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Korrespondenz: Alfred Escher – Franz von Roggenbach
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    1. an Franz von Roggenbach, [20. Oktober? 1864] Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Gotthardbahnprojekt AES B6072
    2. an Franz von Roggenbach, 16. November 1864 Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Bundesrat, Handelsverträge, Staatsverträge, Zollwesen, Gotthardbahnprojekt, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen AES B6049
    3. an Franz von Roggenbach, 20. Dezember 1864 Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Diplomatische Aktivitäten, Handelsverträge, Staatsverträge, Bundesrat AES B6050
    1. von Franz von Roggenbach, 23. Februar 1865 Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Eisenbahnanschluss an ausländische Netze, Handelsverträge, Staatsverträge, Gotthardbahnprojekt, Lukmanierbahnprojekt, Brennerbahn AES B6051+
    2. an Franz von Roggenbach, 5. März 1865 Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Alpenbahn (allgemein), Handelsverträge, Staatsverträge, Bundesrat, Lukmanierbahnprojekt, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen AES B6052
    3. an Franz von Roggenbach, 29. Mai 1865 Schlagwörter: Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt AES B6054
    4. von Franz von Roggenbach, 16. Juni 1865 Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Eisenbahnen Betrieb, Handelsverträge, Staatsverträge AES B6053
    5. an Franz von Roggenbach, 19. Juni 1865 Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Splügenbahnprojekt, Gotthardbahnprojekt, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Lukmanierbahnprojekt, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Eisenbahnen Finanzierung, Handelsverträge, Staatsverträge AES B6055
    6. an Franz von Roggenbach, 7. Juli 1865 Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Alpenbahn (allgemein), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Eisenbahnen Finanzierung, Lukmanierbahnprojekt, Diplomatische Aktivitäten AES B6099
    7. von Franz von Roggenbach, 16. Juli 1865 Schlagwörter: Lukmanierbahnprojekt, Handelsverträge, Staatsverträge, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Mont-Cenis-Bahn, Eisenbahnen Finanzierung AES B6056
    8. an Franz von Roggenbach, 29. Juli 1865 Schlagwörter: Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Gotthardbahnprojekt, Eisenbahnstrecken Konzessionen, Lukmanierbahnprojekt, Vereinigte Bundesversammlung, Eisenbahnen Finanzierung AES B6057
    9. von Franz von Roggenbach, 17. August 1865 Schlagwörter: Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Gotthardbahnprojekt, Eisenbahnen Finanzierung, Italienisches Parlament, Lukmanierbahnprojekt, Brennerbahn, Mont-Cenis-Bahn AES B6058
    10. an Franz von Roggenbach, 23. August 1865 Schlagwörter: Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Gotthardbahnprojekt, Alpenbahn (allgemein), Eisenbahnstrecken Konzessionen, Vereinigte Bundesversammlung, Lukmanierbahnprojekt, Eisenbahnen Finanzierung AES B6098
    11. von Franz von Roggenbach, 26. September 1865 Schlagwörter: Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Gotthardbahnprojekt AES B6061
    12. an Franz von Roggenbach, 13. Oktober 1865 Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Lukmanierbahnprojekt, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Eisenbahnen Finanzierung, Bundesrat, Grosser Rat LU, Grosser Rat BS, Grosser Rat AG, Schweizerische Centralbahn (SCB), Schweizerische Nordostbahn (NOB) AES B6068
    13. an Franz von Roggenbach, 29. November 1865 Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Bundesrat, Splügenbahnprojekt, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur) AES B6064
  • 1870
  • 1880
  • o. J.

AES B6099 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_007 (Entwurf)

Alfred Escher an Franz von Roggenbach, Zürich, Freitag, 7. Juli 1865

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Diplomatische Aktivitäten, Eisenbahnen Finanzierung, Gotthardbahnprojekt, Lukmanierbahnprojekt, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Ewr Excellenz

glaube ich im Anschlusse an meine Zuschrift v. 19 v. M. weitere die Alpenbahnfrage betreffende Mittheilungen machen zu sollen.

