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AES B8433 | StATI Risorgimento italiano (Scatola 4)

Alfred Escher und Josef Munzinger an Staatsrat Tessin, Lugano, Montag, 16. Oktober 1848

Schlagwörter: Eidgenössische Kommissäre TI, Flüchtlinge (Italien), Flüchtlingskonflikte (Tessin), Regierungsrat TI

Briefe

Die Eidgenössischen Repräsentanten im Canton Tessin
an
den Tit. Staatsrath dieses h. Standes.

Herr Präsident, Hochgeachtete Herren!

Auf Ihre verehrl. Zuschrift vom 13ten betreffend den Aufenthalt der sogenannten Militärflüchtlinge im Canton Tessin sind wir im Falle, Ihnen nachfolgende Erwiederung zukommen zu lassen.

Vor allem glauben wir aus der ganzen Haltung Ihrer Zuschrift sowie aus Ihrer Mittheilung, «daß Sie noch in der Nacht vom 13ten auf den 14ten die Zollgardisten, die der hiesigen Messe wegen nach Lugano gezogen worden waren, wieder auf den Posten von Gandria zurückgeschickt haben, damit sie alles, was auf diesem Theile der Grenze geschehen könnte, überwachen», schließen zu sollen, daß auch Sie wie wir Veranlaßung hatten anzunehmen, daß die im Ctn. Tessin sich aufhaltenden Italienischen Flüchtlinge wirklich mit dem Plane umgingen, einen Einfall in die Lombardei zu machen.

Was nun vorerst die Entfernung der sogenannten Militärflüchtlinge aus dem hiesigen Cantone betrifft, so bemerken Sie uns, daß Sie unausgesetzt darauf hinwirken, dieselbe zu bewerkstelligen & Sie geben uns von einem neu| en dahin zielenden Auftrage, den Sie dem Commissär von Lugano ertheilt, Kenntniß. Wir können nicht umhin, aus Ihren dießfälligen Erlassen vom 15ten & 28sten Sept. & vom 13ten October hervorzuheben, daß Sie, was die mit dem Verweilen dieser Art von Flüchtlingen im Canton Tessin verbundenen Übelstände anlangt, die Ansicht aussprechen, «es könnten aus dem Aufenthalte der Flüchtlinge mit Beziehung auf die internationalen Verhältnisse Nachtheile für das Gemeinwesen entstehen» & «es stelle sich die Zweckmäßigkeit & Dringlichkeit einer fortgesetzten Verminderung jener Flüchtlinge mit Rücksicht auf die für ihre Verpflegung zu bringenden Opfer & die bevorstehende ihre Entfernung erschwerende Jahreszeit immer mehr heraus», & daß Sie ferner, was den Erfolg der von Ihnen zum Zwecke der Entfernung dieser Flüchtlinge ergriffenen Maaßregeln anlangt, noch in Ihrem neusten Erlasse bemerken, «es entspreche die Statt gehabte Verminderung der Absichten, welche Sie bei Ihren Erlassen vom 15ten & 28sten Sept. geleitet, nicht.» Indem wir mit diesen von Ihnen ausgesprochenen Ansichten einig gehen, wollen wir gewärtigen, ob Sie sich nicht vielleicht veranlaßt sehen, wirksamere Maaßregeln zur Anstrebung des Zweckes, den Sie sich vorgesetzt, zu ergreifen.

Wenn wir sodann das bestimmte Begehren an Sie gestellt, jedenfalls die diesseits des Monte Cenere befindlichen Militärflüchtlinge sofort dazu anzuhalten, sich auf die andere Seite | dieses Berges zu begeben, so erklären Sie sich rückantwortlich bereit, demselben zu entsprechen, bemerken jedoch, daß die Vorbereitungen zu ihrer Aufnahme jenseits des Berges einige Tage erfordern dürften. Indem wir von Ihrer Erklärung Vormerkung nehmen, glauben wir uns der Erwartung hingeben zu dürfen, daß, da, seit wir unser Begehren gestellt, einige Tage verstrichen sind, die Verlegung der Flüchtlinge über den Monte Cenere nun unverzüglich Ihrer Zusicherung gemäß bewerkstelligt werde, & ersuchen wir Sie, uns hierüber beförderlich Bericht zu erstatten.

Genehmigen Sie die Versicherung unserer vollkommenen Hochachtung.

Die Eidgenössischen Repräsentanten
im Canton Tessin:
J. Munzinger
Dr A Escher

Lugano
16 October 1848.

Kontexte

  • Staatsratspräsident des Kantons Tessin