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Korrespondenz: Alfred Escher – Ludwig August Parcus

AES B8143 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_063 (Abzug)

Alfred Escher an Ludwig August Parcus, Zürich, Sonntag, 25. Januar 1874

Schlagwörter: Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Eisenbahnen Betrieb, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft

Briefe

Zürich, den 25. Januar 1874.

Herrn Präsident Dr Parcus
Hochwohlgeboren
Darmstadt.

Hochverehrter Herr Präsident!

Die Direktion der Gotthardbahn ist immer noch damit beschäftigt, einen Fachmann für den Bahnbetrieb zu suchen.

Derselbe würde unmittelbar unter der Direktion, beziehungsweise dem III. Departemente derselben, in dessen Geschäftskreis der Bahnbetrieb fällt, stehen und hätte in dieser Stellung das gesammte Betriebswesen zu besorgen. Ich denke, daß ihm ein Jahresgehalt bis auf Frkn. 12000 ausgesetzt und der Titel eines Betriebschefs, oder am Ende auch eines Betriebsdirektors, wenn ein besonderer Werth darauf gesetzt werden sollte, verliehen werden könnte.

Es will mir scheinen, daß das Augenmerk für Besetzung dieser Stelle zunächst auf eine jüngere Kraft zu richten sein dürfte, welche zwar mit Einsicht und Thätigkeit die erforderlichen Spezialkenntnisse und auch die nöthigen, wo möglich auch ausgedehnten Bahnnetzen gewonnenen Erfahrungen verbände, jedoch noch nicht in einer völlig gemachten höhern | Stellung wäre, sondern sich eine solche erst noch zu erringen hätte. Hiezu fände ein tüchtiger junger Mann in dem Wirkungskreise, für welchen wir eine geeignete Persönlichkeit suchen, die schönste Gelegenheit, und selbstverständlich würde, wenn der für denselben gewählte Beamtete sich vollkommen bewährt hätte, die Stellung desselben im Verfolge entsprechend gehoben und verbessert werden.

Ich wäre Ihnen nun sehr verbunden, wenn Sie bei der reichen Personalkenntniß, welche Ihnen zu Gebote steht, und bei dem regen Interesse, welches Sie fortwährend an dem Gedeihen der Gotthardbahn nehmen, die Güte hätten, mir Fachmänner zu bezeichnen, welche Sie für geeignet halten, die fragliche Stelle zu bekleiden.

Sie hatten sr. Zt. die Gefälligkeit, mir Hrn. Sternberg, Oberbetriebsinspektor der Rheinischen Bahn, für die zu besetzende Stelle vorzuschlagen. Die mit ihm gepflogenen Verhandlungen haben aber zu meinem Bedauern ergeben, daß von ihm abgesehen werden muß. Für's erste hat er nämlich sehr hohe Anforderungen mit Beziehung auf Gehalt und Entschädigung für aufzugebende Pensionsansprüche gemacht, welche namentlich auch mit Rücksicht auf den Umstand, daß vorerst und für eine Reihe von Jahren bloß das nicht sehr ausgedehnte Netz des Tessin'schen Thalbahnen sich im Betriebe befinden wird, nicht annehmbar sind. Und sodann hat Herr Sternberg erklärt, daß er unter keinen Umständen vor Ende dieses Jahres in den Dienst der Gotthardbahngesellschaft eintreten könnte, während der zu wählende Beamtete seine Verrichtungen sofort oder wenigstens in nächster Zeit antreten sollte. Da Sie sr. Zt. die Güte hatten, mich auf Herrn Sternberg aufmerksam zu machen, so habe ich Ihnen diese Mitteilungen | schuldig zu sein geglaubt.

Entschuldigen Sie es gefälligst, wenn ich Sie mit diesen Zeilen behellige, und indem ich Ihnen zum Voraus meinen warmen Dank für die Bemühungen sage, die Ihnen, falls Sie in dieser mir sehr am Herzen liegenden Angelegenheit meinem Ansuchen zu entsprechen die Güte haben wollen, erwachsen werden, bitte ich Sie, die erneuerte Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung genehmigen zu wollen.

Ihr ergebener1

Kommentareinträge

1Brieftext von dritter Hand ohne Unterschrift. – Nachträgliche Unterschrift von Eschers Hand mit Bleistift: « Dr. A Escher.»

Kontexte

  • Sternberg