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Korrespondenz: Alfred Escher – Samuel Friedrich Siegfried

AES B7009 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_010 (Abzug)

Alfred Escher an Samuel Friedrich Siegfried, Zürich, Dienstag, 1. Juni 1869

Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Schweizerische Centralbahn (SCB), Schweizerische Nordostbahn (NOB)

Briefe

Mein lieber Freund!

Den mir übermittelten Brief Forni's sammt der trefflichen Übersetzung Deines Sohnes lege ich zu den Tessineracten. Mit Punct 1.) bin ich einverstanden. Es wird im höchsten Interesse der zukünftigen Gotthardbahngesellschaft sein, die Bauloose namentlich auch auf Tessin'schem Boden thunlichst zu parzelliren & allfälligen daraus sich ergebenden Übelständen durch Bestellung einer besonders tüchtigen & practischen Bauleitung (Sectionsingenieur für die Tessiner Linien) zu begegnen. Ich bin ganz bereit, den Tessin'schen Mitgliedern der Bundesversammlung bei sich darbietender Gelegenheit Andeutungen in diesem Sinne zu geben. Punct 2.) hat mir schon viel zu denken gegeben. Ich befürchte daß es Gegenden den zwischen Giornico & dem Langensee geben wird, wo es mit den größten Schwierig| keiten verbunden sein dürfte, die Eisenbahn gegen die Überschwemmungen des Tessin zu schützen. Ob aber das große Werk der Eindämmung des Tessin dem kolossalen Werke der Überschienung des Gotthard noch auf den Nacken geladen werden können, wird schon der Überlegung bedürfen.

Deine Rechnung über die Dir in Folge Deiner Tessinermission erwachsenen Auslagen willst Du bestehender Übung gemäß dem Präsidenten des Gotthardausschusses, Herrn Zingg, einreichen. Fast in demselben Augenblicke, in welchem ich Dich wegen des Ausbleibens der amtlichen Ausfertigung der Tessinerconzession anfragte, erhielt ich die Mittheilung, daß sie endlich angekommen sei. Sie ist mir übersandt worden & ich habe sie untersuchen lassen. Sie stimmt mit unerheblichen Ausnahmen mit dem von Dir eingesandten Exemplare überein: Dagegen ist sowol in dem letztern als in der amtlichen Ausfertigung der Rückkauf in 60 Jahren nicht ausbedungen, sondern es wird gleich vom | 45sten bis zum 75sten Jahre ein Sprung gemacht. Wohl ein reiner lapsus calami, der übrigens den Canton Tessin & nicht uns berührt.

Um allen den Lügen, Vertrichungen & blödsinnigen Mißverständnissen betr. die Haltung der Centralbahn & Nordostbahn gegenüber der Gotthardunternehmung entgegenzuwirken, haben die beiden Bahngesellschaften auf den Wunsch des Gotthardausschusses ein an den letztern gerichtetes, zur Veröffentlichung bestimmtes Schreiben erlassen. Ich habe es in möglichst gedrängter Form abzufassen gesucht. Es wird in der morgenden N.Z.Z. erscheinen. Ich hoffe, es werde dazu geeignet sein, solche, welche nicht ganz verrannt sind, zu orientiren. Du weißt aber so gut wie ich, daß es Leute gibt, die nicht orientirt werden wollen!

Verlieren wir den Muth nicht. Wir haben ja das Bewußtsein, einen großen vaterländischen Zweck im Auge zu haben | & nichts anderes!

Verzeihe die Verspätung dieser Zeilen & entschuldige hiemit dem Übermaaße von Arbeit, die ich mir gegenwärtig zumuthen muß.

Mit herzlichem Gruße Dein

Dr A Escher

Zürich
1 Juni 1869.

Kommentareinträge

Nachträgliche Notiz oben links auf Seite 1 von Eschers Hand mit Bleistift: «Herrn Oberst Siegfried, Zofingen» .

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