ordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister der Schweiz in Paris. Vgl. Altermatt, Diplomatie, S. 43–46; HBLS I, S. 571; ADB LI, S. 114–122. – Zu den Aufgaben und der Bedeutung des Schweizer Gesandten in Paris Johann Konrad Kern vgl. Schoop, Kern, S. 392. – Zu Kerns autobiographischen politischen Aufzeichnungen von 1833 bis 1883 vgl. Kern, Erinnerungen, S. 100. – Zu Kerns Wirken in der Schweiz vgl. Schlatter, Kern.

113 Vgl. Schoop, Kern, S. 32–33, 50–71, 121–132, 140–150; Altermatt, Diplomatie, S. 43–47.

114 Vgl. Johann Konrad Kern an Alfred Escher, 2. April 1861; Johann Konrad Kern an Alfred Escher, 21. Juli 1862; Jung, Aufbruch, S. 938–955.

115Er hatte bereits früher «privatim das terrain sondirt und so weit möglich zu günstiger Aufnahme vorbereitet», um Verhandlungen für einen Handelsvertrag anzubahnen. Vgl. Johann Konrad Kern an Alfred Escher, 2. April 1861.

116 Vgl. Jonas Furrer an Alfred Escher, 8. April 1860; Guichonnet, Savoie, S. 236–251; Schoop, Kern, S. 233–252; Jung, Aufbruch, S. 944–948.

117 Johann Konrad Kern an Alfred Escher, [19. Januar 1862].

118 Johann Konrad Kern an Alfred Escher, 2. April 1861.

119 Vgl. Johann Konrad Kern an Alfred Escher, 2. April 1861 mit Schreiben Johann Konrad Kern an BR, 26. März 1861, in: DDS I, S. 836–837 ; Schreiben Johann Konrad Kern an BR, 2. April 1861, in: DDS I, S. 839–842 .

120 Johann Konrad Kern an Alfred Escher, 21. Juli 1862.

121 Vgl. Schoop, Kern, S. 140–154; Jung, Aufbruch, S. 472–479.

122Eschers Rede im Nationalrat vom 31. Januar 1863, zit. Aus den Verhandlungen der schweiz. Bundesversammlung (vom 31. Januar 1863), in: BBl 1863 I, S. 211–215.

Kontexte