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Korrespondenz: Alfred Escher – Heinrich Single

AES B7531 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB02_062

Heinrich Single an Alfred Escher, Strassburg, Mittwoch, 31. Juli 1878

Schlagwörter: Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Eisenbahngesellschaften (diverse), Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt, Schweizerische Centralbahn (SCB)

Briefe

Strassburg, 15. Blauwolkengasse, 31. Juli 1878.

Herrn DrAlfred Escher

Zürich.

Hochgeehrter Herr!

Ihrem geehrten Wunsche entsprechend beehre ich mich Ihnen eine Zusammenstellung meiner bisherigen Leistungen im Gebiete des Bauwesens zu übermitteln.

Nach Absolvirung meiner Studien kam ich im October 1851 zum Baue der bairischen Staatsbahn von Aschaffenburg nach Würzburg, speziell zum Baue des Schwarzkopf–Tunnels bei Hain im Spessart, wo ich bis October 1853 bei der Bau-Unternehmung Held & Weiss als Bauführer bis zur Vollendung dieses Baues beschäftigt war. Im October 1853 wurde ich von der schweizerischen Centralbahn in der Section Luzern als Bauführer des II. Looses angestellt, machte daselbst die sämmtlichen Vorarbeiten mit, leitete den Bau des mir zugetheilten II. Looses, und als die Centralbahn bis Emmenbrücke bei Luzern eröffnet war, wurde ich bei den Vorarbeiten EmmenbrückeLuzern verwendet, u. Aushülfsweise bei den Hochbauten | der Section Liestal von Niederschönthal bis Sissach, die ich als Bauführer bis zur Eröffnung der Bahn leitete; von dort weg wurde ich nach Luzern zurückberufen, war noch ein Jahr bei der Bahn– Erhaltung u. erhielt im Jahr 1858 einen Antrag nach Oesterreich an die damalige Franz–Josephs– Orientbahn unter Oberbaurath von Etzel.

Im September 1858 trat ich als Stellvertreter des erkrankten Bevollmächtigten der Bau-Unternehmung der Draubrücken bei Pettau in Steiermark ein u. leitete daselbst die Fundationen u. den Bau der 16 Pfeiler.

Im August 1859 übertrug mir die Direction der österreichischen Südbahn die Ausführung der sämmt– lichen Hochbauten der Section Fridau im Executionswege und im Jahr 1860 trat ich als Bevollmächtigter der Bau-Unternehmung der Bahnhöfe Agram und Sissek ein; an letzterem Orte blieb ich bis October 1865 nach gänzlicher Vollendung u. Abrechnung meiner Arbeiten und erhielt daselbst einen Antrag nach Südrußland, dem ich im October 1865 Folge leistete und nach Olviopol in Südrußland übersiedelte.

In Olviopol hatte ich den Unterbau der Bug brücke und die Herstellung der bedeutenden Kunstbauten im Bugthale, Alles in Granit, zuerst als Bevollmächtigter der Bau-Unternehmung, vom | Frühjahr 1866 aber als selbständiger Unternehmer auszuführen, sowie die Fundation der Taschlik brücke bei Novo–Ukrainka zu leiten.

Im Jahre 1868 baute ich die 148 englische Fuß hoheIngulbrücke bei Elisabethgrad, ebenfalls vollständig in Granit, sowie den großen Bahnhof an letzterer Stadt; überdies wurden mir sämmtliche Holzarbeiten und Schlosserarbeiten aller Hochbauten der Strecke ElisabethgradKrementschug übertragen.

Nach Vollendung dieser Bauten erhielt ich die Ausführung der sämmtlichen größeren Brücken, sowie der sämmtlichen Hochbauten vonKrementschug bis inclusive Poltawa ca 120 Kilometer u. außerdem sämmtliche Nacharbeiten der ganzen russischen Südbahn von Odessa bis Krementschug auf eine Ausdehnung von ca 700 Kilometer und war dort beschäftigt bis Januar 1871.

Zu dieser Zeit übernahm ich die Ausführung derRigaBolderaa -Bahn nebst der 800 Meter langen Dünabrücke bei Riga à forfait.

Diese Bahn nebst der genannten Dünabrücke mußte in 17½ Monaten sammt Oberbau, Hochbau etc. zur Eröffnung fertig hergestellt werden.

Am 10. Mai 1871 wurde der Bau begonnen u. am 21. November 1872 wurde die Bahn nebst Brücke der Prüfungs–Commission fertig abgegeben; für diesen Bau erhielt ich vom Kaiser | von Rußland den St Anna–Orden für «ausgezeichnete Leistungen im Eisenbahnbaue.»

Im Jahre 1874 übernahm ich den Bau der Schmalspurbahn HerisauUrnäsch (II. u. III. Loos), welche im September 1875 dem Betriebe übergeben wurde.

Im September 1877 schloß ich den Vertrag mit der Strassburger –Pferde–Eisenbahn–Gesellschaft in Strassburg für Ausführung der Straßenbahnen ab u. habe bis heute 2 Sectionen derselben dem Betriebe übergeben.

Vom October 1876 bis heute beschäftigte ich mich angelegentlich mit der Gotthardbahn, worüber ich mir alle weitern Erörterungen ersparen kann u. Ihnen das Urtheil meiner Leistungen überlassen werde.

Genehmigen Sie, Hochgeehrter Herr mein innigstes Bedauern, daß Sie von der Leitung dieses großen Unternehmens zurückgetreten sind, sowie die Versicherung meiner vollkommensten Hochachtung.

H. Single