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Korrespondenz: Alfred Escher – August von Beckh

AES B7347 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB02_003 (Abzug)

Alfred Escher an August von Beckh, Zürich, Freitag, 16. Juni 1865

Schlagwörter: Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt, Grimselbahnprojekt

Briefe

Hochgeachteter Herr Oberingenieur!

Es ist von mir in den letzten Tagen die Wahrnehmung gemacht worden, daß von derjenigen Partei in Bern aus, welche das Grimselproject betreibt, der Umstand, daß Sie allein von dem Präsidium des Gotthardausschusses mit der Begutachtung dieses Projectes beauftragt worden sind, in einer Weise, welche für Sie unangenehm werden dürfte ausgebeutet werden will. Man hebt hervor, es seien nicht die beiden Experten des Gotthardausschusses, sondern nur einer derselben mit der Begutachtung des Grimselprojectes betraut worden, | der nicht beauftragte Experte sei ohne Zweifel für dieses Project & darum nicht zugezogen worden u. s. f. Sie wissen nun am besten, daß man seiner Zeit nur darum an Sie allein gelangt ist, weil angenommen wurde, Sie werden doch die Hauptarbeit machen & weil Beschleunigung wünschbar schien. Gewiß ist aber Hr. Gerwig in der Beurtheilung der Grimselfrage übereinstimmender Ansicht mit Ihnen.

Angesichts des Geredes, von dem ich Ihnen Mittheilung gemacht, dürfte es aber wohl gethan sein, wenn Hr. Gerwig noch ersucht würde, den Befund betreffend des Grimselproject gemeinschaftlich mit Ihnen abzugeben. Ich bin um so mehr dieser Ansicht, als ich darin bloß eine Formsache erblicke & dafür | halte, Hr. Gerwig werde eben einfach Ihr Gutachten unterzeichnen.

Bevor ich indessen im Ausschusse einen Schritt in dieser Richtung beantrage, wollte ich nicht ermangeln, Ihnen von der Sachlage Kenntniß zu geben & Sie zu ersuchen, mir mit rückhaltloser Offenheit Ihre Ansicht über die Zuziehung Herrn Gerwig's mittheilen zu wollen.

Ich nehme an, mein letztes, von Bern aus an Sie gerichtetes Schreiben sei Ihnen zugekommen.

Genehmigen Sie die Versicherung ausgezeichneter Hochachtung von

Ihrem ergebenen

Dr A Escher

Zürich
16. VI. 65