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Korrespondenz: Alfred Escher – Samuel Friedrich Siegfried

AES B7591 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_011 (Abzug)

Alfred Escher an Samuel Friedrich Siegfried, Zürich, Dienstag, 20. April 1869

Schlagwörter: Eisenbahnstrecken Konzessionen, Gotthardbahnprojekt, Regierungsrat TI, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Mein lieber Freund!

So eben habe ich Dir telegraphirt, daß wir im alleräußersten Falle die Conzession auch ohne Subvention annehmen müßten & daß Du darum so viel als möglich zu erhalten suchen oder, um in der Geschäftssprache zu reden, diesen Punct au mieux erledigen sollest. Viel mehr weiß ich Dir auch brieflich nicht mitzutheilen. Daß wir Subventionen, namentlich auch im Hinblicke auf gesteigerte Anforderungen des Auslandes an die Schweiz in dieser Beziehung sowie Angesichts der Möglichkeit des Wegfalles einzelner Subventionen, auf die wir [gegenwärtig?] noch rechnen, – ich sage, daß wir Subventionen sehr dringend bedürfen, brauche ich Dir nicht erst zu sagen, & daß die für die Thallinien bewilligte Subvention, wenn sie die einzige bleiben würde, die wir von Tessin erhielten, eine erbärmliche wäre, [bedarf?] | wohl Dir gegenüber ebenfalls keiner Beweisführung, denn es wird Dir nicht entgehen, daß, indem wir im Ctn. Tessin ein vollständiges, alle Theile des Landes berücksichtigendes Eisenbahnnetz zur Ausführung bringen, theils kolossale Summen im Ctn. Tessin verausgabt, theils dem letztern, vom volkswirtschaftlichen Standpuncte aus betrachtet, die glänzendste Zukunft bereitet wird. Der Ktn. Tessin soll sich die Opfer vergegenwärtigen, welche die Cantone Freiburg, St. Gallen, Bern u. s. f. für ihre Eisenbahnen gebracht haben! Subventionen, von Anfang an oder in [Jahrresraten?] bezalt, sind natürlich erwünsch ter als solche, die erst nach Vollendung des Baues entrichtet werden & ebenso sind selbstverständlich Subventionen à fonds perdu Prämien vorzuziehen, welche, denke ich, nur [ausbezalt?] würden, wenn die Gotthardbahn bis zu einem gewissen zeitpunkt zur Vollendung gebracht wäre. Wir bedürfen wahr| lich keiner Tessinerprämie, um uns zu raschem Vorgehen zu stimuliren. Das Ehrgefühl & das große Interesse, das die Baugesellschaft hat, die enormen auf den Bau der Gotthardbahn verwendeten Summen baldmöglichst rentabel zu machen, dürften genügen! Auf eine Actienbetheiigung Tessin's setze ich keinen großen Werth. Das Consortium, das sich für Übernahme der Actien verbindlich machen soll, wird ja gebildet sein, bevor der Gr. Rath von Tessin einen sachbezüglichen Beschluß fassen könnte!

Die Festsetzung des Termines für Constituirung der Ausführungsgesellschaft anlangend habe ich dir eine Redaction des Art. 12 Lemma 2 telegraphirt, welche Tessin zufrieden stellen sollte. Der Termin würde gemäß dieser Redaction voraussichtlich der Monat Juli 1870 sein. Es darf aber nicht vergessen werden, daß die definitive Constituirung der Ausführungsgesellschaft erst | erfolgen kann, nachdem die Subventionsfrage abschließlich geordnet ist, & daß das Parlament des Norddeutschen Bundes erst im Frühling 1870 über die dortseitige Subvention entscheiden dürfte.

Herrn Jauch, der das einflußreichste Mitglied des Tessin'schen Goßen Rathes sein soll, empfehle ich Dir große Aufmerksamkeit zu erweisen. Er kann uns viel nützen, aber auch viel schaden. Bisanhin war er ganz, ja leidenschaftlich im Lucmanierlager. Er ist aber gescheidt genug, um einzusehen, daß nach den Erklärungen Italiens, des Norddeutschen Bundes & Badens nur noch der Gotthard Aussicht hat, ausgeführt zu wer[...?], & so wird er wohl mit sich reden [lassen?]. Er soll gerade in der [Subbventionsfrage?] schwierig sein. DuCoster scheint [... namentlich?] nahe zu stehen & ihm vielleicht [mitunter?] mehr Vertrauen zu schenken [...?] verdient.

Eine Abschrift der Urnerconzession, | wie sie zwischen der Abordnung der Regierung von Uri & derjenigen des Gotthard ausschusses vereinbart worden ist, lasse ich Dir anfertigen, Sie wird Dir mit der nächsten Post zukommen.

Das Exemplar des Entwurfes von 1865, worunter Du wohl die Tessiner Conzession verstehst, kannst Du Deinem Wunsche gemäß behalten.

Der Bundescanzlei habe ich telegraphirt, daß sie Dir Exemplare der Conzessionen LuganoChiasso & BiascaLocarno in französischer Sprache übersenden möchte.

Verliere die Geduld nicht & sei herzlich gegrüßt von

Deinem

Dr A Escher

Zürich
20 April 1869.

Kommentareinträge

Nachträgliche Adresse oben links auf Seite 1 von Eschers Hand mit Bleistift: «Oberst Siegfried, Bellinzona. »