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Korrespondenz: Alfred Escher – Theodor Weishaupt
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    1. an Theodor Weishaupt, 28. Februar 1872 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Personelle Angelegenheiten, Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Gotthardbahnprojekt AES B7221
    2. von Theodor Weishaupt, 4. März 1872 Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Personelle Angelegenheiten AES B7222
    3. von Theodor Weishaupt, 12. März 1872 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt, Personelle Angelegenheiten, Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Deutscher Bundesrat AES B7225
    4. von Theodor Weishaupt, 31. März 1872 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Personelle Angelegenheiten, Gotthardbahnprojekt AES B7234
    5. an Theodor Weishaupt, 14. April 1872 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Personelle Angelegenheiten AES B7235
    1. an Theodor Weishaupt, 25. Januar 1874 Schlagwörter: Eisenbahnen Betrieb, Schweizerische Nordostbahn (NOB), Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt, Personelle Angelegenheiten, Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen AES B8139
    2. von Theodor Weishaupt, 28. Mai 1874 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Personelle Angelegenheiten, Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Gotthardtunnel, Tunnelbau, Eisenbahnen Bau und Technik, Gotthardbahnprojekt AES B2659+
    1. an Theodor Weishaupt, 18. Februar 1875 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Demissionen, Personelle Angelegenheiten, Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen AES B7484
    2. von Theodor Weishaupt, 24. Februar 1875 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Demissionen, Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft, Gotthardbahnprojekt AES B7485
  • 1880
  • o. J.

AES B7225 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_061

Theodor Weishaupt an Alfred Escher, Berlin, Dienstag, 12. März 1872

Schlagwörter: Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Deutscher Bundesrat, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt, Personelle Angelegenheiten

Briefe

Berlin den 12 März 1872
Wilhelmstraße 80. 1

Hochgeehrter Herr Präsident!

Im Anschluß an mein Telegramm u das vorangegangene Schreiben, in welchem ich das Eingehen Ihrer Anfrage vom 28 v. Mts bestätigte und die Unmöglichkeit darlegte, Berlin gegenwärtig verlassen zu können, gestatte ich mir Nachstehendes zu erwidern:

Vor allem drängt es mich, hochgeehrter Herr Präsident, meinen aufrichtigsten Dank dafür auszudrücken, daß die Direction der Gotthardsbahn bei der Besetzung der Stelle eines OberIngenieurs für die Bauleitung an mich gedacht hat. Mit freudiger Genugthuung erkenne ich hierin eine dankbare Würdigung meiner Bemühungen zu Gunsten des Unternehmens, welchem ich von dem Augenblicke an alle meine Sympathieen zuwandte, wo ich die große Bedeutung desselben nach eingehender Prüfung aller in Betracht kommenden politischen u commerziellen Verhältnisse in vollem Umfange erkannte. |

Die Verhandlungen in der Berner Conferenz konnten meine Überzeugungen nur befestigen. Diesen in Wort und That treu zu bleiben, verstand sich für mich von selbst.

Eine großartigere und lohnendere Aufgabe, als die Herstellung der Gotthardbahn, existirt zur Zeit im Gebiete der Technik nicht. Ich gestehe deßhalb offen, daß von allen an mich herangetretenen Anerbietungen, mit welchen mein Ausscheiden aus dem Preußischen Staatsdienst verknüpft war, keines bisher eine größere Anziehungskraft auf mich ausgeübt hat, als dasjenige, welches Sie im Auftrage der Direction an mich gerichtet haben. Eine besondere Freude würde es mir überdies sein, mit Ihnen vereint an dem Riesenwerke zu wirken. Auf der anderen Seite bin ich mit tausend Fesseln an mein Vaterland, an meine gegenwärtige Stelle gebunden.

Sie selbst finden es natürlich, wenn ich auf Grund Ihrer Anfrage noch keinen definitiven Entschluß fassen sollte, u halten | eine vorherige mündliche Erörterung der Angelegenheit für geboten.

Nach ruhiger mehrtägiger Überlegung und nicht ohne schweren Kampf erkläre ich mich bereit, in eine Prüfung der Frage meines Übertritts zur Gotthardsbahn einzutreten. Soll jedoch die mündliche Erörterung Aussicht gewähren, zum Ziele zu führen, so werden vorher wenigstens in allgemeinen Umrissen die Grundlagen bezeichnet werden müssen, von welchen dabei auszugehen sein wird. Erweisen sich diese Grundlagen für den einen oder anderen Theil für unannehmbar, so würde eine mündliche Erörterung, überhaupt ein weiteres Verhandeln überflüssig sein.

