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Korrespondenz: Alfred Escher – Alexander von Sybel

AES B5861 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_007

Alexander von Sybel an Alfred Escher, Berlin, Donnerstag, 20. Januar 1870

Schlagwörter: Eisenbahnen Finanzierung, Gotthardbahnprojekt

Berlin Sonntag den 20. 1. 70.

Jetzt mein verehrtester Herr, sind wir im richtigen Zuge. Ich komme eben von Bleichröder, welcher mit Oppenheim u Hansemann verhandelt hat. Die Herrn sind nunmehr bereit mit den schweizer Häusern gemeinschaftlich das Capital zu beschaffen. Ich gehe heute Abend an den Rhein auf zwei Tage um mit Oppenheim u Mevissen zu verabreden, in welcher Woche des Februar dieselben hierher kommen können, um in einer Conferenz sich über die Details zu verständigen. In dieser Conferenz haben wir den dringenden Wunsch Sie ebenfalls hier zu sehen. Zu dieser Bitte kommen wir in Folge eines Briefes von Röder, welcher an Bleichröder schrieb, daß Sie zu einer Herreise geneigt sind. Es ist das zweckmäßiger, als wenn ich mit hiesigen Verabredungen in der Tasche zu Ihnen käme und zwischen Zürich u Berlin hin u herpendelte. Ich möchte nur, falls Röder richtiges gemeldet, Sie bitten, sich vom Vorstand des provisorischen Consortiums zu Verhandlungen mit den preußischen Bankhäusern behufs Completirung u Beschaffung des Aktiencapitals ermächtigen zu lassen, zugleich anheimgebend, ob Sie diese Ermächtigung für sich allein sich ausstellen lassen oder in Gemeinschaft mit einem oder zwei andern Mitgliedern des Consortiums, [Legrand ?] empfiehlt sich vielleicht aus äußern Gründen. Bismark, welcher früher mir | gegenüber sich dahin aussprach, daß er grundsätzlich keine Pression auf die Finanzleute ausübe u. keine Gefälligkeiten von ihnen begehre, um unabhängig zu bleiben, hat Bl. so viel von der Nothwendigkeit vorgeschwätzt, die preußische Finanz müsse sich betheiligen daß dieser alles thun wird. – Ihre Bedenken gegen Bl.'s u Plan habe ich diesem in nuce mitgetheilt; er meinte, dann überlegen wir etwas anderes, wenn es auch nicht ganz so vortheilhaft ist. Ich begehrte darauf, daß wie die Sachen stünden, dem GotthardComite nicht mehr durch meine Vermittlung Offerten gemacht u. vorläufige Idee mitgetheilt werden könnten, sondern daß die Bereitwilligkeit mit den Schweizer Häusern gemeinschaftlich das Geschäft zu [...triren?], positiv erklärt werden müsse. Ich wies darauf hin, daß das provisorische Consortium sich in keiner Weise über die geschäftliche Behandlung die Hände gebunden hätte; das erhalte aus Ihren Mittheilungen, den Verpflichtungsscheinen und den Statuten, endlich aus den Verabredungen welche in Bern mit mir getroffen worden sein. Dies schlug zu meiner Freude schließlich durch u. demgemäß also die Verabredung der gemeinsamen Conferenz mit Ihnen.

In Cöln habe ich außer der Verwendung dieser Conferenz zugleich die Antwort zu überlegen, welche die Eisenbahnen dem Bundes| kanzler Amte wegen der Subsidien zu geben haben. Ich will versuchen, um Delbrück nicht zu verletzen u Bismark nicht zu stören, die Herrn dort zu einer wenigstens theilweise zustimmenden Antwort zu bestimmen. Auch dies war das Resultat meiner Unterhaltung mit Bl. u nachher auch mit Hammer. Ich telegraphire Ihnen von Cöln aus.

Entschuldigen Sie die Flüchtigkeit dieser Zeilen, aber die rasche Abreise u. der Mangel eines Secretärs liegen gleich schwer auf mir u. müssen Sie nachsichtig machen.

Ganz u immer der Ihrige

v. Sybel.