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Korrespondenz: Alfred Escher – August von Gonzenbach

AES B5411 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_007

August von Gonzenbach an Alfred Escher, Bern, Donnerstag, 20. April 1871

Schlagwörter: Gotthardtunnel, Mont-Cenis-Bahn

Briefe

Bern den 20t App 1871.

An Herrn Dr Alfred Escher NationalRath

Hochgeachteter Herr!

Herr BundesPräsident Schenk hat mich hier zurükgehalten bis nach Eintreffen der Antwort aus Berlin.

Dieser letztern zufolge hat Oberst Hammer Dienstags den 18t dMts dem Bundes Minister Dellbrük mein Schreiben über die Sachlage in Berlin vorgelegt – und einen Auszug zu Handen des Fürsten Bissmark zurükgelaßen.

Dellbrük soll anfänglich der Ansicht gewesen sein – man müße in Italien der Sache ihren Lauf laßen – dann aber nach reiferer Ueberlegung doch des Bestimtesten zugesagt haben in Florenz im angedeuteten Sinn einzuwirken. – |

H. BundesPräsident Schenk versprach unserm Gesandten den Auftrag zu geben – aufmerksam darüber zu wachen – daß von Berlin aus kräftig aufgetreten werde.

Weder der Weg der Hoffnung – noch derjenige der Furcht – werden somit mit Entschiedenheit verfolgt; was mich einigermaaßen besorgt macht. Glüklicherweise habe ich heute eine 4/6 Empf datirte Antwort Grattonis erhalten – in welcher er sich wörtlich ausspricht wie folgt: «Je viens de recevoir votre lettre et demain jirais à Florence pour conférer avec Mr Sella. Je ferai de mon mieux pour agir sous le sens d'une favorable réallite.» Gleichzeitig hat mir Herr Grattoni das Pflichtenheft u den Vertrag in Betreff des Mont Cénis eingesandt – die ich übersetzen laße – und zu Ihrer Verfügung bereit halte. |

In Betreff der Summe für welche er den Gotthardtunnel ausführen würde bemerkt er wörtlich: «Quant au prix auquel jévalue le tunnel du Gothard vous comprendrez facilement que je ne pourrais pas me prononcer dans mon ignorance complète des conditions d'exécution, surtout à l'égard du revêtement ainsi que du tems dans lequel le tunnel devrait être éxécuté. Veuillez présenter à Mr Escher mes respects si vous avez l'occasion».

Ich werde nun Morgen Ihrem Wunsche gemäß nach Florenz zurükreisen und Ihnen die Lage der Dinge schildern wie ich sie finden werde. Habe ich Aussicht die Sache zu gutem Ziel zu führen – so werden mich Zeit und Arbeit nicht reuen – im entgegengesetzten Falle aber – werden Sie selbst nicht wünschen – daß ich einen unnützen Aufenthalt in Florenz verlängere.

Hochachtungsvoll

Dr Gonzenbach

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