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Korrespondenz: Alfred Escher – Gottfried Keller

AES B8379 | ZBZ Ms GK 8.15

In: Jung, Aufbruch, S. 140–141 (auszugsweise)

Alfred Escher an Gottfried Keller, Zürich, Samstag, 22. März 1851

Schlagwörter: Erziehungsrat ZH, Finanzielle Unterstützungen, Regierungsrat ZH

Hochverehrter Herr!

In Ihrer verehrl. Zuschrift vom 28ten Febr. wünschen Sie, daß ich Ihnen meine Ansicht darüber mittheile, ob bei den Behörden Geneigtheit vorhanden sein dürfte, Ihnen einen weitern Beitrag an die Kosten Ihrer Fortbildung zu verabreichen. Erwünschter als mein Gutachten über diese Frage wird Ihnen wohl die Anzeige sein, daß der Erziehungsrath gestern meinen Antrag, Ihnen einen weitern Beitrag von Frkn. 500 zukommen zu lassen, angenommen hat. Es steht also dieser Betrag nun zu Ihrer Verfügung & ich gewärtige lediglich Ihre Anzeige, wie Sie die Summe zu beziehen wünschen.

Der Erziehungsrath hat sich ganz auf den Standpunct gestellt, den Sie in Ihrem Schreiben angedeutet, auf den Standpunct nämlich, daß bei der Eigenthümlichkeit Ihrer Lage & bei Ihrem vorgerücktern Alter es Ihnen überlassen werde, Ihre Fortbildung da zu suchen, wo Sie dieselbe am besten finden zu können glauben. Der Erziehungsrath stellt es also mit dem vollsten Zutrauen Ihnen anheim, ob Sie in Dresden oder in München oder anderswo Ihrer Weiterbildung obliegen wollen.

Freuen wird es mich, wenn Sie mir bald, wie Sie| es in Aussicht stellen, einige Ihrer litterarischen Produkte übersenden wollen. Ich werde dann nicht ermangeln, dieselben auch dem Regierungsrathe & dem Erziehungsrathe zur Einsicht aufzulegen. Sehr würde es mich freuen, bald einmal zu hören, daß ein Stück von Ihnen über eine bedeutende Bühne in Deutschland gegangen & daß der Dichter des Stückes, mein ehemaliger Waffengefährte – in der Zürcherschen Staatscanzlei, einen Lorbeerkranz davon getragen habe!

Herrn Regierungsrath Bollier habe ich Ihre Aufträge ausgerichtet. Er grüßt Sie bestens.

Kann ich Ihnen fürder in irgend welcher Richtung nützlich sein, so wollen Sie sich ohne Bedenken an mich wenden. Es wird mich freuen, Ihren Wünschen entgegenzukommen.

Empfangen Sie schließlich die erneuerte Versicherung meiner freundschaftlichen Hochachtung.

Ihr

Dr A Escher

Zürich
22. III. 1851.

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