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Korrespondenz: Alfred Escher – Samuel Friedrich Siegfried

AES B7984 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_011

Samuel Friedrich Siegfried an Alfred Escher, Bellinzona, Samstag, 17. April 1869

Schlagwörter: Eisenbahnstrecken Konzessionen, Gotthardbahnprojekt, Schweizerische Centralbahn (SCB), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Bellinzona 17 April 1869.

Lieber Freund!

Nur schnell einige Worte über unsere glükliche Ankunft dahier & über unsere ersten Besuche. Dem Herrn Vizeprä sidenten des Staatsraths, Herrn habe ich diesen Vormittag in Gegen wart der Herren Pioda, Demarchi (einem alten Kollegen im Nationalrath) & Forni den Konzessionsentwurf mit einem kurzen Begleitschreiben von meiner Seite eingehändigt. Natürlich waren wir sogleich in Erör terung der Angelegenheit nach ver schiedenen Richtungen gelangt & scheinen diese Herren zu fühlen, daß der Moment da sei, rasch & kräftig das grosse Werk allseitig zum Beginn der Aus führung vorzubereiten. Hoffentlich | beginnt morgen oder längstens übermorgen die gegenseitige Besprechung des Konze ssionsentwurfs. Ich ermangelte nicht, nachdrüklich die Nothwendigkeit zu betonen, daß Tessin das Werk auch subventionsweise unterstüze. Von Herrn Pioda hatte Herr Ducoster freilich vorher bereits privatim ver nommen, daß dieser Punkt für Tessin ein sehr schwieriger & bedenklicher sei. Dagegen äusserte er gegen ihn, daß vielleicht eher eine Aktienbethei ligung möglich würde. Ich erklärte ihm, daß die Subvention mit allem Nachdruk angesprochen werden müsse, dahingestellt sein lassend für einmal, ob ausserdem auch noch eine Aktien betheiligung wünschbar & zulässig sei v. uns. Standpunkte aus. Nach | unserer Besprechung auf dem Rath hause vernahm Ducoster v. Staatsrath Forni , daß vielleicht von Verab folgung einer Premie auf die Vollen dung des Werks die Rede sein dürfte. Bezüglich der Zeit der Leistung einer Subvention würde, so denke ich vor läufig, man sich wohl verständigen könne, wenn nur eine erklekliche er hältlich wird. Habe die Gefällig keit mir über diese Punkte, bald möglichst Deine Ansichten & Weisun gen zu eröffnen.

Nach den Herren des Staatsraths habe ich auf dem Rathhause dem den Kan tonsingenieur Fraschina besucht als Freund meines Schwagers Ru dolf. Derselbe vernahm mit Befrie digung, daß auch die Cenere Linie BellenzLugano übernommen werde | & hofft auf guten Verlauf; er ver warf die Subvention grundsäzlich durchaus nicht. Hierauf besuchte ich Herrn Landerer , welcher ebenfalls den Eindruk sofort kund gab, daß die Cenere Linie der ganzen Angele genheit eine durchaus günstige Rich tung geben dürfte. Er wird übri gens bestmöglich uns von den herum gehenden Meinungen & allfälligen Manövern in Kenntniß sezen. Zulezt wollte ich noch Herrn Jauch , den ich auch noch v. Nationalrath her kenne, besuchen, traf ihn aber nicht, da er sich auswärts für heute be finde. Ich werde ihn hoffentlich morgen sehen. – Deine so freundliche Theilnahme an meiner Wahl in's Direktorium der C.B. verdanke ich Dir bestens. An meiner Mitwirkung zu bestem Einverständniß zwischen den beiden Unternehmungen soll es nicht fehlen. Mit dem Wunsch, daß ich bald guten Fortgang melden könne, grüßt Dich bestens.

Dein

Siegfried|

Wegen dringenden anderen Geschäften & meiner Abwesenheit in Basel am Mitwoch habe ich die mir zugekommenen Akten nicht gehörig durchgehen können. Du sollst dieselben bald zurükerhalten. Bitte um eine Abschrift der Urnerkonzession. Das Exemplar des Ent wurfs v. 1865 werde ich wohl behalten können? |

Auch die Conzessionen Lugano Chiasso & BiascaLocarno in französ. Texte besässe ich gerne.

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