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Korrespondenz: Alfred Escher – Adolph von Hansemann

AES B7233 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_061

Adolph von Hansemann an Alfred Escher, Berlin, Sonntag, 17. März 1872

Schlagwörter: Eisenbahnen Finanzierung, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt, Personelle Angelegenheiten

Briefe

Berlin, den 17ten März 1872.

Hochgeehrter Herr Praesident!

Aus Veranlassung Ihrer freundl. Mittheilungen vom 11. dss. telegraphirte ich Ihnen: «Soeben Brief elften empfangen. Meiner Überzeugung nach brin-gen schriftliche Verhandlungen nicht vom Fleck. Rathe Ihnen entschie-den, hierherzukommen, um über W.s Candidatur baldmöglichst im Klaren zu sein.» und erhielt hierauf Ihre Antwort: «Durch Krankheit ins Bett gebannt, sende meinen vertrautesten Ihnen bekannten Secretair Schweitzer mit bestimmten Instructionen nach Berlin. Er wird zuerst bei Ihnen vorsprechen und zu diesem | Ende künftigen Freitag Vormittag im Local der Discontogesellschaft erscheinen.»

Mit Bedauern erfuhr ich Ihr Unwohl-sein, hoffe aber, daß Sie inzwischen wieder ganz hergestellt sind.

Herr Schweitzer war hier, und wird Ihnen, ehe diese Zeilen eintreffen, be-richtet haben, daß seine Verhandlun--gen mit Herrn Ministerial-Director Weishaupt zu keinem Resultat ge-führt haben. – Meiner Ansicht nach wird die größte Schwierigkeit irgend welcher Verhandlung, welche Sie we-gen Besetzung der Stelle des Ober-Ingenieurs führen, darin bestehen, daß kein Mann von hervorragender Stellung und unabhängiger Gesin-nung sich dazu verstehen dürfte, die Stellung ohne Sitz und Stimme | in der Direction zu übernehmen. Hier in Preußen würde der Fall ganz unerhört sein, daß ein höherer Beamter mit consultirender Stimme sich an die Spitze der technischen Ausführung eines Privat-Unter-nehmens stellt,– und wenn sich sonst Jemand bereit findet, die für die Stellung des Ober-Inge-nieurs der Gotthardbahn gebotenen Bedingungen anzunehmen, so fürchte ich, daß mehr auf die finan-ziellen Vortheile einer solchen Stellung als auf die Verantwortlichkeit, welche sie involvirt, Rücksicht ge-nommen wird. Auch glaube ich, daß es nicht im Interesse der Gotthardbahn-Gesellschaft ist, diese Ver-antwortlichkeit herabzudrücken, in-dem sie den Ober-Ingenieur nicht mit beschließen sondern nur consul- | tiren läßt. Übrigens zweifele ich nicht daran, daß Ihr Scharfblick in dieser Frage den richtigen Aus-weg finden wird.

Auf die Emission der Iten Serie der Gotthard-Obligationen komme ich demnächst zurück. Selbstver-ständlich werden die Mitglieder des Consortiums der Gotthardbahn-Gesell-schaft andere Sicherheiten zu hinter-legen haben, wenn die Gesellschaft jene Obligationen dem Consortium zur freien Verfügung stellen soll.

Ich bin der Ansicht, daß die Obligationen zur Hälfte in Stücken à 1000 Francs und zur anderen Hälfte in Stücken à 1500 Francs an-gefertigt werden.

Mit freundschaftlicher Hochachtung

A Hansemann

Ich kann Ihnen aus der hiesigen Praxis Beispiele vorlegen, wie sich höhere Baubeamte, die aus dem Staatsdienst in ein Privatunternehmen übertraten, stets Sitz und Stimme in der Dir. während der Bauzeit gewahrt haben.