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Korrespondenz: Alfred Escher – Maximilian Heinrich von Roeder

AES B6040 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_007

Maximilian Heinrich von Roeder an Alfred Escher, Vevey, Freitag, 14. Oktober 1870

Schlagwörter: Eisenbahnen Verträge, Gotthardbahnprojekt, Italienisches Parlament, Staatsverträge

Briefe

Vevey den 14. 10. 70.

Wie Sie mein verehrter Herr und Freund, sehr richtig fühlen und denken, musz man inmitten des militairischen wie diplomatischen Schlachtengewühles nicht mod à propos mit Depechen pp kommen. –

Um aber unserer Sache doch möglichst förderlich zu sein habe ich mich in Folgendem direct an meinen Kollegen in Florenz gewandt.

«Privatim mein verehrter Herr und Kollege geht mir die Mittheilung zu, dasz die in der Gotthardangelegenheit niedergesetzte Kommission des ital. Parlamentes vollzählig in Florenz zusammen|

getreten sei und Mordini zu ihrem Berichterstatter ernannt habe. Man scheint aber in den der Sache nahestehenden Kreisen gerechte Besorgnisze zu hegen, dasz, mit Ausnahme von Correnti, die Minister die Ratifikation des Gotthardvertrages bei der Kammer der Abgeordneten gegenwärtig mit wenig Wärme befürworten dürften. Dagegen schreibt man: «La plus petite démarche de la part du Cte Brassier suffirait pour leur donner l'élan nécessaire»

Bei dem unausgesetztem Interesse, welches speciel unsere Aller| höchsten Herrschaften diesem Projecte widmen, und welches durch die in Aussicht genommene Zukunft des Elsass sich noch bedeutend steigern dürfte, habe ich geglaubt, verehrter Graf, Sie von diesem indirect zu meiner Kenntnisz gelangten Eindruck, kollegialisch benachrichtigen zu wollen.

Bei den vielfachen Geschäften und Präoccupationen in Berlin und Versailles dürfte es uns anheimfallen diese Angelegenheit auch ohne Anregung von dort scharf im Auge zu behalten, eine Auffassung in der wir uns gewisz zu | gemeinsamen Wirken begegnen.»

Ich glaube nicht zu irren in der Voraussetzung daß dies auf unseren Grafen einen gewiszen Zauber ausüben dürfte.

Für einige Tage hier zum epuiesé Ausruhen stört das Wetter gänzlich die sonst so schöne Weinlese und fallen mir dagegen so viele Briefe dans la brante, dasz ich sie kaum fortschleppen kann. – So eben schreibt mein Sohn er ginge nach Metz um dem Regiment seines Prinzen einen convoi zu überbringen u hoffe doch noch etwas mitmachen zu können. Gott führe ihn gesund Heim. Sonntag gedenke ich wieder in Bern zu sein.

Einen herzlichen Freundesgrusz von

Ihrem

treu ergebenster

Roeder