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Korrespondenz: Alfred Escher – Alexander von Sybel

AES B5868 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_007 (Abzug)

Alfred Escher an Alexander von Sybel, Zürich, Sonntag, 27. Februar 1870

Schlagwörter: Bundesrat, Familiäres und Persönliches, Gotthardbahnprojekt

Zürich 27 Februar 1870.

Hochverehrter Herr!

Ihr geschätztes Telegramm vom 25. dss. Mon. aus Cöln ist mir richtig zugekommen.

Gestatten Sie mir Ihnen vorerst meine warme Theilnahme an dem schweren Verluste zu bezeugen, den Sie in Folge des Hinschiedes Ihres verehrten Herrn Vaters betroffen hat. Ich habe meinen Vater vor 17 & meine Mutter vor 1½ Jahren verloren: Ich weiß also aus Erfahrung, welche Lücke der Tod von liebenden Eltern in uns zurückläßt. Mögen Sie in dem Schooße Ihrer Familie, in dem Kreise Ihrer Freunde & in der Alles mildernden, wenn auch nicht heilenden Zeit den Trost finden, dessen Sie bei so schwerer Prüfung gewiß im höchsten Grade bedürftig sind!|

Mein Brief vom 24. & Ihr Telegramm vom 25. haben sich, wie dieß bei unserer Correspondenz so oft vorgekommen ist, wieder einmal gekreuzt.

Ihr Telegramm enthält insofern eine Antwort auf meinen Brief, als gemäß demselben die Conferenz der Norddeutschen Finanz Berlin & Rhein & des Schweizerischen Consortium's, welche die nunmehrige Bildung der Gesellschaft für Ausführung der Gotthardbahn zum Zweck hat, zwischen dem 7 & 10 März Statt finden soll. Ich nehme Act von dieser Tagfahrtsdanberaumung Seitens Ihrer Herren Vollmachtgeber & bringe Ihnen anmit zur Kenntniß, daß unser Consortium sich mit derselben einverstanden erklärt.

Ich habe in meinem Briefe vom 4. dss. Mon. hervorgehoben, wie fördernd für den Zweck den wir im Auge haben, es wäre, wenn Hr Bleichröder & seine Freunde mir den von Ihnen in Folge der Correspondenz, die ich mit| Ihnen zu pflegen die Ehre hatte (meine Briefe/ vom 9 & 19 Januar abhin), modifizirten Entwurf des Finanzplanes vor der Conferenz zu übermitteln die Güte hätten. Ich erlaube mir neuerdings & mit allem Nachdruck die hohe Wünschbarkeit eines solchen Verfahrens zu betonen.

Sodann erachte ich es als geradezu durch die Situation geboten, daß Baron Podesta, Sindaco von Genua, als Vertreter der Italienischen Finanz zu der Conferenz eingeladen werde. Ich bin ganz bereit dieses zu thun, sobald ich weiß, daß Ihre Herren Vollmachtgeber damit einig gehen & sobald die Tagfahrt für die Conferenz noch näher präcisiert ist.

Endlich erlaube ich mir noch die Frage des Conferenzortes zu berühren. Ich erkläre von vornherein, daß, wenn Ihre Herren Vollmachtgeber es für unthunlich erachten sollten, daß die Conferenz anderswo als in| Berlin abgehalten werde, wir bereit sind, nach dort zu kommen. Es läßt sich aber nicht verkennen, daß gewichtige sachliche Gründe für Ber. als Conferenzort sprechen. Wenn an der Conferenz Verpflichtungen für die Beschaffung der erforderlichen Fonds übernommen werden sollen, so werden diejenigen, welche diese Verbindlichkeiten einzugehen berufen sind, wissen wollen, wie die Gesellschaft organisirt werden soll, m. a. W. sie werden sich gleichzeitig mit der Feststellung der Statuten für die Gesellschaft beschäftigen. Diese Statuten unterliegen nun aber der Genehmigung des Bundesrathes. Es wäre nun von allen Gesichtspuncten aus emphehlenswerth, wenn die Statuten nicht einseitig von dem Consortium ausgearbeitet & nachher der Genehmigung des Bundesrathes unterstellt, sondern wenn im Gegentheil die Aufstellung der Statuten in fortgesetzter Wechselwirkung mit dem Bun| desrathe erfolgen würde, so daß mit der Vollendung des Entwurfes auch die Gutheißung desselben durch den Bundesrath vorläge. Soll aber so verfahren & also im beständigen Benehmen mit dem Bundesrathe gearbeitet werden, so müßte die Conferenz in Bern Statt finden. Der Zusammentritt der Conferenz in der Schweiz. Bundesstadt würde wohl auch von dem Vertreter der Italienischen Finanz als eine Aufmerksamkeit betrachtet werden. Wollen Sie all' dieß mit Ihren Herrn Vollmachtgebern erwägen. Wenn dann gleichwol an Berlin als Conferenzort festgehalten wird, so wird die Delegation unsers Schweizerischen Consortium's keine Schwierigkeiten erheben.

Darf ich Sie nun bitten, mich mit gef. Beförderung mit einer Rückantwort auf die in diesem Schreiben hervorgehobenen Puncte zu beehren. & uns auch melden | zu wollen, welcher Tag zwischen dem 7 & 10 März dortseits für die Conferenz in Aussicht genommen wird. Müßte die Conferenz in Berlin Statt finden, so dürfte der 8 oder 9te hierseits am besten conveniren. Da ich auf Mitwoch (2 März) eine Generalversammlung unsers Consortium's einberufen habe, so wären mir vorläufige telegraphische Mittheilungen, falls Ihnen solche möglich sein sollten, sehr erwünscht.

Empfangen Sie die herzlichsten Grüße
von Ihrem ganz ergebenen

Dr A Escher

Kommentareinträge

Nachträgliche Adresse oben links auf Seite 1 von Eschers Hand mit Bleistift: «[Herr ?] v. Sybel | [Abgeordnetem?] [von?] | Berlin» .