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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B5370 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_006

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Mittwoch, 16. Oktober 1872

Schlagwörter: Bundesrat, Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt, Gotthardtunnel, Tunnelbau

Briefe

Hochgeehrter Herr u Freund

Unter den Beschwerden, welche von italienischer Seite geltend gemacht werden ist namentlich auch die hervorzuheben, dass bei der Concurrenzausschreibung kein «cahier des charges» vorgelegen habe und dass es darum nicht möglich gewesen sei genaue u zuverlässige Angebote zu machen, dass daher diejenigen im Vortheil gewesen seien, welchen die Direction mündlich und als besondere Gunst die erforderlichen Aufschlüsse gegeben habe.

Ein weiterer Punct ist folgender: Herr Gerwig habe am 13. Juni d. J. dem Herrn Grattoni | eine Rechnung zugestellt aus welcher sich ergebe, dass zwischen dem Angebot von Favre und demjenigen der italien. Gesellschaft nur ein Unterschied von höchstens 7 Millionen bestanden habe. Die jetzigen Behauptungen der Gottharddirection, wo nach dieser Unterschied auf 12 u mehr Millionen gestellt werde, seien daher nicht richtig. Es scheint dass Grattoni namentlich mit diesem Briefe viel Rumor gemacht hat u ihn auch im Parlament brauchen will.

Haben Sie daher die Güte mir über beide Puncte, namentlich aber über letzteren genauen Aufschluss zu geben. Ich habe | gestern mit Hr Melegari eine lange Unterredung gehabt u ihm Punct für Punct die verschiedenen Beschwerden als durchaus unbegründet nachgewiesen. Er zeigt sich jetzt der Belehrung viel zugänglicher u sieht ein, dass der Bundesrath richtig gehandelt hat u dass auch die Vorwürfe gegen die Gesellschaft aus der Luft gegriffen sind. Ich habe ihm die vergleichende Berechnung der Tunelkosten nach den favre'schen u grattoni'schen Angeboten detaillirt mitgetheilt u wünschte ihm nun auch noch seine Bedenken, wegen des Briefes von Herrn Gerwig zu benehmen. Es ist das um so wichtiger als er (Hr Melegari) nach | Rom geht, um Aufschlüsse über die Gotthardangelegenheit zu geben und der Eröffnung der Kammer beizuwohnen.

Mit bekannter Hochschätzung

Ihr

E Welti

Bern
16 Oct.1872.

Kommentareinträge

Nachträglicher Stempel oben rechts auf Seite 1 mit von dritter Hand eingetragener Nummer: «Gotthardbahn | 14 NOV. 1872. | No 3067.» – Nachträgliche Inhaltsangabe oben links auf Seite 1 von dritter Hand: «Aufschlussbegehren in Betreff der ital. Beschwerden wegen der Concurrenzausschreibung für den großen Alpentunnel. | I Depart. » – Nachträgliche Notiz oben rechts auf Seite 1 von dritter Hand mit violetter Farbe: «16. Okt. 1872» . – Nachträgliche Notiz unten rechts auf Seite 1 von dritter Hand: «Prot. 19. X. 72. N. 798.»