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Korrespondenz: Alfred Escher – Adolph von Hansemann

AES B6776 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_014 (Abzug)

Alfred Escher an Adolph von Hansemann, Zürich, Donnerstag, 26. Oktober 1871

Schlagwörter: Bundesrat, Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahnen Verträge, Gotthardbahnprojekt, Schweizerische Centralbahn (SCB), Schweizerische Kreditanstalt (SKA), Schweizerische Nordostbahn (NOB)

Briefe

Zürich, den 26 October 1871.

Hochgeehrter Herr Geheimrath!

Ihre beiden geschätzten Zuschriften vom 23. & 24. dss Mts. sind mir richtig zugekommen und [ebenso?] [erkläre?] ich, daß ich [ihrer?] in der Beilage zu der Zuschrift vom 23. verzeichneten telegraphischen Depeschen an Sie abgesendet, beziehungsweise von Ihnen empfangen habe [& daß ich?] ferner die in dem Schreiben vom 24. reproduzirte Depesche an Sie erlassen und daß ich Ihnen endlich am 25. eine Depesche folgenden Inhaltes übermittelt habe.

«Die Schweizerische und die Italienische Gruppe übernehmen die ihnen anerbotenen zwei Dritttheile in ihrem ganzen Umfange.»

Ihrem geschätzten Schreiben vom 24. habe ich mit großer Befriedigung entnommen, daß Sie die Wahl zum Mitgliede des Verwaltungsrathes der Gotthardbahngesellschaft, welche die Schweizerische Gruppe [...?] des Consortiums auf Ihre hochverehrliche Person zu lenken gedenkt anzunehmen bereit seien. Ich werde nicht ermangeln, dem betreffenden Wahlkörper hievon Kenntniß zu geben und zweifle nicht daran, daß derselbe Ihre Erklärung mit derselben Genugthuung entgegen nehmen | wird, mit welcher sie mich erfüllt hat.

Gemäß § 2 des Vertrages betreffend Beschaffung des Baukapitales für die Gotthardbahn vom 10. October 1871 hatten die Gesellschaften, Institute und Bankhäuser der Schweiz und Italiens, an welche die Einladung zur Betheiligung an dem internationalen Consortium gerichtet worden ist, ihre diesfallsige Beitrittserklärung spätestens bis zum 24. dss. Mts. einschließlich in die Hände des Unterzeichneten in seiner Eigenschaft als Vertreter der Schweizerischen Gotthardvereinigung gelangen zu lassen. Schweizerischer Seits ist, wie ich Ihnen bereits telegraphisch zu melden das Vergnügen hatte, von dem Anerbieten der Betheiligung bei dem Consortium mit einem Dritttheile in vollem Umfange Gebrauch gemacht worden. Es befinden sich nach dem angebogenen Formulare ausgestellte Verpflichtungsscheine für die Gesammtsumme von 34 Millionen Franken in meinen Händen. Dieselben sind genau von denjenigen Firmen und für diejenigen Summen unterzeichnet, welche ich in meinem unter dem 20. October an Sie gerichteten Schreiben namhaft zu machen die Ehre hatte. Die Schweizerische Betheiligung bei dem internationalen Consortium ist also als vollständig und abschließlich geordnet anzusehen.

Italienischer Seits ist, wie ich Ihnen ebenfalls bereits telegraphisch zur Kenntniß gebracht habe, von der dem dortigen Kapitale angebotenen Betheiligung bei dem Consortium mit einem Dritttheile auch nichts frei gebleiben: ja, es hat eine sehr namhafte Ueberzeichnung Statt gefunden, mit deren Reduction im Sinne der früher mit Ihnen getroffenen Vorbe | redungen ich nunmehr beschäftigt bin. Die Verhandlungen, welche ich zu diesem Ende hin zu pflegen habe, bin ich thunlichst zu befördern bestrebt. Ich werde sie aber kaum vor der Mitte der nächsten Woche zu Ende führen können. Sobald dieß geschehen sein wird, werde ich Sie davon benachrichtigen. Mittlerweile wollen Sie die Versicherung entgegennehmen, daß ich zu bewirken wissen werde, daß die Italienische Gruppe unsers internationalen Consortiums eine wirklich Italienische sei und daß ihre Zusammensetzung nicht den Stempel der Einseitigkeit an sich trage.

Nachdem nunmehr feststeht, daß das Schweizerische und das Italienische Kapital von dem Anerbieten, sich mit je einem Dritttheile bei dem internationalen Consortium zu betheiligen, in vollem Umfange Gebrauch machen, wird die Schweizeische Gotthardvereinigung der Angabe, aus welchen Betheiligten sich definitiv die deutsche Gruppe bildet und welche Quote auf jeden Betheiligten dieser Gruppe entfällt (§. 3 des Vertrages a. E.) entgegensehen dürfen.

