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Korrespondenz: Alfred Escher – Renward Meyer von Schauensee

AES B5556 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_008

Renward Meyer von Schauensee an Alfred Escher, Luzern, Dienstag, 5. Juni 1866

Schlagwörter: Eisenbahnstrecken Konzessionen, Grosser Rat LU, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochverehrter Freund!

Aus meinem beredten Schweigen wirst du bereits entnommen haben, daß eine weitere Verhandlung in Betreff der Konzession für die ImmenseeLuzern-Linie, selbst wenn eine Einigung über die noch differirenden Punkte hätte erzielt werden können, uns doch nicht in die Lage gesetzt hätte, sofort dem gegenwärtig besammelten Großen Rathe eine Vorlage zu machen. Voraussichtlich wäre auch der Große Rath nicht eingetreten; unerquickliche Verhandlungen würden wahrscheinlich nicht unterblieben sein. Damit indeß | in Sachen gleichwohl etwas geschehe, habe beantragt, daß beim Gr. Rathe eine Kommission ausgewirkt werde, welcher in der Zwischenzeit bis zu nächster – wahrscheinlich auf August einberufenen Großrathsitzung die mittlerweile vereinbarte Konzession zur Vorberathung zugestellt werden kann.

Damit ist zunächst einem allfällig spätern Verschiebungsantrage vorgebogen. Andrerseits wird auch der Mißdeutung begegnet, man suche der Konzessionsertheilung Seitens der Luzernischen Behörden Hindernisse in den Weg zu legen.

Hinsichtlich der streitigen zwei Hauptpunkte, an denen | bis anhin eine Verständigung scheiterte, erlaube mir bloß eine vorläufige persönliche Ansicht auszusprechen.

Statt des ausdrücklichen Ausschlusses der von den Experten vorgeschlagenen Trace für die Einmündung der Bahn in Luzern dürfte eine allgemeinere – der vom Großen Rath ertheilten Direktion entsprechende Redaktion gewählt & bei art. 10, handelnd von der Tracegenehmigung, eingeschaltet werden.

Ebenso dürften diejenigen, welche ausdrückliche Bestimmungen in der Konzession hinsichtlich des Zeitpunktes der zu leistenden | Subventionseinzahlungen verlangten, sich damit zufriedenstellen lassen, wenn ein Ingreß des Konzessionsaktes einfach dem großräthlichen Subventionsbeschlusse gerufen würde.

Da wahrscheinlich im Laufe der nächsten Woche die Geschäftsberichtskommission wieder in Bern zusammentritt, könntest Du durch Herrn Eugen Escher mündlich Deine diesfälligen Ansichten mir mittheilen lassen.

Zugleich wünschte von Dir zu erfahren, wann eine Wiederaufnahme der Verhandlungen dienlich wäre.

Mit freundschaftlicher Hochschätzung grüßt Dich

Dein

ergebener

Renward Meyer

Luzern den 5. Juni 1866.

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