Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Alexander von Sybel

AES B5878 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_007

Alexander von Sybel an Alfred Escher, Berlin, Samstag, 9. April 1870

Schlagwörter: Bankinstitute, Deutscher Bundesrat, Deutscher Reichstag, Presse (allgemein), Splügenbahnprojekt

Berlin den 9. April 70

Ihren vortrefflichen Brief vom 29. vMts hatte ich mir vorgenommen, mit einer guten Nachricht zu erwiedern. Gestern ist dies geschehen. Unsere Telegramme haben sich wiederum gekreuzt. Also der Widerstand der Eisenbahnen gegen Bismarks Programm ist hoffentlich total überwunden. Mein Bombardement nach Elberfeld u Cöln hat geholfen, so daß Weisshaupt günstigere Chancen vorfand u. in Elberfeld vollständig, in Cöln theilweise reüssirte. Genug die Sache wird jezt dem Bundesrathe vorgelegt u. sodann bei Florenz u Bern um eine kurze Fristverlängerung über den 1. Mai hinaus gebeten werden. Sie sorgen sicher dafür, daß die italienische Regierung darin keine Schwierigkeiten macht. Ich bin sehr glücklich über das gewonnene Resultat u. freue mich des Erfolges. Im Reichstag ist die Stimmung | vortrefflich. Also vorwärts u. nunquam retrorsum. Mit den Bankiers geht es nicht schlecht, aber nicht ganz so gut. Das Geschäft scheint Ihnen zu klein zu werden. Indessen ich hoffe damit fertig zu werden, so bald der «Grundcreditbank»taumel in welchem die Herrn jezt befangen sind, ein Ende genommen hat. Schicken Sie mir nur recht bald den Statutenentwurf, damit wir vorwärts kommen u schon in diesem Sommer der erste Spatenstich geschieht.

Oberst Hammer war leidend. Gestern besuchte ich ihn u konnte ich ihn etwas erheitern. Wegen der Denkschrift bemerke ich, daß 300 Exemplare reichen werden. Ich bin sehr gespannt auf dieselbe. Übrigens ist Splügen hier nicht gefährlich.

Leben Sie wohl für heute. Ich bin etwas | eilig. Noch eins: Inspicirten Sie die letzten Leitartikel der Cölnischen Zeitung? Ich war überrascht durch dieselben, weil es mir aus der Seele u. zuweilen aus der Feder geschrieben war. Wer ist der Verfasser? Endlich eine Bitte: Können Sie mir vielleicht wieder eine Rimesse von ein paar hundert frs machen? Ich habe ziemlich viel Auslagen gehabt. Macht es Ihnen Umstände, so lassen sie es.

Immer
Ihr

v Sybel.

Kommentareinträge

Nachträgliche Notiz unten in der Mitte auf Seite 1 von dritter Hand: «Prot. 18 April 1870.»