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Korrespondenz: Alfred Escher – Alexander von Sybel

AES B5877 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_007

Alexander von Sybel an Alfred Escher, Berlin, Samstag, 9. April 1870

Schlagwörter: Bankinstitute, Gotthardbahnkonferenzen, Gotthardbahnprojekt, Kommissionen (eidgenössische), Kommissionen (kantonale)

Berlin den 9. April 1870.

Hochverehrter Herr!

Ich habe nicht unterlassen, den Bankhäusern, S. Bleichroeder und direction der Disconto Gesellschaft hierselbst, sowie Sal. Oppenheim & Co und Ab. Schaaffhausensche Bankverein in Cöln das sehr gefällige Schreiben vom 29. v. Mts abschriftlich mitzutheilen. In freundlicher Entgegnung desselben habe ich zunächst Sie von der Genugthuung zu unterrichten, welche diese Häuser darüber empfinden, daß es Ihnen und Ihren Herrn Mitbevollmächtigten zur Berliner Conferenz gefallen hat, zu dem in letzterer proponirten Finanzplane für die Beschaffung des zur Durchführung des Gotthardbahnunternehmens erforderlichen Privatcapitals die vorläufige Zustimmung der bundesräthlichen Commission und die entgegenkommenden Erklärungen des Consortiums der Schweizer Bankhäuser zu extrahiren. Sie erblicken hierin dankbar einen großen Beweis des Vertrauens und eine Gewähr für den befriedigenden Verlauf der weitern Verhandlungen. Ehe jedoch in diese letztern eingetreten wird, erachten sie es für richtig, daß Sie nach Einvernehmung des GotthardComite's resp des dortigen Consortiums nunmehr einen möglichst | vollständigen StatutenEntwurf auszuarbeiten die Güte hätten. Zu dieser Bitte ist man diesseits bestimmt, theils dadurch, daß Ihnen die betreffenden Kantonalconcessionen, sowie die des Bundes, nebst den etwaigen Klauseln, welche mit Subventionsbewilligungen verbunden sind, in authentischer Form vollständig vorliegen, theils dadurch, daß Ihnen die gesetzlichen Vorschriften welche nach Schweizerrecht für Statuten maaßgebend zu sein pflegen geläufig sind, und endlich dadurch, daß es Ihnen am leichtesten sein wird, dem Einflusse, welchen die Berner Conferenzbeschlüsse auf die Fassung des Statuts auszuüben haben, gerecht zu werden. Sobald der Entwurf hier vorliegt, wollen die Bankhäuser wiederum zu einer Conferenz zusammentreten, den Entwurf mit ihren etwaigen Bemerkungen versehen und zugleich ihre detaillirten Vorschläge für die weitere Behandlung des finanziellen Planes formuliren.

Ich verbinde mit dieser Mittheilung ferner die Bitte Namens der Bankhäuser, mir wenn thunlich in zwei Exemplaren eine Situationskarte des auf der Berner Conferenz festgestellten Unternehmens und eine Längen u Höhenprofilirung baldigst übersenden zu wollen. Die Herrn haben den Wunsch, sich mit dem Projekte etwas vertrauter zu machen, wie es Ihnen bisher möglich war. Ist es Ihnen möglich, die Sendung durch andere, Ihnen zweckentsprechend erscheinende Mittheilungen und | und Aktenstücke zu vervollständigen, so würde man Ihnen sehr dankbar dafür sein.

Im übrigen mich auf mein Privatschreiben beziehend bin ich –

mit ausgezeichneter Hochachtung Ihr ganz ergebenster

A v Sybel

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Nachträgliche Notiz unten rechts auf Seite 1 von dritter Hand: «Prot. 18. April 1870.»