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Korrespondenz: Alfred Escher – Maximilian Heinrich von Roeder

AES B6027 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_007

Maximilian Heinrich von Roeder an Alfred Escher, Bern, Donnerstag, 11. März 1869

Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Handelsverträge, Staatsverträge, Zollwesen, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Bern den 11ten Maerz 1869.

In Erwiederung Euerer Hochwohlgeborn Anfrage vom gestrigen Tage beehre ich mich ganz ergebenst zu erwiedern, dasz hier und mir nichts Neues über den Gotthard vorliegt, noch – möchte ich sagen – schon vorliegen kann.

Wie Herr W. mir vertraulich mitgetheilt, hatte Oberst Hammer de son propre chef den Herrn Delbrück privatim gefragt, ob es nicht angemessen erschiene in dem, in Bälde abzuschlieszenden, Zollvertrag einen allgemein gefassten Artikel – | wie den im italienischen Vertrage – über Alpenbahnen zu vereinbaren. Hierauf hat Herr Delbrück negativ geantwortet, und das mit vollem Rechte. Zu einem solchen Artikel müszten erst wieder die sämmtlichen deutschen Vereinsstaaten consultirt werden wodurch ein erneuerter Aufschub des abzuschlieszenden Vertrages veranlaszt würde.

Von unserem beiderseitigen Standpunkt aus, kann ich die Demarche des p Hammer nur bedauern. Mit einer so | allgemeinen Phrase wäre gar nichts gewonnen, wohl aber könnte durch die Anfrage des Herrn Gesandten die irrige Ansicht bei Herrn Delbrück u Kollegen entstehen, der Schweiz möchte mit einer solchen gedient sein, und dadurch der Eindruck meines drastischen und dringlichen Berichtes in etwas abgeschwächt werden.

Inzwischen hoffe ich das Beste, und lasse erst dann moralisch die Ohren hängen, wenn der letztere ohne Erfolg bleiben sollte. Es bleibt bei unserem Abkommen | über interessante Vorkommnisze uns gegenseitig sofort Mittheilung zu machen.

Dasz W mit dem Hammerschlag an's Ohr von D. nicht einverstanden ist, können Sie denken. Derselbe war gut gemeint, aber intempestif.

In freundschaftlicher Verehrung

Euerer Hochwohlgeborn

ganz ergebenster

von Roeder

Herrn A. Escher
Hochwohlgeborn
Zürich.