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Korrespondenz: Alfred Escher – August von Gonzenbach

AES B5279 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_006

August von Gonzenbach an Alfred Escher, Mailand, Dienstag, 15. März 1870

Schlagwörter: Deutscher Reichstag, Gotthardbahnprojekt, Presse (allgemein), Splügenbahnprojekt

Briefe

Mayland 15tMärz 1870

Hochgeachteter Herr!

Aus Ihren geehrten Zeilen v 12t dMts ersehe ich daß Sie von Berlin zurük sind, und beeile mich daher einige Worte direct an Sie zu richten.

Die mir übersandten Artikel sind bereits in Uebersetzung -; die Lombardia ist leider ein sehr wenig gelesenes Blatt - so daß ich trachten werde - denselben auch anderwärts Aufnahme zu verschaffen.

In dieser Beziehung ist Tatti - den ich aber leider noch nicht treffen konnte - der Mann an den ich mich zu wenden habe - wenn etwas in der Presse empfohlen werden soll; wenn möglich sollen die Artikel ganz oder Auszugsweise auch im Sole und in der Gazzetta di Milano Aufnahme finden. –

Das Gotthard-Comite von welchem Ihnen Maraini schrieb ist erst im Werden. | Es wird meine erste Aufgabe sein dasselbe ins Leben zu rufen.

Es ist durchaus nothwendig - daß ein solches Comite - die Gotthardisten vereinige. Wenn die Sache hier schief geht - so ist einzig und allein die Unthätigkeit der Gotthard freunde daran Schuld! Nicht als schwärme man für den Splügen - man ist hier vor allem indolent! – aber die Splügisten haben dadurch viel gewonnen, daß die Sache hier nicht im October v. J. an die Hand genommen worden ist - wo nach den Berner Conferenz Verhandlungen die Stimmung für den Gotthard sehr günstig war. – Alle Gotthard -Argumente sind seither todt geschwiegen worden! Die Sache hätte im Laufe dieser Woche vor den ProvinzialRath gebracht werden sollen – allein der Prefect hat - vom Ministerium Befehl er halten, die Berathung zu verschieben. | Dieser Verschub ist nach Jacinis Ansicht dem Gotthard günstig - da von Einhaltung des Termins vom 1 Mai keine Rede sein könte! - kein Ministerium dürfte es wagen - die Kammer so zu drängen. Im ProvinzialRath aber - wäre so lange über die Finanz Projecte des Ministers Sella - nicht entschieden ist gegen einen Verschiebungs Antrag nicht aufzukommen - zumal die Klug heit gebiete: keine Lasten für die Provinz zu übernehmen, ohne zu wißen - aus welchen Mitteln dieselben gedekt werden sollen.

Da den Provinzen die centimes addtionels auf dem Mobiliar Vermögen nach dem Vorschlag Sellas entzogen und die Grundsteuer erhöht werden sollen so müßen die Provinzen, die Beiträge leisten sollen - erst ihre eigene finanziel le Lage kennen - bevor sie Verpflichtungen | eingehen werden. –

Mehr noch als die Unterstüzung Maylands ist – für das Ministerium die Unterstüzung des Norddeutschen Bundes nöthig . Das Zögern u Schweigen Bissmarks wird stark exploitirt. Jacini meinte: das sei die ganze Frage. Das Ministerium werde getadelt vorschnell gewesen zu sein, und sei verloren - wenn Preußen und Deutschland zögern; auch der Beitrag von Mailand von 3 Millionen sei leicht zu erhalten - wenn durch einen Entscheid des Parlaments in Berlin die Provinz von ihrer Verpflichtung 10 Millionen für den Splügen zu geben befreit werde! Wenn Sie mir in dieser Richtung etwas Beruhigendes melden können so werde ich damit mehr als mit Allem Andern ausrichten. In dieser Hoffnung verbleibe ich hochachtungsvoll

Ihr

ergebener

Dr Gonzenbach.