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Korrespondenz: Alfred Escher – August von Beckh

AES B7319 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB02_003

August von Beckh an Alfred Escher, Amsteg, Freitag, 23. Oktober 1863

Schlagwörter: Eisenbahnen Bau und Technik, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Personelle Angelegenheiten

Briefe

SCHWEIZERISCHE
NORDOSTBAHN

Am Steg 23. Okt. 1863.

Hochgeachteter Herr Präsident!

Mit Vergnügen vernehme ich aus Ihrem Schreiben, das Sie am 21t die Güte hatten an mich zu richten, daß der Gotthard-Ausschuß Herrn Gerwig ernannt hat, ohne deßhalb Herrn Preßel seines Mandats zu entlassen. Ich gewärtige nun die baldige Ankunft des ersteren. Einstweilen fahre ich eben in meinen angefangenen Arbeiten fort. Ich beehre mich, Ihnen über den Stand derselben folgendes mitzutheilen. Herr Gyger ist schon am Freitag wieder in Flüelen eingetroffen und war bisher mit Ergänzungen des Wetli'schen Situations-Planes beschäftigt, eine Arbeit, die für denjenigen, der die erste Aufnahme machte weit leichter ist, da er die Aufnahms-Punkte im Felde genau kennt. Ich habe mich bei diesem Geschäfte überhaupt, daß die Wetli'schen Plane nicht ganz den Grad von Genauigkeit besitzen, den ich vermuthet hatte. Herr Gyger ist jetzt in seine Aufgabe ziemlich eingeschoßen, und wird dieselbe morgen beendigen; einige Höhen-Punkte, die im Plane fehlten sind namentlich gegenüber von Amsteg bereits so weit ergänzt, daß ich mit meiner ProjektLinie jetzt fortfahren kann, worauf ich seit mehreren Tagen mit Ungeduld harrte. Ich habe sofort die Projektlinie von Göschenen herab bis westlich gegenüber Amsteg in den Plan fest eingezeichnet. Morgen wird Herr Haarlacher das Längenprofil daran aufzutragen beginnen. Die drei | Doppelkehren des Herrn Wetli zwischen hier und Göschenen, würden, wie ich bereits die Ehre hatte Ihnen zu zeigen, nach diesem Vorschlage wegfallen. Mit der Beseitigung derselben werden unläugbare Gefahren und Verzögerungen des Betriebes wegfallen, wogegen etwelche Mehrkosten nach meiner Meinung nicht sehr in Betracht fallen dürfen. Herr Stocks ist mit der Berechnung der Grunderwerbung und Erdarbeiten bis Silenen unterhalb Steg vorgerückt. Herr Gyger wird am Montag diese beiderlei Berechnungen auf der Abtheilung von Brunni (westlich oberhalb Steg) bis Göschenen beginnen. Die Aufnahme der erforderlichen Brücken u. Durchläße nehme ich selbst an Ort und Stelle vor, und werde damit morgen bis Göschenen vorrücken.

Über die Art, wie von Göschenen weiter verfahren werden soll bis Airolo habe ich eine Idee gefaßt. Es würde mir jedoch sehr erwünscht sein, wenn ich sie mit Herrn Gerwig besprechen könnte, bevor ich zur Ausarbeitung des Planes schreite. Ich hoffe indeß, Herr Gerwig werde sich, gleich mir, mehr zu der Ansicht hinneigen den Gotthard Tunnel bei Hospenthal, als bei Göschenen münden zu laßen, da die Bauzeit dadurch vermuthlich um mehrere Jahre abgekürzt wird, und es auch sonst in mehrfacher Hinsicht zuträglich erscheint, zwischen Andermatt und Hospenthal einmal ans Tageslicht heraus zu kommen. Im Fall Herr Gerwig nicht in den nächsten Tagen käme würde ich vielleicht die Abtheilung GöschenenAirolo verschieben, und mich jenseits des Gotthard machen, um AiroloBiasca zu bearbeiten. Nächsten Sontag werde ich jedenfalls dazu benützen, um von hier nach Hospenthal (Meyerhof) überzusiedeln. |

Ich benütze mit Vergnügen mein heutiges Schreiben, um meine Anerkennung des Fleißes und Benehmens der drei jungen Ingenieure gegen Sie auszusprechen, welche Sie die Güte hatten, mir an die Seite zu geben, und meine Zufriedenheit auch mit ihren Leistungen hiemit zu bezeugen. Da ich selbst über die Lösung meiner Aufgabe, so groß sie auch ist, nicht verzagt bin, so wird es uns sämtlich auch an der erforderlichen Ausdauer nicht fehlen, – um so weniger wird unser Eifer erkalten, da der Himmel uns so ausnehmend begünstigt.

Herr Homersdam hat sich noch nicht bei mir sehen laßen.

Die Wetli'schen Längen-Profile habe ich gestern Herrn R.R. Zingg zugeschickt, da Herr Koller in Basel sie auf kurze Zeit zur Correctur der lithographirten Längen-Profile zu haben wünschte.

Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung.

A Beckh.

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