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Korrespondenz: Alfred Escher – Adolph von Hansemann

AES B6744 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_014 (Abzug)

Alfred Escher an Adolph von Hansemann, Zürich, Samstag, 23. September 1871

Schlagwörter: Bundesrat, Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahnen Verträge, Gotthardbahnprojekt

Briefe

Zürich, den 23. September 1871.

Hochverehrter Herr Geheimrath!

Ihre geschätzten Schreiben vom 18. & 19. dss Mts. sammt Beilagen und Ihre Sendung vom 21. sind mir richtig zugekommen. Ich verdanke Ihnen die darin enthaltenen Mittheilungen bestens.

Künftigen Dienstag (26. September) werde ich dem Ausschusse der Gotthardvereinigung über die eingelangten Anerbieten für Beschaffung des zu der Ausführung der Gotthardbahn erforderlichen Baukapitales Vorlage machen und denselben zu einer grundsätzlichen Entscheidung der Frage, welches Anerbieten anzunehmen sei, beziehungsweise auf Grundlage welchen Anerbietens die abschließlichen Vertragsunterhandlungen Statt zu finden haben, veranlaßen. Am darauf folgenden Mittwoch (27. September) werde ich mich damit beschäftigen, die Zustimmung der bundesräthlichen Gotthardkommission zu dem Beschlusse des Ausschusses der Gotthardvereinigung auszuwirken.

Es ist mir unbekannt, welche Entscheidung der Ausschuß | treffen und in welchem Sinne die bundesräthliche Kommission sich aussprechen wird. Ich halte aber dafür, daß Ihr Anerbieten – im Allgemeinen genommen und mit Vorbehalt etwaiger Modifikationen im Einzelnen – viele Chancen der Annahme haben dürfte.

Für den Fall, daß die Entscheidung in diesem Sinne erfolgen sollte, haben wir uns bei Ihrem jüngsten Aufenthalte in Zürich dahin geeinigt, daß unmittelbar nachher die weitern Unterhandlungen, welche zum Zwecke der Vereinbarung des zwischen der Gotthardvereinigung und dem Consortium abzuschließenden Vertrages erforderlich werden, zu pflegen seien, und als der Ort, wo diese Unterhandlungen Statt zu finden hätten, wurde vorläufig Frankfurt in Aussicht genommen. Bei näherer Ueberlegung will es mir nun aber scheinen, daß Bern der allein geeignete Ort hiezu wäre. Es ist eben neben dem Vertrage zwischen der Gotthardvereinigung und dem Consortium auch ein solcher zwischen dem Schweizerischen Bundesrathe und dem Consortium abzuschließen und da der eine und der andere Vertrag viele Berührungspunkte gemein haben und sich in manchen Beziehungen gewissermaßen gegenseitig bedingen, so dürfte es angezeigt, ja geradezu nothwendig sein, die beiden Verträge gleichzeitig zu Stand zu bringen. Der Vertrag zwischen dem Schweizerischen Bundesrathe und dem Consortium kann aber selbsverständlich nur an dem Sitze des Bundesrathes, in Bern, unterhandelt und abgeschlossen werden. |

Der Zweck dieser Zeilen besteht nun darin, von Ihnen zu erfahren, für's erste, ob Sie, falls der Ausschuß und die bundesräthliche Kommission sich im Prinzipe für das Anerbieten des «deutschen Comité's der Gotthardeisenbahn-Gesellschaft» erklären würden, geneigt wären, die Unterhandlungen zum Zwecke der Vereinbarung der in Folge dessen abzuschließenden Verträge in Bern zu pflegen, und sodann zweitens, vorausgesetzt, daß Sie sich hiezu bereit erklären würden, an welchem Tage es Ihnen möglich wäre, zum Behufe dieser Unterhandlungen in Bern einzutreffen. Ich hoffe, Ihnen am Mittwoch die Entscheidung des Ausschusses der Gotthardvereinigung und der bundesräthlichen Gotthardkommission auf telegraphischem Wege zur Kenntniß bringen zu können und was meine Disponibilität anbetrifft, so bin ich für die zu pflegenden Unterhandlungen an jedem beliebigen Tage vom 29. September (einschließlich) an verfügbar, mit einziger Ausnahme des 1. October's, den ich schon seit geraumer Zeit vergeben habe.

Wegen anderweitiger Anordnungen, die ich zu treffen habe, würde es mir sehr erwünscht sein, wenn es Ihnen möglich wäre, meine beiden Anfragen gleich nach Empfang dieser Zuschrift telegraphisch zu beantworten.

Mit vorzüglicher Hochachtung 1

Kommentareinträge

Nachträgliche Adresse oben links auf Seite 1 von Eschers Hand mit Bleistift: «Geheimrath Hansemann | Berlin

1Brieftext von dritter Hand ohne Unterschrift. – Nachträgliche Notiz von Eschers Hand mit Bleistift: «Dr. A. Escher» .