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AES B8421 | StATI Risorgimento italiano (Scatola 4)

Alfred Escher und Josef Munzinger an Staatsrat Tessin, Lugano, Mittwoch, 4. Oktober 1848

Schlagwörter: Eidgenössische Kommissäre TI, Flüchtlinge (Italien), Flüchtlingskonflikte (Tessin), Konflikte mit Drittstaaten, Regierungsrat TI

Briefe

Die eidgenössischen Repräsentanten im Canton Tessin
an
den Tit. Staatsrath dieses h. Standes.

Herr Präsident,
Hochgeachtete Herren!

Im Besitze Ihrer verehrlichen Zuschrift vom 1ten verdanken wir Ihnen die in denselben enthaltenen Mittheilungen, glauben uns aber nicht zu irren, wenn wir annehmen, daß auch Sie mehrere derselben nur als vorläufige betrachten.

So müssen wir denn, um den uns obliegenden Pflichten ein Genüge leisten zu können, vor allem jeweilen bestimmt wissen, wie viele Italienische Flüchtlinge sich im Canton Tessin aufhalten & wo sie sich befinden. Zu diesem Ende hin ersuchen wir Sie, uns mit möglichster Beförderung genau anzugeben, wie viele Italienische Flüchtlinge, die unterstützt werden, & wie viele solche, bei denen dieß nicht der Fall ist, | sich in jeder Gemeinde des Cantons Tessin aufhalten, und uns von 3 zu 3 Tagen um von allfälligen Veränderungen, die in den dießfälligen Verhältnissen eingetreten sein möchten, Kenntniß geben zu wollen. Über den Bestand der in den Klöstern untergebrachten unterstützten Flüchtlinge wünschten wir täglich Nachricht zu erhalten & glauben diesen Wunsch um so unbedenklicher äußern zu können, als die Erfüllung desselben bei dem Aufenthaltsort dieser Art von Flüchtlingen & bei der Controlle, unter der sie ohnehin stehen, kaum mit Schwierigkeiten verbunden sein dürfte. Wir verbergen uns im allgemeinen nicht, daß Sie, um uns die gewünschten Aufschlüsse geben zu können, außerordentliche Maaßregeln zu ergreifen veranlaßt werden möchten, halten indeß dafür, daß diese in den außerordentlichen Verhältnissen ihre vollkommene Rechtfertigung finden & überdieß auch die Überwachung der Flüchtlinge, die Sie nach Ihrem verehrlichen Schreiben den Districtscommissarien zur Pflicht gemacht haben, wesentlich erleichtern werden.

Sodann setzen wir Werth darauf, baldmöglichst noch bestimmte Angaben über die Zahl der aus der Lombardei weggewiesenen Tessi| ner zu erhalten, sowie fortwährend davon in Kenntniß gesetzt zu werden, wenn auch jetzt noch Tessiner, die in Folge der Radetzky'schen Maaßregeln die Lombardei zu verlassen gezwungen worden, in dem Canton Tessin anlangen sollten.

Genehmigen Sie, Herr Präsident, hochgeachtete Herren, die Versicherung unserer vollkommenen Hochachtung.

Die Eidgenössischen Repräsentanten
im Canton Tessin:
J. Munzinger
Dr A Escher

Lugano.
4 October 1848.

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