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Korrespondenz: Alfred Escher – Bernhard Hammer
  • 1820
  • 1830
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  • 1850
  • 1860
  • von Bernhard Hammer, 20. März 1869 Schlagwörter: Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Zollwesen, Presse (allgemein) AES B6028
  • 1870
    1. an Bernhard Hammer, 10. Juni 1871 Schlagwörter: Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Gotthardbahnprojekt, Bundesrat, Deutscher Reichstag, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Presse (allgemein), Italienisches Parlament AES B5471
    2. von Bernhard Hammer, 24. Juni 1871 Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Deutscher Reichstag, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur) AES B5801
  • 1880
  • o. J.

AES B6028 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_007

Bernhard Hammer an Alfred Escher, Berlin, Samstag, 20. März 1869

Schlagwörter: Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt, Presse (allgemein), Zollwesen, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Berlin 20 März 1869

B H

Lieber Freund!

Für die Zusendung des italienischen Gutachtens danke ich Dir bestens. Ich lese daßelbe mit großem Intereße – u. möchte nun wünschen, daß auch die preußische Regierung, als solche, oder als norddeutsche Präsidialmacht die als Zollvereins-Execution dem Beispiel Italiens folgend der Alpenbahnfrage eine gründliche allseitige Untersuchung unterstellt. – Mir scheint, die conkurrirende Schweiz. Unternehmung sollte namentlich trachten, eine so methodische Regierung, wie die preußische ist. – Auf den Weg einer methodischen Untersuchung die Frage zu führen. Ich glaube, daß mit diesem Verfahren den wirklich besten Gründen am sichersten u. auch am schnellsten die Wege | geebnet werden können.

So sehr auch die Preußische Regierung einer Schweiz. Alpenbahn, u. speziell der Gotthardbahn gewogen sein mag, so habe ich doch, aus guter Quelle schöpfend, die Ueberzeugung gewonnen, daß Preußen einstweilen seinen Geldbeutel noch nicht öffnen will, am liebsten aber materielle Betheiligung dem Zollverein überlaßen möchte. Inzwischen behält sich Preußen die beliebte Politik der s.g. «freien Hand» vor, u. ruft uns einige Phrasen zu, an denen wir einige Zeit herumzappeln können. (Antwort auf Sybels Interpellation)

Die bestimmenden Gründe für dieses Verhalten Preußens sind: 1. die Störung des Gleichgewichts in ihren Finanzen, welche seit letztem Jahr zu Tage getreten, u. inskünftig vielleicht noch mehr zu Tage treten wird. 2. Der drükende Alp der immerwährenden Kriegsbesorgniß. | 3. die Langsichtigkeit des Unternehmens selbst. In letzterer Beziehung werden die Brochüren, die Du vertheilen läßt, ihre Wirkung nicht verfehlen u. auch die Leute hier belehren, daß nur tiefe Linien lebensfähig sind.

Wegen der in Ziffer 1 berührten Finanzlage wird Preußen trachten, – möglichst auf den Zollverein abzuladen. – Ich glaube auch, daß es Preußen politisch gar nicht ungelegen käme, die Alpenbahnangelegenheit beim Zollverein anhängig zu machen sobald die Sache selbst in der Schweiz einmal angefangen hat, eine bestimmte Gestalt zu gewinnen.

Meiner Ansicht nach sollte das Gotthard comité dahin trachten, Preußen, den norddeutschen Bund, den Zollverein zu veranlaßen, die Frage ähnlich wie Italien es gethan, studiren zu laßen; und ich glaube – hiezu könnte Deutschland gebracht werden. Einmal da, wird es Schritt für Schritt weiter folgen. Mittel hiezu wären:

Besondere Einwirkung auf Baden: – Würtemberg u. die Rheinlande. Gewinnung der ihnen gut disponirten Kölnischen Zeitung etc.. – Und Belgien u. Holland geschieht dort auch etwas? |

Unsere politischen Verhältniße betreffend denke ich ungefähr wie Du, nur in Bezug auf Solothurn glaube ich der Unterschied der Partheien bestehe nicht bloß im Unterschied der Programme, u. auch dieser nicht bloß im Unterschied des Salzpreises.

Adieu, Dein

B Hammer
Oberst.

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