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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B6862 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_010

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Samstag, 20. Februar 1869

Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr Präsident!

Ich gebe mir die Ehre, Ihnen hiemit im Anschluße eine mir ab Seite des Hrn. Veladini in Lugano zugekommene Zuschrift mitzutheilen, worin verschiedene Wünsche & Anregungen betreffend die weitern Schritte zur Verwirklichung des Bahnunternehmens Chiasso–Lugano enthalten sind. Wie Sie gefälligst aus der Zuschrift selbst entnehmen wollen, betreffen diese Anregungen namentlich die Fortsetzung der Unterhandlungen mit Mailand & Como für Subventionirung des in Frage stehenden Bahnunternehmens, welche nach der Ansicht Veladini's am besten durch die Municipalität v. Lugano gepflogen werden dürften; sodann die Aufstellung eines Prospektus für das Bahnunternehmen Chiasso–| Lugano, resp. Feststellung des Verhältnißes der Aktien dieses Unternehmens zur künftigen Gotthardtbahngesellschaft, Untersuchung der schwierigen Rechtsverhältniße bezüglich Erwerbung der ausgeführten Arbeiten & Fortsetzung der Verhandlungen hinsichtlich des Anschlußes in Camerlata. Beinebens wird auch eine baldige Erklärung des Gotthardtkomite gewünscht, welche Subsidie à fond perdu es als Aequivalent einer größern Betheiligung mit gewöhnlichen Aktien betrachten würde. –

Die Zuschrift macht auf mich den Eindruk, daß man in Lugano über die Folgen der Cession an das Gotthardtkomite noch in Unruhe ist & daß man deshalb sehr geneigt wäre, den Gotthardtausschuß bei Beschaffung der für das Unternehmen erforderlichen Mittel noch thätig zu unterstützen. Es scheint mir, daß es daher angezeigt sein | dürfte, die bezüglich dieses Bahnunternehmens in Betracht kommenden Fragen demnächst einer eingehenden Besprechung zu unterwerfen.

Ueber die Verhandlungen in Locarno lautet der letzte Bericht des Hrn. Weber: «Die erste Conferenz beendigt. Viele Ansprüche, schwierige Stellung, doch nicht ohne Hoffnung». –

Genehmigen Sie, hochgeachtetster Hr Präsident! bei diesem Anlaße die erneute Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung von

Ihrem freundschaftlich ergebenen

J. Zingg.

Luzern d. 20. Feb. 69.