In dieser Beziehung gestatte ich mir in aller Offenheit zunächst zu bemerken, daß die finanzielle Seite der Frage zwar nicht außer Acht gelassen werden kann, für mich jedoch nicht in der ersten Reihe steht. Durch den diesjährigen Etat wird mein bisheriges Gehalt von 4500 Tl auf 5000 Thaler | erhöht; im Falle einer Pensionirung würde ich dermalen ein Ruhegehalt von 2900 Thalern beziehen; ein kleines Vermögen schützt im Falle meines Todes die Familie vor Noth. Wir Preußen sind an knappe Verhältnisse gewöhnt u befinden uns dabei wohl. Das Ehrenvolle der amtlichen Stellung ersetzt den äußeren Glanz. Einfachheit der Lebensweise bildet die Regel in der Beamtenfamilie u wird sorgsam gehegt.

Ungleich wichtiger ist daher die Frage, welche Stellung zum Unternehmen, zu den dirigirenden Organen, dem Verwaltungsrathe u der Direction, wie zu den ausführenden Organen ist mir zugedacht? Ich anerkenne, daß die Direction in Anbetracht der ihr obliegenden Verantwortlichkeit sich ihrer Machtbefugnisse, ihrer Rechte u Pflichten nicht begeben kann. Andererseits muß der leitende Techniker sich frei bewegen u unbeschränkt disponiren, insbesondere auch seine Gehülfen sich aussuchen dürfen | wenn er mit Hingebung und gutem Erfolg dem Werke sich widmen soll. Bei der verhältnißmäßig langen Zeit, welche seit der Constituirung des Verwaltungsraths u der Direction verflossen ist, darf ich annehmen, daß diese Fragen bereits ventilirt u im Wesentlichen beantwortet sind. Ich ersuche Sie daher, verehrter Herr Präsident, mir über beide Punkte nähere Mittheilung zu machen, resp. die für den OberIngenieur etwa bereits entworfene Dienstinstruction zugehen zu lassen, wonächst meiner Seits alsbald eine Gegenäußerung erfolgen würde. Schon jetzt bemerke ich jedoch, daß ich gern einen gewiegten Schweizer Ingenieur als meinen Stellvertreter annehmen, auch sonst so weit irgend thunlich auf Verwendung Schweizerischer Kräfte in den AufsichtsStellen eingehen würde. |

Zum Schluß bitte ich die meiner Gewohnheit widersprechende Verzögerung der Antwort zu entschuldigen, welche überdies alle Spuren der Flüchtigkeit an sich trägt. Abgesehen davon, daß es mir – wie Sie bei unbefangener Inbetrachtnahme meiner gesammten Lebensverhältnisse wie im Besonderen meiner jetzigen Stellung an der Spitze des Preußischen Eisenbahnwesens u im Bundesrathe des Deutschen Reiches natürlich finden werden – sehr schwer werden müßte, dem Gedanken Raum zu geben, außerhalb Deutschlands eine neue Stellung anzunehmen, so wüßte ich auch keinen Zeitpunkt meines Lebens, wo die amtlichen Geschäfte mich in so consumirender Weise in Anspruch genommen hätten, als gerade jetzt. Der Hochdruck, mit welchem augenblicklich im deutschen Eisenbahnwesen, in der Landesvertretung gearbeitet wird, entzieht sich aller Beschreibung. Ich bitte Sich jedoch | überzeugt zu halten, daß, nachdem der erste Schritt gethan, die weiteren in rascherem Tempo folgen würden.

Genehmigen Sie, hochgeehrter Herr Präsident, die Versicherung der ausgezeichnetsten Hochachtung von

Ihrem
ganz ergebenen

Weishaupt
Ministerialdirektor der
EisenbahnVerwaltung

Kommentareinträge

Nachträglicher Stempel oben rechts auf Seite 1 mit von dritter Hand eingetragener Nummer: «Gotthardbahn | 12 MAR. 1872. | No 853.» – Nachträgliche Inhaltsangabe oben links auf Seite 1 von dritter Hand: «Verhandlungen betr. Besetzung der Stelle eines Oberingenieurs.» – Nachträgliche Notiz unten rechts auf Seite 1 von dritter Hand: «Prot. 17. III. 72. No 227.»

1Nachträgliche Notiz von Eschers Hand: «empf. am 14 März Vorm. »

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