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AES B8457 | AES NZZ 1872.01.31 (Abschrift)

Alfred Escher an Generalversammlung Nordostbahn, Zürich, Donnerstag, 7. Dezember 1871

Schlagwörter: Demissionen, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Schweizerische Nordostbahn (NOB)

Briefe

An die verehrliche Generalversammlung der Schweizerischen Nordostbahngesellschaft.

Herr Vizepräsident!
Meine Herren!

Anmit erlaube ich mir, das Gesuch um Entlassung von den Stellen eines Präsidenten und eines Mitgliedes der Direktion der Nordostbahn an Sie zu richten.

Die Veranlassung zu meinem Gesuche ist Ihnen bekannt. Ich bin zum Präsidenten der Direktion der Gotthardbahn berufen worden. Bei dem Antheile, den ich an der Begründung der Unternehmung dieser Bahn genomen, glaube ich es als meine Schuldigkeit betrachten zu sollen, nun auch bei der Ausführung derselben thätig zu bleiben. Wie lieb mir auch mein biesheriger Wirkungskreis in der Nordostbahngesellschaft geworden ist, in welchem die Generalversammlung meinen Bestrebungen fortwährend und ausnahmslos die vollste Unterstützung zu Theil werden ließ und in dem es mir vergönnt war, an der Seite von Kollegen zu arbeiten, mit welchen ich Zeitlebens in Hochachtung und Freundschaft verbunden bleiben werde, so kann ich mich doch hinwieder der Ueberzeugung nicht entziehen, daß, wenn ich überhaupt Dienste zu leisten im Falle bin, dieselben in der neuen Stellung, zu der ich berufen worden, für die Schweiz von größerer Bedeutung sein dürften, als ihnen in meinem bisherigen Wirkungskreise beizumessen währe. Wenn ich Sie also um Entlassung von den Stellen bitte, welche Sie mir zu übertragen die Gewogenheit hatten, so geschieht es in dem Gefühle, und zwar einzig in dem Gefühle, daß ich damit eine Pflicht gegenüber meinem Vaterlande zu erfüllen habe.

Indem ich noch meinen warmen Wünschen für das weitere Gedeihen der Nordostbahn Ausdruck gebe und zugleich die zuversichtliche Hoffnung ausspreche, daß sie fort und fort nicht bloß der Gesellschaft in deren Eigenthum sie sich befindet, zum Nutzen, sondern auch unserm Lande zum Frommen und zur Ehre gereichen werde, versichere ich Sie meiner Hochachtung.

Zürich, den 7. Dezember 1871

(sig.) Dr. A. Escher

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