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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Conrad Widmer

AES B7363 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB02_003

Johann Conrad Widmer an Alfred Escher, Zürich, Donnerstag, 9. Februar 1865

Schlagwörter: Bundesrat, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt, Liberale Presse, Personelle Angelegenheiten, Vereinigte Bundesversammlung

Briefe

MHherrn Präsident Dr. A. Escher Dahier.

Zürich den 9 Februar 1865.

Hochverehrter Herr Präsident!

Die Detail Enumerirung für die Versendung des technischen Gutachtens sammt Beilagen ist nunmehr fertig. Mit einzelnen Beilagen muß man, um nicht zu sehr erschöpft zu werden, förmlich geitzen, relativ am meisten mit dem Zonenatlas, für die Mitglieder der Bundesversammlung, soweit sie selbige nicht in anderer Qualität erhalten, sind in dieser Aufzählung keine 1 SituationsPl. & Längenprofile eingerechnet; man kann bei gegenwärtiger Auflage unmöglich an alle Mitglieder solche Pläne geben, man wird etwa 50–60 einflußreichere & dem Gotthardt befreundete Mitglieder im Amtskalender nominell anzeichnen müßen. Die projectirte Vertheilung im Ganzen macht sich nun so:

Techn. Gutachten Zonen- Großer Situat.Pl. Kleiner Situat.Plan Kleine Längen-
deutsch. franz. distanzen. & Längenprofil, 2 profile.
nebst Wetli
Auflage 3: ? ? 500 100 1500 4 500 5
Versendung: 1294 2175 380 69 1240 379
Verbleiben: ? ? 120 31 260 121

Die Versendung wird in den ersten Tagen abgehen können an Bundesrath; Gesandtschaften, Gotthardts Kantone & Eisenbahnen. ( Regierungen, Hauptstädte; Räthe & Handelskammern); Ital. Ministerium nebst den Städten Mailand, Turin & Genua; Deutsche, Französ. Belg. Holländ. & Englische Ministerien. – Vom 3t oder 4t Tage an sollte dann die ganze übrige Versendung in die Schweiz & in die Rheinstaaten &sw.. vollzogen werden können. – Zur Beschleunigung werden wir nunmehr die Begleitschreiben deutsch & französisch druken laßen, &, wenn einmal die Spedition kommt, genug Personal zum Paken Adreßiren &sw. an die Hand nehmen. Sie können sich darauf verlaßen, daß die Spedition so schnell bewerkstelligt werden wird als die Maße & die Ordnung es möglich machen. |

Die Hauptmaße nach Italien kann nicht wohl mittelst Detailsendung von hier aus besorgt werden. Ich glaube, man sollte die Maße an Herrn Koller oder an den ständigen Vertreter nach Turin schiken, damit auf Grundlage der commerc. Versendungstabellen die Détailspedition von dort aus erfolge. Das commerc. Gutachten gieng an 40 Ministerialbeamte, an 277 Senatoren, 432 Deputirte, 59 Provinzialdeputationen, 98 Stadträthe, 48 Handelskammern, 40 Zeitungen, 3 Eisenbahngesellschaften, 20 Mitglieder des obern Rathes für Brüken- & Straßenbau, & an 129 Privatpersonen, zusammen an 1146 Adreßen. 6

Mit Herrn Dir. Wegmann nahm ich gestern nochmals einläßliche Rüksprache & ich glaube, daß sein jezt 33 J. alter, in Neapel lebender Bruder ernstlich in Betracht gezogen werden sollte. Lebensgang: unteres Gymnasium fertig, dann Apothekerlehrling, dann Militair in Neapel, dann 4 Jahre Handelslehre in einem Kommißions- & Speditionshause in Neapel, & seither selbständig in Neapel aßerirt mit Müller & C., Weinhandel mit französ. Weinen nach Italien & mit ital. Weinen nach Frankreich & der Schweiz. In Norditalien habe er in Genua Bekanntschaften & Handelsverbindungen. Er spreche & schreibe gut italienisch & französisch, & auch etwas englisch; führe eine gute Feder, habe auch schon Mehreres in die Neue Zürch. Ztung (8br Einzug Garibaldis in Neapel) geschrieben; sei ein tüchtiger mathematischer Kopf. Er sei ins ital. Naturell so eingelebt, daß man ihn für einen Italiener halte. Er sei braver, treuherziger Natur, gewandt & nobel im Umgang mit untern & hohen Kreisen, man habe ihn überall gern; in Neapel sei er Actuar des Schweizervereins, deßen Präsident Herr Consul Mörikofer ist (bei dem man sich erkundigen könnte), man nenne ihn dort den kleinen Consul, weil die Schweizer sich häufig an ihn wenden. Kurzum fast alle nur wünschbaren Eigenschaften für die schwierige Aufgabe:– aber Herr Dir. | Wegmann weiß nicht, ob er sich zu der Mißion verstehen würde, er habe ihm noch gar nicht darüber geschrieben. Herr Dir. W. hebt mit Recht hervor, daß es eine mißliche Sache sei, das Geschäft in Neapel aufzugeben, um in eine Stellung zu treten, die für einige Zeit Arbeit gebe, möglicherweise aber keine Zukunft habe. Er meinte deßhalb, ob es nicht thunlich wäre, daß sein Bruder neben der Gotthardtsmißion zugleich in Norditalien mittelst Bestellungen &sw. sein Weingeschäft einigermaßen berüksichtigen könnte.

Über Herrn Lehrer Müller in Altstätten suchte ich mich bei Herrn Dir. Wegmann, Direktor Hirzel & [O.Präs. ?] Ullmer zu erkundigen, aber sie können sich seiner nicht erinnern.

Hochachtungsvollst

ergeben

C Widmer [ di ?]

Kommentareinträge

1Wort nachträglich von Eschers Hand mit Bleistift unterstrichen mit Notiz: «gar keine, auch n. die kleinen?» .

2Nachträgliche Notiz von Eschers Hand mit Bleistift: «auch FlüelenBrunnen» .

3Nachträgliche Notiz von Eschers Hand mit Bleistift: «NB | die Tableaux einsetzen» .

4Nachträgliche Notiz von Eschers Hand mit Bleistift: «x) sind denjenigen, welche die großen Situationspläne & Längenprofile erhalten, ebenfalls zu übersenden, da auf den letztern die Anschlußbahnen n. enthalten sind.»

5Nachträgliche Notiz von Eschers Hand mit Bleistift: «x) sind denjenigen, welche die großen Situationspläne & Längenprofile erhalten, ebenfalls zu übersenden, da auf den letztern die Anschlußbahnen n. enthalten sind.»

6Nachträgliche Notiz von Eschers Hand mit Bleistift: «besond. Zusendung. an die Lombardbahnen (Rothschild).»