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Korrespondenz: Alfred Escher – Carl Feer-Herzog

AES B4972 | SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_005

Carl Feer-Herzog an Alfred Escher, Aarau, Sonntag, 8. August 1869

Schlagwörter: Brennerbahn, Eisenbahnstrecken Konzessionen, Presse (allgemein), Splügenbahnprojekt, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Aarau 8 Aug. 1869.

Hochgeachteter Herr!

Ich habe den 1 & 2 d. M. an die Herren Jacini und Belinzaghi ein Exposé über den Inzidenz der Splügen konzeßion geschickt und sie ersucht auf alle Schritte zu wachen die von Seiten der schweiz. Splügisten in Mailand unternommen werden wollten und meine Mittheilungen publizistisch zu verwerthen. Außerdem habe ich mich noch kürzer an einen Kaufmann, Herrn J Job Cramer gewendet. Von allen drei Seiten ist vorläufige Antwort eingelaufen.

Hr Cramer schreibt: «Von hier wird der Splügen kaum Unterstützung finden, außer mit Worten und Zeitungsartikeln, denn man erwartet hier Alles von der Regierung und diese braucht auf Mailand bei dem gegenwärtigen Stande der Partheien, viel weni ger Rücksicht zu nehmen, als auf Genua und | besonders Piemont

Jacini hat mein Schreiben im Augenblicke der Abreise nach der Schweiz empfangen, antwortet mir von Gersau aus, wo er heute noch weilt und von wo aus er sich zwei Wochen lang in der Nähe von Bern niederlaßen wird. Seine Antwort ist matt. Er klagt daß die Perseveranza seine Arbeit über die schweiz. Alpenbahn, veröffentlicht den 1 Juli in einer Florentiner Revue, noch immer nicht aufgenom men habe. Ich habe neuerdings versucht ihn anzuspornen und ihn eingeladen in Bern Welti zu besuchen.

Das Haus Belinzaghi meldet daß der Syndikus längst abwesend sei und erst Ende dieß heimkehren werde.

Sie sehn daß meine Vermuthung richtig war: Mai land steht in diesem Moment öde und aus diesem Grunde kann auch im gegenwärtigen Augenblicke | von keiner Parthei viel unternommen werden. Um aber unter allen Umständen die Absenzen zu decken habe ich mich nun an Herrn Servolini den Vizesyndi kus gewendet und an ihn die an Belinzaghi ge stellten Zumuthungen wiederholt, auch dafür gesorgt daß mein an den Syndikus gerichtetes Exposé ihm übermacht werde. Ebenso habe ich Herrn Cramer ersucht Wache zu halten.

Die drei Mailänderblätter enthalten seit dem 1 nur einen Alpenbahnartikel. Die Perseveranza reprodu zirt am 2 einen unterm 17 Juli an den Provinzialrath von Venetien gerichteten Komißionalbericht. Derselbe giebt das Historische der Frage von Anfang des Jahres bis Anf. Juli, sagt daß neben dem Brenner nur der Splügen Venetien intereßiren könne und beantragt der venetianische Prov.rath solle sich in dieser Frage mit dem Mailändischen in Verbindung setzen. Aus der Haltung, so wie aus | einer von der Redaktion des Blattes verfaßten Einlei tung des Berichtes, tritt einem nicht sowohl die Negation des Gotthard als der Standpunkt entgegen: die Regierung solle statt mit ihren Subventionen die Durchbrechung des Gotthardts zu erzielen, viel mehr mit demselben Gelde die Überschienung beider Päße anstreben.

Von du Coster vernehme ich nichts mehr. Herr Zingg und ich haben ihm beide geschrieben um ihm seine Stellung und seine Aufgabe klar zu machen. Ich hätte nun die Artikel erwarten sollen die für Mailand bestimmt sind, allein es kömmt nichts.

Genehmigen Sie die Versicherung meiner vollkom mensten Hochachtung

Feer Herzog

Herrn Dr. Alfred Escher Zürich