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Korrespondenz: Alfred Escher – Gottlieb Koller

AES B7908 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_011

Gottlieb Koller an Alfred Escher, Basel, Samstag, 24. April 1869

Schlagwörter: Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen

Briefe

G. KOLLER-BURCKHARDT
JNGENIEUR

Basel den 24 April 1869.

Tit. HHerrn Präsident Dr Alfr. Escher, Zürich

Hochgeachteter Herr,

Die Ihnen heute Morgen telegraphisch mitgetheilten Ziffern beruhen auf folgender Berechnung:

Erstes Stadium

Baukosten incl. Baupreise à 6% (Oberbau vorläufig einspurig, Betriebsmittel etc möglichst ökonomisch)

FlüelenGoeschenen und AiroloLocarno zusammen 105.– Kil. f. 40,000,000
BellinzonaChiasso 53.7 " " 20,000,000
Schifffahrtseinrichtungen für 85.– " " 2,000,000
Strassenbauten " 1,000,000
f. 63,000,000
Hievon gehen ab 4 Jahresraten Subsidien à 3½ Mill. incl. Zinse à 6% " 15,680,000
In Aktien & Obligationen bleiben zu beschaffen f. 47,320,000
Zins dieses Kapitals für die der Vollendung des Tunnels vorangehenden 5 Jahre f. 14,196,000
Hievon ab: Reinertrag des Betriebs während 5 Jahren à f. 3,000 p. Kilometer " 3,655,500
Betriebsdeficit bei Eröffnung des Tunnels f. 10,540,500

Zweites Stadium

Auslagen im ersten Stadium, abzüglich Subsidien f. 47,320,000
Betriebsdeficit bei Eröffnung des Tunnels nebst Zins für durchschnittlich 2½ Jahre " 12,121,575
Auslagen für Vollendung sämmtl. Linien (f. 95,891,400–60,000,000) " 35,891,400
f. 95,332,975
Hievon gehen ab 4 weitere Subsidienraten à 3½ Mill. incl. Zins " 15,680,000
f. 79,652,975 |

Zu umstehender Berechnung erlaube mir beizufügen, daß im ersten Stadium an den Kosten der Linie BellinzonaChiasso, die ohnehin schon einspurig, wenig zu ersparen ist. Anstatt 22,4 Mill. bei 6% Zins, habe deshalb 20 Mill. angenommen. Ferner glaubte, troz der Eröffnung der Cenerelinie, dennoch keinen größern Reinertrag als f. 3,000 p. Kil. in Rechnung bringen zu dürfen, weil eine Vermehrung der Einnahmen größtentheils wieder durch die vermehrten Betriebskosten aufgezehrt würde.

Bei diesem Anlaß erlaube mir Ihnen die Frage vorzulegen, ob es nicht zweckmäßig wäre das Profil des ganzen Bahnnetzes im Maßstab von 1/100,000, wie es dem H. Bundesrathe eingereicht wurde, oder wenigstens der Strecke Flüelen Biasca lithographiren zu lassen. Von den frühern Lithographien sind meines Wissens fast keine mehr vorräthig & doch wird man wahrscheinlich in den Fall kommen, solche abgeben zu müssen. Das Profil FlüelenBiasca sodann weicht fast durchweg von den frühern ab & wäre schon deshalb ohne Zweifel eine Vervielfachung erwünscht.

Die Anfrage an Herrn Oberst Rieter werde in momentaner Ermanglung eines Profils bestmöglichst beantworten u mich auf die von Ihnen gefl. zu versendende Bahnbeschreibung beziehen.

Genehmigen Sie die Versicherung meiner vollkommensten Hochachtung u Ergebenheit

G. Koller