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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B6563 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_014 (Abzug)

Alfred Escher an Emil Welti, Zürich, Donnerstag, 26. Oktober 1871

Schlagwörter: Bankinstitute, Bundesrat, Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahnen Verträge, Schweizerische Centralbahn (SCB), Schweizerische Kreditanstalt (SKA), Schweizerische Nordostbahn (NOB)

Briefe

Zürich, den 26. October 1871.

Herrn E. Welti, Vicepräsident des Schweiz. Bundesrathes, zu Handen der bundesräthlichen Gotthardkommission. Bern.

Hochgeachteter Herr Bundesrath!

Gemäß des Vertrages betreffend Beschaffung des Baukapitales für die Gotthardbahn vom 14 October 1871 hatten die Gesellschaften, Institute & Bankhäuser der Schweiz & Italiens, an welche die Einladung zur Betheiligung an dem internationalen Consortium gerichtet worden ist, ihre desfallsige Beitrittserklärung spätestens bis zum 24. d. Mts. einschließlich in die Hände des Unterzeichneten in seiner Eigenschaft als Vertreter der Schweiz. Gotthardvereinigung gelangen zu laßen.

Schweizerischer Seits ist, wie ich Ihnen bereits telegraphisch zu melden die Ehre hatte, von dem Anerbieten der Betheiligung bei dem neuen internationalen Consortium mit einem Dritttheile in vollem Umfange Gebrauch gemacht worden. Es haben nämlich auf Grundlage einer in der Generalversammlung des Schweiz. Consortiums v. 18. d. Mts. stattgehabten Verständigung die nachfolgenden Firmen mit den nachstehenden Summen den Beitritt zu dem Consortium erklärt:

Schweiz Nordostbahngesellschaft in Zürich für Fr. 9,000,000
" Creditanstalt " " " " 8,500,000
" Centralbahngesellschaft in Basel " " 9,000,000|
Uebertrag Fr. 26,500,000
Basler Handelsbank in Basel für " 1,500,000
Bischoff zu St. Alban " " " " 1,500,000
R. Kaufmann " " " " 1,000,000
Bank in Luzern " Luzern " " 1,000,000
Aargauische Bank " Aarau " " 1,000,000
Berner Handelsbank " Bern " " 500,000
Bank in Schaffhausen " Schaffhausen " " 750,000
Thurgauische Hypothekenbank " Frauenfeld " " 250,000
Fr. 34,000,000

Es befinden sich die nach dem angebogenen Formulare ausgestellten Verpflichtungsscheine obiger Firmen für die obigen Beträge sammt & sonders in meinen Händen & es ist somit die Schweiz. Betheiligung bei dem internationalen Consortium als vollständig & abschließlich geordnet anzusehen.

Italienischer Seits ist, wie ich Ihnen ebenfalls bereits telegraphisch zur Kenntniß gebracht habe, von der dem dortigen Kapitale angebotenen Betheiligung bei dem Consortium mit einem Dritttheile auch nichts frei geblieben: es hat vielmehr eine sehr namhafte Ueberzeichnung Statt gefunden, mit deren Reduction im Sinne der früher mit Ihnen, mit der Deutschen Gruppe des Consortiums & mit dem Gotthardausschusse gepflogenen Besprechungen ich nunmehr beschäftigt bin. Die Verhandlungen, welche ich zu diesem Ende hin zu pflegen habe, bin ich zwar thunlichst zu befördern bestrebt. Ich werde sie aber kaum vor der Mitte der nächsten Woche zu Ende führen können. Sobald dieß geschehen sein wird, werde ich Sie davon benachrichtigen. Mittlerweile wollen | Sie gegenüber von Befürchtungen, die vielfach laut geworden sind, die Versicherung entgegennehmen, daß ich zu bewirken wissen werde, daß die Italienische Gruppe des internationalen Consortiums eine wirklich Italienische sei & daß ihre Zusammensetzung auch nicht den Stempel der Einseitigkeit an sich trage.

Gegenüber der Deutschen Gruppe des internationalen Consortiums habe ich mit Zuschrift vom heutigen Tage die Erwartung ausgesprochen, daß, da nunmehr die Betheiligung einer Schweizerischen & einer Italienischen Gruppe bei dem Consortium mit je einem Dritttheile feststehe, die Gotthardvereinigung der Angabe, aus welchen Betheiligten sich definitiv die Deutsche Gruppe bilde & welche Quote auf jede Betheiligten dieser Gruppe entfalle (§ 3 des Vertrages a. E.) werde entgegensehen dürfen.

Die gemäß §. 18 des Vertrages der Gotthardvereinigung bei dem Schweiz. Bundesrathe zu leistende Realkaution von 10 Millionen Franken anlangend, halte ich dafür, daß dieselbe von der Deutschen & von der Schweizerischen Gruppe, soweit an ihr, sofort geleistet werden soll, nachdem nunmehr feststeht, daß sowohl das Schweizerische als das Italienische Kapital von der jedem derselben anerbotenen Dritttheile-Betheiligung bei dem internationalen Consortium in vollem Umfange Gebrauch machen. Die Italienische Gruppe wird die von ihr zu leistende Quote der Caution von 10 Millionen Franken zu hinterlegen haben, sobald die Reduction der für die Italienische Betheiligung Statt gehabten Ueberzeichnung erfolgt & in Folge dessen abschließlich festgestellt sein wird, aus welchen Firmen die Italienische Gruppe besteht, mit welchem Betrage jede derselben betheiligt ist. – Ich habe heute im Sinne dieser Anschauungsweise an die Deutsche Gruppe des Consortiums geschrieben & in meiner Eigenschaft als Präsident des | Schweiz. Consortiums an die Schweizerische Gruppe ein Circular erlaßen. Ich zweifle nicht daran, daß diese Schritte den gewünschten Erfolg haben werden.

Noch erübrigt mir, zu Ihrer Kenntniß zu bringen, daß ich die Schweizerische & die Deutsche Gruppe des Consortiums veranlaßt habe, die von ihnen zu hinterlegende Caution direct an den hohen Schweiz. Bundesrath gelangen zu laßen & die Schweizerische Gotthardvereinigung gleichzeitig von der erfolgten Cautionsleistung zu unterrichten.

Indem ich nicht verfehlen durfte, Ihnen zu Handen der Tit. bundesräthlichen Gotthardkommission, beziehungsweise des hohen Bundesrathes, diese Mittheilungen zu machen versichere ich Sie, hochverehrter Herr Bundesrath meiner ausgezeichneten Hochachtung

Der Delegirte des Ausschusses der Gotthardvereinigung für die Beschaffung des Baukapitales: 1

Kommentareinträge

Nachträgliche Notiz oben rechts auf Seite 1 von Eschers Hand mit Bleistift: «Finanz-Konsort. »

1Brieftext von dritter Hand ohne Unterschrift.