Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Samuel Friedrich Siegfried

AES B7962 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_011

Samuel Friedrich Siegfried an Alfred Escher, Bellinzona, Donnerstag, 13. Mai 1869

Schlagwörter: Eisenbahnstrecken Konzessionen, Grosser Rat TI, Kommissionen (kantonale), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Bellinzona 13 Mai 69.

Lieber Freund!

Mitfolgend ein Exemplar des Berichts & der Anträge der Großrathskommission zum staatsräthlichen Entwurf der Konzession. Sollte die Ansicht der Minderheit – Nichtsolidarität der Thalbahnen mit den 2 neu zu konzedirenden Linien & Nichtaufhebung der Nebenbestimmungen in den Cessionsverträgen – im Gr. Rath durchdringen, so könnten ohne Umarbeitung verschiedene Artikel nicht mehr passen & würde diese Umarbeitung eine Rükweisung an die Kommission zur Folge haben müssen, da Varenna keine entsprechenden Redaktionen vorbereitet zu haben scheint. Eine | solche Rükweisung hätte aber leicht die Vertagung der Sache zur Folge, da der Grosse Rath kaum länger beisammen bleiben möchte. Auch wegen dieser Besorgniß erscheint daher der Sieg der Majorität wünschenswerth, obgleich anderseits bei ebenfalls erstrekten Fristen für die Thalbahnen (18 Monate f. Konstitut. der Gesellsch. & 6 Mon. nachher Baubeginn) deren Selbstständigkeit je nach Umständen auch Werth haben könnte.

Auf Seite 8 in § 2. ist statt der Anwendung v. höherer Gewalt auf die Fälle der Nichtkonstitutirung der Gesellschaft & des Nichtausweises der Mittel eine nach Umständen v. Gr. Rath freiwillig zu gebende | Fristverlängerung in Aussicht gestellt. Leider wollten die Herren der Majorität auf Anwendung des Grundsazes der höheren Gewalt für diese beiden Fälle durchaus nicht eintreten.

Du siehst, daß die Bedingung der Freiheit des Rüktritts v. der Konzession nach der Bundesgenehmigung fallen gelassen ist.

Die Subsidienfrage scheint fortwährend insofern schwieriger zu sein als die Konzessionsfrage, als mehr oder anders als 3 Mill. im Ganzen als Præmie nach Vollendung des Ganzen verlangt & beantragt wurde. Eine solche Præmie ist die Kommission wie | wir vernehmen bereit anzutragen Weiteres zu thun, wird sie sich nicht einigen können & wir werden daher höchstens Belassung der 2 Mill. wie bisher & Zufügung v. 1 Mill. nach Vollendung des Ganzen verlangen dürfen, wenn man v. uns, wie es die Kommission noch thun zu wollen scheint, die Stellung eines bestimmten Begehrens verlangt. Ob dann aber nicht gleichwohl die Vereinigung der 3 Mill. mit Fälligkeit auf totale Vollendung ausgesprochen wird, steht zu gewärtigen. Ich bedaure hierüber nicht Günstigeres in Aussicht stellen zu können. Hättest Du mir noch Erhebliches zu sagen nach Empfang dieser Mittheilungen, so thue es p. Telegr., damit ich bestmöglich nachkomme.

Von Herzen grüssend

Dein

Siegfried

Kontexte