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Korrespondenz: Alfred Escher – Rudolf von Gunesch

AES B7408 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_061

Rudolf von Gunesch an Alfred Escher, Wien, Mittwoch, 24. Februar 1875

Schlagwörter: Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Demissionen, Eisenbahngesellschaften (diverse), Gotthardbahn-Gesellschaft (GB)

Briefe

Wien 24./II 875.

Sehr geehrter Herr!

Indem ich annehme, daß Sie sehr geehrter Herr im Besitze meines Telegrammes vom 22. d. M. sind, welches lautet: «Erlaube mir Anfrage ob Oberbau rath Gerwig Inhalt meines Briefes an denselben sammt Schreiben von Thommen und meinem curriculum vitae an Direktion der Gotthardtbahn vorgelegt hat? – Da in Folge Gerwigs Rücktritt ich mein Schreiben nur als Bewerbung um die OberIngenieur Stelle betrachtet wissen möchte, so würde um orientirende Antwort verbunden sein, ob Sie geneigt wären meine Bewerbung um selbe anzunehmen.». – erlaube ich mir mit nachfolgenden Zeilen den Inhalt desselben zu erläutern.

Ich habe mit Schreiben vom 2. d. M. an Herrn Oberbaurath Gerwig demselben meine Dienste für die Erbauung der Gotthardtbahn angeboten. – Mein diesem Schreiben beigelegtes Curriculum vitae, sowie ein von meinem früheren verehrten und langjährigen| Chef Herrn A. Thommen ein geschlossenes Schreiben an Herrn Gerwig , sollte denselben in Stand setzen über meine Qualifikation sich genaue Kenntniß zu verschaffen.

Ich muß hier gleich bemerken daß es mir schwer gefallen ist, um eine Stellung zu kompetiren, welche mir nicht diejenige Selbständigkeit und den freien Wirkungskreis gewähren könnte die ich in den letzten Jahren gewohnt war zu besitzen. –

Liebe zu dem großartigen Gotthardtbau und anderseits die Überzeugung, daß wenn Herr Gerwig mich genau kennen lernen würde, er in mir, der gewohnt ist in großen Verhältnißen zu arbeiten, gerade die Unterstützung finden würde, die er wie ich glaubte bedürfte, – ließ mich nach mehre Monate langem Zögern hierüber hinwegsehen. – Vor einigen Tagen erfuhr ich nun den Rücktritt des Herrn Gerwig . –

Ich habe mir deßhalb erlaubt das Eingangs wiederholte Telegramm an Sie geehrter Herr zu richten, worin ich um orientirende Antwort ersuchte, ob ich in Bewerbung um die OberIngenieur Stelle der Gotthardtbahn eintreten könnte.

Obgleich ich mir schmeichle die Achtung meiner Standes | genossen in Östreich erworben zu haben, so beziehe ich mich doch zunächst speziell über meinen Charackter und meine vergangene Thätigkeit auf den Präsidenten der ersten ungarisch galizischen Eisenbahn, Herrn Johann Graf Waldstein-Wartemberg , geheimer Rath unseres Kaisers, Excellenz etc. Wien Habsburgergasse No 9. – Die kk. priv. oesterr. Credit Anstalt für Handel und Gewerbe in Wien, meinen langjährigen. Vorstand Herrn Achilles Thommen und von Seite der oesterreichischen Regierung auf den landesfürstlichen Comissär der oest. ung. galiz. Eisenbahn Herrn Ministerialrath Friedrich von Leeder Chef des administrativen u. politischen Eisenbahn Departements im oesterr. Handelsministerium.

Übrigens glaube ich mich auch auf mir weiter stehende Persönlichkeiten, wie den derzeitigen Vorstand der BauAbtheilung der oesterreichischen General Inspektion für Eisenbahnen Herrn Hofrath Pichof , dann Herrn Baudirektor W. Hellwag, wenn auch nicht auf meine fachliche Befähigung, so doch wenigstens auf meinen Charackter Bezug nehmend, berufen zu können. –

Ich bin in der Lage, mich über Wunsch sofort| Ihnen geehrtester Herr vorstellen zu können, da meine gegenwärtigen nur konsultativen Charakter tragenden Geschäfte mir jede Entfernung von Wien gestatten.

Genehmigen geehrter Herr die Versicherung ganz besonderer Hochachtung womit ich die Ehre habe mich zu zeichnen als

Ihr ergebenster

Rud Gunesch

Seiner Wohlgeboren
Herrn National Rath
Dr Alfred Escher
Präsident der Direktion der
Gotthardtbahn
in
Zürich.