Veranlaßt durch wiederholte Anregungen des Schweiz. Gesandten in Italien, welche einen immer dringendern Character annahmen, begab sich die aus Herrn Bürgermstr Stehlin v. Basel & dem Unterzeichneten bestehende Delegation des Gotthardausschusses, welche Italien als Wirkungskreis angewiesen erhalten hat, nach Florenz, um in den dortigen offiziellen Kreisen die durch die obwaltenden Umstände gebotenen confidentiellen Besprechungen zu pflegen. Wir überzeugten uns auch bald davon, daß der Minister d. öff. Arbeiten Hr Jacini, zwar nicht den Schein auf s. laden wollte, als hätte er uns zur Anknüpfg. v. Unterhandlungen nach Florenz berufen, daß er aber nichts desto weniger sehr gewünscht hat, die Alpenbahnfrage unter Vermeidg. dss Anscheines zum Gegenstande einer eingehenden Unterredg. mit uns zu machen. Der Minister hält die Frage der Alpenüberschieng. für spruchreif. Er ist entschlossen, sie den Kammern bei ihrem auf künftigen October in Aussicht genommenen Zusammentritte zur Entscheidg. vorzulegen. Er hält dafür, daß vom technischen Standpuncte aus die verschiedenen zur Sprache kommenden Projecte ungefähr auf glei| cher Linie stehen & daß vom commerziellen Standpuncte aus der Gotthard sich den andern Alpenpässen gegenüber jedenfalls n. im Nachtheile befinde. Ich zweifle sogar gemäß manchen Wahrnehmungen, welche ich selbst zu machen im Falle war, & im Hinblicke auf viele Mittheilungen, die ich Dritten verdanke, nicht im mindesten daran, daß der Minister persönlich den Gotthard allen andern Projecten vorzieht. Er hält aber dafür, daß, um die Waagschaale der Entscheidg. in Italien auf die Ste. ds Gotthard sinken zu lassen, noch ein weiteres Gewicht in dieselbe geworfen werden müsse & dss Gewicht erblickt er darin, daß die Summe der Subventionen, welche die dießseits der Alpen gelegenen Länder für den Gotthard gewähren zu wollen erklären, erheblich belangreicher sei als die für die übrigen Alpenpässe in Aussicht stehenden Geldunterstützungen. Der Minister dringt also sehr darauf, daß namentlich Deutschland & die Schweiz sich mit möglichster Beförderg. über die Subventionen aussprechen, welche sie der Gotthardbahn zu Theil werden lassen wollen. Mit Bez. auf die dabei zu Grunde zu legende finanzielle Combination geht er von folgender Grundanschaug. aus: Er würde einer zu gründenden Gesellschaft zuzusagen s., daß man ihr den großen Alpentunnel vollkommen betriebsfähig entweder ganz unentgeldlich oder gegen Actien IIr Priorität, denen selbstverständlich keine weiter gehenden Chancen eröffnet werden könnten, übergeben werde. Unter dieser Voraussetzg. glaubt Hr. Jacini die Aufbringg. der übrigen erforderlichen Fonds in Italien | mit Bestimmtheit in Aussicht nehmen zu können. Wenn etwa die Verwirklichg. dsr Erwartg. als zweifelhaft erscheinen möchte, so dürfte doch immerhin darauf zu rechnen sein, daß sich nebst dem Italienischen auch Englisches, Holländisches, Belgisches & Deutsches Capital zur Beschaffung der erforderlichen Fonds bereit finden lassen werde. Der Bau des Alpentunnels würde von Italien auf seine Gefahr übernommen, in der Meinung, daß Seitens der dießseits der Alpen befindlichen mitinteressirten Länder eine fixe Subvention von 35 Millionen Franken in Raten, welche dem Vorrücken der Tunnelarbeiten zu entsprechen hätten, an Italien zu bezalen wären. Wenn ich auch die Summe von 35 Millionen vorläufig als etwas zu hoch gegriffen bezeichnen zu sollen glaubte, so scheint mir im übrigen der Plan ein durchaus annehmbarer zu sein & er ist auch im Schooße des Gotthardausschusses nicht ungünstig aufgenommen worden. Die Übernahme der mit der Tunnelbaute verbundenen Chancen durch Italien, während die übrigen interessirten Länder lediglich e. fixe Summe zu entrichten haben würden, & die auf 10–15 Jahre sich vertheilende Einzalg. der Subventionsbeiträge dürften ganz besonders dazu angethan sein, dem Plan in Deutschland & in d. Schweiz zur Emphehlung zu gereichen.