Es kann nun die Frage entsprechen, ob vom formellen Standpunkte aus die Vertragsurkunde, die von Ihnen, Hochverehrter Herr Geheimrath! und mir unterzeichnet worden ist, und in welche noch die endschaftliche Ratifikation des Vertrages durch die ständige Kommission der Gotthardvereinigung aufzunehmen sein wird, sowie ferner die Verpflichtungsscheine der Schweizerischen und Italienischen Mitglieder des internationalen Consortiums betreffend ihren Beitritt zu dem letzern und Ihre Erklärung über die | abschließliche Zusammensetzung der deutschen Gruppe und über die Quote der Betheiligung der einzelnen Firmen, welche derselben angehörten, als genügend anzusehen seien oder ob die Errichtung einer neuen Vertragsurkunde, in welcher die sämmtlichen Deutschen, Italienischen und Schweizerischen Firmen, welche abschließlich das Consortium bilden, unter Angabe der Summe, mit welcher jede Firma betheiligt ist, als Mitkontrahenten der Gotthardsvereinigung aufgeführt würden, als geboten erachtet werde. Ich ersuche Sie, mir die dortseitige Anschauungsweise über diesen Punkt gefälligst mittheilen zu wollen. Nach meiner unmaßgeblichen Ansicht kann von der Aufstellung einer neuen Vertragsurkunde unbedenklich Umgang genommen werden

Die gemäß §. 18 des Vertrages der Gotthardvereinigung bei dem Schweizerischen Bundesrathe zu leistende Realcaution von 10 Millionen Franken anlangend halte ich dafür, daß dieselbe von der Deutschen und von der Schweizerischen Gruppe, soweit an ihr, sofort geleistet werden soll, nachdem nunmehr feststeht, daß sowohl das Schweizerische als das Italienische Kapital von der jedem derselben anerbotenen Betheiligung bei dem internationalen Consortium mit einem Dritttheile in vollem Umfange Gebrauch machen. Die Italienische Gruppe wird die von ihr zu leistende Quote der Kaution von 10 Millionen Franken zu hinterlegen haben, sobald die Reduction der für die Italienische Betheiligung Statt gehabten Ueberzeichnung erfolgt und in Folge dessen abschließlich festgestellt sein wird, aus welchen Firmen die Italienische Gruppe besteht und mit welchem Betrage jede derselben | betheiligt ist.

Nach hierseitiger Auffassung können die Mitglieder des Consortiums die von ihnen zu hinterlegende Kaution direct an den Schweizerischen Bundesrath gelangen lassen, wenn es auch als angezeigt zu betrachten sein wird, daß sie von der erfolgten Kautionsleistung gleichzeitig der Schweizerischen Gotthardvereinigung Mittheilung machen.

In Betreff der Provision, welche die deutsche Gruppe für die ihr abgetretenen 5 Millionen der Schweizerischen Betheiligung an diejenigen Schweizerischen Firmen zu bezahlen hat, durch deren Vermittlung diese Abtretung bewerkstelligt wird, so ist der Anstand, welcher sich hierüber erhoben hat, durch Ihre Depesche vom 24. dss Mts. und durch Ihre Zuschrift vom gleichen Datum als erledigt zu betrachten. Ich darf hoffen, daß Sie sich von der Billigkeit des Standpunktes überzeugt haben werden, gemäß welchem die gleichen Bedingungen, welche für das in analoger Lage befindliche inländische Kapital Geltung haben, auch für das ausländische Kapital festgehalten werden.

Wenn Sie in Ihrer geschätzten Zuschrift vom 24. statt der zugeführten 5 Millionen Franken des Schweizerischen Antheiles einen Betrag von frs. 5,100,000 zu erhalten wünschen, um Ihre Quote des Schweizerischen Dritttheils auf 15% desselben abzurunden, so muß ich Sie bitten, von diesem Ansinnen Umgang nehmen zu wollen, da die Weiterungen, welche dadurch veranlaßt würden, in der That außer allem Verhältnisse zu dem Vortheile stünden, welcher aus einer solchen Abrundung für Sie | erwachsen kann.

Ich übermittle Ihnen in Beilage 1, einen Verpflichtungsschein zu Handen der Schweiz. Nordostbahngesellschaft in Zürich 2, einen Verpflichtungsschein zu Handen der Schweiz. Centralbahngesellschaft in Basel und 3, gemäß Ihrem Wunsche mehrere Formulare von Verpflichtungsscheinen zu Handen der Schweiz. Kreditanstalt in Zürich.

Gemäß den Dispotitionen, welche SIe nach Ihrem geschätzten Schreiben vom 26. October vorläufig getroffen haben, würde Ihre Direction der Discontogesellschaft, den unter 1, aufgeführten Verpflichtungsschein mit einer Zeichnung von 2 Millionen Franken, die Bank für Handel und Industrie in Darmstadt den unter 2, erwähnten Verpflichtungsschein mit derselben Zeichnung ausfüllen und es würde dann, was die fünfte durch die Vermittlung der Kreditanstalt zu zeichnende Million anlangt, der Discontogesellschaft und der Bank für Handel & Industire unbenommen bleiben, unter Benutzung der sub 3., bezeichneten Formulare diejenige Quote der fraglichen fünften Million zu zeichnen, welche jeder der beiden verehrlichen Firmen gemäß der zwischen denselben getroffenen Verabredung zukommen soll. Die 4 Verpflichtungsscheine sind sodann sammt und sonders mir zu Handen der betheiligten Schweizerischen Firmen zu übersenden.

Mit freundschaftlicher Hochachtung 1

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Nachträgliche Adresse oben links auf Seite 1 von Eschers Hand mit Bleistift: «Herrn Geheimrath Hansemann | Berlin

1Brieftext von dritter Hand ohne Unterschrift. – Nachträgliche Notiz von Eschers Hand mit Bleistift: «Dr. A. Escher» .