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Korrespondenz: Alfred Escher – Karl Wilhelm von Graffenried

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Karl Wilhelm von Graffenried an Alfred Escher, Bellmund, Sonntag, 18. April 1869

Schlagwörter: Bankinstitute, Eisenbahnen Finanzierung, Gotthardbahnprojekt

Briefe

MHHerrn Präsidenten Dr A. Escher,
Zürich. 1

Belmont b. Bern, 18 April, 1869

Hochgeachteter Herr Präsident,

Ihrem Auftrage gemäß habe ich letzen Mittwoch den in Bern anwesenden Chef des Hauses Marcuard & Co, Herrn Eugen Marcuard, in confidentieller Weise angefragt, ob sein Haus zu dem Gotthardconsortium beizutreten geneigt wäre.

Herr Eugen Marcuard erklärte mir zwar seine persönliche Bereitwilligkeit, zu einer Betheiligung seines Hauses Hand zu bieten: wollte | aber darüber vor der auf Ende letzter Woche vertagten Rückkehr des Herrn von Jenner eine bestimmte Antwort nicht abgeben. Herr von Jenner nun, welchen ich sofort nach seiner Ankunft sprach, theilte mir mit, daß er die Angelegenheit mit seinem Associe berathen habe, und den Beitritt seines Hauses ablehnen zu müßen bedaure, da Herr Eugen Marcuard mit Rücksicht auf seine Gesundheitsverhältniße die Theilnahme des Hauses an jedem Geschäfte von größerer Tragweite und längerer | Dauer von der Hand weisen zu sollen glaube. Wie gewöhnlich schützte auch in diesem Falle Herr von Jenner als Vorwand seiner eigenen Abneigung die Gesundheit des Herrn E. Marcuard vor.

Herr von Gonzenbach, welcher mit meiner Anfrage beim Hause Marcuard einverstanden gewesen war, hält nun mit mir weitere Schritte bei anderen hiesigen Häusern für durchaus überflüßig, weil sicherlich erfolglos. Sollten Sie indeßen wünschen, daß ich Solche noch versuche, | so würde ich Ihre darauf bezüglichen gefälligen Weisungen gerne befolgen.

Die Rückäußerung des Kantons Bern an den Bund scheint mir ebenso gefährlich gemeint als formlos zu sein.

Ich bin sehr gespannt auf das Ergebniß der heutigen Abstimmung in Zürich, und stehe einem allfälligen Rufe des Herrn Dir. Stoll nach Berlin zur Verfügung.

Genehmigen Sie, hochgeachteter Herr Präsident, den Ausdruck meiner dankbaren Anhänglichkeit.

Wilhelm von Graffenried

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