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AES B8431 | StATI Risorgimento italiano (Scatola 4)

Alfred Escher und Josef Munzinger an Staatsrat Tessin, Lugano, Samstag, 14. Oktober 1848

Schlagwörter: Eidgenössische Kommissäre TI, Flüchtlinge (Italien), Flüchtlingskonflikte (Tessin), Landesverteidigung und Militär, Neutralität, Regierungsrat TI, Tagsatzung

Briefe

Die Eidgenössischen Repräsentanten im Canton Tessin
an
den Tit. Staatsrath dieses h. Standes.

Herr Präsident,
Hochgeachtete Herren!

Mit verehrl. Zuschrift vom 11ten beschweren Sie sich über einen von Herrn Brigadecommandanten Oberst Ritter unterm 3ten erlassenen Brigadebefehl, durch welchen den Fremden das Tragen von Waffen auf Tessinischem Gebiete untersagt wird.

Indem wir die Bemerkung vorausschicken, daß dieser Befehl sich natürlich nicht auf alle & jede Fremde, sondern bloß auf die fremden Flüchtlinge bezieht & von Herrn Oberst Ritter gewiß auch nur in diesem Sinne verstanden worden ist, halten wir übrigens dafür, daß der Commandant der Eidgenössischen Truppen durchaus befugt war, eine derartige Verfügung zu erlassen. Es hat die h. Tagsatzung uns als Eidgenössische Repräsentanten in den Canton Tessin zur Wahrung der Schweizerischen Interessen abgeordnet. Wir müssen nun als eines dieser Interessen die Aufrechthaltung der Schweizerischen Neutralität betrachten & es bedarf wohl keiner weitern Ausführung, daß von diesem Gesichtspuncte aus vor allem auch die Verhältnisse der Flüchtlinge ins Auge zu fassen sind. Darum haben wir den Comkomandanten der im hiesigen Cantone befindlichen | Eidgenössischen Truppen mit der Überwachung der sich hier aufhaltenden Flüchtlinge beauftragt. Wenn nun derselbe in Vollziehung dieses Auftrages sich veranlaßt sah, den Flüchtlingen das Tragen von Waffen zu untersagen, so können wir diese Verfügung nur für angemessen halten: denn es liegt auf flacher Hand, daß, wenn Italienische Flüchtlinge in dem hiesigen Cantone, also möglicher Weise unmittelbar an der Lombardischen Grenze Waffen tragen, die Schweizerische Neutralität dadurch gefährdet werden kann.

Wir sehen uns daher nicht veranlaßt, gegen die von Herrn Oberst Ritter erlassene Verfügung einzuschreiten.

Dagegen werden wir nicht ermangeln, Ihnen den Verfügungen des Commandanten der hier stehenden Eidgenössischen Truppen, die für Sie von Interesse sein könnten, in der Meinung Mittheilung zu machen, daß solchen Mittheilungen lediglich die Bedeutung einer einfachen Kenntnißgabe beizumessen ist.

Genehmigen Sie die Versicherung unserer vollkommenen Hochachtung.

Die Eidgenössischen Repräsentanten
im Canton Tessin:
J. Munzinger
Dr A Escher

Lugano.
14 October 1848.

Kontexte