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Korrespondenz: Alfred Escher – Gottlieb Koller

AES B5117 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054

Gottlieb Koller an Alfred Escher, Basel, Samstag, 13. Juni 1868

Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Eisenbahnen Bau und Technik, Gotthardbahnprojekt, Lukmanierbahnprojekt, Splügenbahnprojekt

Briefe

G. KOLLER-BURCKHARDT
JNGENIEUR

Basel den 13 Juni 1868.

Tit. HHerrn Präsident Dr Alfred Escher, Zürich

Hochgeachteter Herr,

Ihrem Wunsche gemäß übersende Ihnen in der Beilage die Zusammenstellung der Hauptelemente der neuesten Alpenbahnprojekte, bei welcher ich mich, in Ermanglung einer bestimmten Angabe über den Umfang, für einmal auf die Projekte des Gotthard u Lukmanier & dabei auf das Schema der ital. Alpenbahnkommission (vide Bericht von Minister Jacini S. 12/13 oder auf Bericht der Kommission (Nachtrag) S. 406/7) beschränken zu sollen glaubte, da er sich bei der allf. erwünschten Erweiterung des Tableau mit den Splügenprojekten nur um den Auszug aus dem ital. Bericht handeln würde. 1

Zur erleichterten Vergleichung mit dem ital. Bericht habe ich auch noch die Linie BellinzonaBiasca als Bestandtheil der alpinen Linie betrachtet u meine Vergleichung überhaupt nur auf die alpine Linie bezogen, also auf BellinzonaFluelen, resp. Chur, wobei die Elemente für BellinzonaBiasca besonders ausgesetzt sind, um wünschendenfalls die Reduktion auf die Strecke nördlich von Biasca vornehmen zu können. |

Die Ziffern der Projekte B. u G. u La Nicca sind dem ital. Bericht entnommen. – Die Resultate des Projekts Russell habe ich nur in Bleistift ausgesetzt, weil mir hier blos ein reduzirtes Längenprofil zu Gebote steht. Hr. Ingr Müller wäre mit Hülfe des grossen Plans & Profils im Fall, die verschiedenen Ziffern betr. die Traceverhältnisse genau auszusetzen & zu vervollständigen. Die Kostenziffer beruht auf einer approximativen Berechnung, welche mir für durchaus zweisp. Bahnanlage, reichlich geschätzt, für BiascaFluelen die Summe von 70 Mill. ergab. Eine frühere gemeinschaftlich mit Herrn Russell vorgenommene, jedoch etwas flüchtigere, Schätzung führte uns blos auf 60 Mill. Ich glaube das richtige dürfte in der Mitte liegen. – Wetli kam mit seinem nächsten Projekt auf 75 Mill. & Fowler auf 84 Mill. für seine höchste Linie (1840 m) jedoch Zins etc inbegriffen. Eine genauere Berechnung wäre jedenfalls erwünscht; sie könnte wohl von Herrn Müller auf Grund der Elemente der Rechnung des Herren B. u G. vorgenommen werden & zwar blos für Grunderwerb, Unterbau & Hochbau incl. Station'seinrichtungen. Das Übrige könnte ich dann schon ergänzen. Wenn übrigens das System Agudio, bei dem viel schärfere Kurven zulässig sind als bei dem alten Seilsystem, zur Geltung kommt, was im Intresse eines billigen Betriebs sehr zu wünschen wäre, so läßt | sich auch die Bahnanlage in ihren Kosten erheblich ermäßigen. Da Agudio jetzt auch die Centralschiene zur Adhäsionsvermehrung benutzen will, so könnten beide Systeme mit einander kombinirt werden. Für die Sicherheit des Betriebs ist die Centralschiene jedenfalls von großem Vortheil. –

In Bezug auf die Projekte von Lommel habe für nothwendig gefunden, die Kostenberechnungen, wo sie nur auf einspurige Bahn basirt waren, auch auf eine zweispurige vorzunehmen, wovon die Resultate mit rother Tinte angegeben. – Desgleichen habe gefunden, daß der große Tunnel auf der Nordseite um ca 750 Meter verlängert werden müßte, um für den Bau einer zweckmäßigen Einmündung zu erhalten, daß die aus dem Somvixerthal projektirte Galerie aus einem ähnlichen Grunde verlegt & dadurch verlängert werden sollte & endlich, daß die Maximalschachttiefe auf 300 m zu reduziren wäre. Dadurch würde zunächst die Kostensumme vermehrt, dann aber auch die Zeit der Ausführung. Hr. Lommel macht diesfalls keine eigene Rechnung, sondern begnügt sich mit der Bemerkung, daß sein Tunnel ca 1½ Jahre mehr Zeit in Anspruch nehmen würde, als die Hrn. B. u G. für den Gotthardtunnel berechnet hätten, worauf sich die Ziffern von 15–16½ Jahren stützen. V. meine Bemerkung auf der Tabelle. Das Kapitel der Betriebskosten & Rentabilität ist ganz aus der | Tabelle weggelassen, weil man sich erst über den jeder Linie zukommenden Verkehr zu verständigen hätte. Für das Russel'sche Projekt habe dem Komite eine Rechnung unter verschiedenen Verkehrssuppositionen eingegeben, vielleicht wäre es am Platz auch eine solche Rechnung für das Lommel'sche Projekt zu veranstalten. Ich habe mich diesfalls schon überzeugt, daß Herr L. zu knapp berechnet. Vielleicht wäre es zweckmäßig die ganze Lommel'sche Rechnung zu verifiziren, um bei allf. Diskussionen näher darauf eintreten zu können. Da möchte ich aber bitten, daß Herr Stoll vor allen Dingen das Kapital des Verkehrs näher untersuchen würde, worauf gestützt ich dann die Betriebskosten berechnen würde.

Ihren allf. weitern geehrten Aufträgen entgegensehend zeichne mit vollkommener Hochachtung und Ergebenheit

G. Koller-Burckhardt

Kommentareinträge

1Nachträgliche Notiz von Eschers Hand mit Bleistift: «NB. | Vergl.| zw. |Gotthard |& Splügen