Die Delegation hat sodann Gelegenht gehabt, sich davon zu überzeugen, daß das Gotthardproject in der öffentlichen Meing. Italiens sehr bedeutende Fortschritte gemacht hat. Es dürfte dieser erfreuliche Erfolg namentlich auch der Denkschrift über die commerzielle Bedeutg. ds Gotthard's zuzuschreiben sein. Besonders in Genua, auf dessen Urtheil in Italien aus guten Gründen | wesentlich abgestellt wird, scheint ein vollkommener Umschwung eingetreten zu sein. Während Genua früher als die Hauptburg ds Lucmanier angesehen wurde, neigt es sich nun v. Tag zu Tag mehr dem Gottharde zu. Es besteht zur Stunde noch ein Decret, gemäß welchem die 7 Millionen Franken, welche der Provinzial- & der Municipalrath von Genua eine r Schweizerisch en Alpenbahn zuzuwenden beschlossen haben, ausschließlich einer Lucmanierbahn zukommen soll. Gemäß dem in Genua Statt gehabten Umschwunge in der öff. Meing. dürfte nun demnächst dss Decret aufgehoben & durch e. anderes ersetzt werden, gemäß welchem die fraglichen 7 Millionen Frkn. n. mehr bloß dem Lucmanier, sondern demjenigen Alpenbahnprojecte zu Theil werden sollen, welches die meisten Aussichten auf Verwirklichg. darbietet. Aber auch in Genua ist der Delegation von allen Seiten erklärt worden, es müsse nun v. den Projecten zur That geschritten werden & es werde derjenige Alpenpaß, dessen Ausführg. zuerst gesichert werden könne, schon deshalb in Italien den Sieg davon tragen.

Noch muß ich Ewr Excellenz Aufmerksamkt auf eine sehr wichtige Seite der vorliegenden Frage richten, ich meine die Stellg., welche Rothschild & die mit ihm verbundenen Finanzmächte (Talabot, Hentsch u. s. f.) zu der Alpenbahnfrage einnehmen dürften. Sehr viele Anzeichen, deren Aufzälg. in d. gegenwärtigen Briefe zu weit führen würde , weisen, darauf hin, daß v. dsr. Seite der Lucmanier als Programm aufgestellt wird & daß im gegebenen Augenblicke mit aller Kraft auf d. Verwirklichg. desselben hingearbeitet werden dürfte. Es ist sehr bezeichnend, daß von Rothschild'scher Seite gegenwärtig Vertagg. der Fra| ge gepredigt wird. Es ist augenscheinlich, daß es wesentlich deshalb geschieht, weil man weiß, daß Jacini dem Gottharde günstig gestimmt ist, & weil man sich der Hoffng. hingiebt, es werde e. baldiger Wechsel des Ministeriums Statt finden. Wohl auch hier, wie so oft, wird es angezeigt sein, das Gegentheil von dem zu thun, was die Gegner anrathen.

Angesichts aller dsr Verhältnisse hat die Delegation des Gotthardausschusses für Italien die Überzeugg. gewinnen müssen, daß nunmehr energisch vorgegangen werden muß & daß, man sich auch bei der ruhigsten Abwägg. aller Verhältnisse dem Schlusse n. entziehen kann: Jetzt oder nie. Ewr. Excellenz brauche ich n. in Erinnerg. zu rufen, daß jede Frage ihre Zeit hat & daß den rechten Ztpunct verpassen immer auch die Sache selbst verscherzen heißt.

In Würdigg. der obwaltenden Situation hat der Gotthardausschuß beschlossen, sofort in d. Schwz. die erforderlichen einleitenden Schritte zur Beschaffg. der Subventionen für den Gotthard zu thun. Zugleich bin ich aber auch beauftragt worden, Ewr Excellenz die Sachlage in Italien darzulegen & damit das dringende Ansuchen um ein entsprechendes Vorgehen in Deutschland zu verbinden. Indem ich mich dieses Mandates anmit entledige, sehe ich Ewr Excellenz gef. Rückäußerg. entgegen, wobei ich meines Collegen, ds Hrn. Brgrmster Stehlin, & meine Bereitwilligkeit zu einer mündlichen Besprechg. mit Ewr Excellenz, falls Sie eine solche wünschen sollten, ganz ergebenst Kund zu geben mir erlaube.|

Genehmigen Ewr Excellenz die erneuerte Versicherg. ausgezeichnetster Hochachtung & unwandelbarer Verehrg. v.

Ihrem ergebenen

Zürich 7 Juli 1865