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Korrespondenz: Alfred Escher – Ludwig August Parcus

AES B7160 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_061 (Abzug)

Alfred Escher an Ludwig August Parcus, Zürich, Freitag, 16. Februar 1872

Schlagwörter: Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Brennerbahn, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Personelle Angelegenheiten

Briefe

Hochverehrter Herr!

Fortwährend mit der Frage der Besetzung der Oberingenieurstelle für die Gotthardbahn beschäftigt, bin ich zu der Ansicht gelangt, daß Hr. Achilles Thommen in Wien sich zu der Bekleidung dieser Stelle in besonderm Maaße eignen dürfte.

Nun ist mir aber in den letzten Tagen von Wien aus eine Mittheilung zugegangen, welche im Widerspruche mit dem Ergebnisse aller Erkundigungen, die ich vielorts bisanhin über Hrn. Thommen eingezogen, ungünstig für denselben lautet. Es wird ihm vorgeworfen, daß er bei dem Baue der Brennerbahn seiner Aufgabe nicht gewachsen gewesen, daß er sich von Erlanger als Consulent habe brauchen lassen u. s. w. Wenn ich nun auch annehmen zu sollen glaube, daß dieses Urtheil nicht auf das Prädicat der Unbefangenheit Anspruch machen könne, so hat es mich gleichwol etwas stutzig gemacht. Unter so bewandten Umständen bin ich darauf angewiesen, an zuverlässiger Stelle neuerdings Er| kundigungen über Hrn. Thommen einzuziehen, & so gelange ich denn vor allem aus auch an Sie, hochverehrter Herr! mit der ergebenen Bitte, mir Ihr Urtheil über Th. gefälligst mittheilen zu wollen. Bei Ihrem ausgedehnten Geschäftsverkehre & da Sie sich oft längere Zeit in Wien aufzuhalten im Falle sind, glaube ich von der Voraussetzung ausgehen zu dürfen, daß Ihnen die Persönlichkeit des Hrn. Th. genau bekannt sei. Ihr Befund über Th. wird aber bei mir von besonderm Gewichte sein.

Entschuldigen Sie gef. die Bemühung, die ich Ihnen verursache & wenn ich mir noch erlaube, die Bitte um eine möglichst beförderliche Beantwortung meiner Anfrage auszusprechen, so wollen Sie mir dieses im Hinblicke auf die dringende Nothwendigkeit einer baldigen Besetzung der Oberingenieurstelle zu gut halten.

Genehmigen Sie die Versicherung freundschaftlicher Hochachtung

Ihres ergebenen

Dr A Escher

Zürich
16 Febrr 1872.

Kommentareinträge

Nachträgliche Adresse oben links auf Seite 1 von Eschers Hand mit Bleistift: «Herrn Präs. Dr. Parcus, Darmstadt» .