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Korrespondenz: Alfred Escher – Samuel Friedrich Siegfried

AES B7988 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_011

Samuel Friedrich Siegfried an Alfred Escher, Bellinzona, Samstag, 24. April 1869

Schlagwörter: Eisenbahnstrecken Konzessionen, Gotthardbahnprojekt, Grosser Rat TI, Rechtliches, Regierungsrat TI, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Lieber Freund!

Deine beiden heutigen Telegramme habe ich erhalten & mich alsbald nach Empfang des ersten mit dem Staatsrath in Verbindung gesezt.

Art. 1. wird nach Deinem Wunsch nur das Gothard Comité nennen.

Art. 12. Wegen der v. Staatsrath verlangten Frist v. 1 Jahr nach Vollendung v. ChiassoLugano f. Beginn v. LuganoBellinzona erklärten wir, für eine daherige Eröffnung noch zuzuwarten bis Antwort wegen der Subvention für Bau dieser lezteren Linie in 1ter Periode da sei & fügten bei, daß dießfalls der freien Verfügung des Gothard Comité Rechnung getragen werden müsse, wenn dasselbe anderseits die im verlangten § 31 ausgesprochene moralische Verpflichtung eingehen soll. Diese Aussicht befriedigte die diesseits wohnenden Staatsräthe offenbar, während dagegen die Transceneriner neues Mißtrauen & neue Bedenken äusserten, & verlangten, daß in der Concession ausgesprochen werde, | daß dieselbe auch in dem Falle als dahingefallen erklärt werden könne, wenn das Stük ChiassoCamerlata nicht rechtzeitig bewilligt & dessen rechtzeitige Ausführung gesichert sein sollte. Wir wiesen darauf hin, daß aus der Cenere Linie nichts werden könne, wenn LuganoChiasso Camerlata nicht gesichert sei & daß die Cenere Linie einen integrirenden Theil der neuen Concession ausmache, mit welcher dieselbe nach dem Gutfinden Tessin's stehe & falle. Die fragliche Bedingung besonders auszunehmen sei daher nicht nöthig. Beschwichtigung war aber nicht möglich, worauf ich erklärte, Dir die Aufnahme einer solchen Bedingung vorlegen zu wollen, wenn für die Unterhandlungen wegen ChiassoCamerlata die Frist auf diejenige für Konstituirung der Gesellschaft (1 Jahr v. Bundesgenehmigung hinweg) ausgedehnt & v. dann an | die bestehenden weiteren Fristen für Beginn der Arbeiten & Sicherung der Subvention v. 1 Million aufrecht erhalten werden. Diese Bedingung wurde angenommen & telegraphirte ich Dir, daher diesen Abend Mitfolgendes theils chiffrirt. Die dieser Abrede eventuell entsprechenden Redaktionen haben wir sogleich entworfen, dem Staatsrath zur Prüfung übermittelt & legen Dir im Doppel zur Prüfung & Beurtheilung vor. Offenbar ist das Mißtrauen der Transceneriner fortwährend rege & scheint die Lösung der Konzessionsfrage vorzugsweise davon abzuhängen, dieses Mißtrauen wesentlich beseitigen zu können. Wie immer die Sachen sich entwikeln mögen, scheint es mir nöthig & wichtig, den Transcenerinern bestmöglich entgegenzukommen, | und im Nothfall beim Bunde damit durchdringen zu können, daß man Ungereimtes verlangt, alles Mögliche & Billige dagegen zugegeben habe. Bei solcher Haltung unserseits werden die Transceneriner es schwerlich aufs Aeusserste ankommen lassen. Da die 5 Mill. v. dem Begehren um sofortigen Bau zurükbringen müssen, so thut anderweitiges thunliches Entgegenkommen meines Erachtens gut. Auch Italien gegenüber wird man sich der Tessin'schen Interessen annehmen müssen, um billige heimische Pflichten gewissenhaft zu erfüllen. Es geht nicht, daß Transcenere v. hier aus irgendwie gefährdet werde. In jedem Kanton wurde Gleiches im Wesentlichen verlangt wie hier. Dieß meine Auffassung der Verhältnisse. Morgen wird nichts zu machen sein, aber am Montag, so früh als möglich würden wir gerne | mit dem Staatsrath abmachen, wenn wir durch Dich dazu autorisirt wären, insbesondere wegen der mitfolgenden Zusäze. Hoffentlich werden wir wegen der Eröffnung der Cenere Linie den ursprüngl. Text festhalten & im schlimmsten Fall v. Dir ermächtigt werden, unseren Vorschlag bestehen zu lassen, da er doch offenbar nur geringe Konsequenzen haben kann. Beginn der Arbeiten 1 Jahr nach Eröffnung v. LuganoChiasso, ohne Vorschrift über Zeit der Vollendung läßt ja jeden freien Spielraume für ökonomisches Vorgehen übrig. Ich hoffe, dießfalls nicht unrichtig zu argumentiren.

Wegen der difficilen Stimmung der Transceneriner reise ich morgen mit Fraschina n. Lugano. Ducoster arbeitet an der Eingabe an den Gr. Rath, welche wir in den wesentl. Elementen besprachen fort, so daß wir sofort nach Einigung mit dem Staats| rath die Eingabe sollten machen können. Ich hoffe am Montag gute Nachrichten v. Dir zu finden oder zu erhalten & das Geschäft endlich fördern zu können. Könnten wir die Transceneriner befriedigen, so wäre wohl auch mehr Aussicht für eine Subvention, für die bisher wenige Stimmen sich bemerkbar gemacht haben.

So viel in Eile mit herzl. Gruß.

Dein

Siegfried

Bellinzona 24. 4. 69.

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