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Korrespondenz: Alfred Escher – Alexander von Sybel

AES B5872 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_007 (Entwurf)

Alfred Escher an Alexander von Sybel, Zürich, Dienstag, 29. März 1870

Schlagwörter: Bankinstitute, Bundesrat, Eisenbahnen Finanzierung, Gotthardbahnkonferenzen, Gotthardbahnprojekt, Kommissionen (eidgenössische)

Herrn A. von Sybel,
Abgeordnetem zum Reichstage ds Norddeutschen Bds
etc. etc. etc.
Berlin. 1

Zürich 29 März 1870.

Hochverehrter Herr!

Das Protokoll der am 8 dss. Mon. in Berlin zum Zwecke der Aufstellg. eines Finanzplanes für die Begründg. der Gotthardunternehmung Statt gehabten Conferenz ist mir in doppelter Ausfertigg. richtig zugekommen. Ich beehre mich, Ihnen beiliegend das eine Exemplar, mit den Unterschriften der hierseitigen Delegirten versehen, wieder zuzustellen.

Unsere Abordng. hat s. beeilt, ihre n Mandanten, das hiesige Consortium für Ausführg. der Gotthardbahn bez.wse den Ausschuß desselben, mit dem Protocolle der Berliner Conferenz bekannt zu machen & zugleich zu veranlassen, sich über den Vorschlag auszusprechen ,welchen Herr Freiherr A. von Oppenheim aus Cöln als Chef des dortigen Bankhauses Sal. Oppenheim jr & Comp. & Namens des Schaaffhausen'schen Bankvereines, Herr Geh. Commerzienrath G. Bleichröder aus Berlin als Chef des dortigen Bankhauses S. Bleichröder & Herr Salomonsohn aus Berlin, Namens der dortigen Disconto-Gesellschaft als «Grundidee des Finanzplanes» für die Verwirklichg. der Gotthardbahn in das Protokoll niederzulegen die Gefälligkeit gehabt haben.

Es gereicht mir zum Vergnügen, Ihnen anmit Namens & im Auftrage des Ausschusses unsers Consortiums , | die Erklärg. abzugeben , daß derselbe dem Vorschlage der Norddeutschen Bankhäuser & Bankinstitute im Allgemeinen beipflichtet. Indem der Ausschuß keinen Anstand nimmt, seine Zustimmg. in solcher Weise Kund zu geben, spricht er hinwieder, wie es schon seine Abordng. in Berlin gethan, den dringenden Wunsch aus, daß auf eine möglichst belangreiche Betheiligg. Deutschlands bei der Aufbringg. des Actiencapitales Bedacht genommen werden möchte, & im Fernern glaubt der Ausschuß unter Berufung auf die hierüber in Berlin gepflogenen Verhandlungen als beiderseitig einverstanden annehmen zu dürfen, daß, wenn auch die Norddeutschen Bankhäuser & Bankinstitute die zunächst zu emittirende ersten Serie v. Obligationen im Betrage von 25 Millionen Franken fest übernehmen, es doch dem Nichtdeutschen Capitale, welches bei der Bildung der Gesellschaft mitwirkt, frei stehen soll, eine der übernommenen Quote des Actiencapitales gleich kommende Quote des Obligationencapitales zu den ursprünglichen Emissionsbedingungen zu beanspruchen.

Unser Ausschuß hat sodann n. verfehlt, die erforderlichen Maaßregeln zu ergreifen, um sich in den Stand zu setzen, Ihnen zu Handen der hochverehrten Norddeutschen Theilnehmer an der Berliner Conferenz über die Stellg. Gewißheit zu verschaffen , welche der Schweiz. Bdsrath gemäß de n ihm nach Mitgabe des Schlußprotokolles der internationalen Conferenz zukommenden Befugnissen zu dem neuen | v. den Norddeutschen Bankhäusern & Bkinstituten vorgeschlagenen & v. uns in der oben angegebenen Weise acceptirten Finanzplane einnehmen wird. Zu diesem Ende hin ordnete mich der Ausschuß nach Bern ab, um in Sachen mit der v. d. Bdsrathe für d. Gotthardangelegenht niedergesetzten Spezialcommission zu conferiren. Ich befreue mich, als Ergebniß der in Folge dessen am 24 abhin in der Bundesstadt gepflogenen Verhandlungen die Mitthlg. in diese Zuschrift niederlegen zu können, daß die bundesräthliche Commission sich mit dem Finanzplane, wie er von den Norddeutschen Bankhäusern & Bankinstituten in Antrag gebracht & v. unserm Ausschusse nach Inhalt des gegenwärtigen Schreibens angenommen worden ist, einmüthig einverstanden erklärt hat & daß somit der Schw. Bundesrath den Standpunct einnehmen wird, es seien durch diesen Finanzplan diejenigen Garantieen geboten, deren Erfüllung nach Vorschrift des Schlußprotokolles der internationalen Conferenz erforderlich ist, um der Ausfolgg. der Subventionen an die Gesellschaft für Ausführg. der Gotthardbahn Statt zu geben.

Sollte etwa der Umstand, daß nur der Ausschuß unsers Consortium's & n. das Consortium selbst & daß ferner bloß die für die Angelegenheit der Gotthardbahn niedergesetzte Commission des Schw. Bdsrathes & n. der Bundesrath selbst s. über den neuen aus d. Berliner Conferenz hervorgegangenen Finanzplan erklärt haben, dortseits Bedenken erregen, so sind wir | im Falle, die beruhigendsten Aufschlüsse zu ertheilen. In dem Stadium, in welchem s. d. Angelegenht der finanziellen Gestaltung der Gotthardunternehmung zur Zeit noch befindet, hätten wir es für durchaus ungeeignet gehalten, dieselbe jetzt schon in weitern Kreisen, als durch die unumgänglichste Nothwendigkt erheischt wird, zur Verhandlg. zu bringen. Daß aber die Anschauungsweise des Ausschusses unsers Consortium's auch in dem Plenum die überwiegende s. werde, ist unzweifelhaft & daß die vor der Gotthardcommission des Schw. Bundesrathes geäußerte Ansicht auch in dem gesammten Bundesrathe vorherrschen werde, steht um so weniger in Frage, als gerade die einflußreichsten Mitglieder des Bundesrathes, nämlich die HH. Dubs, gegenwärtiger Bundespräsident, Schenk, Vicepräsident des Bundesrathes, & Welti, letztjähriger Bundespräsident, die Gotthardcommission bilden.

Schließlich habe ich noch eine angenehme Pflicht zu erfüllen, indem ich Ihnen die hohe Befriedigg. unsers Ausschusses über die durch Ihre verdankenswerthe Vermittlg. herbeigeführte Handbietg. der hervorragendsten Bankinstitute & Bankhäuser des Norddeutschen Bundes zu der Verwirklichg. der Gotthard unternehmung Kund thun & zugleich der zuversichtlichen Überzeugung des Ausschusses, daß dadurch volle Gewähr für die Sicherg. des zu d. Ausführg. dsr Unternehmg. erforderlichen Privatcapitales gewonnen worden sei, Ausdruck verleihe.

Einer gef. Rückäußerung auf die in dsr Zuschrift enthaltenen Eröffnungen entgegensehend versichere ich Sie, hochgeehrter Hr! mr ausgez. Hocha.

d. Präst des Schw. Consortiums für Ausführg. d. Gotth.bahn:

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1Adresse unten links auf Seite 1.