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Korrespondenz: Alfred Escher – Adolph von Hansemann

AES B6779 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_014

Adolph von Hansemann an Alfred Escher, Berlin, Sonntag, 29. Oktober 1871

Schlagwörter: Bundesrat, Deutscher Reichstag, Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahnen Verträge, Gotthardbahnprojekt, Rothschild (Bankhaus), Schweizerische Centralbahn (SCB), Schweizerische Kreditanstalt (SKA), Schweizerische Nordostbahn (NOB), Staatsverträge

Briefe

Berlin, den 29. October 1871.

Hochgeehrter Herr Präsident!

Ich schrieb Ihnen zuletzt am 26. d. und empfing dagegen Ihre w. Mittheilungen vom 26 und 27. d. Aus der bisherigen formellen Behandlung werden Sie bereits mein Einverständniß mit Ihrer Ansicht ersehen haben, daß die Errichtung eines neuen Vertrages an Stelle desjenigen vom 10. October c. unter Hinzuziehung aller neu beitretenden Mitglieder der verschiedenen Gruppen unnöthig ist. Wenn die Mitglieder der schweizerischen und italienischen Gruppe den Eintritt in den Vertrag in gleicher Weise wie die Seehandlung, Rothschild u. s. w. der Gotthard-Vereinigung gegenüber erklären, und letztere [...?] der Disconto-Gesellschaft, der Bank für Handel & Industrie, des A. Schaaffhausen'schen Bank-Verein's und Hn Sal. Oppenheim jun. & Co mir, als Bevollmächtigten dieser Institute und Bankhäuser, die Entlastung für denjeni| gen Betrag anzeigt, für welchen die neuen Mitglieder der deutschen Gruppe, sowie die Mitglieder der schweizerischen und italienischen Gruppe in den Vertrag eingetreten sind, so dürfte dies vollkommen genügen, um das Vertragsverhältniß zwischen der Gotthard Vereinigung und den Mitgliedern der verschiedenen Gruppen definitiv zu ordnen. Außerdem müssen jedoch die Mitglieder der schweizerischen und italienischen Gruppe dem Consortium gegenüber einen Verpflichtungsschein nach dem von Ihnen vorgelegten Schema wegen Eintritts in den Syndikatsvertrag ausstellen. Die Seehandlung, das Haus Rothschild und S. Bleichröder haben bereits den Eintritt in den Syndikatsvertrag nach dem beiligenden Schema erklärt.

Die gemäß §. 18 des Vertrages der Gotthard-Vereinigung zu leistende Real-Caution dürfte bereits von allen Mitgliedern der deutschen Gruppe bei dem Schweizerischen Bundesrathe hinterlegt worden sein. Hierbei haben die Bank für Handel und Industrie und | die Disconto-Gesellschaft einen höheren Betrag von Effekten übersandt, als verhältnißmäßig erforderlich war, damit sie nöthigenfalls soviel Caution als auf ihre Unterbetheiligung bei den schweizerischen Eisenbahn-Gesellschaften und der Schweizerischen Creditanstalt entfällt, auf diese Gesellschaften übertragen können.

Ich bemerkte mir, daß vorerwähnte Unterbetheiligung nicht auf 5,100,000 Frcs. abgerundet werden konnte, und überwies demgemäß an die Bank für Handel und Industrie nur den Betrag von 2,000,000 Frcs. bei der Schweizerischen Centralbahn-Gesellschaft und 280,000 Frcs. bei der Schweizerischen Creditanstalt, worüber Ihnen die Bank für Handel & Industrie die Verpflichtungsscheine zugehen lassen wird; sodann der Diskonto-Gesellschaft nur den Betrag von 2,000,000 Frcs bei der Schweizerischen Nordostbahn-Gesellschaft und 720,000 Frcs. bei der Schweizerischen Creditanstalt, worüber ich Ihnen in der Anlage die Verpflichtungsscheine zustelle. Dagegen bitte ich den beiden Bank-Instituten die entsprechenden Bestätigungsschreiben zukommen zu lassen. |

Ich glaube nicht, daß bei der kleinen Zahl von Stellen im Verwaltungsrathe, welcher der deutschen Gruppe zur Besetzung offen steht, diese Gruppe in der Lage ist, den Wünschen des Herrn von Sybel nachzukommen. Nichts desto weniger stelle ich Ihnen anheim, mit Rücksicht auf ihre Lage, den Herrn von Sybel in Bezug auf die von ihm geäußerten Wünsche auf die deutsche Gruppe zu verweisen. –

Das deutsche Gesetz betreffend die Gotthard Eisenbahn ist gestern von dem Reichsrathe genehmigt worden, und soll morgen bereits die Vorlage an den Reichstag folgen, so daß möglicherweise die diesseitige Ratifikation vor dem 1 November erfolgen kann. Unter allen Umständen kommt der internationale Staatsvertrag nun bald zu Stande, wodurch der Constituirung und Organisation der Gesellschaft, sowie der Emission der Aktien Nichts mehr im Wege steht. Hinsichtlich der letzteren fragt es sich, ob und welchen Antheil man von dem Anrecht auf die Ersparnisse am großen Tunnelbau auf die Aktien übertragen soll. Ich würde es für angemessen halten, daß | das Consortium die Hälfte dieses Anrechts auf die Aktien überweist und die andere Hälfte für sich behält, und würde Ihnen sehr verbunden sein, wenn Sie mir Ihre Anschauung über diesen Punkt mittheilen.

Mit freundschaftlicher Hochachtung

A Hansemann

P. S. Ich bitte noch um gef.Zusendung von 20 Exemplaren des Gotthardvertrages in der deutschen Ausgabe.

Kommentareinträge

Nachträgliche Notiz oben in der Mitte auf Seite 1 von Eschers Hand mit roter Farbe: «1238 | nebst 2 Beilagen» .