Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B7980 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_011 (Abzug)

Alfred Escher an Emil Welti, Zürich, Mittwoch, 10. November 1869

Schlagwörter: Bundesrat, Eisenbahnstrecken Konzessionen, Gotthardbahnprojekt, Grosser Rat TI, Vereinigte Bundesversammlung, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr Bundespräsident!

Ohne Zweifel gleichzeitig mit diesen Zeilen wird die Antwort des Gotthardausschusses auf das Schreiben des Bundesrathes in Ihre Hände gelangen. Sie werden derselben eine vollkommene Übereinstimmung mit unsern Verabredungen entnehmen. Es sind nur zwei Puncte, die ich in diesen Zeilen noch besonders hervorheben zu sollen glaube. Fürs erste ist es sehr wünschbar, daß der Bundesrath die Schritte, welche der Gotthardausschuß zur Erhältlichmachung weiterer Subventionen gethan hat, baldmöglichst unterstütze. Die Be| treffenden Schreiben sind an die Cantone & Bahngesellschaften bereits abgegangen & die Mitglieder des Ausschusses, welche beauftragt wurden, denselben durch mündliche Rücksprache mit den Präsidenten & Mitgliedern der bezüglichen Regierungen noch weitern Nachdruck zu geben, haben ihre Verrichtungen zum größten Theile bereits angetreten. Namentlich auch dem Tessin gegenüber, dessen Großer Rath schon am künftigen Montag zusammentritt & wohin auf den Wunsch aller Tessin'schen Mitglieder der Bundesversammlung Oberst Siegfried abgeordnet wurde, sollte der Bundesrath seinen unterstützenden Schritt ohne Verzug thun. Sodann zwei| tens erlaube ich mir, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß der Gotthardausschuß erklärt, die Conzession für die Linie BellinzonaPino bei Tessin zu geeigneter Zeit auswirken zu wollen. Es schien uns nicht practisch, in derselben Sitzung des Großen Rathes eine Vermehrung der Subvention & die Conzession für die dem Ctn. Tessin so mißbeliebige Cittiglis Linie nachzusuchen & da dem Bund ja die Befugniß zusteht durch Anwendung des Art. 17 des Bundeseisenbahngesetzes seine in dem Vertrage mit Italien hinsichtlich der Pino Linie übernommene Verbindlichkeit zu erfüllen, so erschien uns eine Verschiebung des Conzessionsbegehrens für | diese Linie umso unbedenklicher. Dazu kommt, daß in einer Conzession das Tracé der Linie BellinzonaPino wenigstens der Hauptsache nach ohne Zweifel angegeben werden wollte, daß dieß aber bei dem gegenwärtigen Stande der daherigen technischen Untersuchungen kaum möglich wäre. Sollten Sie indessen finden, daß hinsichtlich der Pino -Linie ein anderes Verfahren eingeschlagen werden sollte, so wollen Sie mich hievon beförderlich zu unterrichten die Güte haben.

In ausgezeichneter Hochachtung

Ihr ergebener

Dr A Escher

Zürich
10. Novber 1869.

Kommentareinträge

Nachträgliche Notiz oben rechts auf Seite 1 von dritter Hand mit Bleistift: «Tessin-Konz. | [...?]»