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Korrespondenz: Alfred Escher – Emil Welti

AES B5367 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_006

Emil Welti an Alfred Escher, Bern, Montag, 14. Oktober 1872

Schlagwörter: Bundesrat, Compagnie du Jura Industriel (JI), Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Gotthardbahnprojekt, Gotthardtunnel, Italienisches Parlament, Tunnelbau

Briefe

Hochgeehrter Herr und Freund

Die Nachrichten welche wir aus Rom erhalten sind nicht sehr angenehm. Herr Pioda schreibt an den Bundesrath: la situation est très tendue et de plus en plus la disposition des esprits est defavorable. In einem Privatbrief sagt er: Tout le monde s'écrie ici: Nous avons été trompés; et si ce cri ne parient pas cruement à la légation des expressions diplomatiques équivalentes le lui font sentir. Als Gründe werden angegeben eine die Italiener absichtlich ausschliessende Behandlung der Sache bei der Vergebung des Tunels, Bevor| zugung von Favre bei den Unterhandlungen, Hintansetzung der Italiener in jeder Art. Ferner: Genehmigung des Vertrages durch den Bundesrath ohne die italien. Regierung zu hören u trotzdem man die vorherige Anhörung gefordert u versprochen habe!

Sie sehen wie an diesen Geschichten kein wahres Wort ist u mit welchen Gründen man ficht. Nichts desto weniger müssen wir doch alles thun, was diesen Zustand zu beseitigen im Stande ist, um so mehr als Herr Pioda in allem Ernst befürchtet es könnte, das Parlament den ersten Jahresbeitrag verweigern. | Ich werde nun nicht nur Herrn Pioda die nötigen Mittheilungen machen, sondern habe auch schon Herrn Hammer genau instruirt sofort nach seiner Rückkehr den Sachverhalt genau in Berlin mitzutheilen u die dortige Regierung darauf aufmerksam zu machen, wie wünschenswerth es im Interesse der Sache wäre dass dieser Zustand in Rom aufhöre. Auch mit Herrn Röder habe ich in gleichem Sinn gesprochen; er wird sofort seine Schritte thun. Es ist die ganze Geschichte um so miserabler als man uns in der Hauptsache auch noch nicht die mindeste Antwort gegeben hat und in dieser Beziehung auch nichts wird einwenden können.|

Ich füge nun an das Gesagte die Bitte, Sie möchten mir gefälligst eine etwas einlässlichere Darstellung über den Verlauf der Concurrenzausschreibung, der Verhandlungen und des Tunel Vertragsabschlusses mittheilen, damit ich sowol Herrn Pioda als Hammer auch in dieser Richtung genau instruiren kann.

In Sachen der Jurabahn habe ich am Samstag nichts erzielen können; es ist sehr wahrscheinlich dass der Vertrag wieder dahin fällt.

In wahrer Freundschaft

Ihr

E Welti

Bern 14. Oct. 1872.

Kommentareinträge

Nachträglicher Stempel oben rechts auf Seite 1 mit von dritter Hand eingetragener Nummer: «Gotthardbahn | 14 NOV. 1872. | No 3065.» – Nachträgliche Inhaltsangabe oben links auf Seite 1 von dritter Hand: «Beschwerde Italiens wegen Bevorzugung Favres vor Grattoni bei Vergebung des großen Tunnels. | I Depart. » – Nachträgliche Notiz oben rechts auf Seite 1 von dritter Hand mit violetter Farbe: «14. Okt. 1872» . – Nachträgliche Notiz unten rechts auf Seite 1 von dritter Hand: «Prot. 19. X. 72. No 798.»

Kontexte