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Korrespondenz: Alfred Escher – Alphons Koechlin-Geigy

AES B6303 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_014

Alphons Koechlin-Geigy an Alfred Escher, Basel, Sonntag, 4. April 1869

Schlagwörter: Bankinstitute, Eisenbahnen Finanzierung, Gotthardbahnprojekt

Briefe

Basel den 4 April 1869.

K G

Verehrter Herr Escher!

Gegen mein gestriges Telegramm erhielt ich Ihr heutiges, das eine Besprechung auf morgen 12 Uhr in Olten beantragt. Ich antwortete telegrafisch, daß die Handelsbank eine Besprechung der verschiedenen Banken mit den Vertretern resp. dem Vertreter des Gotthardcomité als wünschbar erachte und daß ich persönlich morgen abgehalten bin wegen der nahen Hochzeitsfeier meiner Tochter, die auch noch vieles zu thun giebt. Ich füge nun zur Aufklärung bei, daß die Hauptfragen, welche nach Ansicht meiner Collegen im Ausschuß der Handelsbk vor der Bestimmung einer Summe noch | zu erörtern wären, damit man doch nicht ganz blindlings in die Sache hineingehe, folgende sind: 1o die event. Stellung des Consortiums zur Gotthardtgesellschaft? 2o Wie weit kann man in den Uebernahmebedingungen gegenüber auswärtigen Consortien od. Bankhäusern gehn? Und mit welchen auswärtigen Consortien resp. Bankhäusern gedenkt man anzubinden? 3o Wird beabsichtigt bez. glaubt man Aussicht zu haben, die zu übernehmenden Aktien vor Vollendung der Bahn, ja vielleicht in Bälde emittiren zu können.

Ich meine nun nicht, daß alle diese Fragen jetzt schon genau beantwortet werden sollen, allein immerhin hängt es von der | verschiedenen Art & Weise, wie man dieselben auffaßt ab, ob die Uebernahme für ein Bankinstitut ein finanzielles Geschäft werden kann oder nicht. Im erstern Falle würde natürlich die Summe des Entgelts eine höhere werden.

Im allgemeinen ist man hier noch nicht sehr warm und die Kritik, welche allem neuen in erster Linie gegenüber tritt, macht sich noch sehr bereit, so daß es einer bedeutenden Anstrengung bedürfte, um einstweilen nur so weit zu kommen. Ich zweifle auch, ob der Bankverein einen andern Standpunkt einnehmen wird und es scheint mir nun, da unter unsern Finanzleuten auch noch eine ziemliche Unkenntniß der maßgebenden Factoren bezügl. des Unter| nehmens selbst herrscht, es wäre zweckmäßig, in Bälde eine Versammlung der Gotthardt männer & der Financiers zu veranstalten, worinn die erstern ihre Ueberzeugungen und Erfahrungen, die letztern ihre Ansichten & ihre Zweifel aussprechen könnten & worinn ferner, womöglich ein etwas bestimmteres Programm aufgestellt würde.

Im übrigen stehe stets, soweit möglich zu Diensten

Ihr ergebener

Koechlin-Geigy

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